DEUTSCHE SÜDPOLAR-EXPEDITION 1901-1903 IM AUFTRAGE DES REICHSAMTES DES INNERN HERAUSGEGEBEN VON ERICH VON DRYGALSKI LEITER DER EXPEDITION XIII. BAND ZOOLOGIE V.BAND HEFT I R. VON EITTER-ZÄHONY: REVISION DEE CHÄTOGNATHEN. MIT 51 ABBILDUNGEN IM TEXT. BERLIN DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 1911. (AUSGEGEBEN IM JULI 1911.) DEUTSCHE SÜDPOLAR-EXPEDITIÜN 1901-1903 IM AUFTRAGE DES REICHSAMTES DES INNERN HERAUSGEGEBEN VON ERICH VON DRYGALSKI LEITER DER EXPEDITION XIII. BAND ZOOLOGIE V. BAND M> # y BERLIN DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 1913 REVISION DER CHÄTOGNATHEN VON RUDOLF VON EITTER-ZAHONY (BERLIN) MIT 51 ABBILDUNGEN IM TEXT. Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. LIBRARY Inhalt des XIII. Bandes. Zoologie V. Band. Seite Vorwort von E. Vanhöffen y \ T II Heft 1. (Ausgegeben im Juli 1911.) 1. R. v. Ritter-Zähony, Revision der Chaetognathen. Mit 51 Abbildungen im Text 1—72 Heft 2. (Ausgegeben im August 1912.) 2. A. Popofsky, Die Sphaerellarien des Warmwassergebiets. Mit Tafel I — VITI und 77 Abbildungen im Text 73 160 3. P. Pappenheim, Die Fische der Deutschen Südpolar -Expedition 1901— 1903. I. Die Fische der Antarktis und Subantarktis. Mit Tafel IX und X und 10 Ab- bildungen im Text 161 — 182 4. J. Thiele, Die antarktischen Schnecken und Muscheln. Mit Tafel XI — XIX und 18 Abbildungen im Text 183 — 286 Heft 3. (Ausgegeben im November 1912.) 5. W. Kükenthal, Die Alcyonarien der Deutschen Südpolar-Expedition 1901 — 1903. Mit Tafel XX— XIII und 64 Abbildungen im Text 287—350 6. E. Vanhöffen, Die Craspedoten Medusen der Deutschen Südpolar-Expedition Mit Tafel XXIV und XXV und 25 Abbildungen im Text 351—396 Heft 4. (Ausgegeben im April 1913.) 7. E. Ehlers, Die Polychaetensammlungen der Deutschen Südpolar-Expedition, 1901—1903. Mit Tafel XXVI— XLVI 397—598 8. E. Vanhöffen, Herpyllöbius antarcticus n. sp., ein an Enipo rhombiqera Ehlers schmarotzender Copepode. Mit einer Abbildung im Text 599 — 602 28857 Vorwort. Der vorliegende V. Band der zoologischen Ergebnisse, Bd. XIII des Gesamtwerkes, behandelt 569 von der Expedition gesammelte Arten, von denen 233 als neu beschrieben werden und 244 der Antarktis angehören. Die erste Arbeit von Dr. v. Ritter-Zähony gibt eine Revision der Sagitten, welche dank der guten Erhaltung des Materials in 2 proz. Formollösung durchführbar war. Von den 27 jetzt bekannten Alten fanden sich 21 in der Sammlung der Expedition, darunter 2 neue, und eine dritte Art Sagitta gazeUae konnte erst auf Grund unserer reichen Ausbeute genauer gekenn- zeichnet werden. Sie erwies sich als die einzige zirkumpolare Kaltwasserart der südlichen Hemisphäre. Die Untersuchung der Sagitten war besonders mühsam, weil sie in sehr bedeutender In- dividuenzahl vorlagen und immer wieder die Bezahnung und andere nicht ganz leicht zu erkennende Merkmale geprüft werden mußten. Die Zahl der Individuen war in den meisten Vertikalfängen aus größeren Tiefen so groß, daß erst die Sagitten herausgesucht werden mußten, um andere, kleinere Tiere sichtbar zu machen. Von den in der Ausbeute fehlenden 6 Arten sind 2 in dem kühlen Gebiet des nördlichen Atlantischen Ozeans heimisch, dessen Untersuchung nicht im Arbeitsplan der Ex- pedition lag: Sagitta setosa und Sagitta degans; 2 sind charakteristische Küstenformen von be- schränkter Verbreitung: SpadeUa schizoptera und Spadetta cephaloptera; eine Art, Sagitta helenae, ist bisher nur im Eloridastrom und bei den Tortugas nachgewiesen, und die letzte, Sagitta pulchra. ist aus den Tropen des Indischen und Pazifischen Ozeans bekannt, die wir kaum berührt haben. Die Sphaerellarien des Warmwassergebiets, die zweite Radiolarien - gruppe, welche Dr. Popofsky untersuchte, verlangten wegen ihrer Kleinheit und wegen der ver- schiedenen Entwicklungsformen große Aufmerksamkeit und Ausdauer, da sehr viele Individuen, um Klarheit zu gewinnen, in 400- bis 600 facher Vergrößerung skizziert werden mußten. So gelang es erst, Zusammenhänge im Aufbau des Skeletts und der Familien untereinander zu finden. Weiter ergab sich, daß wir noch weit davon entfernt sind, die Mannigfaltigkeit dieser Formen er- schöpft zu haben, da unter 73 gesammelten Arten 44 neue vorhanden waren. Die antarktischen und subantarktischen Fische von Dr. Pappen - heim liefern den ersten Beitrag zur Bearbeitung unserer Fischsammlung, da noch die Tiefsee- fische, ferner die Küsten- und Obertlächenbewohner besonders behandelt werden sollen. Die Sub- antarktis ist durch 6 schon von früher bekannte Arten der Kerguelen vertreten, eine Art, Mycto- VI Vorwort. phum antarcticum, die nur tot auf Eisschollen gefunden wurde, muß der antarktischen Tiefsee zugeteilt werden, und 10 Arten wurden von der Gauss- Station beschrieben, darunter 5 neue. Von besonderem Interesse ist die .sichere Abgrenzung der Gattungen Trematomus und Notothenia, der Nachweis der Gattungen Lycodes und Lycodichthys, die sonst nirgends in der Antarktis gefunden wurden, und die Farbentafel, die erst eine richtige Vorstellung von den lebenden Tieren gibt. Professor Thiele bearbeitete die antarktischen Schnecken und Muscheln und hatte viele Mühe damit, da besonders die in Tiefen von 350 — 385 m gefundenen Arten meist klein waren. Sie zeichneten sich fast allgemein durch Farblosigkeit und geringe Stärke der Schalen aus, was der Autor der niedrigen Temperatur von — 1,9°, unter der sie dauernd leben, zuschreibt. Nur bei den Nacktschnecken wurden in einigen Fällen lebhafte, rote, weiße, gelbe und grünliche Farben beobachtet, doch konnte das nicht zur Anschauung gebracht werden, weil durch einen Zufall die nach dem Leben entworfenen Farbenskizzen bei einem früheren Bearbeiter, der diese kleine Gruppe besonders behandeln wollte, verloren gingen. An die Beschreibung der 189 Arten, von denen 126 neu sind, welche eine nicht unwesentliche Vermehrung der bipolaren Gattungen ergab, schließt sich eine Übersicht über die gesamte Molluskenfauna der Antarktis und Subant- arktis und über die Beziehungen der einzelnen Regionen zueinander an. Da zwei der gewählten Gattungsnamen bereits für fossile Formen vergeben waren, schlug Professor Thiele (Zentralblatt für Zoologie, allgemeine und experimentelle Biologie, Bd. 2, Heft 3, Januar 1913, S. 86) für die Gattung Sublacuna den Namen Prolacuna und für Watsonella den Namen Boogina vor. Mit seiner Arbeit, die Anfang August 1912 erschien, kollidierte ein Nachtrag zu den Mollusken der Scottish National Antarctic Expedition, der Ende desselben Monats herauskam. Professor Thiele teilt mir darüber folgendes mit: „In ihrem Nachtrag zu der Bearbeitung der Mollusken der „Scotia", der ein wenig später erschienen ist als meine Arbeit über die Mollusken des „Gauss", haben Melvill und Standen last ausschließlich Arten von der Burdwood-Bank und den Süd-Orknev-Inseln beschrieben. Man kann hieraus eine Bestätigung der Ansicht entnehmen, daß dieses Gebiet nähere faunistische Be- ziehungen zum magellanischen Bezirk als zur Holantarktis aufweist, z. B. fehlen Chaetopleura und Savatieria der letzteren nach unserer bisherigen Kenntnis. Der Name Trichotropis antarctica ist von mir für eine verschiedene Art vergeben und daher bei Melvill und Standen zu ändern; ich schlage den Namen Trichotropis scotiae für ihre Art vor. Auch Retusa antarctica würde zu ändern sein, weil Utriculus antarcticus Pfeffer in dieselbe Gattung gehört, die ich als Diaphcma bezeichnet habe, doch es ist möglich, daß die Art mit der Pfeffer's oder mit meiner ]). extrema zusammenfällt. Von zwei Tiefseearten ist eine als Lacuna bezeichnet. was aber als selvr zweifelhaft erscheint; die andere, Yoldia profundorum, ist meiner MaUetia pel- Imida ziemlich ähnlich, dürfte aber doch nicht mit ihr identisch sein." Unter den Alevonarien fand Professor Kükenthal nicht weniger als 14 Arten, von denen 9 dem Sockel des antarktischen Festlandes, 5 der Tiefsee dicht vor demselben angehören und 6 Küstenformen sowie 4 Tiefseebewohner noch unbekannt waren. Von besonderem Interesse ist, daß Caliqorgia und Stach yodes /.um ersten Mal im Bereich der Antarktis nachgewiesen werden konnten und daß die vom Challenger entdeckte wunderbare Gattung Caüozastron, welche als frei- Vorwort. VII lebend, im Schlamme kriechend beschrieben war, wiedergefunden und als normale festsitzende Alcyonarie erkannt wurde. Die Untersuchung der Craspedoten Medusen, welche mir zufiel, ergab, daß sämt- liche aus den Antarktis bekannten Arten und dazu noch einige neue gefunden waren, darunter 3 bipolare Gattungen: Ptychogastria, Botrynema und Margelopsis. Vorherrschend und das ganze Jahr hindurch erschien Solmundella bei der Station, und demnächst schlössen sich dort der Zahl nach iscmema-Arten und Cosmetirella an. Zu den 16 Arten von der Gauss-Station kamen noch 36 während der Fahrt im Eise und in warmen Meeren gesammelte. Unter diesen war Cytaeis von den Kapverden in mehr als 3000 Exemplaren vertreten, und daher gelang es, bei ihr Polymerie, 5- und 6 strahlige Formen nachzuweisen. Besonders mühevoll war auch die Sichtung und Untersuchung der reichen Polychaeten - s a m m 1 u n g , die Geheimrat Ehlers übernahm, da die Tiere vielfach die unangenehme Eigen- tümlichkeit haben, beim Absterben in Bruchstücke zu zerfallen, oftmals recht klein und zum Teil auch als Larvenformen vertreten waren. Trotz der Aussonderung mancher nicht erkennbaren Formen blieben noch 206 bestimmte Arten mit 87 neuen übrig, von denen 80 antarktisch sind. Am reichsten waren in der Antarktis der Art nach Syllideen, Terebelliden und Phyllodociden, der Individuenzahl nach Terebelliden, Syllideen, Polynoiden und Sabelliden vorhanden. Im Anschluß an die Würmer habe ich dann noch einen Wurmparasiten. Herpyttobius ant- arclicus, beschrieben, der besonders Erwähnung verdient, weil die Gattung bisher nur aus nordischen Meeren bekannt war. So bringt auch der vorliegende Band wertvolle Beiträge zur Kenntnis der Antarktis und der Meeresfauna überhaupt und bietet neue Grundlagen zur Beurteilung der faunistischen Beziehungen zwischen dem Gebiete der Gauss-Station mit benachbarten und selbst mit weit getrennten Regionen. Bei Abschluß desselben bitte ich noch die Herren Mitarbeiter, dafür, daß sie sieh durch bisweilen auch mangelhaft erhaltenes Material und durch die Fülle und Kleinheit der Formen von der Be- arbeitung nicht abschrecken ließen, meinen besten Dank entgegenzunehmen. Berlin, im Februar 1913. E. Vanhöffen. (ujILIBR AR Y Die Gründe, die mich veranlaßten, mit der Untersuchung der Chätognathensammlung des „Gauss" eine systematisch -faunistische Revision der ganzen Gruppe zu verbinden, waren folgende: 1. Das Material enthielt 19 der 25 bisher beschriebenen guten Spezies und 2 neue in vorzüglich er- haltenem Zustande und meist großer Menge. Außerdem standen mir dieselben Arten nebst 5 der- jenigen, die auf der Deutschen Südpolar -Expedition nicht erbeutet worden waren, aus der großen Chätognathensammlung des Berliner Museums von verschiedenen anderen Fundorten zur Ver- fügung. 2. Seit dem Erscheinen der Monographie Fowler's, die hauptsächlich den tropischen Arten Rechnung trug, haben Beobachtungen der letzten Jahre sowohl in systematischer als in faunistischer Beziehung eine Fülle neuen Materials geliefert und zahlreiche ältere Irrtümer auf- gedeckt, so daß eine möglichst kurze, zusammenfassende Darstellung der neuen Ergebnisse, die nun auch durch die Deutsche Südpolar-Expedition eine bedeutende Erweiterung erfahren, gewiß nicht unangebracht ist. 3. Auch von vielen der besser bekannten Arten fehlen noch immer voll- ständige Diagnosen und korrekte Abbildungen. 4. Gattungsdiagnosen, die den jetzigen Anforde- rungen der Systematik entsprechen, fehlen überhaupt vollständig. 5. Glaube ich einem Bedürfnis entgegenzukommen, wenn ich die Erfahrungen, die ich nach längerer eingehender Beschäftigung mit den Chätognathen gemacht habe, nun dazu verwende, um den Zoologen die Bestimmung dieser Gruppe zu erleichtern. Das Sagittenmaterial der Deutschen Südpolar-Expedition stammte hauptsächlich aus Vertikal- fängen, die mit verschiedenen Netzen aus verschiedenen Tiefen gemacht wurden. Ein Teil war in Alkohol, der andere in Formol konserviert worden; namentlich der letztere war, wie schon erwähnt, vorzüglich erhalten. Der größte Teil der Chätognathensammlung der Deutschen Südpolar-Expedition mit den Originalen sämtlicher von mir auch sonst aufgestellten Arten befindet sich im Königl. Zoologischen Museum in Berlin. I. Systematischer Teil. Dem bereits hervorgehobenen Zweck dieser Abhandlung entsprechend, ist von einer allgemeinen Übersicht über die Organisation der Chätognathen sowie von jedem Eingehen auf anatomische Details abgesehen und das Hauptgewicht auf möglichst vollständige Genus- und Speziesdiagnosen gelegt. Die Einteilung der Chätognathen in Gattungen hat in letzter Zeit eine kleine Erweiterung erfahren, die beibehalten wurde, sonst aber sind irgendwelche Neuerungen, z. B. in bezug auf die 4 Deutsche Südpolar-Expedition. Terminologie, nicht vorgenommen worden. Nur den Arten, die entweder ganz neu sind oder wenig- stens in der Sammlung der Deutschen Südpolar-Expedition zum erstenmal genauer untersucht werden konnten (S. gazellae) ist eine ausführlichere Beschreibung gewidmet, bei den übrigen waren meist nur wenige, die Diagnose erläuternde Bemerkungen nötig. Tabellen aber habe ich in Anbetracht ihres großen systematischen Wertes wiederholt eingeschoben (vgl. 62, p. 253). Die Synonymen - und Literaturlisten sind nach denselben Gesichtspunkten zusammengestellt, die bereits in einer anderen Arbeit für mich maßgebend waren (62, p. 252); erörtert wurden jedoch im allgemeinen nur diejenigen Synonymien, auf die in dieser Abhandlung zum erstenmal aufmerksam gemacht wird. Sonst beschränkte ich mich gewöhnlich auf einen entsprechenden Literaturverweis. Um die Bestimmung zu erleichtern, mache ich, sofern es mir nicht nötig schien, selbst Zeichnungen herzustellen, bei jeder Art auf diejenigen Arbeiten aufmerksam, welche brauchbare Abbildungen von ihr geben. Ebenfalls im Interesse einer sichereren Bestimmung ist schon in diesem Kapitel für jede Art ihr Vorkommen kurz charakterisiert, obwohl dieser Punkt erst im faunistischen Teil eine eingehendere Würdigung erfährt. Als Anhang sind die „Species incertae" aufgeführt: Arten, die von verschiedenen Autoren beobachtet und gewöhnlich auch benannt wurden, deren Beschreibung jedoch so mangelhaft ist, daß ihre Identifizierung nur mit Hilfe der Originale möglich wäre. Genus Sagitta Q. G. 1827. Sngilla Quoy u. Gaimard. 1880. Sagilla Langerhans, Hertwig. 1883. Spadella Grassi; partim. 1892. Sagiita Strodtmann. Diagnose. Große und kleine Chätognathen von bald schlaffem, bald sehr kräftigem, straffem Habitus. Die relative Länge des Schwanzabschnittes, die in der Jugend stets größer ist als im Alter, schwankt bei erwachsenen Tieren zwischen 36 und 10% der gesamten Körperlänge. Zwei Paare seitlicher Flossen; das vordere am Rumpf, das hintere auf Rumpf und Schwanz gelegen. Schwanzflosse abgerundet, dreieckig oder breit schauf eiförmig. Greif haken 6 — 13, mit meist, geraden Spitzen. Zwei Reihen von Zähnen, die jederseits von vorne und von den Seiten ins Vestibulum hineinragen. Die Vestibularorgane sind seitlich stark vorspringende, mit Papillen besetzte Wülste, oder bestehen bloß aus einzelnen sitzenden Papillen. Hinter den Vestibularorganen jederseits ein distinktes Drüsenfeld im Epithel (Vestibulargruben). Flimmerkrone (Corona) ver- schieden gestaltet, über Kopf und Rumpf reichend oder nur auf einen der beiden Körperteile be- schränkt. Collerette und Darmdivertikel vorhanden oder fehlend. Weiblicher Apparat stab- oder kolbenförmig. Receptaculum seminis schlauchförmig, auf einer kleinen Papille mündend. Samen - blasen verschieden. Die Eier werden frei und einzeln abgelegt. Lebensweise freischwimmend, pelagisch. Warm- und Kaltwasserarten. Bekannt 20 gute Arten. — Der Habitus eines Chätognathen hängt von der Ausbildung der Längsmuskelbänder ab; sind dieselben schwach und dünn, so ist der Körper des Tieres nicht nur schlaff, sondern auch durch- sichtig, sind sie kräftig, so ist er straff und opak. Die Extreme im Habitus werden in Genus Sagitta durch S. enflata und maxima einerseits, S. robusta und planctonis andererseits repräsentiert; die übrigen Arten stellen Übergänge vor, die sich bald mehr dem einen, bald mehr dem anderen Extrem v. Rittek-Zähony, Sagitten. 5 nähern. Die Form des Kopfes hängt vom Kontraktionszustand ab, unterliegt im übrigen wohl wenig Variationen. Die Kegel ist, daß bei den schlaffen Äxten der Kopf fast doppelt so breit wie lang ist, bei den straffen dagegen seine Quer- und Längsdimension einander ungefähr gleichkommen. Bei einer einzigen Art — S. macrocephala — ist der Kopf unverhältnismäßig groß. Infolge ungleichen Wachstums von Rumpf und Schwanz verändert sich mit dem Alter die relative Länge des letzteren in bezug auf die Gesamtdimension: sie wird allmählich geringer. Dies ist besonders bei den größeren Arten deutlich, läßt sich aber auch bei den kleineren konstatieren, wenn man genügend junge Stadien mit erwachsenen vergleicht. Das vordere Flossen paar beginnt nur ausnahmsweise vor dem Bauchganglion, gewöhnlich knapp dahinter oder in einer Entfernung davon, die der mehrfachen Länge des Ganglions entsprechen kann; doch kommen in bezug auf den Beginn der Vorderflossen manchmal bei ein und derselben Art Schwankungen vor. Die Vorderflossen sind im allgemeinen abgerundet, im hintersten Drittel oder Viertel am breitesten; ihre Länge variiert. Strahlen durchsetzen sie ent- weder ganz oder teilweise; im letzteren Falle bleibt ein bald schmälerer, bald breiterer Innenbezirk und das vorderste Drittel oder Viertel strahlenlos. Außerdem ist immer ein allmähliches Schütterer- werden der Strahlen von hinten nach vorne zu konstatieren. Die Hinterflossen sind entweder ähnlich gestaltet oder dreieckig vorspringend, jedoch stets breiter als die Vorderflossen. Für die Verteilung der Strahlen in ihnen gilt dasselbe, was für die Vorderflossen gesagt wurde. Die Seitenflossen können bei einigen größeren Arten dauernd (S. maxima) oder nur auf gewissen Stadien (S. gazellae, lyra) miteinander durch einen schmalen, dem Körper angehefteten Steg verbunden sein, es bleibt jedoch immer deutlich, daß tatsächlich zwei Flossen vorhanden sind. Die gewöhnlich sanft gebogenen Greifhaken lassen niemals eine Knickung, wie sie für das Genus Krohnitta charakteristisch ist, erkennen. Ihre Färbung ist meist heller oder dunkler bräunlich, es scheinen jedoch auch Arten zu existieren, die sich — im Leben wenigstens — durch gänzlich ungefärbte Haken auszeichnen. Die Spitzen dieser Organe sind nur bei S. minima und serratodentata, welch' letztere sich ausnahmsweise auch durch eine Zähnelung der Hakenschneide auszeichnet, gekrümmt. Eine Verschiedenheit der zuletzt gebildeten Haken gegenüber den älteren ist nur bei S. lyra beobachtet worden. Bei jeder Art erreicht die Zahl der Haken ein gewisses Maximum. Dieses Maximum weisen aber gewöhnlich nicht die völlig erwachsenen, sondern die jüngeren, oft nicht einmal halb erwachsenen Tiere auf; je älter dieselben werden, desto weniger Haken lassen sich an ihnen zählen. Es erklärt sich dies daraus, daß das für alle Chätognathen charakteristische allmähliche Ausfallen der ältesten Haken mit dem Nachwachsen neuer von einem gewissen Entwicklungsstadium ab nicht immer gleichen Schritt hält (vgl. 62, p. 267). Auch diese Eigentümlichkeit ist natürlich bei den größeren Arten viel auffallender und leichter konstatierbar. Die Zahl der, in analoger Weise wie die Haken, mit Spitzen versehenen Zähne variiert stark, besonders die der hinteren Reihe. Die Vorderzähne sind gewöhnlich dorsoventral etwas abgeplattet und von dreieckigem Umriß, sonst, wie die Hinter- zähne, schlank konisch. Ihre Stellung ist sehr verschieden und systematisch gut verwertbar. Die Hinterzähne bilden jedoch stets in gleicher Weise eine kontinuierliche Reihe; nur bei den großen Arten mit wenigen Hinterzähnen finden sich zuweilen äußerlich kleine Lücken zwischen ihnen, die basalen Hälften der Zähne stoßen aber auch bei diesen Arten aneinander. Ein sukzessives Ab- (5 Deutsche Südpolar-Expedition. fallen der ältesten Zähne mit zunehmendem Alter läßt sich namentlich für die hintere Reihe oft nachweisen. Typisch ist ferner, daß die jüngeren Zähne einer Serie, dem Wachstum des ganzen Tieres entsprechend, stets größer sind als die älteren; dies gilt auch für die Haken, ist aber an ihnen weniger auffallend. Die beiden bei Sagitta vorkommenden Typen der Vestibularorgane sind als Vestibularwülste und Vestibularpapillen bezeichnet worden (59, p. 6); die letzteren findet man nur bei S. hexaptera, gazellae imd lyra. Von der Corona kann man bei Sagitta im allgemeinen drei Typen unterscheiden: der häufigste ist derjenige des stark in die Länge gezogenen Ovals, das knapp hinter dem Gehirn beginnt und unter leichter Wellung oder Buchtimg seiner seitlichen Ränder sich über Kopf und Vorderrumpf bis ungefähr in die Gegend zwischen Hals und Bauchganglion erstreckt. Seltener sind die beiden anderen Typen der Corona: der ,,birnförmige", der nur auf den Kopf (S. hexaptera, maxima, lyra, gazellae, enflata), und der längsovale, der nur auf den Rumpf beschränkt ist (S. regularis, minima, decipiens, planctonis). Übergänge zwischen den Typen kommen auch vor; von einer Art (S. macrocephala) ist die Corona noch nicht bekannt. Die Augen bieten nur bei S. decipiens und S. macrocephala Abweichungen von der Norm. Bei letzterer Art scheinen sie in Rückbildimg begriffen. Der paarige seitliche Wulst blasiger Epithelzellen in der Halsgegend aller Chätognathen "erreicht oft solche Mächtigkeit, daß er die Höhe des übrigen Körperepithels um mehr als das doppelte übertrifft. Er wird dann nach Fowler Collerette genannt. Dieselbe ist gewöhnlich in der Gegend des Halses am breitesten und kann verschieden weit nach hinten reichen, aber nur ausnahmsweise (S. planctonis) bis an die Vorderflossen. Auf dem von Fowler bestrittenen systematischen Wert der Darmdivertikel muß ich bestehen. Die Gebilde, deren genauere Untersuchung allerdings nur auf Schnitten möglich ist, kommen einer Art entweder zu oder nicht, müssen daher in ihrer Diagnose berücksichtigt werden. Nur ausnahmsweise (S. robusta) können sie — in der Jugend — schwächer entwickelt sein. Die Divertikel gehören histologisch zum Mitteldarm und sind daher, wie dieser selbst, durch hellere Färbung vom Vorderdarm deutlich geschieden. Die Analöffnung liegt in den weitaus meisten Fällen knapp vor dem Rumpf-Schwanzseptum, seltener in einiger Entfernung davon (S. maxima, lyra, gazellae). Im Bau der Geschlechtsorgane kommen keine Verschiedenheiten vor. Das mit Sperma gefüllte Receptaculum seminis kann bei manchen Arten stellenweise, namentlich in der Nähe seiner Mündung, ballonartig aufgetrieben sein. Solche Auftreibungen sind jedoch nicht präformiert, sondern durch eine Stauung größerer Spermamassen hervorgerufen. Die Papille, auf der das Receptaculum mündet, ist bei den straffen Arten deutlicher als bei den schlaffen. Systematisch gut verwertbar ist die Größe, Gestalt und Lage der Samenblasen, die im allgemeinen desto auffallendere Gebilde sind, je kleiner die Art ist. Sie öffnen sich nach vorne, nur ausnahmsweise (S. elegans, planctonis) nach hinten. Als negative Merkmale anderen Gattungen gegenüber, sind für Sagitta erwähnenswert: der Mangel epithelialer Klebzellen, einer queren Rumpfmuskulatur und eines apikalen Drüsenlagers am Kopfe. v. Ritter-ZAhony. Sagitten. 7 Als Autor des Namens Sagitta ist bisher immer Slabber angeführt worden. Mit Unrecht; denn Quoy u. Gaimard sind die ersten gewesen, die Sagitta im Sinne der binären Nomenklatur angewendet haben, während jenes in allen Monographien zitierte alte Werk Slabber's derselben noch fremd oder höchstens erst suchend gegenübersteht. Sagitta hexaptera Orb. Synonyme und Literatur. 1834—1844 Sagitta hexaptera, d'Orbigny (55, Taf. 10, Fig. 4 u. 5). 1834—1844. Sagitla exaptera, d'Orbigny (55, p. 143); (vgl. 61, p. 789 ff.). 1843. Sagitta Mediterrane«, Forbes (21, p. 73). 1844. Sagitta bipunctata, Krohn (39; vgl. 40, p. 276). 1858. Sagiiia bipunctata, Gegenbaur (29, p. 5). 1870. Sagitta tricuspidata, Kent (38, p. 268). 1880. Sagitta magna, Langerhans (42, p. 135). 1880. Sagitta hexaptera, Hertwig (36, p. 254). 1881. Sagitta Longidentala, Grassi (32, p. 213; vgl. 33, p. 11). 1883. Spadella Hexaptera, Grassi (33, p. 10). 1883. Spadella Magna, Grassi (33, p. 11). 1892. Sagitta hexaptera, Strodtmann (70, p. 340, 367); partim (vgl. 62, p. 268). 1903. Sagitta hexaptera u. magna, Krumbach (41, p. 633, 634). 1905. Sagitta hexaptera? (Sp. indeterm. I), Fowler (23, p. 73). 1906. Sagitta hexaptera, Fowler (24, p. 11). 1908. Sagitta hexaptera, Ritter-Zähony (59, p. 9). 1909. Sagitta hexaptera, Ritter-Zähony (61, p. 789). Diagnose. Habitus nicht sehr muskelstark, durchsichtig. Schwanz 20 — 16% der Gesamtlänge 1 ). Seitenflossen getrennt. Vorderflossen klein, abgerundet, mit Aus- nahme einer sehr schmalen Innenzone vollständig von Strahlen durchsetzt; sie be- ginnen etwas vor der Körpermitte in weiter Entfernung hinter dem Bauchganglion. Hinterflossen dreieckig, von den Vorderflossen ungefähr um deren eigene Länge ent- fernt, am breitesten hinter dem Eumpf-Schwanzseptum, mehr am Eumpf als am Schwanz gelegen; scharf begrenzte Innenzone und vorderes Ende ohne Strahlen. Haken bis 10, im Alter 7 — 8, oder noch weniger; hinter der Hakenspitze kristen- artiger Vorsprung der Schneide. Vorderzähne lang, dolchförmig, 3 — 5, meist ge- spreizt. Hinterzähne äußerlich etwas voneinander getrennt, höchstens 6. Eine Reihe konischer, manchmal unregelmäßig gestellter oder undeutlicher Vestibulär - papillen. Corona von birnförmigem Umriß, vom Hinterrande des Gehirns bis auf den Hals reichend. Weder Collerette noch Darmdivertikel. Weiblicher Apparat stab- förmig, in reifem Zustande gelegentlich bis in die Halsgegend reichend. Samenblasen kugelig, klein, von den Hinterflossen entfernt, an die Schwanzflosse fast anstoßend. Beobachtete Größe bis 63 mm. — Tabellen und Abbildungen bei Fowler (24), Ritter-Zahony (59) und Krumbach (41, Hakenspitzen). Vorkommen. Annähernd zwischen dem 40.° N und 40.° S epi- und mesoplanktonisch ; in höheren Breiten nur mesoplanktonisch, seltener. Fig. 1 . S. hexa- ptera, Habitus. *) In den Artdiagnosen ist nur auf die relative Schwanzlänge erwachsener Tiere Rücksicht genommen. 8 Deutsche Südpolar-Expedition. Sagitta maxima (Conant). Synonyme und Literatur. 1885. Sp. innom., Verrill (75, p. 594). 1892. Sagitta hexaptera, Strodtmann (70, p. 340); partim. 1896. Spadella maxima, Conant (12, p. 212). 1896. Sagitta Wharloni, Fowler (22, p. 992). 1905. Sp. indeterm. II, Fowler (23, p. 73). 1906. Sagitta gigantea, Broch (5, p. 146). 1910. Sagitta maxima, Ritter-Zähony (62, p. 264). Diagnose. Habitus schlaff, Schwanzabschnitt 25 — 19 % der Gesamtlänge. Seitenflossen das ganze Leben hindurch miteinander verbunden. Vorderflossen sehr lang, knapp vor dem Bauch - ganglion beginnend, erst nahe ihrem hinteren Ende am breitesten. Hinterflossen dreieckig, etwas hinter dem Rumpf-Schwanzseptum am breitesten. Bei beiden Flossen Innenzone und vorderes Ende ohne Strahlen. Die Zahl der Haken steigt bis auf 11, während des weiteren Wachstums sinkt sie bis auf 6. Vorder - zahne dünn, oft etwas einwärts gekrümmt, einander nicht deckend, typische Zahl 5 — 6. Hinterzähne durch deutliche äußere Zwischenräume von ein- ander getrennt, bis 8, meist 5 — 6. Vestibularwülste in Gestalt von hohen, in eine Reihe spitz konischer Papillen auslaufenden Kämmen. Corona, von birnförmigem Umriß, vom Hinterrande des Gehirns bis auf den Hals reichend. Weder Collerette noch Darmdivertikel. Anus vom Rumpf- Schwanzseptum etwas entfernt. Weiblicher Apparat stabförmig, nicht über die Mitte der Vorderflosse reichend. Receptaculum seminis zu- weilen proximal kugelig aufgetrieben. Samenblasen eiförmig, an die Hinterflossen anstoßend, von der Schwanzflosse ungefähr um ihre eigene Länge entfernt. Beobachtete Größe bis 9 cm. — Ein näheres Eingehen auf diese so charakteristische Art ist nicht nötig, da vor kurzem eine ausführliche Darstellung von ihr erschienen ist (62). Daselbst findet sich auch die Kritik der Syno- nyme. Lage und Gestalt der reifen Samenblasen die bisher unbekannt waren, zeigt die neben- stehende Figur. Tabellen und Abbildungen bei Ritter-Zähony (62) und Broch (5). Vorkommen. Kosmopolitisch mesoplanktonisch, in höheren Breiten auch im unteren Epiplankton. Sagitta lyra Krohn. Synonyme und Literatur. 1853. Sagitta lyra, Krohn (40, p. 272). 1883. Spadella Lyra, Grassi (33, p. 11). 1896. Sagitta jurcata, Steinhaus (68, p. 8; vgl. 59, p. 10 fL). 1905. Sagitta jurcata, Fowler (23, p. 63). 1905. Sp. indeterm. III, Fowler (23, p. 74; vgl. 59, p. 12). 1908. Sagitta lyra, Ritter-Zähony (59, p. 10). Diagnose. Habitus nicht sehr muskelstark, durchsichtig. Schwanzabschnitt 18 — 14 % der Gesamtlänge. Seitenflossen „in der Jugend getrennt, später durch einen strahlenlosen Steg miteinander verbunden. Vorderflossen lang und schmal, nach hinten nur wenig verbreitert, Fig. 2. S. maxima, Samenblasen. v. Ritter-Zähohy, Sagitten. in geringer Entfernung vom Bauchganglion beginnend, vorderes Drittel und Innenzone ohne Strahlen, Hinterflossen abgerundet, mindestens zu zwei Dritteilen am Rumpf gelegen, mit in der Jugend sehr schmaler, später breiter werdender strahlenloser Innenzone, die dann auch in den die Flossen verbindenden Steg übergeht. Schwanzflosse ziemlich breit, dreieckig. Maximal- zahl der Haken 9, bei erwachsenen Tieren 8 — 7. Haken nur bei jungen und halberwachsenen Tieren typisch; bei nahender Reife kommt es allmählich zur Bildung anders geformter, krallenartiger Haken. Vorderzähne leicht nach außen gedreht, einander nicht oder nur wenig deckend, in ziemlich steilen Reihen, bis 8. Hinterzähne typisch, aneinanderschließend, bis 12. Vestibularpapillen halbkugelig, in einfacher kontinuierlicher Reihe. Corona von birnförmigem oder ovalem Umriß, vom Hinter- rande des Gehirns bis auf den Hals reichend. Weder Collerette noch Darmdivertikel. Anus vom Rumpf- Schwanzseptuni abgerückt. Weiblicher Apparat stabförmig; er reicht im reifen Zustande höchstens bis zur Mitte der Vorderflosse. Receptaculum seminis proximal meist kugelig aufgetrieben. Samenblasen relativ klein, kugelig, sowohl von den Hinterflossen als von der Schwanzflosse entfernt, ersteren jedoch etwas näher als letzterer. Beobachtete Größe bis 38 mm. — Tabelle nach 45 Individuen aus dem Atlantischen Ozean. Länge (mm ) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne 38 16 — 36 15—16 6—7 4... 11 ... 35 14-16 — 9 7 34 15 3... .... 2... 33 15-17 5 . . . 3... 5... 32 15-16 6—7 4... 9... 31 14—16 7 7 12 28 15—17 7—8 7-8 10—12 26 15 8 6 — 25 16 8 7—8 12 24 15—16 8—9 7 11—12 22 15 9 6—7 9—10 20 17 8—9 5 10 19 16 9 6 8 18 16-18 8-9 5 8 Den Eigentümlichkeiten von S. lyra ist bisher nicht immer genügend Rechnung getragen worden; ich muß daher der Diagnose noch einige Bemerkungen hinzufügen. Was zunächst die relative Länge des Schwanzes betrifft, so weist eine Tabelle Fowler's (23, p. 63) etwas größere Zahlen dafür auf: es rührt dies teilweise daher, dass Fowler auch die Schwanzflosse in die Schwanzlänge einbezieht, im übrigen aber habe auch ich bei jüngeren Individuen oft über 20 % konstatieren können. Durch eine Einschnürung zwischen Rumpf und Schwanz und das relativ enge Kaliber des letzteren sind die beiden Körperabschnitte besonders scharf voneinander getrennt (Fig. 3). Die Seitenflossen sind, soweit sie von Strahlen durchsetzt sind, häutig dünn; der übrige Teil sitzt, wie auch bei S. maxima, mit breiter Basis dem Körper an und scheint, vom epithelialen Überzug abgesehen, hauptsächlich aus gallertartiger Substanz zu bestehen. Der die Flossen verbindende Steg wächst von der Hinterflosse aus nach vorne und schiebt sich rechts und links zwischen Körperwand und Deutsche Sttdpolar-Egpedition- XIII. Zoologie V. 9 10 Deutsche Siidpolar-Expedition. Vorderflosse ein, ohne jedoch mit der letzteren zu verschmelzen. Die Anlage des Steges habe ich oft auch schon bei jüngeren Individuen konstatieren können. Haken und Zähne sind meist farblos. Die letzteren fallen bei älteren Tieren sehr leicht ab; dies geht jedoch ganz unregelmäßig vor sich, so daß ich mich in der obigen Tabelle begnügen mußte, nur die bei einer be- stimmten Länge beobachteten Maximalzahlen anzugeben und durch Punkte anzudeuten, daß die übrigen Haken resp. Zähne ganz oder teilweise bereits aus- gefallen waren. Durch den Besitz von zweierlei Haken steht S. lyra innerhalb ihrer Gattung einzig da. Eine nachträgliche Deformierung des schon gebildeten Greif- organs ist jedoch, wie ich früher glaubte (59, p. 12), nicht anzunehmen: wie bei allen Chätognathen findet ein gesetzmäßiges Ausfallen der ältesten Haken und ein beständiges Nachwachsen neuer statt, von einem bestimmten Entwicklungsstadium ab sind aber die neuen nicht mehr von typischer Gestalt, sondern — anfangs nur andeutungsweise, später immer ausgesprochener — krallenartig (s.u. Fig. 8). Auch diese „sekundären" Haken sind daher ebenso wie die primären (typischen) präformiert. Außer der kugeligen proximalen Erweiterung finden sich am Receptaculum seminis geschlechtsreifer Tiere oft auch noch unregelmäßige distale Auftreibungen (Fig. 3), die ebenfalls durch Spermamassen hervorgerufen werden. Abbildung des Kopfes bei Ritter-Zähony (59, Fig. 1 E); daselbst sowie bei Fowler (23) auch Tabellen. Vorkommen. Kosmopolitisch im unteren Epi- und im Mesoplankton. Sagitta gazellae Ritt.-Z. Synonyme und Literatur. 1907. Sagitta hemptera, Fowler (25, p. 1). 1908. Sp. imiorn.. Fowler (26, p. 240). 1909. Sagitta gazellae, Ritter-Zähony (61, p. 787). Diagnose. Habitus fast schlaff, durchsichtig. Schwanzabschnitt 14 — 10% der Gesamtlänge. Seitenflossen in der Jugend miteinander verbunden oder ein- ander stark genähert, später deutlich getrennt. Vorderflossen lang, im hintersten Teil ungefähr doppelt so breit wie im vorderen, in einer Entfernung hinter dem Fig. 3. S. lyra, Bauchganglion beginnend, die dessen ein- bis zweifacher Länge gleichkommt; Habitus. ziemlich breite Innenzone und vorderstes Ende ohne Strahlen. Hinterflossen drei- eckig, am breitesten in der Gegend vor der Analöffnung, mit schmaler strahlenloser Innenzone, zu etwa drei Vierteln am Rumpf gelegen. Haken typisch; ihre Zahl steigt bis auf 10, vielleicht ausnahmsweise auch auf 11, und sinkt während des weiteren Wachstums allmählich bis auf'7. Vorder- zähne schmal konisch, bis 9. decken einander etwas; die beiden Reihen in stumpfem Winkel zu- einander. Hinterzähne typisch, äußerlich meist durch kleine Zwischenräume voneinander getrennt, bis 11, selten mehr. Eine Reihe abgerundeter Vestibulär p a p i 1 1 e n. Corona vom Hinterrande des Gehirns bis auf den Hals reichend, von ovalem oder birnförmigem, oft unregelmäßigem Umriß. Weder Collerette noch Darmdivertikel. Anus vom Rumpf-Schwanzseptum abgerückt. Weib- licher Apparat stabförmig. Samenblasen an die Hinterflossen anstoßend, von der Schwanzflosse ungefähr um ihre eigene Länge entfernt. Beobachtete Größe bis 71 mm. — v. Ritter-Zähony, Sagitten. 11 Tabelle nach 60 Individuen von der Antarktis. Länge (mm) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne 71 10 7—8 7-8 10—11 70 12 7—8 7-8 13 67 12 7-8 8 10 «36 12 7 6—7 10—11 62 13 8 7 9-11 58 11-14 7-8 6—8 8—10 57 12—13 7—8 7—9 (10) 9—11 56 12 8 6 9 53 14 7 6—7 7—8 50 13—14 8 6—7 7—9 45 13 7-8 6-8 6—10 43 14 8—9 6 7-9 42 14 8—9 5—6 7—10 37 14 8—9 6 6-7 36 14—15 8—9 5-6 5-8 35 14 8—9 6 7 34 13 8 3 7-8 32 14 9 3 8 30 14—15 (8)9 3-6 5—7 29 15-17 9 4—6 7-9 28 14—15 9 4-5 5—7 27 15 • 9—10 4 5—6 26 15—17 9—10 4—6 4—5 25 15—16 9—10 4—5 4—5 24 14—17 9—10 2—5 4—6 23 16 9—10 3—4 4 22 16-18 9—10 4—6 4-6 21 17—19 9—10 3—4 3-4 20 15—16 9—10 3-4 3 19 16—18 9—10 2-3 (5) 2—3 IS 18 10 3 3 16 19 10 3 2 13 19 10 2 1 Die außergewöhnliche Kürze des Sehwanzabschnittes hat S. gazellae (Fig. 5) nur noch mit S. lyra gemein. Eigentümlich verhalten sich die Seitenflossen, die hier in der Jugend, d. h., soweit ich beobachtet, bei den Individuen, die nicht mehr als 25 — 30 mm maßen, durch einen von Strahlen gestützten Steg verbunden sind (Fig. 4). Dieser Steg wird später resorbiert und die Flossen rücken infolge des gleichzeitigen Wachstums des Rumpfes etwas auseinander. Sie verändern sich dabei auch etwas, indem der ursprünglich eingezogene hintere Teil (Fig. 4) der Vorderflosse sich stark verbreitert und die ursprünglich abgerundete Hinterflosse ebenfalls aus wächst und eine mehr drei- eckige Gestalt annimmt (Fig. 5). Ausgebildete Haken habe ich höchstens 10 beobachtet, in den Fällen, wo ich 11 Haken zählte, ragte der jüngste noch kaum aus dem Epithel hervor. Die Vorder- zähne erhalten sich wohl das ganze Leben hindurch, von den Hinterzähnen aber sind bei größeren Tieren regelmäßig die ältesten bereits abgefallen. Die Maximalzahl der auf einer Seite zur Aus- bildung kommenden Hinterzähne läßt sich daher nicht ermitteln, und in der Tabelle konnte für die größeren Tiere nur die Zahl der jeweilig noch vorhandenen Hinterzähne angegeben werden. Haken 2* 12 Deutsche Südpolar-Expedition. und Zähne waren immer bräunlieh gefärbt. Eine Formveränderung der zuletzt auftretenden Haken habe ich nicht konstatieren können. Die Form der Corona, die Fig. 6 B zeigt, ist nicht selten, vielleicht aber nur durch einen bestimmten Kontraktionszustand des Kopfes verursacht, wäh- rend Fig. 6 A wohl die eigentliche Gestalt der Corona wiedergibt. Reife Ovarien habe ich nicht beobachtet; das größte unreife (bei einem Individuum von 66 mm Länge) reichte nicht einmal bis an die Vorderflossen heran. S. gazellae steht unter allen Sagitten S. lyra am nächsten und, da namentlich mangelhaft erhaltene Exemplare leicht mit dieser Art ver- wechselt werden können, möchte ich auf den entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Arten besonders aufmerksam machen: er liegt in der Gestalt der Haken (Fig. 7 und 8), die ich auch bei meinen größten Exemplaren von S. gazellae stets in typischer Gestalt angetroffen habe, während bei der bedeutend kleineren S. lyra oft schon 15 mm lange Individuen die charakteristischen sekundären Haken aufweisen. Erst in zweiter Linie kommen die Unterschiede in der Gestalt der leicht ver- 1 s — — letzbaren Flossen und in den Zahlen o\ IQ Fi'_r. (.! A u. B. S. gazellm B Corona. für die Organe der Kopfbewaffnung in Betracht (vgl. die Tabellen). Die Häufigkeit der S. gazellae in den subantarktischen und antarkti- schen Meeren macht es wahrscheinlich, daß sie neben anderen großen Arten schon Orbigny (55) und Darwin (15) vorgelegen. Die Beschreibungen der Sagitten, welche diese Forscher be- obachtet haben, sind jedoch viel zu all- gemein gehalten, als daß sich dies- bezüglich ein bestimmter Nachweis führen ließe und nur eine Abbildung Orbigny' s kann mit Sicherheit als *S. hexaptera gedeutet werden, weshalb ich selbst auch für die Beibehaltung dieses Namens im System eingetreten bin (61, p. 789 ff.). Mit Bestimmtheit läßt sich S. gazellae in der Literatur zum erstenmal in den Bemerkungen und in der Tabelle zur „S. hexaptera" Fowler's aus dem antarktischen Material der „Discovery" erkennen. Fowler findet an seinen Exemplaren, daß die Vorderflossen weiter nach vorne reichen, daß den Haken die für S. hexaptera charakteristische Krista fehlt, und gibt eine Tabelle, die in bezug auf die relativen Schwanzlängen und Zahlen der Vorder- und Hinterzähne gut auf S. gazellae paßt. Immer- hin ist es möglich, daß Fowler auch einige Exemplare echter S. hexaptera, die ja auch im Meso- Fig. 4. S. gazellae, Habitus Fig. 5. S. gazellae. eines jun- Habitus eines er- gen Kxem- wachsenen Exem- plars, plars. Fig. 7. S. gazel- lae, Greifhaken. Fig. 8. S. lyra, • sekundärer Greifhaken. v. Ritter-Zähony. Sa'utten. 13 plankton höherer Breiten vorkommt, vorgelegen haben. In den ein Jahr später ebenfalls von Fowler beschriebenen und skizzierten, jedoch nicht benannten jugendlichen Individuen einer Art von Neu-Seeland (26, p. 240). läßt sich mit Bestimmtheit S. gazellae erkennen. Die Beschreibung und Abbildung paßt in jedem Punkte auf dieselbe und beweist die sorgfältige Beobachtung Fowler' s, dessen früherer Irrtum nur auf Rechnung seines Materials zu setzen ist. Im vergangenen Jahre konnte ich dann nach der Ausbeute der ..Gazelle" das Vorkommen einer großen, noch nicht näher bekannten Art auf der südlichen Hemisphäre konstatieren und eine Skizze ihres Kopfes geben (61, p. 788); erst der Gauss -Expedition jedoch war es vorbehalten, eine genauere Darstellung dieser in vieler Hinsicht interessanten Spezies zu vermitteln. Vorkommen. Im Antarktischen Ozean holoplanktonisch, im südlichen Atlantischen, Indischen und Stillen Ozean wahrscheinlich nur mesoplanktonisch. Sagitta enflata Grassi. S y n o n y m e und Literatur. 1880. Sagiüa Iura (non Krohx 1853!). Laxgerhans (42, p. 135). 1881. Sagiüa Enflata, Grassi (32, p. 213). 1883. Spadella Enflata, Grassi (33, p. 13). 1896. Sagilla flaceida, Conant (11. p. 213). 1902. Sagiüa gardineri, Doncaster 1 17. p. 212). 1906. Sagiüa enflata, Fowler (24, p. 8). 1907. Sagiüa brachycephala, Moltschanoff (51, p. 208). 1908. Sagiüa inflata, Ritter-Zähony (59. p. 13: vgl. 61. p. 791). 1909. Sagiüa inflata, Ritter-Zähony (60, p. 47: vgl. 63, p. 139). 1909. Sagiüa australis, Johnston (37. p. 251). 14% Diagnose. Habitus sehr schlaff, durchsichtig. Schwanzabschnitt 21 der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, annähernd gleich lang, mit schmaler strahlen - loser Innenzone. Vorderflossen schmal, abgerundet, vom Bauchganglion um dessen mehrfache Länge entfernt. Hinterflossen dreieckig, zu etwa zwei Dritteilen am Rumpf gelegen. Haken typisch, bis 10, selten mehr. Vorderzähne einander dach- ziegelartig deckend, bis 10; die beiden Reihen in stumpfem bis rechtem Winkel zu- einander. Hinterzähne typisch, bis 18. Vestibularwülste mit abgerundeten, meist un- deutlichen Papillen. Corona von eigentümlich sanduhrförmigem Umriß, vom Hinter - rande des Gehirns bis auf den Hals reichend. Collerette deutlich, aber sehr kurz. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat sehr kurz, gedrungen keulenförmig, höchstens so weit wie die Hinterflossen nach vorne reichend. Samenblasen kugelig. an die Schwanzflosse anstoßend, von den Hinterflossen mindestens um ihre doppelte eigene Länge entfernt. Beobachtete Größe bis 30 mm. — Aus den systematischen und faunistischen Bemerkungen Langerhans' über seine „S.lyra" von Madeira geht mit Sicherheit hervor, daß dem Forscher tat- sächlich die ein Jahr später von Grassi beschriebene S. enflata vorgelegen hatte. Ebenso ergibt sich aus den Originalbeschreibungen die Identität der S. flaceida Conant, brachycephala Moltscha- noff und australis Johnston mit der Art Grassi' s. Zur Aufstellung der S. gardineri war jedoch zu seiner Zeit Doncaster in gewissem Sinne berechtigt gewesen, da, wie ich an anderer Stelle Fig. 9. S. en- tfallt. Habitus. 14 Deutsche Siidpolar-Expedition. bereits ausgeführt (60, p. 48), S. gardineri eine Form (forma gardineri Donc.) von S. enflata re- präsentiert, die bisher nur im nördlichen Indischen Ozean (Maldiven und Lakkadiven, Rotes Meer) beobachtet worden ist und die sich von der typischen S. enflata durch eine breit birnförmige Corona (60, p. 47, Fig. 1 c) und langgestreckte, über die Vorderflossen hinausragende Ovarien unter- scheidet. Die Beziehungen dieser Form zur typischen S. enflata sind jedoch noch nicht hin- reichend geklärt und harren näherer Untersuchung. Abbildungen und Tabellen bei Fowler (24, p. 9) und Ritter-Zähony (59, 60). Vorkommen. Annähernd zwischen dem 40.° N und 40.° S nur im Epiplankton. Sagitta setosa I. Müll. Synonyme und Literatur. 1846. Sp. innom., Wilms (76). 1847. Sagitta setosa, Müller (54, p. 158). 1847. Sagitta Germanica, Leuckart (44, p. 147). 1856. Sagitta bipunctata, Busk (7, p. 16, Fig. 1 u. 4). 1858. Sagitta germanica, Leuckart u. Pagenstecher (45, p. 593); partim. 1875. Sagitta bipunetala, Möbius (50, p. 158); partim. 1909. Sagitta enflata var., Hallez (35, p. 29). 1911. Sagitta setosa, Ritter-Zähony (66, p. 7). Diagnose. Habitus fast schlaff, dabei ziemlich schlank, durchsichtig. Schwanzabschnitt 25 — 16% der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durch- setzt. Die Länge der Vorderflossen schwankt und damit auch ihre Lagebeziehung zum Bauch- ganglion, das von ihrem vorderen Ende um die halbe bis zweifache eigene Länge entfernt sein kann. Vorderflossen stets kürzer als die Hinterflossen, ihrer Variabilität entsprechend aber bald nur um ein geringes, bald um mehr als die Hälfte. Hinterflossen mehr am Rumpf als am Schwanz gelegen. Haken typisch, bis 9, gewöhnlich 8. Vorderzähne etwas nach innen gerichtet, einander teilweise deckend, bis 8, gewöhnlich weniger; Konvergenzwinkel der beiden Reihen ein spitzer bis rechter. Hinterzähne typisch, bis 16. Vestibularwülste mit undeutlichen Papillen. Corona gestreckt, knapp hinter dem Gehirn beginnend, von mehr als 2facher Kopflänge, leicht gebuchtet. Collerette fehlend oder nur angedeutet. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat kolbenförmig, kurz. Samen- blasen verkehrt länglich-birnförmig, den Hinterflossen sehr genähert oder sie berührend, von der Schwanzflosse etwa um ihre halbe eigene Länge entfernt. Beobachtete Größe bis 14 mm. — Die genauere, von Abbildungen, Tabellen und der Kritik der Synonyme begleitete Beschreibung der S. setosa habe ich kürzlich im Werke der Plankton-Expedition (66) gegeben. Vorkommen. B sher nur in nordeuropäischen Meeren beobachtet. Sagitta elegans Verrill. Synonyme und Literatur. 1858. Sagitta germanica, Leuckart u. Pagenstecher < 45. p. 593); partim. 1873. Sagitta elegans, Verrii.i. (74, p. 626). 1875. Sagitta bipmctata, Möbius (50, p. 158); partim. 1879. Sagitta bipunctata, Moss (53, p. 124). 1882. Sagitta falcidens, Leidy (43, p. 102). 1885. Sagitta gracilis, Verrill (75, Tat'. 13, Fig. L96). v. Ritter-Zahony, Sagitteii. 15 1892. Sagiüa bipunetata, Strodtmann (70, p. 344). 1892. Sagiüa minima, Strodtmann (70, p. 348). 1896. Sagiüa arctica, Auririllips (3, p. 188). 1896. Sagiüa elegans, Conant (12, p. 211). 1905. Sagiüa bipunciata, Fowler (23, p. 69). 1906. Sagiüa glacialis, Moltschanoff (51, p. 205). 1906. Sagiüa melanognatha, Moltschanoff (51, p. 206). 1906. Sagiüa rapax, Moltschanoff (51, p. 207). 1909. Sagiüa elegans, Galzow (27. p. 12). 1909. Sagiüa glacialis, Galzow (27. p. L3). 1910. Sagiüa bipunetata, Ritter-Zähoxy (62, p. 255); exkl. forma lypica. 1911. Sagiüa elegans, Ritter-Zahony (66, p. 11). Diagnose. Habitus kräftig, straff. Schwanzabschnitt 25 — 17% der Gesamtlänge. Seiten- flossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durchsetzt. Vorderflossen in einer Ent- fernung hinter dem Bauchganglion beginnend, die dessen zwei- bis dreifacher Länge gleichkommt. Hinterflossen den Vorderflossen ähnlich, nur wenig länger, zu mindestens zwei Dritteilen am Rumpf gelegen. Haken typisch, bis 10 oder 11. Vorderzähne einander nur wenig deckend, etwas nach außen gerichtet, bis 8; die beiden Reihen in spitzem bis rechtem Winkel zueinander. Hinterzähne typ ; sch, bis 18. Vestibularwülste mit abgerundeten, nicht immer deutlichen Papillen. Corona gestreckt, knapp hinter dem Gehirn beginnend, ungefähr von 2f acher Kopflänge, meist regelmäßig gebuchtet, in der Gegend über dem Halse etwas erweitert. Collerette deutlich, aber schmal, ungef.hr so weit wie die Corona reichend. Darmdivertikel wohl ausgebildet. Weiblicher Apparat kolbenförmig, in der Gegend über dem Halse etwas erweitert. Collerette deutlich, aber schmal, ungefähr so weit wie die Corona reichend. Darmdivertikel wohl ausgebildet. Weiblicher Apparat kolbenförmig, langgestreckt. Samenblasen länglich -konisch, von der Hinterflosse um mehr als ihre eigene Länge entfernt, an die Schwanzflosse anstoßend. Beobachtete Größe bis 30 mm 1 ). — Temperatur und Salzgehalt des Seewassers sind auf S. elegans von transformierendem Einfluß. Danach unterscheidet man zwei Formen 2 ) der Art, f. arctica Aurv. und f. baltica mihi. Die erstere ist charakteristisch für die hocharktischen Regionen und ist eine S. elegans, die besonders große Dimensionen erreicht (bis 44 mm sind beobachtet), deren relative Schwanzlänge bis auf 15% herab- sinken und deren Zahl der Haken. Vorder- und Hinterzähne bis auf 12, resp. 10, resp. 25 steigen kann. Sie wurde wiederholt für S. hexäptera gehalten (vgl. 62, p. 264). Die f. baltica entsteht unter dem Einfluß salzarmen Wassers und dürfte nur auf die Ostsee beschränkt sein. Sie unterscheidet sich von der typischen S. elegans. von der sie in der Größe nicht differiert, durch schlaffen Habitus, einen relativ kürzeren Schwanzabschnitt, etwas kleinere Vorderflossen und eine ebenfalls verkürzte Corona (vgl. 66, p. 13 ff.). Abbildungen bei Ritter-Zahony (62, Fig. IC, 1 D, 2, 5; 66, Fig. 4). Vorkommen. Nur auf der nördlichen Hemisphäre ungefähr vom 45. Breitegrad bis in die höchsten arktischen Regionen, besonders an den Küsten (vgl. 66, p. 13). J ) Obwohl ich schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, so sei doch, um Irrtümern vorzubeugen, nochmals bemerkt, daß ich im Werke der „Fauna Arctica" (62, p. 255 ff.) mangels Materials leider S. elegans mit S. bipunetata (s. u.) konfundiert und unter letzterem Namen dargestellt habe. £. setosa ist dabei nur in das Synonymenverzeichnis aufgenommen, da ich selbst diese Art noch nicht kannte und sie im Vertrauen auf alle bisherigen Monographien für identisch mit S. bipunetata hielt. 2 ) Die „Form" ist im Gegensatz zur Varietät mit der typischen Art durch kontinuierliche Übergänge verbunden. 16 Deutsche Südpolar-Expedition. Sagitta bipunctata Q. G. S y nony m e und Literatur. 1827. Sagitta bipunctata, Quoy u. Gaimard (58, p. 232, Taf. 8 C). 1853. Sagitta multidentata, Kroh.\ (40, p. 271 1. 1853. Sp. innom., Krohx (40, p. 272, Note). 1880. Sagitta bipunctata, Hertwig (36, p. 258). 1883. Spadella Bipunctata, Grassi (33, p. 13). 1884. Spadella Marioni, Gourret (31, p. 103). 1908. Sagitta bipunctata, Ritter-Zähoxy (59, p. 15). 1910. Sagitta bipunctata, forma typica, Ritter-Zähony (62, p. 255). 1910. Sagitta bipunctata, forma typica, Ritter-Zäho.ny (63, p. 138). 1911. Sagitta bipunctata, Ritter-Zähoxy (66, p. 15). Diagnose. Habitus kräftig, straff. Sehwanzabschnitt 27 — 21% der Gesamtlänge. Seiten- flossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durchsetzt. Vorderflossen knapp hinter dem Bauchganglion beginnend. Hinterflossen nur wenig länger als die Vorderflossen, annähernd gleich auf Rumpf und Schwanz verteilt. Haken typisch, 8 — 10. Vorderzähne relativ lang, einander nur wenig deckend und gespreizt gestellt, bis 8; die beiden Reihen ihrer Basen bilden einen sehr stumpfen Winkel (vgl. u. Fig. 15). Hinterzähne typisch, bis 16. Vestibularwülste mit abgerundeten, zuweilen undeutlichen Papillen. Corona gestreckt, von mindestens 2facher Kopflänge, knapp hinter dem Gehirn beginnend, meist unregelmäßig gebuchtet. Collerette ungefähr so weit wie die Corona reichend. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat kolbenförmig, langgestreckt. Samenblasen länglich, am vorderen Ende verdickt und mit trichterförmiger Mündung versehen, an die Schwanzflosse anstoßend, von den Hinterflossen fast um ihre eigene Länge entfernt. Beobachtete maximale Größe 15— 19 mm. — Tabelle nach 25 Individuen aus dem Atlantischen Ozean. Länge (mm) Schwanz (%) Haken Yorderzähne Hinterzähne 19 21 10 6 16 15 23 8-9 7—8 14—15 14 24—25 9—10 7—8 13-15 13 23—25 8—10 6—7 12—16 12.5 24—25 8—9 6-7 (8) 12—14 12 23—26 9—10 5—7 13-14 1 1 ,5 24—26 9—10 5-6 13 11 28 9—10 7 14 Da bei allen Chätognathen von straffem Habitus am Übergang vom Vorder- in den Mitteldarm das Epithel des letzteren höher ist als das des ersteren, so springt der Mitteldarm an seinem Beginne stets mehr oder weniger vor. Dieses Verhalten kann zu der irrigen Ansicht verleiten (63, p. 138), daß bei S. bipunctata u. a. Anfänge oder Rudimente von Darmdivertikeln vorkämen. Abbildungen und weitere Tabellen bei Ritter-Zähony (59, Fig. 2; 62, Fig. 1 B; 63, Fig. 6). Vorkomme n. Ungefähr zwischen dem 40.° N und 40.° S im Epipknkton; neritisch und ozeanisch. Sagitta robusta Donc. S y nonyme und L i t e r a t u r. 1897. Sagitta hispida (nun Oonani L895!), Aida (1, p. 18). 1902. Sagitta hispida (=8.hispida Aida!), Doncaster (17, p. 211). V. RlTTER-ZÄHONY, Sagitten. 17 1902. Sagitta robusta, Doncaster (17, p. 212). 1902. Sagitta ferox, Doxcaster (17, p. 212). 1900. Sagitta ferox, Fowler (24, p. 10). 1906. Sagitta robusta, Fowler (24, p. 19). 1909. Sagitta robusta, Ritter-Zahoxy (60, p. 49). 1910. Sagitta robusta, Ritter-Zahoxy (63, p. 136). 1910. Sagitta japonica, Galzow (27, p. 10). Diagnose. Habitus sehr kräftig, straff. Kopf, namentlich bei jungen Tieren, ziemlich groß. Schwanzabschnitt 28 — 25% der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durchsetzt. Beginn der Vorderflossen meist knapp hinter dem Bauehganglion, bei älteren Tieren oft etwas weiter vorne, jedoch höchstens in der Gegend der Ganglionmitte. Hinterflossen etwas mehr am Schwanz- als am Rumpfabschnitt gelegen. Haken bis 8. Vorderzähne relativ breit, einander wenig deckend, bis 9, nur ausnahmsweise mehr; die beiden Reihen in rechtem bis stumpfem Winkel zueinander. Hinterzähne typisch, bis 16. Vestibularwülste mit abgerundeten Papillen. Corona gestreckt, knapp hinter dem Gehirn beginnend, ungefähr von 2 y 2 facher Kopflänge, mit wenig oder undeutlich gebuchteten Rändern. Collerette etwas variabel, zuweilen nur kurz, zuweilen fast so weit wie die Corona reichend. Darmdivertikel nur bei jungen Tieren manchmal fehlend oder sehr klein. Weiblicher Apparat kolbenförmig, langgestreckt, eventuell bis an den Hals reichend. Samenblasen länglich, vorne kopfig verdickt, hart an die Hinterflossen anstoßend, die Schwanz- flosse fast berührend. Beobachtete Größe (nach Fowler) bis 20,5 mm. — Tabelle nach 20 Individuen aus dem Atlantischen Ozean. Länge (mm ) Schwanz Co) Haken Vorderzähne Hinterzähne 14,8 27 6—7 S (1 15—16 13,5 26 6—7 7—9 13 13 26—28 6—7 7—9 10-13 12.5 2S 7 8 12 12 25 7 8 14 11 28 7-8 8 12 10.5 2i'.'_. 7—8 7—8 11—13 10 25 7—8 8-9 13 9,5 25-28 7—8 7—8 11—13 9 26—27 7— S 7-9 11—13 Daß sich der Beginn der Vorderflossen bei S. robusta mit dem Alter nach vorne verschiebt, läßt sich nur durch ein besonderes Wachstum erklären. Damit in Übereinstimmung steht übrigens der Umstand, daß das Längenverhältnis der Vorder- zu den Hinterflossen ein wechselndes ist und zwar in der Weise, daß bei jüngeren Tieren die ersteren etwas kürzer sind als die letzteren, bei älteren jedoch dieser Unterschied sich ausgleicht oder sogar ins Gegenteil umschlägt. Die Zahl der Haken nimmt in typischer Weise mit dem Alter ab. Die Vorderzähne zeigt Fig. 16 (s. u. ). Die Corona ist manch- mal, wie übrigens schon Doncaster beobachtet hat (17, p. 211), anomalerweise in zwei Teile geteilt (Fig. 11). Was die Darmdivertikel betrifft, so scheint S. robusta die einzige Art zu sein, bei der diese Organe zuweilen etwas variieren, da ich sie bei erwachsenen Exemplaren stets wohl entwickelt vorfand, bei jüngeren dagegen, und zwar merkwürdigerweise nur bei solchen, die aus dem At- lantischen Ozean stammten, sie vermißte oder bloß angedeutet antraf. Die Samenblasen zeigt Fig. 12; es scheint, daß sie während ihres Wachstums sogar ein Stück der Hinterflosse ver- Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 3 18 Deutsche Südpolar-Expedition. drängen. Sie sind, wie bei vielen anderen Arten, an ihrem vorderen Ende meist kopfig verdickt, doch habe ich auch eiförmige beobachtet, die mir nicht weniger reif schienen. Sind sie besonders stark entwickelt, so stoßen sie auch an die Schwanzflosse an. Mit Sicherheit läßt sich S. robusta in der Literatur zum erstenmal bei Aida nachweisen, jedoch unter einem Namen, der, wie ich später noch begründe (s. u. Species incertae), keine Daseinsberechtigung im System hat. Don- caster identifizierte sie dann unter dem Namen Aida's, beschrieb sie aber zugleich unter zwei Namen (robusta, ferox) neu, von denen ich als erster revidierender Autor robusta den Vorzug gebe. Über die Identität von S. ferox mit S. robusta habe ich mich an anderer Stelle be- reits geäußert (60, p. 49). S. japonica Galzow endlich kann ich auf Grund der Untersuchung eines Originalexemplars, das der Autor selbst mir zu senden die Freundlichkeit hatte, eben- falls hierher stellen. Weitere Tabellen bei Fowler (24, p. 11, p. 20) und Ritter-Zähony (60, p. 50). Vorkom m e n. Tropisch -subtropisch im Epiplankton. Fig. 11. S. robusta. ab- normale Corona. -*~ B Fig. 10. S. ro- busta. Habitus Fig. 12. S. robusta, Samenblasen. Fig. 13. .V f rit/t nri. Habitus. Sagitta helenae Ritt.-Z. Literatur. 1910. Sagilta helenae, Ritter-Zähony (63, p. 134). Diagnose. Habitus kräftig, straff. Schwanz- abschnitt 25 — 23% der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durchsetzt. Vorderflossen knapp hinter dem Bauchganglion beginnend. Hinterflossen etwas länger als die Vorderflossen, annähernd gleich auf Rumpf und Schwanz verteilt. Haken typisch, 7 — 8. Vorderzähne plattgedrückt, breit, in zur Querachse des Körpers fast parallele Reihen gestellt, 15 — 18. Hinterzähne bis 14. Vestibularwülste mit mehr oder weniger deutlichen Papillen. Corona gestreckt, ungefähr von 2facher Kopflänge, knapp hinter dem Gehirn beginnend, leicht gebuchtet. Collerette wohlentwickelt, fast so weit wie die Corona reichend. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat kolbenförmig, langgestreckt. Samenblasen eiförmig, sowohl die Hinterflossen als die Schwanzflosse berührend. Beobachtete Größe bis 13 mm. — Es sei noch besonders hervorgehoben, daß das charakteristische Merkmal dieser der S. robusta nächst stehenden Art in ihren Vorderzähnen liegt, deren Gestalt, Stellung und hohe Zahl bei keinen anderen Chätognathen ein Analogon hat. v. Rittek-ZXhony, Sagitten. 19 Abbildungen und Tabelle bei Ritter-Zähony (63, p. 134fl'.). Vorkommen. Bisher nur bei den Tortugas und im Floridastrom epiplanktonisch be- obachtet (63, p. 133; 66, p. 16). Sagitta friderici n. sp. Diagnose. Habitus kräftig, straff. Schwanzabschnitt 27 — 24% der Gesamtlänge. Seiten- flossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durchsetzt. Vorderflossen schmal, nach hinten wenig verbreitert, knapp hinter dem Bauchganglion beginnend. Hinterflossen nur wenig länger und breiter als die Vorderflossen, etwas mehr am Schwanz als am Rumpf gelegen, in ihrer hintersten Partie verschmälert. Haken typisch, meist 8, seltener 9. Vorderzähne einander fast dachziegelartig deckend, bis 9; die beiden Reihen in spitzem bis rechtem Winkel zueinander. Hinter - zahne typisch, bis 22. Vestibularwülste mit kleinen undeutlichen Pa- pillen. Corona gestreckt, von 2- bis 3facher Kopflänge, knapp hinter dem Gehirn beginnend, leicht gebuchtet. Collerette relativ schmal und kurz, ungefähr bis zur halben Corona reichend. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat kolbenförmig, relativ kurz. Samenblasen länglich, mit kopfig verdicktem Vorderende, sowohl an Hinter- wie an Schwanz- flosse anstoßend. Beobachtete Größe bis 13 mm. — Tabelle nach c. 25 Individien. Fig. 14. 6'. Jrhlerici, Samen- blasen. Länge (nun) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne 13 27 8 7—8 20 12 25-27 8(9) 6—8 15—22 11,5 25—26 8(9) 6—9 15—20 11 25—28 8 6—9 16—20 10,5 27—29 8 6—7 14—18 10 26 8 7—8 15—17 9,5 26 8—9 6—7 15-16 S. friderici gehört nicht zu jenen Arten, die sich durch irgendein hervorstechendes Merkmal auszeichnen, unterscheidet sich aber wohl durch eine Reihe minder auffallender Eigentümlich- keiten von ihren nächsten Verwandten S. bipunctata, robusta, pulchra und bedoti. Was zunächst die beiden erstgenannten betrifft, mit denen allein S. friderici auch das Vorkommen zu teilen Fig. 15. S. bipunctata, Vorder- zähne. Fig. 16. S. robusta, Vorder- zähne. Fig. 17. S. friderici, Vorder- zähne. scheint, so geben wieder die Vorderzähne (Fig. 15 — 17), die bei S. bipunctata farblos, schlank, annähernd gleich lang und gespreizt gestellt, bei robusta meist gelblich, bedeutend breiter, von ungleicher Länge und einander ein wenig deckend, bei friderici bräunlich, relativ klein, 20 Deutsche Südpolar-Expedition. anders geformt, eng aneinander schließend und sämtlich nach innen gerichtet sind, gute Unter- scheidungsmerkmale ab. Auch der Winkel, den die beiden Keinen bei S. friderici bilden, ist ein spitzer, höchstens rechter, bei den beiden anderen Arten dagegen ein mehr oder weniger stumpfer. Weitere Unterschiede bieten die Hinterflossen (Fig. 13), die im Gegensatz zu denen von robusta (s. o. Fig. 10) in ihrer hinteren Partie verschmälert sind, und im Gegensatz zu denen von bipunctata an die Samenblasen anstoßen. In der durchschnittlichen Zahl der Haken steht S. friderici zwischen bipunctata und robusta, weist jedoch mehr Hinterzähne auf als diese Arten. Bei S. bedoti und pulchra treffen wir gänzlich verschiedene Seitenflossen und, wenigstens teilweise, beträchtlich differierende Zahlen für die Kopfbewaffnung an (vgl. 24, p. 7 u. 17). Die Diagnose von S. friderici muß einstweilen als eine provisorische gelten, da ich nur eine beschränkte Zahl Individuen von einem einzigen Fundorte untersuchen konnte und es ja möglich ist, daß die Zahlen für die relative Schwanzlänge und die Organe der Kopfbewaffnung innerhalb weiterer Grenzen schwanken. Die Ovarien enthielten bei einigen Tieren reife Eier, reichten jedoch kaum bis an die Vorderflossen heran. Vorkomme n. Bisher nur einmal im Porto grande (Capverden) an der Oberfläche gefischt (Gauss-Expedition, 13. September 1901). Sagitta bedoti Beraneck. Synonyme und Literatur. 1895. Sagitta Beäoli, Beraneck (4, p. 147). 1897. Sagitta bipunctata, Aida (1, p. 13). 1902. Sagitta polyodon, Do.xcaster (17, p. 213). 1906. Sagitta Bedoti, Fowler (24, p. 6). Di a g n o s e. Habitus kräftig, straff. Schwanzabschnitt 28 — 21% der Gesamt- länge. Seitenflossen von einander nur durch einen relativ kleinen Zwischenraum getrennt, mit strahlenloser Vorderpartie und ebensolcher Innenzone. Vorderflossen lang, schmal, allmählich nach hinten verbreitert, etwas hinter dem vorderen Ende des Bauchganglions beginnend. Hinterflossen abgerundet, kürzer als die Vorderflossen, etwas mehr am Schwanz als am Rumpf gelegen. Haken typisch, bis 7. Vorderzähne einander dachziegelartig deckend, bis 13; die beiden Reihen in spitzem bis rechtem Winkel. Hinterzähne relativ klein, sonst typisch, bis 33. Vestibularwülste mit meist deutlichen Papillen. Corona gestreckt, von mindestens 2 1 / 2 facher Kopflänge, knapp hinter dem Gehirn beginnend, leicht gebuchtet. Collerette relativ kurz, nur bis etwa zur halben Corona reichend. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat kolben- oder stabförmig, langgestreckt. Samenblasen länglich, apikal verdickt, sowohl an die. Hinterflosserj als an die Schwanzflosse anstoßend. Beobachtete Größe bis 18 mm. — S. bedoti gehört nicht zu den kräftigsten Arten wie z. B. S. robusta, nähert sich ihr aber im Habitus doch stark. Charakteristisch, besonders in bezug auf die Ver- "j teilung der Strahlen, sind die, allerdings nur selten gut erhaltenen, Seitenflossen. lg s he Ich gebe ein Habitusbild (Fig. 18), weil mir das Fowler's (24, Fig. 1) nach /. Habitus. einem Spiritusexemplar entworfen und daher inkorrekt scheint. Der Beginn v. Ritter-Zähony, Sagitten. 21 der Vorderflossen kann, namentlich bei jüngeren Individuen auch etwas weiter nach hinten fallen, als in der Diagnose angegeben, niemals aber hinter das Bauchganglion überhaupt. Die Längen von Rumpf- und Schwanzteil der Hinterflosse verhalten sich ungefähr wie 3 : 4. An den Haken habe ich keine Eigentümlichkeit wahrgenommen. Die Collerette (Fig. 19) ist Fowler entgangen und auch die Corona dürfte in der Regel etwas länger sein, als er sie abbildet. Da S.bedoti ihre nächsten Verwandten [robusta, bipunctata, friderici) an Größe nicht oder nur wenig, an Zahl der Hinterzähne aber um das Doppelte übertrifft, müssen diese naturgemäß relativ bedeutend kleiner sein. Bei einiger Übung läßt sich S. bedoti auch in jüngeren Stadien schon daran erkennen, ohne daß eine Zählung jener Organe [nötig wäre; im übrigen habe ich auch schon bei 10 mm langen Individuen fast immer über 20 an- getroffen. Tabelle bei Fowler (24, p. 7). Vorkommen. Indopazifisch-tropisch, nur im Epiplankton. Sagitta pulchra Donc. Literatur. 1902. Sagitta pulchra, Doncaster (17, p. 213). 1906. Sagitta pulchra, Fowler (24. p. 17). Diagnose. Habitus nicht besonders kräftig, ungefähr die Mitte zwischen den schlaffen und den muskelstarken Arten haltend. [Schwanzabschnitt 25 — 18% der Gesamtlänge. Seitenflossen in bezug auf Verteilung der Strahlen, Gestalt und Lage denen von S. bedoti sehr ähnlich; es beginnen jedoch die etwas breiteren Vorderflossen ungefähr auf der Höhe der Ganglionmitte oder noch etwas weiter hinten, und die ebenfalls etwas breiteren dreieckig aus- gezogenen Hinterflossen sind etwas mehr am Rumpf als am Schwanz gelegen. Haken typisch, bis 6, seltener 7. Vorderzähne einander fast dachziegelartig deckend, bis 10; die beiden Reihen in spitzem bis rechtem Winkel. Hinter- zähne typisch, bis 15. Vestibularwülste mit mehr oder weniger deutlichen Pa- pillen. Corona gestreckt, von V/ 2 - bis höchstens 2facher Kopflänge, knapp hinter dem Gehirn beginnend, wenig gebuchtet. Collerette ungefähr so weit wie die Corona reichend. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat kolben- förmig. Samenblasen länglich, apikal verdickt, sowohl der Hinter- als der Schwanzflosse stark genähert. Beobachtete Größe bis 22 mm. — Von S. pulchra lagen mir leider nur zwei größere Exemplare vom Mala vischen Archipel (Siboga -Expedition) in Alkohol und einige kleinere von Neu-Guinea (Berliner Museum) in Formol vor. Bei Entwurf der Diagnose war ich daher hauptsächlich auf die Angaben Fowler' s, des einzigen, der die Art bisher genauer untersuchen konnte, angewiesen und vermag dieselben nur insoweit zu ergänzen, als ich bemerkte, daß die Länge der Corona etwas variiert, daß sie aber stets relativ kürzer als die der nächst verwandten Arten (bipunctata, robusta. bedoti, friderici) ist. Bei einem Individuum war die Corona anomaler - Fig. 19. S. bedoti, Corona und (.'ollerette. Fig. 20. .S'. pulchra Abnormale Corona. 22 Deutsche Südpolar-Expedition. weise in drei Teile geteilt (Fig. 20). Im Habitus soll nach Fowler S. pulchra der S. enflata ähneln; mir scheint sie aber doch erheblich kräftiger als diese Art und ich glaube, daß sie von ihr auch mit bloßem Auge unterschieden werden kann. Die Collerette bildet an sich kein Unterscheidungsmerkmal, denn abgesehen davon, daß sie an Alkoholexemplaren gewöhnlich nicht mehr erkennbar ist, kommt sie ja auch S. enflata, wenn auch in geringerem Maße (s. o.), zu. Gut erhaltene Samenblasen habe ich nicht beobachten können und bin daher über ihre genaue Lage etwas im unklaren, da auch Fowler über diesen Punkt sich nicht deutlich ausspricht. Abbildungen und Tabelle bei Fowler (24, p. 17). Vorkommen. Indopazifisch-tropisch, nur im Epiplankton. Sagitta serratodentata Krohn. Synony m e und Literatur Y Fig. 21. S. ser- ratodentata, Habitus. sein, daß von 1853. Sagitta serrato-dentata, Krohx (40, p. 272 ). 1880. Sagitta serrato-dentata, Hertwig (36, p. 259). 1883. Spadella Serratodentata, Grassi (33, p. 14). 1903. Sagitta serratodentata, Krumbach (41, p. 637). 1905. Sagitta serratodentata, Fowler (23, p. 58). 1905. Sagitta serrulata, Cleve (10, p. 127). 1909. Sagitta serratodentata, Ritter-Zähony (60, p. 50). Diagnose. Habitus sehr schlank, aber nicht besonders kräftig, durchscheinend. Schwanzabschnitt 30 — 22% der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, annähernd gleich lang, abgerundet. Vorderflossen schmal, knapp hinter dem Bauchganglion beginnend; der Strahlen entbehrt nur eine schmale Innenzone und das Vorderende. Hinterflossen ungefähr doppelt so breit wie die •Vorderflossen, annähernd gleich auf Rumpf und Schwanz verteilt; Strahlen fehlen nur in einer schmalen Innenzone des vorderen Endes. Haken 6 — 7, an der Schneide gezähnelt, mit leicht gekrümmter Spitze. Vorderzähne bis 10, ausnahmsweise 11, annähernd einander parallel und sämtlich nach hinten gerichtet; die beiden Reihen in spitzem Winkel zueinander. Hinterzähne typisch, bis 20. Vestibulär - wülste mit abgerundeten mehr oder minder deutlichen Papillen. Co- rona gestreckt, von mindestens 2facher Kopflänge, knapp hinter dem Gehirn beginnend, stark gebuchtet. Collerette sehr kurz. Keine Darmdivertikel. Weiblicher Apparat stabförmig, gelegentlich bis in die Halsgegend reichend. Samenblasen groß, länglich, abstehend, mit den Hinterflossen durch eine dreieckige Membran verbunden, an die Schwanzflosse fast anstoßend. Beobachtete Größe bis 17 mm. — Die durchschnittliche relative Länge des Schwanzabschnittes von S. serratodentata beträgt 25% der Gesamtdimension. So be- deutende Schwankungen, wie ich sie in der Diagnose, den bisher ratodentata, Co- erschienenen Tabellen entsprechend, angegeben habe, scheinen mir tatsächlich nicht vorzukommen und nur eine Folge davon zu man früher sich zu sehr auf Alkoholmaterial verließ. Das vorzügliche Material zeigte nur eine Schwankung den Tortugas das ich im vergangenen Jahre untersuchte, v. Ritter-Zähony, Sagitten. 23 zwischen 23 und 26% (63, p. 138). Besonders charakteristisch ist die Stellung der Vorder- zähne (vgl. 60, Fig. 3, p. 51), die in ähnlicher Weise nur noch bei den Tiefseearten S. planctonis und macrocephala wiederkehrt. Eigentümlich ist auch die Corona (Fig. 22); sie gehört zwar mit der Corona der letzten acht aufgeführten Arten zum selben Typus, unterscheidet sich aber doch von jener in auffallender Weise: die Buchtung ist gewöhnlich stark ausgeprägt und teilt das Organ in vier Loben, deren Konturen leicht gewellt sein können und deren erster und kleinster zwischen den Augen liegt; den Einschnürungen entsprechen rechts und links je zwei besonders große Tast- hügel; der hinterste Lobus ist oft etwas länger, bald nur halb so groß wie der vorletzte. Demgemäß variiert auch die Länge der Corona überhaupt. Einen besonders charakteristischen Bau, der die geschlechtsreife S. serratodentata auf den ersten Blick erkennen läßt, haben die Samenblasen (Fig. 21 ). Als relativ sehr große abstehende Gebilde sind sie mit bloßem Auge leicht sichtbar. Nähere Unter- suchung ergibt, daß ihr apikales Ende je zwei spitze Papillen trägt und daß die dreieckigen Lamellen, die sie mit den Hinterflossen verbinden, in ihrer Mitte gewöhnlich durchgerissen sind, so daß nur je ein an die Flosse anstoßendes Band übrig bleibt, an dem die Samenblasen gleichsam aufgehängt sind. Die Lamellen sind Epithelwucherungen, die das hintere, ursprünglich an den Körper an- stoßende Ende der Flossen vom Schwanz abdrängen und anfangs vielleicht, später jedoch njcht mehr mit den Flossen in organischem Zusammenhang stehen; denn wenn die Samenblasen entleert sind und kollabieren, sind Band und Hinterflosse voneinander gelöst. Betreffs der Größe von S. serra- todentata sei noch erwähnt, daß 17 mm länge Individuen nur in kühleren und in tieferen Regionen gefunden werden, im warmen Epiplankton beträgt die Maximallänge der Art 12 mm. In bezug auf die obige Synonymenliste ist nur zu bemerken, daß sich die Identität der bisher in der Literatur nicht beachteten S. serrulata Cleve mit S. serratodentata ohne weiteres aus der Originalbeschreibung ergibt. Abbildungen bei Krumbach (41, p. 637) und Ritter-Zähony (60, p. 51); Tabellen bei Fowler (24, p. 20) und Ritter- ^ Zäho.ny (63, p. 138). Vorkommen. Im Epi- und Mesoplankton annähernd zwischen dem 50.° N und 50.° S. Sagitta neglecta Aida. Synonyme und Literatur. 1896. Sagitta negleela, Aida (1, p. 16). 1902. Sagitta seplala, Doncaster (17, p. 214). 1906. Sagitta neglecta, Fowler (24, p. 15). Diagnose. Habitus straff, ziemlich kräftig. Schwanzabschnitt durchschnittlich 30% der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, abgerundet, vollständig von Strahlen durchsetzt. Vorderflossen knapp oder in geringer Ent- fernung hinter dem Bauchganglion beginnend. Hinterflossen nur wenig breiter als die Vorder flössen, zu etwa drei Fünfteln am Schwanz gelegen. Haken typisch, bis 8, meist 6 oder 7. Vorderzähne dachziegelartig sich deckend, bis 7; die beiden Reihen in spitzem Winkel zueinander. Hinter- B '~ '' - zahne typisch, bis 18. Vestibularwülste mit abgerundeten, meist deut- Habitus, "liehen Papillen. Corona gestreckt, hinter den Augen, aber noch am g ; i3 -™9 lecta -> 1 ° & ' Samenblasen. 24 Deutsche Südpolar-Expedition. Kopfe, beginnend, ungefähr von 2facher Kopflänge, viermal gebuchtet. Collerette sehr schmal, erst hinter dem Halse deutlich, kaum so weit wie die Corona reichend. Darmdivertikel vorhanden. Weiblicher Apparat kolbenförmig, gelegentlich über das Bauchganglion hinausreichend; reife Eier relativ sehr groß. Samenblasen eiförmig, an die Hinterflossen fast anstoßend, von der Schwanz- flosse um ihre halbe bis ganze eigene Länge entfernt. Beobachtete Größe bis 10 mm. — Tabelle nach einigen Exemplaren von Port Natal. Länge (mm) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne 7,5 28 6 -7 7 16 7,1 28 6 5 15 7 29 -30 6 7 6—7 14—15 6,8 30 7-8 6 16-17 6,6 30 7 6 13—18 6,5 28—31 7 5—6 11—13 6,4 31 6 6 13 6 30 6 6 16 Da ich S. neglecta von verschiedenen Fundorten gut studieren konnte, ist es mir möglich, die Darstellung, die Fowler von dieser Art gibt, in einigen Punkten zu ergänzen und richtigzustellen. Zunächst glaube ich aus Gründen, die ich bereits bei der Besprechung von S. serratodentata genannt, daß die relative Länge des Schwanzabschnittes nicht innerhalb so weiter Grenzen, wie Fowler sie angibt (28 — 40%), schwankt. Ferner kann man nicht behaupten, daß die Seitenflossen im Ver- hältnis zu nächstverwandten Arten einander besonders nahegerückt sind (Fig. 23) und die Samenblasen (Fig. 24) berühren nicht, wie zwar in der Abbildung, aber nicht im Text Fowler's, richtig an- gegeben ist, die Schwanzflosse. Für die Hinterzähne ergeben sich gelegentlich höhere Zahlen. Die Corona (Fig. 25) gehört mit Rücksicht auf ihre Länge und ihren Beginn einem besonderen Typus an, der zwischen den der zuletzt aufgeführten und den der zunächst zu besprechenden Arten fällt. Die ungleichen Loben sind wie bei S. serratodentata, gewöhnlich scharf ausgeprägt, ihre Kon- turen jedoch nicht gewellt. Die Größe der Darmdivertikel variiert etwas, ich habe aber diese Gebilde niemals vermißt. Die etwas knappe Originalbeschreibung der S. septata Doncaster weist kein einziges Merkmal auf, das eine Verschiedenheit gegenüber S. neglecta bedeuten könnte: die großen, in einer Serie aneinander gepreßten Eier treffen wir nicht nur bei der geschlechtsreifen S. neglecta, sondern auch bei S.regularis (s.u.), und darauf eine Art zu gründen, ist überhaupt unstatthaft. Entschieden muß ich mich aber gegen Fowler's Meinung (24, p. 17), S. bipunetata Beraneck (4, p. 153) gehöre zu S. neglecta, aussprechen, da dir wenigen Worte Beraneck's es gänzlich unbestimmt lassen, ob ihm S. bipunetata oder neglecta, die beide im Malayischen Archipel vorkommen, vorgelegen hat. Tabelle und Abbildungen auch bei Kowi.kr 124, p. L6). Vorkommen. Indopazifisch -tropisch, nur im Epiplankton. glecta. Corona. Fig. 26. S. re- yulari.s. Corona. v. Ritteu-Zähony, Sagitten. 25 Sagitta regularis Aida. Syno n y m e und Literatu r. 1897. Sagiita regularis, Aida (1, p. 17). 1902. Sagiita regularis, Doncaster (17, p. 211). 1902. Sagitta Bedfardü, Doncaster (17, p. 215). 1906. Sagiita regularis, Fowlkr (24, p. 18). Diagnose. Habitus straff, kräftig, infolge der stark entwickelten Collerette scheinbar etwas gedrungen. Schwanzabschnitt 36 — 28% der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt, denen von S. neglecta in bezug auf Verteilung der Strahlen, Gestalt und Lage sehr ähnlich; die Vorder - flossen jedoch relativ etwas kürzer und die Hinterflossen etwas weiter, etwa zu zwei Dritteilen, am Schwanz gelegen. Haken typisch, bis 11; bei erwachsenen Tieren höchstens 9. Vorderzähne schlank, etwas gespreizt gestellt, bis 4. Hinterzähne typisch, bis 6. Vestibularwülste etwas reduziert, mit undeutlichen Papillen. Corona gestreckt, ganz am Rumpf gelegen, am Halse beginnend, von l 1 /»- f acher Kopflänge, dreimal gebuchtet (Fig. 26). Collerette ziemlich voluminös, am breitesten in der Gegend hinter der Mitte der Corona, bis fast an die Vorderflossen reichend. Darmtraktus und weib- licher Apparat wie bei »S. neglecta. Samenblasen eiförmig, die Hinterflossen berührend, von der Schwanzflosse etwas entfernt. Beobachtete Größe bis 7 mm. — S. regularis lag mir zwar in größerer Menge vor, da jedoch die Art die Eigentümlichkeit hat, bei der Konservierung die Kappe vorzuziehen, waren mir ausgedehntere Zählungen der Haken und Zähne unmöglich. Als relative Länge des Schwanzabschnittes fand ich bei größeren, 5—6 mm langen Exemplaren von Port Natal (Gauss-Expedition) 28 — 31%, bei kleineren, 3 — 3% rnm langen aus dem Roten Meer (Museum Helsingfors) 34 — 35 %; nur bei den letzteren konstatierte ich öfters 10, einmal auch 11 Haken, sonst waren, wie auch Fowler angibt, nur 8 — 9 Haken zu beobachten. Die Vorderzähne erinnern, natürlich in bedeutend verkleinertem Maßstabe, an die von S. hexa- ptera; mehr als 3 habe ich nicht beobachtet und ich glaube, daß 4 selten sind. Die Samenblasen ähneln sehr denen von S. neglecta, es fiel mir bei »S. regularis nur ein etwas breiterer Epithelstreif jederseits zwischen ihnen und der Schwanzflosse auf. S. bedfordii Doncaster zu S. regularis zu stellen, trage ich kein Bedenken: die knappe Original - licschreibung der *S. bedfordii enthält nur einen Punkt, der mit S. regularis nicht zu stimmen scheint; er betrifft die Corona, von der Doncaster an seinem Individuum nur Bruchstücke erhalten fand und die ihm sowohl am Kopfe als am Rumpfe gelegen zu haben und von birnförmigem Umriß ge- wesen zu sein scheint. Allein leicht können Reste von Tasthügeln (die sich besser zu erhalten pflegen als die Corona) zu einer Flimmerkrone kombiniert worden sein, die nach den bisherigen systema- tischen Erfahrungen mit straffem Habitus, breiter Collerette, Darmdivertikeln und relativ großem Schwanzabschnitt gar nicht vereinbar ist. Sonst weisen sämtliche anderen Angaben Don- caster' s über seine »S. bedfordii deutlich auf S. regularis hin. Tabelle und Abbildungen bei Fowler (24, p. 19). Vorkommen. Indopazifisch-tropisch, nur im Epiplankton. Sagitta minima Grassi. Synonyme und Literatur. 1881. Sagitta Minima. Grassi (32, p. 213). 1883. Spadella Minima, Grassi (33, p. 15). Deutsche Sudpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 4 26 Deutsche Südpolar-Expedition. 1897. Sagitta minima, Aida (1, p. 15). 1902. Sagiila minima, Doxcaster (16, p. 393). 1903. Sagiila minima, Krumbach (41, p. 637). Diagnose. Habitus schlaff, durchsichtig. Schwanz - abschnitt 20—16 % der Ge- samtlänge. Seitenflossen ge- trennt, sehr schmal, abgerundet. Vorderflossen ohne Strahlen, in einer Entfernung hinter dem Bauchganglion beginnend, die dessen halber bis ganzer Länge gleichkommt. Hinter flössen län- ger als die Vorderflossen, zu zwei Dritteilen am Rumpf ge- legen, mit schütteren, durchweg senkrecht zum Körper orien- tierten Strahlen. Haken nur leicht gekrümmt, mit knieförmig einwärts gebogener Spitze, bis 8, meist 7. Vorderzähne flach, dreieckig umrissen, an der Basis breit, in eine schärfere Spitze ausgezogen, bis 5, gewöhnlich 4; die beiden Reihen annähernd in rechtem Winkel zu einander. Hinterzähne typisch, bis 14. Vestibularwülste nicht stark entwickelt, mit ab- gerundeten, teilweise undeutlichen Papillen. Corona längs-oval, breit, am Halse beginnend und daher ganz am Rumpf gelegen, von 1 1 / 2 facher Kopflänge. Keine Collerette. Darm- Fig.27. S. divertikel vorhanden. Weiblicher Apparat sehr kurz, gedrungen kolbenförmig. Samen- utiniffKZ Habitus D l asen länglich, dünn, von hinten nach vorne allmählich etwas verdickt, an die Schwanz- flosse anstoßend, von den Hinterflossen um ihre eigene Länge entfernt. Beobachtete Größe (nach Grassi) bis 10 mm. — Tabelle nach c. 30 Individuen aus dem Atlantischen Ozean. Fig. 28. .S'. minima. Vorderkopf von der Ventralseite. Fig. 29. S. minima. Corona. Länge (mm) Schwanz (%) Haken Vorderzähnc Hinterzähne 8,5 17 7 4 12-14 8 18—19 7 4—5 10-11 7 16-20 7—8 4—5 9—13 6,5 16-20 7—8 (3)4-5 7-12 6 17-20 7 3—4 6-9 5 16—20 7 3(4) 7-9 4,5 21 7 3 6-7 4 24 7 2-3 6—8 Die einzige Beschreibung von S. minima, die bisher existierte, ist die von Grassi. Sie ist un- vollständig und enthält einen Irrtum in bezug auf die Corona: Grassi nennt dieselbe derjenigen von S. bipunctata ähnlich, nur etwas kürzer, meint also, daß sie bereits am Kopfe zwischen den Augen beginne. Wie ich mich jedoch überzeugt, erhält sich die einem ganz arideren Typus ange- hörende Corona bei S. minima selten vollständig; es ist daher möglich, daß Grassi sie sich aus v. Ritter-Zahony, Sagitten. 27 Kesten rekonstruierte und dabei die beiden länglichen Tasthügel zwischen ihr und den Augen (Fig. 29) als Teile der Corona aufgefaßt hat. Richtig hat dagegen bereits Aida (1. c.) in seinen kurzen Be- merkungen über S. minima die Corona beschrieben, ohne jedoch auf den Widerspruch mit den Angaben Grassi's hinzuweisen. Völlig isoliert steht S. minima durch den Bau ihrer Seitenflossen da (Fig. 27). Die Vorderflossen entsprechen zwar in ihrem Umriß dem Typus und sind nur wenig schmäler als gewöhnlich, entbehren jedoch vollständig der Strahlen; die Hinterflossen weichen in ihrer Gestalt schon stärker ab; durchweg zum Körper senkrechte Strahlen in der Hinter- flosse sind aber bisher noch bei keinem Chätognathen beobachtet worden. Die Haken machten mir nicht den Eindruck einer „schweren Bewaffnung" (Krumbach), ihr Ver- hältnis zum Kopf scheint mir dasselbe wie bei anderen Arten. Ihre Spitze entspricht voll- kommen der Figur T Krumbach's (41, p. 637), Bildungen jedoch, wie sie seine Fig. U (1. c.) zeigt, habe ich nicht beobachtet. Der jüngste Haken ragt wie gewöhnlich nur zur Hälfte aus dem Epithel hervor; zählt man ihn nicht mit, so ergeben sich natürlich nur 6, bzw. 7 Haken für S. minima. Die flachen und zugespitzten, voneinander etwas abgerückten Vorderzähne (Fig. 28), geben für die Art ein gutes Merkmal ab, wenn, wie dies oft der Fall ist, die Spitzen der Haken abgebrochen und die Flossen lädiert sind. Der relativ kurze Schwanzabschnitt unterscheidet ferner S. minima von den Jungen anderer Arten, vorausgesetzt daß die Ovarien, an denen die Art ebenfalls leicht kenntlich ist, noch nicht entwickelt sind. Diese Organe gleichen denen von S. enflata, sind jedoch noch gedrungener, enthalten stets nur eine geringe Anzahl von reifen Eiern und reichen nur wenig über die Mitte der Hinterflossen hinaus. Die S. minima Strodtmann's (70, p. 348) kann, wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe (62, p. 263), nicht diese Art, sondern nur S. elegans gewesen sein. Vorkommen. Annähernd zwischen dem 40.° N und 40.° S, wahrscheinlich nur im Epi- plankton. Sagitta decipiens Fwlr. Synonyme und Literatur. 1905. S. decipiens, Fowler (23, p. 70). 1906. S. Sibogae, Fowler (24, p. 21). 1909. S. sibogae, Ritter-Zähony (60, p. 51). Diagnose. Habitus schlank, jedoch nicht besonders straff. Schwanzabschnitt 29 — 19 % der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt. Vorderflossen sehr lang, schmal, abgerundet, in der Gegend vor dem hinteren Ende des Bauchganglions beginnend; vorderstes Drittel ohne, mittleres mit schüt- teren bloß die Randzone einnehmenden Strahlen. Hinterflossen bedeutend kürzer als die Vorder- flossen, dreieckig vorspringend, zu s / 5 bis 2 I 3 am Rumpf gelegen, mit Ausnahme des vordersten Endes vollständig von Strahlen durchsetzt. Haken typisch, bis 7, meist 6. Vorderzähne relativ kurz und breit, einander dachziegelartig deckend, bis 10; die beiden Reihen konvergieren unter spitzem bis rechtem Winkel. Hinterzähne typisch, bis 26, meist weniger. Vestibularwülste mit spitzen, meist stark ausgeprägten Papillen. Pigmentfleck der Augen in der Jugend typisch, später länglich. Corona länglich, vom Halse aus über den Rumpf sich erstreckend, von 1 % — 2facher Kopflänge, leicht unregelmäßig gebuchtet. Collerette nur angedeutet. Darmdivertikel vorhanden. Weiblicher Apparat kolbenförmig, höchstens bis an die Vorderflossen reichend. Receptaculum seminis durch 28 Deutsche Südpolar-Expedition. Spermamassen am vorderen Ende oft keulenförmig erweitert. Samenblasen länglich, vorne kopfig verdickt, um mehr als ihre eigene Länge von den Hinterflossen entfernt, die Schwanzflosse be- rührend. Beobachtete Größe (nach Fowler) bis 20 mm. — Tabelle nach 60 Exemplaren aus dem Atlantischen Ozean. Länge (mm ) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne 15 20 6 7 15 14 20—23 6 7—8 15—17 13 19—23 5—0 7—9 15—19 12 23—25 5—6 8-9 17—20 11 19—24 6 8 17—19 10 21—20 6—7 0—8 12—19 9 22—29 6 6-8 12—17 8 25—29 7—8 17 7 29 1) 7 12—16 Im Habitus steht S. decipiens in der Mitte zwischen den beiden im Genus Sagitta vor- kommenden Extremen. Der Kopf ist relativ breit und erscheint bei gut erhaltenen Exemplaren vorne wie abgestutzt. Die relative Länge des Schwanzabschnittes betrug bei den über 10 mm langen Individuen meines Materials stets nur 19 — 25 % der Ge- samtlänge, Fowler hat jedoch, unter Einberechnung der Schwanzflosse, auch größere Zahlen gefunden. Die typische Zahl der Haken ist 6, bei jüngeren Individuen findet man zuweilen 7, bei älteren oft 5 Haken, nie aber ist das Verhalten umgekehrt: die für Chätognathen charakteristische Abnahme der Hakenzahl mit dem Alter ist daher, obwohl es sich um eine kleinere Art handelt, doch deutlich. Die Corona, die ich leider nur in Bruchstücken beobachten konnte, habe ich in Fig. 31 zu rekonstruieren ver- sucht. Hinter den Augen liegen wie bei S. minima zwei längliche Tasthügel, die meist gut erhalten sind, während zwischen den Augen niemals eine Spur von Sinneszellen zu sehen war. Gerade an dieser Stelle aber pflegt sich die Corona, wenn sie überhaupt so weit reicht, am besten zu erhalten; daher glaube ich nicht irrezugehen, wenn ich ihr vorderes Ende bei S. decipiens erst auf den Hals verlege. Der Augenfleck ist bei jungen, kleinen Tieren in typischer Weise ebenso breit wie lang; ziemlich rasch scheint er dann von einem be- stimmten Alter ab stark in die Länge zu wachsen. Ich konnte alle Übergänge vom typischen Stadium bis zu einem Augenfleck, der viermal so lang wie breit war, verfolgen. Der Vorderdarm ist relativ etwas länger, als bei den anderen Arten; infolgedessen sowie infolge der Transparenz der Tiere lassen sich die stets vorhandenen Darm- divertikel gut konstatieren. Sie sind in der Jugend kurz und kugelig, strecken sich später immer mehr in die Länge und reichen dann bis an den Hals. Fowler ist nur durch die aberranten Verhältnisse des Augen- pigments verführt worden, seine S. sibogae aufzustellen. Ich habe S. decipiens von zahlreichen Fundorten mit Originalen von S. sibogae, die Herr Prof. M. Weber in Fig. 30. S, decipiens, Habitus. Fig. 31. S. decipii m Corona. v. Rittek-Zähony, Sagitten. 29 Amsterdam mir zu senden die Güte hatte, verglichen und kann daraufhin nur um so bestimmter für die Identität der beiden Arten eintreten, die mir, nachdem ich auf die Veränderlichkeit des Augen - flecks aufmerksam geworden war, bereits einleuchtete. Denn von jenem Merkmal abgesehen, finden sich keine spezifischen Unterschiede in Föwler's Diagnosen und Abbildungen der beiden Arten und S. Sibogae weist danach — als älteres Stadium! — gegenüber S. decipiens eigentlich nur be- deutendere Dimensionen und höhere Zahlen für die Vorder- und Hinterzähne auf. Abbildungen der Vorderzähne und Vestibularwülste bei Fowler (23, Fig. 34, 35; 24, Fig. 70, 72). Die Abbildung des Vorderkopfes bei Ritter-Zähony (60, p. 52) ist nach einem geschrumpften Alkoholexemplar entworfen, zeigt aber die charakte- ristische Stellung der Vorderzähne. Vorkommen. Wahrscheinlich kosmopolitisch mesoplanktonisch; nur in hohen Breiten noch nicht nachgewiesen. Sagitta planctonis Steinhaus. Synonyme und Literatur. 1896. Sagitta hexaptera (non d"Orbigny 1834 — 44!), Conant (12, p. 213). 1896. Sagitta planctonis, Steinhaus (68, p. 7). 1905. Sagitta Zetesios, Fowler (23, p. 67). 1905. Sagitta planetonü?, Fowler (23, p. 71). 1906. Sagitta Zetesios, Fowler (24, p. 22). 1909. Sagitta planctonis, Ritter-Zahoxy (61, p. 790). Diagnose. Habitus sehr kräftig, straff. Schwanzabschnitt 26 — 20 % der Gesamtlänge. Seitenflossen getrennt. Vorderflossen schon am Beginn — knapp hinter dem Bauchganglion — ziemlich breit, nach hinten fast um das doppelte "zunehmend, konsistent; Innen- zone und vorderstes Drittel ohne Strahlen. Vorderflossen in der Jugend schmäler, etwas kürzer und vollständig von Strahlen durch- setzt. Hinterflossen dreieckig, kürzer als die Vorderflossen, mit strahlenloser Innenzone, etwas mehr am Rumpf als am Schwanz ge- legen. Haken bis 10, gewöhnlich 8 oder 9. Vorderzähne relativ läng lind dünn, nach hinten gerichtet, einander nicht oder nur wenig deckend, bis 10. Hinterzähne typisch, bis 22. Vestibularwülste mit abgerundeten Papillen. Corona gestreckt, vom Halse aus über den Rumpf reichend, vorne spitz, hinten abgestutzt, von 1- bis 2facher Kopflänge, mit undeutlich gebuchteten Rändern. Collerette stark entwickelt, in gleichbleibender Breite vom Halse bis an die Vorder- flossen reichend ; bei jüngeren Tieren jedoch nicht so lang und in ihrer hinteren Hälfte bedeutend schmäler. Darmdivertikel vorhanden. Weiblicher Apparat stabförmig. eventuell bis in die Halsregion reichend. Samenblasen länglich, flach konisch, nach hinten sich öffnend, von der Hinterflosse um ihre halbe bis ganze eigene Länge entfernt, der Schwanzflosse genähert. Beobachtete Größe bis 40 mm. — Wie bei manchen anderen Arten, kann man auch bei S. planctonis an Individuen bis zu 25 mm Länge besondere „Jugendcharaktere" konstatieren. Sie betreffen hauptsächlich die Vorderflossen Fig. 33. S.planc- tonis, Vorderen- de eines jungen Exemplars, stär- ker vergrößert. , :;i (10)11 12 (7)8-9 22 33 i:i 32 -35 (10)11 8—9 22—26 12 32—35 10-11 (7)8 21-27 II 32 33 10-12 6 8 10 23 Kl 33—36 10—11 6— 7 17 -20 v. Rittek-Zähojjy, Sagitter.. 33 haupt, die auf einer Seite zur Entwicklung gelangen, läßt sich daher nicht sicher bestimmen. Pigment- lose Augen findet man sonst nur noch bei Eukrohnia hamata: während sie aber hier einen bestimmten Typus repräsentieren, scheinen sie mir bei S. macrocephala in Degeneration begriffen zu sein; bei der Konservierung gehen sie übrigens sehr leicht ganz verloren. Der Behauptung Günther' s (34, p. 361 ), die Kappe sei bei S. macrocephala reduziert, muß ich vollständig widersprechen, da dieses Organ in typischer Weise entwickelt ist. Infolge von Fettmassen erscheint der Mitteldarm gewöhn- lich gelblich opak. S. macrocephala teilt diese Eigentümlichkeit mit einigen anderen Arten der Tiefsee, z. B. Eukrohnia hamata, das Fett tritt jedoch bei letzterer meist in mehr oder weniger klaren Tropfen, seltener in opaken Massen auf. Die Fänge vom 11. und 14. Oktober 1901 (mittelatlantischer Ozean, 1200 und 1900 m) ent- hielten einige größere Exemplare von S. macrocephala. die nach Notizen Prof. Vanhöffen's eine intensiv ziegelrote Färbung auszeichnete, während sonst die Art stets ungefärbt war. Es scheint, daß manchen Chätognathen derTiefsee dieFähigkeit zukommt, unter besonderen Umständen orange oder rote Farbtöne anzunehmen, da auch Fowler an S. macrocephala und Eukrohnia hamata (23, p. 56) gelegentlich eine lachsrosa Färbung beobachtet hat und da dieselben beiden Fänge der Gauss- Expedition, die rote S. macrocephala enthielten, auch eben so gefärbte Exemplare von Eukrohnia fowleri aufwiesen. Im Fang vom 10. März 1903 (Westwindtrift, 3000 m) zeichnete sich ein Exemplar von Heterokrohnia mirabilis (s. u. ) mit mehreren anderen von E. fowleri in derselben Weise aus und an einer fünften Art, S. maxima, hat schon Verrill an Exemplaren aus der Tiefe des Nord- atlantischen Ozeans lachsrosa Töne beobachtet (vgl. 62, p. 267). Da ferner gewöhnlich in ein und demselben Fang tingierte und farblose Individuen derselben Art vorkommen, kann die Färbung bei Chätognathen nur einer lokal erworbenen, nicht aber einer spezifischen Eigenschaft entsprechen. Tabelle auch bei Fowler (23, p. 66). Vorkommen. Kosmopolitisch mesoplanktonisch. Genus Pterosagitta A. Costa. 1869. Pterosagitta, A. Costa. 1880. Spadella, Langerhans; partim. 1880. Spadella, Hertwig; partim. 1883. Spadella, Grassi; partim. 1892. Spadella, Strodtmann; partim. Pterosagitta unterscheidet sich von Sagitta nur dadurch, daß die Vorderflossen und der Rumpf- teil der Hinterflossen durch eine sehr voluminöse Collerette, die vom Halse an sich über den ganzen Rumpf erstreckt, ersetzt sind; auf der Höhe des Rumpf- Seh wanzseptums, oder etwas dahinter, geht dieselbe in das (einzige) Seitenflossenpaar über. Ungefähr in der Mitte der Collerette findet sich jederseits ein großer Tasthügel mit einem Büschel außerordentlich langer Sinnesborsten. Bekannt eine gute Art. — Pterosagitta draco (Krohn). Synonyme und Literatu r. 1853. Sagitta draco, Krohn (40, p. 272 1. 1869. Pterosagitta mediterrane«, A. Costa (14, p. 54). 1880. Spadella draco, Langerhans (42, p. 136). Deutsche Slldpular-Expedition. XIII. Zoologie V, Ö 34 Deutsche Südpolar-Expedition. ■ m jpg} 1880. Spadella äraco, Hertwig (36, p. 266). 1883. Spadella Draco, Grassi (33, p. 51). 1895. Spadella Vougai, Beraneck (4, p. 155; vgl. 24, p. 26). 1903. Spadella draco, Krumbach (41, p. 628). 1906. Spadella draco, Fowler (24, p. 25). 1910. Pterosagüla draco, Ritter-Zähoxy (66, p. 18). Diagnose. Habitus sehr kräftig, etwas gedrungen. Kopf ungefähr so lang wie breit. Schwanz- abschnitt 38 — 46% der Gesamtlänge. Seitenflosse abgerundet, vollständig von Strahlen durch- setzt, über etwa % des Schwanzabschnittes reichend. Haken bis 10, meist 9, mäßig gekrümmt, mit geraden Spitzen und längs der ganzen Schneide verlaufender, relativ breiter Crista, deren basale Hälfte meist fein gezähnelt ist. Vorderzähne bis 10, relativ kurz, von dreieckigem Umriß, einander dachziegelartig deckend; die beiden Keinen in annähernd rechtem Winkel zueinander. Hinterzähne bis 18, lang konisch, eng aneinander schließend, bräunlich (wie auch die Vorderzähne). Vestibularwülste mit kleinen deutlichen Papillen. Corona längsoval, am Rumpf knapp hinter dem Halse gelegen, von etwas mehr als Kopflänge. Vorder- und Mitteldarm deutlich geschieden, aber keine Divertikel an letzterem. Anus knapp vor dem Rumpf- Schwanzseptum. Weiblicher Apparat wie bei Sagitta, kolben- förmig, bis in die Halsgegend reichend. Samenblasen länglich-eiförmig, relativ sehr groß, der Seitenflosse eng angeschlossen oder sie dorsal überragend (Fig. 40), der Schwanz- flosse mehr oder weniger genähert. Beobachtete Größe bis 10,5 mm. — • Tabelle nach 30 Exemplaren aus dem Atlantischen Ozean. 1. Fig. 39. Pt.draco, Stück aus der Mitte eines Greif- hakens; p Pulpa, s Schneide. Länge (mm ) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne 10,5 43 9 8 L6 9 39—42 (8)9 7—9 14—16 8,5 41 9 7—9 15—17 8 38—41 9 7—8 13-16 7,5 40—46 9(10) 7—9 14—18 7 39—43 9—10 9 14—17 6,5 39 9—10 7—9 13—17 6 41 9—10 5—7 8—12 5,5 38 9 6 12 Zur näheren Charakteristik der Art sei noch erwähnt, daß die lockere Collerette bei der Konservierung leicht verloren geht, das Seitenflossen - paar sich aber erhält und dann vorne wie abgestutzt aussieht. Proximal ist übrigens jede der beiden Flossen bis über ihre Mitte hinaus oben und unten noch mit blasigen Zellen — eine Fortsetzung der Collerette — belegt (Fig. 40). Die Geschlechtsorgane entsprechen ganz denen von Sagitta: das Receptaculum ist schlauchförmig, mündet auf einer deutlichen Papille und kann, wenn es mit Sperma gefüllt ist, an verschiedenen Stellen kugelig oder unregelmäßig aufgetrieben sein. Die weiblichen Organe füllen zur Zeit der Reife jederseits fast das ganze Coelom aus. Fig. 39 illustriert die Art der Zähnelung der Hakenschneide: die Zähne sind nach oben Fig. 40. Pt. draco, Samen- blasen von der Dorsalseite. v. Rittf.u-Zahony, Sagitten. 35 gerichtet, nicht immer regelmäßig und von denjenigen der Haken von Spadella (s. u.) gänzlich verschieden. Abbildungen: Bestes Habitusbild bei Hertwig (36, Taf. 9, Fig. 3) ; jedoch nicht ganz korrekt, da z. B. die Corona relativ zu klein gezeichnet ist. Haken bei Krumbach (41, p. 628) und Fowler (24, Fig. 91, 92). Vorder- und Hinterzähne bei Fowler (24, Fig. 93). Vorkommen. Annähernd zwischen dem 40.° N und 40.° S nur im Epiplankton. Genus Spadella Lnghs. 1880. Spadella, Langerhans; partim. 1880. Spadella, Hertwig: partim. 1883. Sagiüa, Grassi. 1892. Spadella, Strodtmann; partim. Diagnose. Kleine, etwas gedrungene, kräftige Arten. Kopf so breit wie lang. Schwanz- abschnitt mindestens 50% der Gesamtlänge. Ein oder zwei Paar seitlicher Flossen. Das eine (hintere) Paar fast ganz am Schwanz, das andere (vordere), wenn vorhanden, ganz am Rumpf gelegen. Schwanzflosse spateiförmig, mit dem hinteren Seitenflossenpaar kon- tinuierlich verbunden. Haken 8 — 11, mäßig gebogen, mit ungekrümmten Spitzen. Jederseits einander stark genähert zwei Reihen weniger Zähne. Vestibularorgane von der hinteren Reihe dieser Zähne entfernt, eiförmige Polster ohne Papillen (Fig. 41). Corona verschieden, kurz, am Kopf oder am Rumpf gelegen. Collerette vorhanden. Ein paariges, ventrales transversales Muskellager im Rumpfabschnitt. Mitteldarm mit oder ohne Divertikel. Analöffnung knapp vor dem Rumpf - Schwanzseptum. Ovarien kolben- förmig, bis an den Hals reichend. Receptacula seminis kugelig oder schlauchförmig; münden seitlich mit dem entsprechenden Ovarium vermittelst eines kurzen Ganges auf je einer, hauptsächlich aus Drüsenzellen bestehenden, flachen Papille. Samenblasen über der Grenze zwischen dem hinteren Flossenpaar und der Schwanzflosse dorsal angelegt; im entwickelten Zustande eiförmig, genau seitlich gelegen und zwischen die genannten Flossen eingebettet. Klebzellen im Epithel. Gesamtfärbung gewöhnlich gelblich oder bräunlich. Lebensweise neritisch, kriechend und gleitend auf Algen, worauf auch die Eier an kleinen Stielen abgesetzt werden. Bekannt zwei gute Arten. — Von den beiden Arten, die einstweilen das Genus Spadella repräsentieren, ist nur die eine, die europäische Sp. cephaloptera (W. Busch) genauer bekannt; die andere, Sp. schizoptera, ist bisher nur einmal an der ostamerikanischen Küste beobachtet und unvollständig beschrieben worden. Wahrscheinlich hat jedoch das Genus an anderen Küsten noch weitere Vertreter, die aber infolge ihrer Lebensweise noch unbekannt geblieben sein dürften. Die obige Gattungsdiagnose ist daher als eine provisorische anzusehen. Spadella cephaloptera (W. Busch). S v n o n y m e und L i t e r a t u r. 1851. Sagitta cephaloptera, Busch (6, p. 98). 1858. Sagiüa Upunetata, Lewes (46, p. 250); errore. 1858. Sagitta Mariana, Lewes (46, p. 414; Taf. 5, Fig. 1). 1863. Sagitta gallica, Pagenstecher (57, p. 308). 1863. Sagitta cephaloptera, Claparede (9, p. 9). 1870. Sagitta ponlica, Ul.janix (72, p. 57: vgl. 73, p. 588). 36 Deutsche Südpolar-Expedition. 1874. Sagitla Batziana, Giard (30, p. 517). 1880. Spadella cephaloptera, Langerhans (42, p. 136). 1880. Spadella cephaloptera, Hertwig (36, p. 261). 1883. Sagilta Clapareäi, Grassi (33, p. 17). 1903. Spadella musculosa, Doncaster (48, p. 266). 1906. Spadella cephaloptera, Fowler (24, p. 34). 1909. Spadella parvula, Moltschanoff (52, p. 889). Diagnose. Kopf vorne etwas zugespitzt. Kappe mit zwei tentakelartigen seitlichen Fort- sätzen. Schwanzabschnitt 50 — 58% der Gesamtlänge. Ein Paar abgerundeter, vollständig von Strahlen durchsetzter Seitenflossen, die knapp hinter den Mündungen der Receptacula beginnen und sich jederseits über mindestens % des Schwanzabschnittes erstrecken. Haken 8 — 11; längs ihrer ganzen Schneide kleine, voneinander entfernte, stumpfe, oft undeutliche Zähnchen. Vorderzähne relativ sehr lang und schlank, dreh- rund, meist leicht und unregelmäßig gebogen, biso, Fig 41. Sp. cephaloptera, Vorderkopf von der Ventralseite. meist 4 Hinterzähne kurz, kegel- oder stift- förmig, bis 4 (Fig. 41). Corona längsoval, hinten etwas eingebuchtet, auf Hals und Rumpf ge- legen. Collerette schon vor dem Halse beginnend, am breitesten in der Gegend der Corona, dann rasch sich verschmälernd, aber bis an die Mündung der Receptacula, also fast über den ganzen Rumpf reichend. Das ventrale transversale Muskellager erstreckt sich durch den ganzen Rumpf - abschnitt. Zwei kugelige Darmdivertikel hinter dem Halse. Receptacula kugelig. Beobachtete Größe bis 10 mm. — Tabelle. Länge (mm) Schwanz (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne Herkunft 9,5 58 10—11 5 4 Irische See 5,3 50 10 4 4 Irische See 4,6 52 9—10 4 2 Irische See 3,5 51 ¥> 8 4 2—3 Triest 3,2 50 8-9 4 2—3 Triest 3,1 5iy 2 8—9 4 2—3 Triest 2,8 54 8—9 4 2 Triest 2,5 52 8—9 4 2 Triest Der bunten, im übrigen jedoch schon längst bekannten Synonymenliste von Sp. cephaloptera auch noch die Sp. parvula Moltschanoff anzureiben, trage ich nicht das geringste Bedenken, da die Unterschiede, die der Autor gegenüber Sp. cephaloptera für seine Art geltend macht: geringe Größe und Mangel von Hinterzähnen, nicht stichhaltig sind. Schon Grassi weist darauf hin, daß die hintere Zahnreihe dem Beobachter leicht entgeht. Ich selbst habe an kleinen Exemplaren oft nur mit Mühe zwei Hinterzähne entdecken können und halte es nicht für ausgeschlossen, daß diese vielleicht in Rückbildung begriffenen Organe gelegentlich ganz fehlen. Leicht können auch, nament- lich wenn so wenig Hinterzähne vorhanden sind, beide Reihen jederseits für eine einzige Reihe oder Gruppe gehalten werden. Die Beschreibung und die Abbildungen Moltschanoff's, die ich mit eigenen anatomischen Untersuchungen an Sp. cephaloptera vorglich, überzeugten mich, daß nur diese v. Rittek-ZAhony, Sagitten. 37 Art vorgelegen haben kann. Auch Sp. muscidosa Donc. findet sich an dieser Stelle zum erstenmal in der Synonymenliste von Sp. cephaloptera; sie kann jedoch nur hierher gehören, wohin jeder Punkt ihrer Beschreibung sie verweist. Sp. cephaloptera hat, wie viele andere Chätognathen und Organismen, die Eigenschaft, desto größere Dimensionen anzunehmen, in je kälterem Wasser sie zu Hause ist. Keiner der Autoren, die sie im Mittelmeer in geringen Tiefen beobachtet haben, gibt ihr mehr als 5 mm; ich selbst maß in Triest höchstens 3,5 mm lange Tiere, die dabei vollständig geschlechtsreif waren. In Sagitten - material aus der Irischen See konnte ich jedoch größere Dimensionen konstatieren (65, p. 4). Bestes Habitusbild bei Grassi (33, Taf. 1, Fig. 1). Vorkommen. Bisher nur an der europäischen Küste (Nordatlantischer Ozean, Mittel- meer, Schwarzes Meer) beobachtet. Fowler hat die bisherigen Fundorte zusammengestellt (24, p. 65); in den letzten Jahren kamen nur noch die Irische See (65) und Stadt (5) in Norwegen hinzu. Letzterer Fundort, auf etwa 62° N, ist zugleich der nördlichste Punkt, auf dem Sp. cephaloptera bisher nachgewiesen worden ist. Spadella sclüzoptera Conant. Literatur. 1895. Spadella schizopfera, Conant (11, p. 289). Diagnose. Schwanzabschnitt 51% der Gesamtlänge. Zwei Paare vollständig von Strahlen durchsetzter Seitenflossen; das vordere klein, abgerundet, das hinterste Drittel des Rumpfes ein- nehmend, jedoch nur bis an die Mündung des Receptaculums reichend; das hintere, von ähnlicher Gestalt, wie das vordere, beginnt knapp hinter der Mündung des Receptaculums und erstreckt sich ungefähr über die vorderen zwei Dritteile des Schwanzabschnittes. Haken 8. Vorderzähne 2 — 3, lang und gekrümmt. Hinterzähne fehlend ( ?). Corona von Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks, dessen Seiten eingebuchtet und dessen Ecken abgerundet sind ; das eine Ende der Corona am Kopfe zwischen den Augen, die beiden anderen am Halse. Das ventrale transversale Muskellager auf den vorderen Teil des Rumpf abschnittes beschränkt. Keine Darmdivertikel. Receptacula schlauch- förmig, vor ihrer Mündimg durch einen quer verlaufenden unpaaren Kanal miteinander verbunden. Beobachtete Größe 4 mm. — Die Diagnose von Sp. schizoptera konnte ich leider nur nach der einzigen, unvollständigen Beschreibung, die von ihr existiert, entwerfen. Die zahlreichen Analogien dieser, im übrigen zweifel- los guten Art mit Sp. cephaloptera erlauben es mir jedoch, ihr noch einige, in der Originalbeschreibung (und Abbildung) nicht enthaltene Merkmale zuzuschreiben, die ich in die Gattimgsdiagnose von Spadella aufgenommen habe. Es sind dies: die Eigentümlichkeit, die Eier auf Stielen abzulegen und der Besitz von Vestibularorganen und einer Collerette. Für das Vorhandensein der letzteren spricht übrigens die Abbildung Conant' s. Ob tatsächlich eine hintere Reihe von Zähnen gänzlich fehlt, muß ich einstweilen dahingestellt sein lassen, da, wie schon erwähnt, diese Organe bei den Spadellen leicht übersehen werden können. Der Zerspaltung der Hinterflossen in unregelmäßige Lappen dürfte kein systematischer AYert zukommen; ich habe Ähnliches oft bei verschiedenen Chätognathen beobachtet, es aber stets auf Rupturen zurückführen können. Habitusbild bei Conant (1. c). Vorkommen. Bisher nur an den Bahamas beobachtet. 38 Deutsche Südpolar-Expedition. Genus Eukrolinia Ritt.-Z. 1880. Krohnia (non Quatrefages 1865!), Langerhans. 1880. Spadella, Hertwig; partim. 1883. Spadella, Grassi; partim. 1892. Krohnia, Strodtmann; partim. Diagnose. Mittelgroße, ziemlich kräftige Alten. Länge des Schwanzabschnittes 19 — 31% der Gesamtdimension, vom Alter der Tiere unabhängig. Ein Paar von Seitenflossen, die sich über Rumpf und Schwanz erstrecken. Sie beginnen ohne scharfe Grenze etwas vor dem Bauchganglion und reichen bis fast zur Mitte des Schwanzabschnittes; ihre Gestalt ist die eines stumpf- winkeligen Dreiecks, das mit seiner Basis dem Körper anliegt und dessen Höhe in die Gegend des Rumpf -Schwanzseptums fällt; Strahlen nur am äußeren Rande ihres letzten Drittels. Schwanzflosse breit dreieckig. Greifhaken 8 — 13, mit gekrümmten Spitzen. In der Jugend besondere primäre Haken mit Borsten- oder Zähnchenkamm an der Schneide. Eine Zahnreihe, die der hinteren von Sagitta entspricht. Zähne kantig-konisch, mit einfachen Spitzen, eng aneinander schließend, zahlreich. Haken und Zähne gewöhnlich dunkelbräunlich. .Vestibularorgane leichte, seitlich vorspringende, von den Zähnen überdachte Wülste mit oder ohne Papillen. An Stelle der Vestibulargruben zerstreute Drüsen im Epithel der Vestibularorgane. Mächtiges apikales Drüsen- lager vorn am Kopfe zwischen den Enden der Lateralspangen, das sich auf die Dorsalseite in zwei divergierende Streifen unter die Kappe fortsetzt. Augen von anderem Typus wie bei Sagitta. Corona verschieden, zwischen den Augen beginnend und entweder bloß bis zum Halse oder auch noch auf den Rumpf reichend. Weder Collerette noch Darmdivertikel. Analöffnung auf der Höhe des Rumpf - Schwanzseptums. Dorsolateral im Epithel des Vorderendes jederseits ein mit Drüsen zellen ausgekleideter längerer Kanal. Paariges ventrales transversales Muskellager im vorderen Rumpfdrittel. Weiblicher Apparat kolben- förmig, selten von mehr als halber Rumpf länge. Receptaculum sackförmig, vor seiner trichter- förmigen Mündung kanalartig eingeschnürt. Zur Zeit der Geschlechtsreife kommt es zur Bildung von Eier- und Samensäckchen. Lebensweise freischwimmend pelagisch. Kaltwasserarten. Vor- kommen rein mesoplanktonisch oder — aber nur in hohen Breiten — auch holoplanktonisch. Be- kannt zwei gute Arten. — Die vor kurzem erschienene ausführliche Darstellung von E.hamata (62, p. 268 ff.) enthebt mich der näheren Erläuterung der in obiger Diagnose gegebenen allgemeinen Merkmale. Ich weise nur nochmals darauf hin, daß bei Euhohnia, im Gegensatz zu Sagitta, die relative Länge des Schwanz- abschnittes mit dem Alter nicht abnimmt, sondern daß die beiden Körperabschnitte das ganze Leben hindurch im selben Maße zunehmen und daher auch stets dasselbe Längenverhältnis zu- einander bewahren. Über den Bau der Augen konnte ich, da noch keine Untersuchungen vorliegen, nach eigenen, nicht weiter verfolgten Beobachtungen leider nur sagen, daß er von anderem Typus ist wie bei Sagitta. Merkwürdig ist aber, daß die beiden, einander sonst nahestehenden Vertreter des Genus Eukrolinia auch untereinander gerade im Bau der Augen am stärksten voneinander abzuweichen scheinen, was ich auch in meinen Figuren der Köpfe von E. hamata (62, Taf. 5, Fig. 11, B) und fowleri (s. u. Fig. 45) deutlich zu machen versucht habe. v. Ritter-ZAhony, Sagitten. 39 Eukrohnia hamata Mob. iS y n o n y m e und Literatur. 1875. Sagitia hamata, Möbius (50, p. 158). 1880. Krohnia hamata, Langerhans (42, p. 136). 1880. Spadella hamata, Hertwig (36, p. 268). 1888. Sp. innoni., Fewkes (19, p. 48; tab. 3, fig. 1). 1892. Krohnia hamata, Strodtmann (70, p. 350, 368). 1896. Krohnia hamata, Conant (12, p. 212). 1896. Spadella (Krohnia) hamata, Fowler (22, p. 993). 1897. Krohnia foliacea, Aida (1, p. 19). 1905. Krohnia hamata, Fowler (23, p. 74). 1907. Krohnia hamata var. borealis, Moltschanoff (51, p. 209). 1909. Eukrohnia hamata, Ritter-ZXhony (61, p. 792). 1910. Eukrohnia hamata, Ritter-Zähony (62, p. 268). Diagnose. Kopf so breit wie lang. Schwanzabschnitt 19 — 31% der Gesamtlänge. Haken 8 — 9, bei jüngeren Tieren auch 10, wenig gebogen, breit, mit knieförmig nach innen geknickten Spitzen. Primäre Haken mit Borstenkamm. Zähne bis 25, selten mehr. Vestibularorgane ohne deutliche Papillen. Augen oval, unpigmentiert, unmittelbar hinter dem Gehirn gelegen. Corona von flaschenförmigem Umriß, vorne spitz, ungefähr von Kopflänge, auf Kopf und Rumpf gelegen. Beobachtete Größe bis 43 mm. — Abbildungen bei Ritter-Zahony (62, Taf. 5, Fig. 11—18). Vorkommen. Kosmopolitisch-mesoplanktonisch, in hohen Breiten holoplanktonisch. Tabelle nach 75 Exemplaren aus dem Antarktischen Ozean. Länge (mm) Schwanz (%) Haken Zähne 29 24 8 21 27 21^—231/2 8 21—22 26 21—23 8(9) 17—23 25 21—23 8(9) 20—22 24 22—23 8(9) 21—22 23 22— 23% 8(9) 18—22 22 20 y 2 — 24 8(9) 14—21 21 21—23 8 15—17 20 22— 22% 8—9 15—17 19 21—22 8—9 10—15 18 19—22 8—9 11—13 17 21—22 8—9 9—11 16 20—22 8—9 7—12 15 21—22 8—9 8—10 14 21—22 7—9 6—8 13 22—23 8 4—7 12 21—23 7—8 (9) 4-6 11 24 7—8 4 Seitdem die arktische E. hamata eine eingehendere Würdigung erfahren hat (62), ward es interessant zu untersuchen, ob die antarktische E. hamata tatsächlich mit ihr jene voll- ständige Übereinstimmung zeigt, die man nach dem Nachweis der kontinuierlichen Verbreitung der Art von Pol zu Pol anzunehmen berechtigt wäre. Daher habe ich eine größere Anzahl Exemplare von den südlichsten Stationen der Gauss-Expedition gemessen und untersucht, wie obige Tabelle 40 Deutsche Südpolar-Expeditiou. zeigt. Vergleicht man dieselbe mit derjenigen, die ich in „Fauna Arctica" von E. liamata aus dem Ostgrönländischen Meer gegeben (62, p. 270), so zeigt sich, daß doch gewisse, wenn auch nur graduelle, Unterschiede zwischen der E. liamata der Nord- und derjenigen der Südpolargegenden zu kon- statieren sind, denn der Schwanzabschnitt ist bei der letzteren durchschnittlich relativ kürzer (19 — 24% statt 22 — 28%) und die typische Zahl der Haken geringer (bei erwachsenen Tieren 8, bei jungen 8 — 9; statt 9, resp. 9 — 10). Andere Unterschiede sind mir nicht aufgefallen; auf die bei der antarktischen E. liamata durchschnittlich etwas höhere Zahl der Zähne lege ich kein Gewicht. Die größten Individuen aus dem Antarktischen Ozean maßen nur 30 mm. Oft trugen auch kleinere bereits Eiersäckeken: solche Individuen waren dann ungewöhnlich durchsichtig und schienen mir einem langsamen Schwund ihrer Muskulatur zu unterliegen. Besonders deutlich war dies am trans- versalen Lager, von dem nur noch wenige zerstreute Stränge übrig waren. Eukrohnia fowleri Ritt.-Z. Synonyme und Literatur. 1905. Krohnia liamata var., Fowler (23, p. 77). 1906. Krohnia liamata, Fowler (24, p. 23); partim. 1909. Eukrohnia fowleri, Ritter-Zähony (61, p. 793). Tabelle nach 80 Individuen aus dem Atlantischen Ozean. Länge (mm ) Schwanz (%) Haken Zähne 40 24 11—12 30 38 25 12 27 35 23—25 12-13 26—30 34 23—24 11—13 24—25 33 24—26 12—13 23—24 32 231/2— 26y 2 12—13 24—27 31 23—24 11—13 24—30 30 22— 26 ^ 12—13 22—28 29 22 24 11-13 20—25 28 23—27 12 21—24 27 24—26 11—12 21—24 26 23—24 11—12 21 25 24—25 11—12 19—25 24 22—23 11—12 18—21 23 22—25 11—12 19—21 22 22— 25>/ 2 11-12 16—20 21 22—24 11—12 17—19 20 22—25 11—12 15-18 19 21 11 16 18 23—24 10—12 14-15 17 22—24 10-12 14—15 16 22—25 11—12 11—14 15 22—23 11—12 10-12 14 24 11 11 13 22 23 11 8—11 12 25 11 9 11 2:: -25 10—11 5 Diagnose. Kopf etwas breiter als lang, relativ größer als bei E. liamata. Schwanzabschnitt 22 — 27% der Gesamtlänge. Haken 10 — 13. schlanker und stärker gebogen, als bei E. liamata, mit v. Ritter-Zähony, Sagitteii. 41 Fig. 42. E. hamata, Greifhaken. Fig. 43. E. fowleri, Greifhaken. vogelschnabelartig nach innen gekrümmter Spitze. Primäre Haken mit Zähnchenkamm. Zähne bis 30. Vestibularorgane mit besonders lateral deutlichen, konischen Papillen. Augen von mandel- förmigem Umriß, mit Pigmentfleck; vom Gehirn etwas abgerückt. Corona von birnförmigem Um- riß, vorne abgerundet, nur bis an den Hals reichend. Beobachtete Größe bis 40 mm. — E. fowleri läßt sich, bei halbwegs guter Erhaltung, von E. hamata auf den ersten Blick durch ihren derberen Habitus und durch ihren, namentlich bei jüngeren Tieren relativ größeren Kopf unterscheiden. Auch vermag E. fowleri sicherlich größere Dimensionen als E. hamata zu erreichen, denn in allen Fängen der Gauss-Expedition, die beide Arten enthielten, gehörten die größten In- dividuen stets der ersteren an. Dieselbe Beobachtung machte ich an Material aus der Irischen See (vgl. 65, p. 5). Zwar habe ich selbst ausnahmsweise über 40 mm lange Individuen von E. hamata aus dem Ostgrönländischen Meer, in dem die Art holoplanktonisch ist, gemessen; da aber E. fowleri überall nur das tiefere Mesoplankton bewohnt und bisher noch relativ selten beobachtet worden ist, ist es sehr wahrscheinlich, daß man in Zukunft aus großen Tiefen auch noch bedeutend längere Exemplare heraufbringen wird, als bisher aufgefunden wurden. Den in den Diagnosen schon hervorgehobenen Unterschied zwischen den Haken von E. hamata und fowleri illustrieren die Fig. 42 und 43. Zu besserem Vergleich ist dabei der Haken der letzteren Art im Verhältnis zu dem der ersteren etwas weniger vergrößert. Die primären Haken von E. fowleri zeigen, da sie derber sind, besonders schön den Zähnchenkamm (Fig. 44). Bei 16mm langen Individuen war gewöhnlich noch ein primärer Haken anzutreffen, bei 11 mm langen vier bis fünf. Wie bei E. hamata ist der Übergang von ihnen zu den sekundären nicht plötzlich, sondern insofern allmählich, als desto weniger Kammzähnchen vorhanden sind, je später der betreffende primäre Haken im Vergleich zu den übrigen entstanden ist; am letzten findet man bloß drei oder vier unmittelbar hinter der Spitze. Das Augenpigment läßt keine Differenzierung erkennen, wie das von Sagitta; bei Individuen, die länger in Konservierungsflüssigkeiten lagen, ist es zuweilen ausgewaschen und auch die Augen selbst sind nicht immer intakt. Besonders selten erhält sich jedoch die Corona (Fig. 45). Im Bau der Flossen, der Zähne, der Vestibularorgane, der Transversalmus- kulatur und des Geschlechtsapparates entspricht E. fowleri vollständig E. hamata; nur die Ovarien (und mit ihnen das Receptaculum) sind relativ kürzer. Eiersäckchen, die wie bei E. hamata (vgl. 62, p. 273) von den eigentümlich deformierten Seitenflossen um- hüllt waren, habe ich ebenfalls beobachtet. Die Fänge vom 11. und 14. Oktober 1901 (1200 und 1900 m) und vom 11. März 1903 (3000 m) ent- Fig. 44. E. hielten größere Individuen von E. fowleri, die nach fowen, pn- einer Notiz Prof. Vanhöffen's vor der Konservierung marer Greif- Fig. 4o. E. fowleri, Kopf mit Corona ° haken. und Augen von der Dorsalseite. intensiv ziegelrot gefärbt waren, während sonst die Deutsche SUdpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 6 42 Deutsche Südpolar-Expedition. Art, mit Ausnahme ihres infolge von Fettmassen meist gelblichen Darmkanals keinerlei Färbung aufweist. Ich habe mich über jene Eigentümlichkeit, die E. fowleri mit S. macrocephala, Hetero- krolinia mircibilis und wahrscheinlich auch noch mit mehreren anderen Tiefseearten gemein hat, bereits (s. o. S. macrocephala) geäußert. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die ,, Varietät" der Krohnia hamata. die Fowler im Golf von Biscaya auffand, die eben behandelte Art war. Enthalten doch die Bemerkungen Fowler' s alle die charakteristischen Merkmale der Haken. Unzureichendes Material verbot jedoch dem Forscher die Aufstellung einer neuen Art. Die hohen Hakenzahlen, die Fowler dann für seine E. hamata der Siboga -Expedition angibt, ließen mich auch in diesem Falle die andere Art vermuten, und tatsächlich zeigte es sich, als Herr Prof. M. Weber in Amsterdam mir auf meine Bitte hin in freundlichster Weise die Originale zusandte, daß neben wenigen Exemplaren von E. hamata hauptsächlich E. fowleri vorgelegen hatte, jedoch in so kläglichem Zustande, daß danach eine Art- diagnose nicht hätte aufgestellt werden können. Ich selbst lernte E. fowleri zuerst in vorzüglich erhaltenem Material aus der Irischen See, für das ich Herrn Prof. E. W. L. Holt in Dublin ver- pflichtet bin, kennen. Vorkommen. Kosmopolitisch 'mesoplanktonisch. Genus Heterokrohnia n. g. Vorläufige Diagnose. Kräftige, schlanke Arten mit einem Paar auf Rumpf und Schwanz gelegener seitlicher Flossen und zwei Reihen zahlreicher Zähne. Zwischen den vorderen Zahnreihen ein apikales Drüsenlager. Ventrale Transversal- muskulatur sowohl im Rumpf- als im Schwanzabschnitt. Lebensweise pelagisch abyssal. Bekannt eine gute Art. — Heterokrohnia vereinigt sowohl Charaktere von Sagitta, als von Eukrohnia in sich und besitzt auch besondere Eigentümlichkeiten (transversale Schwanzmuskulatur), so daß sie ohne Zwang in keinem der beiden Genera untergebracht werden kann. Heterokrolmia mirabilis n. sp. Diagnose. Kopf relativ groß, bei jüngeren Tieren etwas länger als breit; später gleichen sich die beiden Dimensionen aus. Schwanzabschnitt 32,3 bis 40% der Gesamtlänge; in der Jugend wahrscheinlich relativ länger als später. Die vollständig von Strahlen durchsetzten, mäßig breiten, abgerundeten Seitenflossen beginnen knapp hinter dem Bauchganglion und reichen fast bis zur Mitte des Schwanzabschnittes. Schwanzflosse spateiförmig. Die schlanken, leicht gebogenen Greifhaken gleichen denen von E. fowleri; ihre Spitze ist etwas einwärts gekrümmt. Zahl der Haken 9 bis 11 oder 12. Vorderzähne bis 15, breit, abgeflacht, dachziegelartig einander deckend; die beiden Reihen in spitzem bis rechtem Winkel zueinander. Hinterzähne bis 33, schlank konisch, eng aneinanderschließend. Vestibuläre »rgane mächtige Wülste, an denen nur bei jugendlichen Individuen kleine Papillen bemerkbar sind. Keine Collerette. Vorder- und Mitteldarm voneinander geschieden, doch keine Divertikel an letzterem. Analöffnung knapp vor dem Rumpf- Schwanz- septum. Im Rumpf beginnt die ventrale Transversalmuskulatur am Halse und reicht bis etwas über das Bauchganglion hinaus, im Schwanz nimmt sie ungefähr dessen vorderstes Drittel ein. Weib- Rittkr-ZAhony, Sagitten. 43 lieber Apparat kolbenförmig; Receptaculum schlauchförmig. Samenblasen länglich flach -konisch, sowohl an die Seiten- als an die Schwanzflosse anstoßend, nach vorn sich öffnend. Beobachtete Größe bis 19 mm. — Tabelle über sämtliche mir vorliegende Exemplare. Länge (mm ) Schwanz (mm) ; (%) Haken Vorderzähne Hinterzähne Station Tiefe ( ni ) Konservierung 19 6,2 32,7 11 : 11 14 :15 33 : ? 3. April 1903 3423 Alkohol 18,6 6 32,3 10 :9 15 : 15 29 :30 10. März 1903 3000 Formol 12 4 33,3 ? :10 10 :11 25 : ? 10. März 1903 3000 Formol 10 3,5 35 11 :11 ? :5 6 :6 10. März 1903 3000 Alkohol 10 3,5 ^35 — — — 27. März 1903 2000 Formol 9,4 3,8 40 9 :9 — 1 :1 10. März 1903 3000 Formol 9 3,2 35,5 8 :9 ? :4 2 :1 10. März 1903 3000 Formol 8 3 37,5 9 :9 4 :4 1 :1 10. März 1903 :k um Formol Da mir H. mirabilis zwar in recht gut erhaltenen, aber leider nur in acht Exemplaren vorlag, kann obige Diagnose nicht vollständig sein, wenn sie auch zum späteren Wiedererkennen der Art vollkommen ausreicht. Die Seitenflossen bestehen aus einer vorderen schmäleren und einer hinteren breiteren Hälfte, doch war ihr äußerer Rand bei keinem meiner Exemplare intakt; es ist daher möglich, daß die Fig. 46 den Umriß der paarigen Flossen nicht ganz korrekt wiedergibt. Die Kopf- bewaffnung war bei den größten Individuen dunkelbräunlich, bei den kleinen jedoch noch ganz farblos, und es bedurfte erst längeren Suchens und starker Vergrößerung, um bei den letzteren die wenigen Vorder- und Hinterzähne aufzufinden. Bei dem einen 10 mm langen Exemplar konnte ich außer den 11 in der Tabelle angegebenen ausgebildeten Haken jederseits noch einen 12ten halbentwickelten konstatieren. Die Vorderzähne erinnern in ihrem Bau etwas an die von S. minima (s. o.), treten aber in so großer Anzahl unter allen Chätognathen nur noch bei *S. helenae (s. o.) auf. Das apikale Drüsenlager zwischen den Vorderzahnreihen ist in der Jugend relativ mächtiger entwickelt und deutlich zweigeteilt. Augen habe ich nicht auf- finden können. Die Corona war nicht erhalten. Die Transversalmuskulatur des Rumpfes entspricht derjenigen von Eukrohnia, die des Schwanzes hat jedoch bei keinem der bisher bekannt gewordenen Chätognathen ein Homologon. Die Ovarien schienen mir bei den beiden größten Exemplaren, von denen eines abgebildet ist (Fig. 46), von der Reife nicht allzu weit entfernt; sie maßen 4 bzw. 3,4 mm Länge. Die Samenblasen enthielten reichlich Sperma. Wie ich mich an den jüngeren Exem- plaren überzeugte, werden diese Organe nahe hinter den Seitenflossen angelegt und ver- größern sich dann nach hinten bis zur Berührung mit der Schwanzflosse. Das größte Individuum im Fang vom 10. » März 1903 war, als es im Netze heraufkam, ziegelrot gefärbt Fig. 47. H. mirabilis, Vorderkopf von der Ventralseite; v. Vesti- / j Q g macrocevhala) bularorgan. u Fig. 46. H. mi- rabilis. Habitus von der Ven- tralseite. 6* 4.4. Deutsche Südpolar-Expedition. Vorkommen. Bisher nur im Antarktischen Ozean in Vertikalfängen aus 2000 — 3423 m beobachtet (Gauss -Expedition), jedenfalls aber weiter im Mesoplankton verbreitet. Genus Krohnitta Ritt.-Z. 1883. Spadella, Grassi: partim. 1892. Krohnia, Strodtmann; partim. Diagnose. Kleine schlanke, nicht sehr kräftige Tiere. Ein Paar auf Rumpf und Schwanz gelegener seitlicher Flossen. Schwanzflosse spateiförmig, länglich. Basale Hälfte der in der Mitte leicht knieförmig geknickten Greifhaken ziemlich breit, distale Hälfte derselben spitz ausgezogen. Jederseits eine Reihe dem vordersten Rand des Kopfes aufsitzender Zähne, die aus einer basalen Platte, einem Zwischenstück und einem langen, schmal konischen Teil bestehen (vgl. Fig. 50). Vestibularorgane leichte, seitlich nicht vorragende Wülste ohne Papillen; dahinter je eine kreis- förmig umrissene Vestibulargrube. Augen mit einem von Kristallkörpern umgebenen Pigment- korn. Geschlechtsapparat wie bei Sagitta. Lebensweise frei schwimmend pelagisch. Bekannt eine gute Art. — Wenn auch Krohnitta mit ihrem auf Rumpf und Schwanz gelegenen einzigen Flossenpaar und ihrer einzigen Zahnreihe mit Euhrohnia übereinzustimmen scheint, so ist doch eine Vereinigung der beiden Genera infolge ihres, in der Diagnose charakterisierten, gänzlich verschiedenen Baues • der Greifhaken und Zähne unmöglich. Ja es ist fraglich, ob die Zahnreihe von Krohnitta derjenigen von Euhrohnia überhaupt homolog ist. Außerdem ist aber jenes Genus von diesem durch negative Merkmale (kein apikales Drüsenlager, keine Transversalmuskulatur, keine Drüsenkanäle, keine Eiersäckchen) unterschieden und entspricht anderseits durch den Besitz von Vestibulargruben und echten Samenblasen der Gattung Sagitta. Auch die Seitenflossen erinnern viel mehr an die Hinter - flössen dieses Genus als an die Seitenflossen von Euhrohnia. Die Augen wieder gehören einem besonderen, bei keiner andern Gattung vorkommenden Typus an. Krolmitta subtilis (Grassi). Synonyme und Literatur. 1881. Sagitta Suptilis (sie!), Grassi (32, p. 213). 1883. Spaddla Subtilis, Grassi (33, p. 16). 1892. Krohnia suUilis, Strodtmann (70, p. 352). 1897. Krohnia paeifica, Aida (1, p. 19). 1902. Krohnia paeifica, Doncaster (17, p. 215). 1905. Krohnia subtilis, Fowler (23, p. 78). 1906. Krohnia paeifica, Fowler (24, p. 24). 1906. Krohnia siditilis, Fowler (24, p. 25). 1910. Krohnitta subtilis, Ritter-Zähony (63, p. 140). Diagnose. Kopf annähernd so breit wie lang. Schwanzabschnitt 29 — 42% der Gesamt - länge. Die Seitenflossen relativ breit, abgerundet, mit Ausnahme einer bald schmäleren, bald breiteren Innenzone, vollständig von Strahlen durchsetzt, zum größeren Teile am Schwanz- als am Rumpfabschnitt gelegen und mindestens zwei Drittel des ersteren einnehmend. Haken 8 — 10. Zähne bis 16, meist etwas weniger. Corona deltoidisch, ungefähr so lang wie der Kopf, auf diesem und auf dem Rumpf gelegen, nahe hinter den Augen beginnend. Weder Collerette noch Darmdivertikel. v. Kittek-Zahony, Sagitten. 45 Analöffnung knapp vor dem Rumpf-Schwanzseptum. Ovarien kolbenförmig, meist kurz. Samen- blasen relativ groß, eiförmig, sowohl an die Seiten- als an die Schwanzflosse anstoßend. Beob- achtete Größe bis 16,5 mm. — Die relative Länge des Schwanzabschnittes variiert bei K. subtilis ziemlich stark. Um zu untersuchen, ob das Alter der Tiere darauf von irgendeinem Einfluß ist, habe ich eine größere Anzahl gemessen und stelle die Resultate in folgenden Tabellen zusammen: Rotes Meer (Museum Helsingfors; Formolmaterial). Länge ( nun ) 2,2 2,8 3.2 3,6 4,8 5,2 5,5 Schwanz (%) 36 33—37 34 33 35 29—30 33 Atlantischer Ozean (G auss-Expedition; ; ormolinateriar . Länge (mm) 10 10,5 11 11,5 12 12,5 13 14 14,5 15 15,5 16,5 Schwanz (%) 35 36—37 35,5 — 36,3 30—35 33,3—37,5 32—36 32—33 34 37,2 33,3 35,5 35,8 Atlantischer Ozean (Gauss-Expedition; Alkoholmaterial). Länge (mm) 7.5 8 9 10 10,5 11 11,5 12 12,5 13 13,5 14 15 Schwanz (%) 30 34 31—34 39—38 32—38 32—39 30—35 34—42 32—36 35—37 34—37 36 36 Mit Sicherheit geht aus diesen wie aus den Tabellen Fowler's über die Art 23, p. 78; 24, p. 24) nur hervor, daß eine Abnahme der relativen Schwanzlänge mit dem Alter, im Gegen- satz zu Sagitta, bei Krohnitta nicht statthat. Über 37 Y 2 % fand ich jedoch nur bei den schlechter erhaltenen Alkoholexemplaren und halte es daher nicht für ausge- schlossen, daß diese höheren relativen Maße erst durch eine Konservierung, unter der der Rumpf stärker leidet als der Schwanz, hervorgerufen wurden, lebenden Tieren jedoch nur höchst selten oder überhaupt gar nicht zukommen. Die Seitenflossen, die gewöhnlich zipfelförmig über die Samenblasen hinausragen, sind bei größeren Indi- viduen relativ etwas breiter, und zwar ist es die strahlenlose Innenpartie, die stärker zuge- nommen hat, so daß dann die Strahlen nur mehr eine schmale Randzone einnehmen. Fig. 48 zeigt den Kopf von der Ventralseite: seine vordere Partie erscheint etwas verlängert; die beiden halbbogenförmigen Reihen der Zähne stoßen in der Mittellinie zusammen, die Zähne selbst konvergieren auf jeder Seite gegen einander. Jeder Zahn hat infolgedessen eine andere Lage in bezug auf den Kopf: die inneren . Fig. 48. A. subtilis, Kopf von der Ventral- Fig. 49. K. sub- wenden sich nach unten und hinten, die se it e . tilis Greifhaken. 46 Deutsche Siidpolar-Expedition. Ä? ; £ fL$* < * 4* J 1 äußeren nach innen und vorn. Jeder Zahn (Fig. 50) besteht aus drei Teilen: der Basalplatte (x), dem Zwischenstück (y) und dem eigentlichen Zahn (s). Die einzelnen Basalplatten sitzen dem Epithel auf und stoßen hart aneinander, zu einer gegenseitigen Deckung kommt es nicht. Zähne und Haken (Fig. 49) sind mit einfachen, geraden Spitzen aus- gestattet und stets sehr blaß oder gar nicht gefärbt. Eigentümlich ist die Verteilung der großen Tasthügel am Kopf und um die Corona (Fig. 51); auffallend ist dabei, daß die Augen mitten in je einem solchen Hügel liegen, was sonst bei anderen Gattungen niemals der Fall ist. K. subtilis gehört zu jenen Arten, die nicht nur horizontal, son- dern auch vertikal sehr weit verbreitet und sehr verschiedenen Temperaturen angepaßt sind. In den oberen Schichten der wärmeren Zonen ist sie am häufigsten und in allen Entwicklungsstadien vertreten, wird jedoch höchstens 9 mm lang und schon nur 5 mm messende Tiere können vollständig geschlechtsreif 'sein. Größere Exemplare kommen dagegen nur aus den tieferen, kälteren Schich- ten in halbreifem bis reifem Zustande. Wie bei allen Chäto- gnathen verzögert eben auch bei K. subtilis niedrige Temperatur die Reife, fördert aber das somatische Wachstum. Von ihrer bedeutenderen Länge abgesehen, stimmt aber diese K. subtilis aus dem Mesoplankton mit derjenigen der Oberfläche so überein, daß an einer Zusammengehörigkeit der beiden nicht zu zweifeln ist, um so mehr, als mittlere Tiefen auch mittel- große Exemplare liefern. Fehlen jedoch letztere in einer Sammlung, so kann man leicht zur An- nahme einer spezifischen Verschiedenheit der meso- und der epiplanktonischen K. subtilis verleitet werden. In dieser Weise glaube ich es erklären zu können, daß Fowler wieder zwei Arten, die größere K. subtilis und die kleinere K. pacifica, in seiner Monographie anführt, nachdem er selbst in einer früheren Arbeit (23, p. 79) für die Identität der Art Aida's mit der Grassi's eingetreten ist. Die Unterschiede, die Fowler zwischen ihnen zu finden glaubt, sind sämtlich gradueller Natur und dabei so geringfügig, daß nicht einmal Varietäten darauf gegründet werden könnten. Bestes Habitusbild bei Doncaster (17, p. 255). Tabellen bei Fowler (23, p. 78; 24, p. 24). Vorkommen. In tropisch -subtropischen Meeren holoplanktonisch, in höheren Breiten nur mesoplanktonisch. Fig. 50. K. sub- tilis, Zahn. i I %! Im i',.i!i gl rg t- ra.^ Fig. 51. K. subtilis, Corona und Tast- hügel hei vorge- zogener Kappe. Species incertae. Sagitta bipunctata Eydoux u. Souleyet (18, p. 645 ff.; PI. 1) aus dem Atlantischen, Indischen und Stillen Ozean. — Wie die Tafel zeigt, haben die Autoren unter dem angeführten Namen die verschiedensten Arten zusammengefaßt; einige der Abbildungen lassen sich mit ziemlicher Sicherheit als S. hexaptera und *S. enflata erkennen. Sagitta bipunctata Sutherland (71, p. 102) aus verschiedenen arktischen und nordatlantischen Ge- bieten. — ■ Der Autor macht nur auf die in höheren Breiten zunehmende Größe der von ihm beobachteten Art aufmerksam. Daher ist es sehr wahrscheinlich, daß ihm S. elegans vor- gelegen, der allein diese Eigenschaft zukommt. v. Ritter-Zähony, Sagitten. 47 Sagitta britannica Forbes (21. p. 72) aus der Nordsee und dem Kanal. — Ich selbst habe früher S. britannica, die nur durch ihr Vorkommen charakterisiert ist, zu S. elegans gestellt, als ich diese noch für synonym mit S. bipunctata hielt (62, p. 255) und nicht wußte, daß gerade in der Nordsee noch eine zweite, ihr nahe verwandte Art, S. setosa, vorkommt. Nun gehört natürlich S. britannica zu den nicht erkennbaren Arten. Sagitta coreana Moltschanoff (51, p. 207) aus dem Gelben Meer. — Die „Beschreibung" dieser Art besteht lediglich aus einigen Zahlen für die Kopfbewaffnung und die relative Länge des Schwanzabschnittes. Danach läßt sich auf keine der bekannten epiplanktonischen Warm- wasserarten mit Sicherheit schließen; eine neue Art hat jedoch schwerlich vorgelegen. Sagitta darwini Grass 1 = S. exaptera Darwin (s. u.). Sagitta diptera Orbigny (55, p. 144) aus dem tropischen Atlantischen Ozean. — Vermöge der heutigen Kenntnis der Chätognathen ist man berechtigt, das Vorkommen von Arten, denen seitliche Flossen vollständig fehlen, entschieden in Abrede zu stellen. Orbigny hat an seiner S. diptera, die wahrscheinlich S. hexaptera war, eben die Seitenflossen übersehen. Sagitta euxina Moltschanoff (52, p. 888) aus dem Schwarzen Meer. — Versehentlich habe ich S. euxina an anderer Stelle (62, p. 256) mit S. elegans identifiziert. Diese Art kann es nicht gewesen sein; nach der knappen Beschreibung ist es jedoch unmöglich, zu entscheiden, ob es sich tatsächlich um eine besondere Art handelt, oder ob dem Autor nicht eher S. enflata, mit der bis auf den als klein bezeichneten Kopf völlige Übereinstimmung zu herrschen scheint, vorgelegen hat. Gegen S. setosa, an die man auch denken könnte, spricht der kurze Schwanz - abschnitt und die höhere Zahl der Vorderzähne. Sagitta exaptera Darwin (15, p. 1 ff.) aus dem Atlantischen und dem Stillen Ozean. — Die wenigen anatomischen Bemerkungen Darwin' s sind durchaus allgemein gehalten; wie der Forscher selbst meint, hat er wahrscheinlich mehrere Arten miteinander konfundiert. Grassi jedoch nimmt an, daß nur eine, von£. exaptera (= hexaptera) verschiedene Art vorgelegen und nennt sie S. darwini (33, p. 19). Sagitta flaccida Galzow (27, p. 13) von der Ostküste Kamtschatkas. — Der Autor identifiziert eine Art mit S. flaccida Conant, einem Synonym von S. enflata. Allein schon der nördliche Fundort schließt diese Art aus; die Zahlenverhältnisse der Kopfbewaffnung und die Darm- d i v e r t i k e 1 machen es vielmehr wahrscheinlich, daß Galzow etwas mazerierte Exemplare von S. elegans vorgelegen haben. Sagitta gegenbauri Fol = Sp. innom. I Gegenbaur (s. u.). Sagitta helgolandica B. Leuckart. — Dieser Name kommt einmal irrtümlich in einem Bericht Leuckart's (Arch. Naturg., Jahrg. 23, Bd. 2, p. 182) über Untersuchungen G. Meissner's vor. In der entsprechenden Originalarbeit ist lediglich von einer ,,bei Helgoland häufigen Spezies" die Rede. Sagitta hispida Conant (11, p. 290) von Beaufort (Nord -Karolina). — Wie aus der Beschreibung mit Sicherheit hervorgeht, konfundierte Conant bei Aufstellung seiner S. hispida mehrere Arten. Man kann an S. bipunctata, elegans, robusta, setosa denken, jede derselben erscheint aber auch durch ein oder das andere in der Beschreibung angegebene Merkmal ausgeschlossen. 48 • Deutsche Siidpolar-Expedition. Dasselbe gilt für die Figur Conant's, die, wie schon Fowler (24, p. 32) richtig bemerkt, mit der Beschreibung nicht übereinstimmt. Sagitta levis Galzow (27, p. 2) von der Ostküste Kamtschatkas. — Der Autor war so freundlich, auf meine Bitte hin mir eine große Anzahl von Originalexemplaren dieser Art zu senden. Es scheint sich tatsächlich um eine besondere Art zu handeln, ihr Erhaltungszustand ist aber ein so kläglicher, daß sich auch mit dem besten Willen eine halbwegs brauchbare Beschreibung nicht herstellen läßt. Der Autor hat wahrscheinlich Falten und Kunzein in den Seitenfeldern für die Seitenflossen gehalten und danach eine ganz unmögliche Form und Lage und eine ganz unmögliche Variabilität dieser Organe konstruiert. An dem schlecht in Alkohol konser- vierten Material sind aber die Flossen überhaupt gar nicht mehr oder nur noch in Spuren erhalten! Da Samenblasen und Corona ebenfalls zerstört sind, lassen sich nur in der rela- tiven Länge des Schwanzabschnittes und in den Organen der Kopf bewa ff nung notdürftig einige Merkmale erkennen, die vielleicht später einmal die Identifizierung von S. levis ermöglichen. Nach meinen Messungen beträgt der Schwanzabschnitt von 7,4 — 9 mm langen, jedoch etwas geschrumpf- ten Individuen 25 — 29% der Gesamtlänge, also relativ viel. Die Vorderzähne, die Galzow in seiner Fig. 7 abbildet, sind ziemlich lang und schlank, decken sich nur wenig an ihren Basen und stehen etwas gespreizt; ich zählte 4 — 5. Die Hinterzähne sind typisch; vor ihnen liegen kleine Vestibularwülste mit abgerundeten Papillen. Die Zahl der ebenfalls typischen Haken ist 8 oder 9, zuweilen konnte ich noch einen zehnten, halbentwickelten beobachten. Ob eine Collerette vorhanden ist, läßt sich wegen des ungünstigen Erhaltungszustandes nicht sicher er- kennen. Darmdivertikel fehlen. Die kolbenförmigen Ovarien enthielten bei einigen Exem- plaren bereits reife Eier und maßen im Maximum 1,8 mm Länge. Sagitta longicauda Galzow (27, p. 8) von Wladiwostok. - - Herr Galzow hatte die Freundlich- keit, mir das Originalexemplar zu senden; es erwies sich als identisch mit S. levis. Sagitta orientalis Moltschanoff (51, p. 208) aus dem Gelben Meer. — Für diesen Namen, den der Autor einem „einzigen, verdorbenen Exemplar" eines Chätognathen gegeben hat, gilt dasselbe, was ich oben zu S. coreana bemerkt habe. Spadella profunda Doncaster (48, p. 267) aus dem Tyrrhenischen Meer (1000 — 1100 m). — Originale dieser Art konnte ich trotz meiner Bemühungen darum nicht erhalten. Die dürftige Beschreibung verbietet ein Urteil und läßt nur vermuten, daß es sich nicht um eine Spadella, sondern um eine Sagitta handelte. Sagitta rostrata Busch (6, p. 98) aus dem Mittelmeer. — Busch sagt von seiner S. rostrata, daß sie mit der WiLMs'schen Art (S. setosa) übereinstimme, aber einen Höcker auf dem Kopfe trage. Der Höcker entspricht dem Gehirn und kommt allen Sagitten zu. S. setosa ist bisher im Mittelmeer nicht aufgefunden worden; es bleibt daher, wenigstens einstweilen, ganz un- bestimmt, was Busch unter der WiLMs'schen Art verstanden hat. Irrtümlich habe ich selbst S. rostrata zu S. bipunctata gestellt (62, p. 255), als ich S. setosa noch für identisch damit hielt. Sagitta setosa Langerhans (42, p. 134) von Madeira. - - Aus den wenigen, teilweise unwahrschein- lichen Angaben (8 — 15 Haken) läßt sich auf keine bestimmte Art schließen, wenn es auch wahrscheinlich ist, daß S. bipunctata vorgelegen hat. v. Rittek-Zähony, Sagitten. 49 Sagitta tenuis Conant (12, p. 213) von Jamaika. — Soll sich nur durch geringere Größe und den Mangel von Darmdivertikeln von S. hispida (s. o.) unterscheiden. Ebenso wie unter diesem Namen, kann man sich aber auch unter S. tenuis eine bestimmte Art nicht vor- stellen. Sagitta triptera Orbigny (55, p. 142) aus dem Stillen Ozean. — In noch viel größerem Maße gilt hier das schon bei S. diptera (s. o.) Gesagte: auch S. triptera ist wahrscheinlich eine etwas phantastisch gedeutete 8. hexaptera gewesen. Krohnia viridis Aida (1, p. 18) ist wohl nur ein Schreibfehler für Ä\ pacifica, deren Epidermis von Aida als gelbgrün beschrieben wird. Sp. innom. Gegenbaur I u. II (29, p. 5) aus dem Mittelmeer. ■ — Die vagen, lediglich die Flossen betreffenden Bemerkungen Gegenbaur' s enthalten nicht die geringste Andeutung darüber, was für Arten vorgelegen haben könnten; ganz zwecklos hat daher auch Fol die erste derselben ohne nähere Charakteristik S. gegenbauri genannt (20, p. 123). Sp. innom. Oersted (56, p. 26) aus der Nordsee. — Seit dem Nachweis mehrerer epiplanktonischen Arten in der Nordsee ist die lediglich durch ihr Vorkommen charakterisierte, angeblich flossen- lose Art Oersted's auch vermutungsweise nicht weiter identifizierbar. Spp. innom. Scoresby (67. tab. 16, Figg. 1, 2) von Spitzbergen. — Auf die Unidentifizierbar- keit der beiden Chätognathenabbildungen Scoresby' s habe ich schon an anderer Stelle (62, p. 273) hingewiesen. II. Übersicht über die Gattungen und Arten. Wenn ich hiermit den Versuch mache, eine Bestimmungstabelle für die Chätognathen zu geben, so muß ich vorausschicken, daß dieselbe, namentlich für die Vertreter des Genus Sagitta, deren Unterscheidungsmerkmale oft außerordentlich geringfügig sind, nur bei vorzüglich konserviertem oder lebendem Material anwendbar ist. Man suche sich zunächst diejenigen Individuen heraus, die entwickelte Samenblasen haben und mache durch leichte Färbung mit Hämatoxylin oder Me- thylenblau die Corona sichtbar; zugleich werden dabei auch die Flossen, deren Strahlen besonders leicht den Farbstoff annehmen, besser hervortreten. Kennt man einmal die erwachsenen Stadien, so läßt sich leicht auch die jeweilige Zugehörigkeit der jüngeren bestimmen. A. Gattungen. 1. Quermuskulatur im Rumpfabschnitt vorhanden 2 Keine Quermuskulatur im Rumpf 4 2. Mittelgroße Arten, jederseits mit 1 oder 2 Reihen zahlreicher Zähne und einem über Rumpf und Schwanz sich erstreckenden langen Flossenpaar 3 Kleine gedrungene Arten mit 1 oder 2 Reihen weniger Zähne und einem auf den Schwanz beschränkten Flossenpaar, zu dem eventuell noch ein zweites kleineres am Rumpf kommen kann Spadella. Deutsche Siklpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 7 50 Deutsche Südpolar-Expedition. 3. Jederseits 2 Reihen von Zähnen; im vordersten Drittel des Schwanzes eben- falls Quermuskulatur Heterokrohnia (mit der einzigen Art H. mirabilis). Jederseits 1 Reihe von Zähnen; im Schwanz keine Quermuskulatur Eukrohnia. 4. Jederseits 1 Reihe schlanker, konvergierender Zähne; 1 Paar seitlicher Flossen Krohnitta (mit der einzigen Art K. subtilis). Jederseits 2 Reihen meist konischer Zähne 5 5. 2 Paare seitlicher Flossen, die manchmal miteinander verbunden sind .... Sagitta. 1 Paar seitlicher Flossen am Schwanz als Fortsetzung einer voluminösen Collerette Pterosagitta (mit der einzigen Art Pt. draco). B. Arten. Spadella. Ein Paar seitlicher Flossen am Schwanzabschnitt Sp. cephaloptera. Außerdem noch ein zweites, viel kleineres Paar am Rumpf Sp. schizoptera. Eukrohnia. Corona von flaschenförmigem Umriß, auf Kopf und Rumpf gelegen; Greif - haken 8 — 10; Augen ohne Pigment E. hamata. Corona von birnförmigem Umriß, auf den Kopf beschränkt; Greifhaken 11 — 13; Augen pigmentiert E. fowleri. Sagitta. 1. Greifhaken längs der Schneide mit zahnartigen Knötchen besetzt S. serratodentata. Greifhaken ohne derartige Knötchen • 2 2. Kopf unverhältnismäßig groß, länger als breit, mit zahlreichen braunen Zähnen; 10 — 12 Haken; schlanke, mittelgroße Art der Tiefsee S. macrocephala. Kopf proportioniert; ausnahmsweise (S. robusta) mäßig vergrößert, dann aber von annähernd gleichem Quer- und Längsdurchmesser und mit bedeutend weniger Haken 3 3. Corona kurz, vor den Augen knapp hinter dem Gehirn beginnend, nur bis auf den Hals reichend; keine Darmdivertikel 4 Corona langgestreckt, vor den Augen knapp hinter dem Gehirn beginnend und mehr oder weniger weit über den Rumpf reichend. Darmdivertikel meist fehlend (nur bei S. elegans und robusta vorhanden) 8 Corona hinter den Augen beginnend und auf den Rumpf oder höchstens noch einen Teil des Hinterkopfes beschränkt; Darmdivertikel vorhanden 14 4. Vestibularorgane aus sitzenden konischen oder halbkugeligen Papillen beste- stehend ; größere Arten 5 Seitlich vorspringede Vestibularwülste 7 v. Ritter-Zähony, Sagitten. 51 5. Seitenflossen voneinander entfernt; Vorderflossen klein; 3 — 4 meist ab- stehende, lange Vorderzähne; 2 — 5 Hinterzähne; Anus knapp vor dem Rumpfschwanzseptum S. hexaptera. Seitenflossen einander genähert und oft mittels eines dünnen Steges ver- bunden; Vorderflossen langgestreckt; Vorderzähne nicht lang und nicht abstehend, gewöhnlich mehr als 4; Anus vom Rumpfschwanzseptum etwas entfernt 6 6. Vorderflossen fast knapp hinter dem Bauchganglion beginnend; jüngste (d. h. oberste) Haken krallenförmig S. lyra. Vorderflossen vom Bauchganglion um dessen ein- bis zweifache eigene Länge entfernt; jüngste Haken nicht krallenförmig S. gazellae. 7. Vestibularwülste hohe Kämme mit konischen Papillen; Vorderflossen lang, mit den Hinterflossen kontinuierlich verbunden; wenige, voneinander etwas entfernte Hinterzähne (höchstens 8, meist 5 — 6); Anus vom Rumpfschwanzseptum etwas entfernt; große Art der Tiefsee S. maxiina. Vestibularwülste mit kleinen, abgerundeten Papillen; Vorderflossen klein, von den Hinterflossen getrennt; Hinterzähne aneinanderschließend, 10 — 18; Anus knapp vor dem Rumpfschwanzseptum; kleinere, schlaffe Warmwasserart S. enflata. 8. Reife Samenblasen von der Schwanzflosse etwa um ihre halbe eigene Länge entfernt, die Hinterflossen fast berührend S. setosa. Reife Samenblasen von den Hinterflossen mindestens um drei Viertel ihrer eigenen Länge entfernt, an die Schwanzflosse anstoßend 9 Reife Samenblasen sowohl an die Hinter- als an die Schwanzflosse anstoßend oder beiden sehr genähert 10 9. Reife Samenblasen länglich -konisch; Vorderflossen weit hinter dem Bauch - ganglion beginnend; Darmdivertikel vorhanden S. elegans. Reife Samenblasen relativ groß, vorn kopfartig verdickt, hinten spitz; Vorder- flossen knapp hinter dem Bauchganglion beginnend; keine Darmdiver- tikel S. bipunctata. 10. Vorderzähne platt, in zur Querachse des Körpers fast parallelen Reihen, sehr zahlreich (15 — 18); Samenblasen eiförmig . *S. helenae. Die beiden Reihen der Vorderzähne bilden miteinander einen stumpfen bis spitzen Winkel; in jeder Reihe höchstens 10 Zähne, nur bei S. bedoti eventuell mehr; Samenblasen vorn köpf artig verdickt 11 11. Vorderzähne jeder Reihe einander seitlich nur wenig deckend; Kopf etwas vergrößert; Darmdivertikel »S. robusta. Vorderzähne jeder Reihe einander dachziegelartig deckend; Kopf proportio- niert; keine Darmdivertikel 12 12. Die Vorderflossen beginnen in einiger Entfernung hinter dem Bauch- ganglion • S. setosa. 7* 52 Deutsche Siidpolar-Expedition. Die Vorderflossen beginnen knapp hinter dem Bauchganglion oder noch weiter vorne 13 13. Hinterzähne relativ klein und besonders zahlreich (20 — 33); Vorderzähne 9 — 13; Haken meist 6, seltener 7; indopazifische Art der Oberfläche . S. bedoti. Hinterzähne 10 — 15; Haken meist 6, seltener 7; indopazifische Art der Oberfläche S. pulchra. Hinterzähne 14 — 22, Haken 8 oder 9; atlantische Art der Oberfläche S. friderici. 14. Samenblasen eiförmig, von der Schwanzflosse etwas entfernt, der Hinter - flösse stark genähert; Schwanzabschnitt durchschnittlich 30% der Ge- samtlänge; sehr kleine, indopazifische Warmwasserarten 15 Samenblasen von den Hinterflossen um mindestens ihre halbe eigene Länge entfernt, die Schwanzflosse berührend. Schwanzabschnitt weniger als 30% der Gesamtlänge; Corona auf den Rumpf beschränkt 16 15. Corona ungefähr von doppelter Kopflänge, am Hinterkopf beginnend; mehr als 6 Hinterzähne; Collerette nur angedeutet S. nsglecta. Corona etwas kürzer, ganz am Rumpf gelegen; höchstens 6 Hinterzähne; voluminöse Collerette S. regularis. 16. Collerette wohl entwickelt, eventuell bis an die Vorderflossen reichend; Samen - blasen länglich konisch; Corona vorn spitz; kräftige, ziemlich opake Art S. planctonis. Collerette nur angedeutet oder fehlend; Samenblasen länglich, vorn verdickt; Corona vorn abgerundet; zarte, durchsichtige Arten 17 17. Haken mit einwärts gekrümmter Spitze; höchstens 5 Vorderzähne; sehr kleine, schlaffe Art S. minima. Haken typisch; Vorderzähne zahlreicher (6 — 10); schlanke, mittelgroße Art S. decipiens. III. Faunistischer Teil. Das Vorkommen von Sagitten unter allen Breiten und in allen Tiefen ist durch zahlreiche Expeditionen der letzten Jahrzehnte hinlänglich bewiesen worden. Zugleich hat es sich aber heraus- gestellt, daß im Gegensatz zu früheren Ansichten nicht eine einzige Art in allen Tiefen aller Meeres- gebiete in gleicher Weise anzutreffen ist, also als kosmopolitisch im weitesten Sinne des Wortes bezeichnet werden kann. Das Vorkommen einer solchen Art ist sogar unwahrscheinlich, da, wie die Erfahrung gelehrt hat, auch die Chätognathen, innerhalb gewisser Grenzen, nicht nur von der Temperatur der von ihnen bewohnten Wasserschichten,- sondern auch von deren Druck ab- hängig sind. Manche Arten kommen nur an der Oberfläche vor und reichen höchstens bis zur Lichtgrenze hinab, andere dagegen bevölkern die bedeutendsten Tiefen, fehlen aber oberhalb der Lichtgrenze vollständig. Danach unterscheidet man nach Fowler epi- und mesoplanktonische Arten. Je nach der höheren oder niedrigeren Temperatur, an die ein Chätognath gebunden ist, werden aber auch Warm- und Kalt wasserarten einander gegenübergestellt. Es hat sich jedoch gezeigt, daß weder die eine noch die andere Einteilung streng durchführbar ist, da mehrere Arten v. Ritteu-Zämony, Sagitteii. 53 in der Jugend im warmen Wasser oder im Epiplankton, im Alter dagegen im kalten Mesoplankton zu Hause sind. Faunistiseh sind daher die Chätognathen nickt in zwei Gruppen zu teilen, doch kann man mehrere bestimmte Verbreitungstypen unterscheiden, denen sich alle bekannten Arten einordnen lassen: A. Das Verbreitungsgebiet liegt im oberen Epiplankton und ist gewöhnlich von größerer Aus- dehnung. Hieher gehören die meisten Warmwasserarten, die mehr oder minder breite kontinuier- liche ..Zonen" im Weltmeer bewohnen, d.h. die tropischen und subtropischen, zum Teil auch die gemäßigten Regionen aller Ozeane (S. bipunctata, enflata, robusta, Pt. draco) oder wenigstens des Indischen und Stillen Ozeans (S. bedoti, neglecta, pulchra, regularis) zugleich umfassen. Aber auch Kaltwasserarten sind hierher zu zählen, wie die nördlich -zirkumpolare S. elegans. Beschränkter scheint die Verbreitung der ebenfalls rein epiplanktonischen *S. friderici, helenae, setosu, Sp. cephal- optera und Sp. schizoptera zu sein. B. Das Verbreitungsgebiet ist das Mesoplankton des Weltmeeres, Jugendstadien können aber auch schon mehr oder weniger weit über der Lichtgrenze vorkommen. Dies sind die sogenannten mesoplanktonischen Arten S. decipiens, lyra, maxima, planctonis, macrocephala, E. fowleri, unter denen, wie später ausgeführt wird, nur die beiden zuletzt genannten die Bezeichnung im strengsten Sinne verdienen. Da diese sechs Arten überall vorkommen, wo die See tief genug ist, kann man sie als kosmopolitisch i. e. S. bezeichnen. Wahrscheinlich ist auch Heterokrohnia mirabilis ihnen zuzuzählen. C. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Epiplankton, erwachsene Stadien kommen aber auch tief im Mesoplankton vor; die Verbreitung im Mesoplankton umfaßt (horizontal) ein weiteres Gebiet als die im Epiplankton. Hierher gehört S. hexaptera, K. subtilis und wahrscheinlich auch S. serrato- dentata. Das Vorkommen dieser drei Arten an der Oberfläche der Warmwassergebiete aller drei Ozeane findet nördlich und südlich ungefähr am 40. bzw. 60. Breitengrade seine Grenzen, in tieferen Schichten sind aber, wenigstens die beiden erstgenannten, auch über diese ihre Grenze (40° N und S} hinaus nachgewiesen. S. gazellae dagegen, eine Kaltwasserart, kommt im südlichen Eismeer zirkum- polar-holoplanktonisch vor, im Mesoplankton aber auch noch in den südlichen Teilen der an- grenzenden Ozeane. D. Das Vorkommen der Art ist überall dort möglich, wo die Temperatur des Seewassers ein bestimmtes Maximum (nach Fowler 13° — 16°) nicht überschreitet. Diesem Typus entspricht nur E. hamata, die an den Polen holo-, sonst mesoplanktonisch ist. Vielleicht gehört aber auch S. planc- tonis, die einstweilen besser zum Typus B gestellt wird, hierher. Allgemein gilt, daß die jüngeren Stadien in höheren, die älteren in tieferen Schichten über- wiegen. Es ist dies besonders bei den Arten leicht konstatierbar, deren vertikale Verbreitung sehr ausgedehnt ist, läßt sich aber auch bei den rein epiplanktonischen schon nachweisen. Ich erkläre mir die Erscheinung so, daß, wie bei vielen anderen pelagischen Organismen, auch bei den Chäto- gnathen während ihres ganzen Lebens ein allmähliches Sinken von höheren Schichten, in denen die Eier zur Entwicklung gelangten, in tiefere stattfindet. Die rein epiplanktonischen Arten sind mit Ausnahme der Küstenform S. elegans durchweg kleinere Arten des warmen Wassers, die relativ bald reifen, bevor sie noch in tiefes (zu kaltes) Wasser gelangen, in dem sie zugrunde gehen würden; die anderen dagegen vermögen wohl Hunderte von Metern vertikal zu durchwandern, ehe sie ge- schlechtsreif werden, und können dabei die stattlichsten Dimensionen erreichen. 54 Deutsche Südpolar-Expedition. Eine andere Frage ist die, ob sich, die Chätognathen in neritische und ozeanische Arten (im Sinne Fowler's, vgl. 24, p. 42) einteilen lassen. Die Frage muß schon mit Rücksicht auf die verschiedene Tiefenverbreitung der Spezies verneint werden. Selbst wenn sie aber nur in bezug auf die rein epiplanktonischen und jene Arten gestellt wird, deren Verbreitung dem Typus C ange- hört, so muß auf die Ergebnisse der Siboga-, Plankton- und Gauss-Expedition hingewiesen werden, die zeigen, daß dieselben Arten neritisch und ozeanisch vorkommen und daß es rein ozeanische Chätognathen überhaupt nicht gibt. Nur Arten mit ausgesprochen neritischer Tendenz scheinen wirklich zu existieren. Es sind dies zunächst die an gewisse Algen gebundenen Spadellen, dann aber auch vielleicht einige Sagitten, wie S. elegans, für die es in hohem Grade wahrscheinlich ist (vgl. 62, p. 282). Im folgenden fasse ich das kurz zusammen, was von der Verbreitung der einzelnen Arten bekannt ist und versuche danach die Frage zu beantworten, wie man sich die Verteilung der einzelnen Arten im Weltmeer vorzustellen hat. Vorausgeschickt sind jedesmal unter der Marke ,, Fundnotiz" speziell die Ergebnisse der Deutschen Südpolar-Expedition. Mit Rücksicht auf die hydrologischen Verhältnisse der südlichen Hemisphäre ist der 60.° S und nicht der Polarkreis als nördliche Grenze des Antarktischen Ozeans angenommen. Diejenigen Arten, die bisher nur aus einem bestimmten, enger begrenzten Gebiet bekannt geworden sind oder eine besondere Erörterung nicht verdienten, sind bereits im systematischen Teil erledigt worden. Sagitta hexaptera. Fundnotiz. Im Atlantischen Ozean in Vertikalfängen aus 400 — 3000 m fast regelmäßig, oft in größerer Menge; einige Male an der Oberfläche. Im Indischen Ozean in mehreren Vertikal- fängen aus 400 m und in einem Oberflächenfang. Im Antarktischen Ozean ein einziges Mal ein Exemplar aus 385 m. Die holoplanktonische Verbreitung der S. hexaptera im tropisch -subtropischen Gebiet des Atlantischen und des Indischen Ozeans ist durch mehrere Expeditionen bereits nachgewiesen und bedarf keiner weiteren Erörterung. Es harrt jedoch die Frage, wie weit und in welcher Weise S. hexaptera auch in höheren Breiten vorkommt, noch einer bestimmten Antwort. Beobachtungen sprechen dafür, daß S. hexaptera unter normalen Verhältnissen schon in den gemäßigten Zonen selten wird und etwa vom 40. Breitengrade an an der Oberfläche überhaupt nicht mehr vorkommt ; wohl aber findet sie sich unter höheren Breiten im Mesoplankton, scheint jedoch dahin erst im erwachsenen Zustand aus niedrigen Breiten einzuwandern. Die Ver- breitung der S. hexaptera würde also dem dritten der in der Einleitung zum faunistischenTeil gegebe- nen Verbreitungstypen entsprechen. Ich gründe meine Ansicht auf folgende Tatsachen: 1. Es gibt keinen einzigen verbürgten Fundort der S. hexaptera aus dem Epiplankton der Meere nördlich von 40° N. 2. Es ließ sich in den meisten Fällen nachweisen, daß das, was bisher als subarktische und arktische „S. hexaptera" gegolten hatte, tatsächlich S. maxima oder elegans war (vgl. 62, p. 275). 3. Zahlreiche große Chätognathensammlungen, die im Nordatlantischen Ozean (Nordmeer, Nordsee und Annexe) und den arktischen Meeren gemacht wurden und die ich selbst durchgesehen habe (vgl. 62, Einleitung), enthielten nicht ein einziges Exemplar von S. hexaptera. v. Ritter-Zähony, Sagitten. 55 4. Nachdem dank der Gauss -Expedition S. gazellae nun gut bekannt geworden, unterliegt es keinem Zweifel, daß Fowler's subantarktische und antarktische S. hexaptera (25) jene Art gewesen ist. 5. Die einzigen verbürgten Fundorte der S. hexaptera nördlich von 40° N sind vier Stationen der Plankton-Expedition und die Irische See. Von den genannten Stationen liegen zwei (J.-Nr. 45, 47) im Floridastrom und kommen, da sie, wie auch die bekannten Fundorte der S. hexaptera im Mittelmeer in ein an sich wärmeres Gebiet fallen, nicht in Betracht; die anderen zwei liegen im Golfstrom (J.-Nr. 272, 274) nordöstlich von den Azoren und entsprechen Vertikalzügen aus 350 und 400 m, die einige wenige mittelgroße und kleine Exemplare fischten. In einer außerordentlich umfangreichen Sammlung aus der Irischen See fand ich von S. hexaptera nur einige 5 — 6 cm lange Tiere in Schließnetzen aus 1280—2742 m Tiefe (65, p. 2). Einige, jedoch nicht sicher bestimm- bare Exemplare fand außerdem Fowler in Vertikal- und Schließnetzfängen aus dem Golf von Biscaya (23, p. 73). 6. S. hexaptera fehlt mit einer einzigen Ausnahme in allen den vielen Fängen der Gauss - Expedition, die südlich von 35° S liegen. Die Ausnahme betrifft einen Vertikalfang aus 385 m, der ein 15 mm langes Individuum enthielt (Gaussstation, 22. November 1902, auf c. 66° S). 7. Die jüngsten Stadien der 8. hexaptera sind bisher nur aus warmen Regionen bekannt geworden. Besonderes Gewicht lege ich auf die Befunde in der Irischen See. Sie machen es wahrscheinlich, daß die S. hexaptera der Plankton-Expedition aus dem Golfstrom bereits im Mesoplankton oder im unteren Epiplankton in das Netz gelangt ist. In ähnlicher Weise möchte ich auch den erwähnten Fang aus dem Antarktischen Ozean deuten 1 ). In der tropisch -subtropischen Region, dem engeren Verbreitungsgebiet der S. hexaptera, fischte sie die Plankton-Expedition an der Oberfläche nur in ganz jungen Exemplaren. Ebenso fand ich sie in der großen Sammlung Dr. Hartmeyer' s aus der Umgebung der Tortugas nur in einem einzigen kleinen Individuum vor; die Gauss-Expedition erbeutete jedoch mehrmals mittelgroße (30—35 mm lange) Exemplare an der Oberfläche. Auffallend ist dabei, daß die betreffenden Fänge (vgl. die Übersicht am Schluß der Abhandlung) abends oder nachts gemacht worden waren, nur einer, vom 1. Oktober 1901, morgens (der Tagesfang vom 13. September 1901 enthielt nur junge Tiere). Da auch Chtjn (8, p. 18) dieselbe Beobachtung im Mittelmeer gemacht hat, ist daher ein Aufsteigen der S. hexaptera während der Dunkelheit nicht unwahrscheinlich. Sonst fanden sich, wie auf der Plankton-Expedition, in den Vertikal fangen gewöhnlich desto größere Exemplare aus je größerer Tiefe das Netz emporgezogen wurde. In Analogie mit vielen anderen Arten schließe ich daraus, daß die Eier von S. hexaptera wahrscheinlich nur in den warmen oberen Schichten zur Entwicklung gelangen können und daß die heranwachsenden Tiere unter Anpassung an niedrigere Temperaturen allmählich in die Tiefe sinken; vom unteren Epi- und vom Mesoplankton der warmen Regionen aus können sie dann auch leicht nach Norden und Süden in höhere Breiten wandern (eventuell auch passiv), ohne jedoch wieder zur Oberfläche emporzusteigen. x ) Erwähnt sei, daß auch der Co n seil International (13) S. hexaptera in Vertikalfängen aus 430 — 270 m aus der Nordsee anführt (Ann. 1902—1903, p. 252; Ann. 1903—1904, p. 24 u. 96). Es bleibe dahingestellt, ob tatsächlich S. hexaptera oder etwas anderes vorgelegen. 5g Deutsche Südpolar-Expedition. Eine analoge Verbreitung der S. hexaptera im Stillen Ozean ist, obwohl ihre Fundorte daraus noch wenig zahlreich sind, nach den allgemeinen Erfahrungen, die man über das Vorkommen der Chätognathen macht, vorauszusetzen. Sagitta maxima. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikalfängen aus mindestens 800 m wenige kleinere und größere Exemplare. Im Antarktischen Ozean aus 400 — 3423 m nur einzelne, meist größere Individuen. An die Reihe der bisherigen Fundorte der S. maxima im Nördlichen Eismeer und in der ganzen nördlichen Hälfte des Atlantischen Ozeans (vgl. 62, p. 277 ff.) schließen sich die der Gauss- Expedition an und beweisen das Vorkommen der Art unter allen Breiten. Festgestellt ist ferner, daß ihr Hauptverbreitungsgebiet im Mesoplankton liegt und daß wahrscheinlich nur in kälteren Regionen junge Stadien auch schon im unteren Epiplankton anzutreffen sind. Die Gauss -Expedition hat natürlich für die Tiefenverbreitung von S. maxima neue Belege gebracht, da die Art unter den vielen Vertikalfängen gerade nur in den allertief sten und da fast regelmäßig vorkommt. Der erwiesene Kosmopolitismus anderer mesoplanktonischen Arten läßt auf das Vorkommen der S. maxima auch im Stillen Ozean, aus dem sie bisher allerdings noch nicht bekannt geworden ist, mit Sicherheit schließen. Sagitta lyra. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikalfängen aus mindestens 400 m fast regelmäßig; in einigen der tiefsten Fänge (3000 m) mehrere hundert Individuen. Der kosmopolitische Charakter der Verbreitung von S. lyra ergibt sich aus folgender Zu- sammenstellung ihrer bisherigen Fundorte: Tyrrhenisch.es Meer: Krohx (40), Grassi (33), Lo Biaxco (47, 48), Krumbach (41). Grassi schreibt ihr zwar die Oberfläche als Wohngebiet zu, Lo Biaxco (47, p. 456; 48, p. 215) aber hebt ausdrücklich hervor, daß über der Licht- grenze nur junge Individuen gefangen werden, die größeren jedoch in der Tiefe zu Hause sind. Aber auch jene werden im Tyrrhenischen Meere durch die diesem eigentümlichen Strömungen wahrscheinlich passiv in höhere Regionen entführt (vgl. 59, p. 13). Atlantischer Ozean, Route der Plankton -Expedition: Steinhaus (68, S. furcata) und Ritter-Zähoxy (66, p. 5). In Vertikalfängen aus mindestens 200 m, zweimal auch aus 80 und 100 m und in Tiefenfängen zwischen 300 und 1000 m. Stiller Ozean (Misaki); Aida (1). Ohne nähere Angaben. V alencia; Gamble (28, 8. furcata). Angeblich von der Oberfläche, es fehlt jedoch jede Garantie, daß wirklich S. Iura vor- gelegen. Um Kapland; Cleve (10, S. furcata). Aus 277 und 900 m. Golf von B i s c a y a; Fowler (23, S. furcata). Im Epiplankton und oberen Mesoplankton mit der größten Dichte zwischen 91 und 183 m; einige erwachsene Exemplare (Sp. indeterm. III, p. 74) aus 914 und 457 m. Malayischer Archipel; Fowler (24, 8. furcata ). In Vertikalfängen aus 900 und 1500 m. Östliches Mittelmeer; Ritter-Zäho.n y (59 1. Nur im Schließnetz aus verschiedenen Tiefen zwischen 130 und 1000 m; Maximum zwischen 150 und 250 m. Stiller Ozean (San Diego); .Michael (49, p. 68. ,s r . finrnla). Ohne Angaben; nach einer persönlichen Mitteilung Herrn Michael's aber nur ausnahmsweise von der Oberfläche, sonst immer aus dem unteren Epi- und dem Mesoplankton in Schließnetzen. Nordmeer; Ritter-Zahony (62, p. 275). Aus 75— 50 m. Irische See; Ritter-Zähoxy (65, p. 3). Einmal einige kleine Exemplare in 137 m Tiefe, sonst nur im Mesoplankton mit dem Maximum aus 457 m. Wenn danach das Vorkommen von S. lyra sowohl im Epi- als im Mesoplankton festgestellt ist, so sprechen doch die Beobachtungen, zu denen nun auch die der Gauss-Expedition kommen, •v. Ritter-Zähony, Sagitten. 57 dafür, daß ihre eigentliche Verbreitung erst im unteren Epiplankton beginnt und sich von da aus wohl durch das ganze Mesoplankton erstreckt. Ihr Vorkommen an der Oberfläche ist durch Fowler wohl verbürgt; daß es aber als exzeptionell zu betrachten ist, darauf deuten gerade die Untersuchun- gen dieses Forschers im Golf von Biscaya sowie meine eigenen am Material aus der Irischen See und die Michael's im Stillen Ozean hin. Sagitta gazellae. Fundnotiz. Im Antarktischen Ozean zwischen 60° und 66° S in Vertikalfängen aus allen Tiefen von 20 m an fast regelmäßig, jedoch gewöhnlich nur in geringer Anzahl. Große, über 50 mm lange Exemplare seltener, jedoch auch in Fängen aus 50 und 100 m. In zwei Fängen aus dem südlichen Indischen Ozean aus 150 und 2700 m einige kleine Exemplare; außerdem in einem Fang aus 2500 m weiter nördlich (43° S) drei große Individuen. Im Atlantischen Ozean nur in einem Fang aus 3000 m auf c. 35,5° S zwei erwachsene Tiere. Nachgewiesen war S. gazellae bisher aus dem südlichen Atlantischen, Indischen und Stillen Ozean (Gazelle-Expedition); Fowler hat sie von der Antarktis als S. hexaptera (25) und von Neuseeland als unbekannte Spezies (26) beschrieben. Diese Fundorte zeigen im Verein mit denen der Gauss -Expedition, daß S. gazellae eine zirkumpolare Kaltwasserart der südlichen Hemisphäre ist und etwa bis zum 35.° S holoplanktonisch vorkommt, daß aber größere, erwachsene Tiere schon in der gemäßigten Region, etwa von 45° S an, nur auf die Tiefe beschränkt sind. Die Fundortreihe, die ich selbst im Anschluß an die erste unvollständige Beschreibung der Art (61, p. 789) gegeben habe, bedarf der Korrektur. Erstens ist es, wie ich leider erst später erfuhr, nicht sicher, daß die Exemplare der Gazelle -Expedition an der Oberfläche gefischt wurden; sie dürften eher aus Schleppnetzen stammen. Zweitens ist mir durch persönliche Mitteilung wahrscheinlich gemacht worden, daß ein an derselben Stelle ebenfalls erwähntes Exemplar von den Tonga -Inseln nicht von dorther, sondern von Neuseeland und auch aus einem Schleppnetzfange stammt. Meine ursprünglich geäußerte Ansicht von der ozeanischen Verbreitung der S. gazellae im tropischen Gebiet ist nun natürlich hinfällig geworden. Sagitta enflata. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikal- und Oberflächenfängen unregelmäßig, jedoch nicht südlich vom 35.° s. Br. Schon aus der 1906 von Fowler zusammengestellten Liste der Fundorte von S. enflata (24, p. 54 und 55) geht hervor, daß es sich um eine rein epiplanktonische, tropisch -subtropische Art der mittleren Ozeane handelt, deren Verbreitungsgebiet jedoch auch noch etwas in die gemäßigten Zonen hineinrgat. Die zahlreichen Fundorte, die in den letzten Jahren noch dazugekommen sind — darunter auch San Diego (Michael) — stehen, ebenso wie die der Gauss -Expedition, damit voll- kommen im Einklang und berechtigen, annähernd den 40.° N und S als nördliche und südliche Grenze der Verbreitung von S. enflata zu bezeichnen (vgl. 66, p. 6). Warme Strömungen, z. B. der Floridastrom, werden ihr Vorkommen stellenweise wohl auch über diese Grenze hinaus möglich machen, kalte, z. B. die Westwindtrift, werden es gelegentlich etwas einschränken. Für das letztere sprechen gerade die Ergebnisse der Gauss-Expedition, die S. enflata nicht nuf auf der ganzen Strecke Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. ö 58 Deutsche Südpolar-Expedition. zwischen Kapland und den Kerguelen sondern auch auf der Rückfahrt durch den kühleren Ben- guelastrom (August 1903) vermißte. Die S. enflata (S. flaccida) Galzow's von Kamtschatka (27. p. 13) kann, wie schon aus den anatomischen Bemerkungen des Autors über seine Exemplare hervorgeht, nicht diese Art gewesen sein (s. o. Species incertae). Sagitta bipunctata. Fundnotiz. Im Atlantischen Ozean ziemlich häufig, im Indischen regelmäßig in Vertikal- und Oberflächenfängen. Seitdem es sich nachweislich herausgestellt hat, daß bis in die neueste Zeit die verschiedensten Arten (S. bedoti, decipiens, elegans, hexaptera, setosa, wahrscheinlich auch neglecta und robusta) mit S. bipunctata verwechselt oder konfundiert wurden und daß daher keine einzige der vielen Literaturangaben über das Vorkommen von „S. bipunctata 11 als verbürgt betrachtet werden kann, bin ich nur auf Grund der eigenen Untersuchungen imstande, die Frage nach ihrer Verbreitung zu beantworten. Außer aus dem Tyrrhenischen Meer, aus dem sie Krohn, Hertwig und Grassi gut kenntlich beschrieben, lag sie mir noch von folgenden Fundorten vor: A d r i a und östliches Mittel meer (59) ; Oberfläche und Epiplankton. Tor tu gas (63); Oberfläche. "Atlantischer Ozean, vom Gebiet des Floridastroms südwärts in Vertikal- und Oberflächenfängen bis etwa zum 32.° S (Plankton- und Gauss-Expedition). Santa Catharina (Südbrasilien); Oberfläche (Berliner Museum). Indischer Ozean; Vertikal- und Oberflächenfänge der Gauss-Expedition auf der Fahrt von Neu-Amsterdam nach Port Natal. Sharks-Bai (64); Oberfläche. Neu-Guinea; Oberfläche (Berliner Museum). Große Sandy-Insel (Queensland); Oberfläche (Berliner Museum). S. bipunctata fehlte ferner in allen den von mir untersuchten, teilweise sehr umfangreichen Kollektionen aus höheren Breiten. Danach halte ich mich für berechtigt, ihr dieselbe Verbreitung zuzuschreiben wie S. enflata; sie gehört also dem oberen Epiplankton der tropischen, subtropi- schen und gemäßigten Regionen des Weltmeeres bis etwa zum 40.° n. und s. Br. an. Sagitta robusta. Fundnotiz. Im Atlantischen Ozean zwischen 0° und 20° N, im Indischen zwischen 20° und 30° S in Vertikalfängen und an der Oberfläche, jedoch verhältnismäßig selten. Die Fundorte der Gauss-Expedition bedeuten für S. robusta insofern nichts Neues, als die Art schon aus den verschiedensten Lokalitäten der tropischen und subtropischen Regionen des At- lantischen und Indischen Ozeans bekannt geworden ist und zwar stets in Oberflächen- oder Vertikal - fangen *). Ihre Verbreitung ist danach derjenigen von *S. bipunctata oder enflata ähnlich, reicht aber nicht so weit nach Norden und Süden wie die der genannten Arten. Auf der Westseite des J ) Die Fundorte sind: Tortugas (63); Atlantischer Ozean, vom Floridastrom südwärts (Plankton -Expedition); Rotes Meer (60); Seychellen (61, p. 792); Maladiven und Lakkadiven, Singapur (Doncaster); Sumatra (61, p. 792); Malayischer Archipel (Fowler); Sharks-Bai (64, p. 126). v. Ritter-Zahony, Sagitten. 59 Atlantischen Ozeans wird sie zwar durch den Floridastrom wohl bis in die Gegend des 40.° N ge- bracht, auf der Ostseite gelangt sie jedoch kaum bis zum 35. Breitegrad, da sie ja schon im Mittel- meer fehlt. Im Süden dürfte sie gerade noch um die Südspitze Afrikas herumkommen. Im Stillen Ozean ist sie bisher nur von fünf Fundorten, die sämtlich auf seiner Westseite liegen, bekannt ge- worden: Misaki (Aida, S. hispida); südliches Japanisches Meer (Galzow, S. japonica); Philippinen und Große Sandy -Insel (61, p. 792); Neu-Guinea (Berliner Museum). Ich glaube jedoch, daß die Verbreitung der S. robusta im Stillen Ozean der im Atlantischen völlig analog ist, d. h. das tropisch - subtropische Gebiet umfaßt und nur auf der Westseite etwas weiter nach Norden reicht, wobei der Kuro-Siwo die Rolle des Floridastroms übernimmt. Sagitta bedoti, neglecta, regularis und pulchra. Die bisherigen Fundorte dieser vier Arten, von denen nur die letztgenannte dem Material der Gauss-Expedition fehlte, sind zwar nicht zahlreich, liegen jedoch weit auseinander und gestatten den Schluß, daß es sich um ausgesprochen tropische indo-pazifische Arten der Oberfläche handelt. Keine davon ist im Atlantischen Ozean, dessen pelagische Tierwelt seit der Plankton-Expedition ja als gut untersucht gelten kann, nachgewiesen. Dies scheint in Anbetracht dessen, daß so viele Warmwasserarten dem Atlantischen und Indischen Ozean gemeinsam sind, etwas unwahrscheinlich; ich glaube jedoch, daß die eigentümlichen hydrologischen Verhältnisse der Meeresoberfläche, an der einzigen Stelle, an der eine Kommunikation der wärmern Teile beider Ozeane stattfinden könnte, der Südspitze Afrikas, wohl eine natürliche Grenze schaffen, die besonders temperatur- empfindliche Organismen nicht zu überwinden vermögen. Gerade an der Südspitze Afrikas prallt ja der warme Agulhasstrom fast normal auf die nordöstlich strömende, kalte Westwind trift des Atlantischen Ozeans und wird durch sie südöstlich wieder in den Indischen zurückgelenkt. Drei der oben genannten Arten sind aber schon im Agulhasstrom (Port Natal) nachgewiesen, die vierte (S. pulchra) zwar noch nicht, sie dürfte ihm aber mit Rücksicht auf ihr sonstiges Vorkommen auch nicht fehlen. Die Fundorte der vier Arten lassen sich folgendermaßen zusammenstellen: S. bedoti: Port Natal (Gauss-Expedition); Maladiven und Lakkadiven (Doncaster, S. polyodon); Sharks-Bai (64, p. 125); Malayischer Archipel (Beraneck, Fowler); Philippinen und Formosa (Berliner Museum); Misaki (Aida, S.bipunctata). S. neglecta: Port Natal (Gauss-Expedition); Rotes Meer (Ritter-Zahony); Mala- diven und Lakkadiven (Doncaster, S. septata); Malayischer Archipel (Fowler); Formosa (Berliner Museum); Misaki (Aida); Kalifornien (49, p. 68) *). S. regularis : Port Natal und südöstlich von Madagaskar (Gauss-Expedition); Rotes Meer (Ritter-Zahony); Maladiven und Lakkadiven (Doncaster); Sharks-Bai (64, p. 126); Singapur (Doncaster, S. bedfordii); Malayischer Archipel (Fowler); Formosa (Berliner Museum); Misaki (Aida). S. pulchra: Maladiven und Lakkadiven (Doncaster); Sharks-Bai (64, p. 126); Malayischer Archipel (Fowler); Neu-Guinea (Berliner Museum); Kalifornien (49, p. 68) J ). *) Es ist erst abzuwarten, ob dieser Fundort sieh bestätigt. 60 Deutsche Südpolar-Expedition. Sämtliche angeführten Fundorte beziehen sich auf Oberflächenfänge, einige wenige (Siboga- und Gauss-Expedition) auch auf Vertikalfänge. Sagitta serratodentata. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikal- und Oberflächenfängen regelmäßig, oft in großer Menge. Bekannt ist, daß S. serratodentata neben S. enflata im Epiplankton der tropischen, subtropischen und teilweise auch der gemäßigten Regionen des Atlantischen und Indischen (und jedenfalls auch Stillen) Ozeans eine der häufigsten Arten ist; daher interessiert zunächst nur die Frage nach der nördlichen und südlichen Grenze der Art. Die wenigen Fundorte, die bisher nördlich vom 50.° N resp. südlich vom 50." S bekannt ge- worden sind, sind folgende: Nordatlantischer Ozean. Mehrere Vertikal- und Oberflächenfänge zwischen 50° und 60,2° N mit stets wenigen, großen Exemplaren (Plankton-Expedition). — Ein großes Exemplar auf 60,5° N 17° W (vgl. 62, p. 276). Irische See. Wenige erwachsene, meist reife Exemplare an der Oberfläche und in Schließnetzen aus 137—2100 m (65, p. 2). Nordsee. Im Schließnetz einmal zwischen 430 und 150 m (2, Tabelle 8). Magell an -Straße. Acht, angeblich junge Individuen von der Oberfläche (69, p. 7). Falklands-Inseln. Fünf größere Individuen von der Oberfläche (23, p. 85). Südlicher Indischer Ozean auf 51° 20' S, 126° 23' O. Ein größeres Individuum (25, p. 3). Mehrere größere Chätognathensammlungen aus dem arktischen Gebiet, die ich selbst unter- suchte, ließen S. serratodentata vollständig vermissen. An der Ausbeute der Plankton-Expedition und an einem umfangreichen Material aus der Irischen See konnte ich konstatieren, daß sie zwischen dem 50. und 60. Breitengrade eine relativ seltene Art ist. Auffallend ist ferner, daß, wenigstens soweit meine eigenen Beobachtungen reichen, in jenen Gegenden nur größere, der Reife nahe Indi- viduen (neben zahlreichen jungen Tieren anderer Arten) gefangen wurden, so daß der schon ein- mal von mir geäußerte Schluß (65, p. 2), S. serratodentata gelange erst im älteren Zustand und vielleicht nur passiv in subarktische und subantarktische Regionen wohl berechtigt scheint. Ihre Verbreitungsgrenzen an der Oberfläche würden dann, je nach der Jahreszeit sich etwas verschiebend, auf beiden Hemisphären zwischen den 50. und 60. Breitegrad fallen (vgl. auch 25, p. 6). Die Frage nach der Tiefenverbreitung von *S. serratodentata vermögen in Anbetracht ihrer großen Dichte im Epiplankton wohl nur Schließnetzfänge zu beantworten. Leider sind solche im warmen Gebiet nur von der Plankton -Expedition und mit einem relativ kleinen Netz gemacht worden. Sie enthielten keine S. serratodentata, doch ist die Zahl der Fänge zu gering, um daraus auf ein Fehlen der Art im Mesoplankton der tropischen und subtropischen Region zu schließen; es ist im Gegenteil sehr wahrscheinlich, daß S. serratodentata daselbst vorkommt, jedoch, ähnlich wie S. hexaptera, relativ seltener und bloß in erwachsenen Tieren. Für die nördliche gemäßigte Region ist dies bereits nachgewiesen, wie außer aus den erwähnten Schließnetzfängen aus der Iri- schen See und der Nordsee, auch aus den Untersuchungen Fowler's im Golf von Biscaya hervor- geht (23, p. 59). Sonst haben nur noch Chun (8, p. 18) und Lo Bianco (48, p. 215) S. serratodentata in Schließnetzen aus 1000 und mehr m im Mittelmeer beobachtet. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, daß analog zu S. hexaptera und K. subtilis (s. u.) die Verbreitung der S. serratodentata im Mesoplankton weiter reicht als im Epiplankton. v. Ritter-Zähony, Sagitten. ßj Sagitta minima. F u n d n o t i z. Im Atlantischen und Indischen Ozean in einigen Vertikalfängen, im Indischen Ozean einmal auch von der Oberfläche. Die bisherigen Fundorte der S. minima sind: Tyrrhenisches Meer (Grassi, Doncaster, Krumbach). Oberfläche; von November bis April häufig, in den anderen Monaten selten. Misaki (Aida). Ohne Angaben; wahrscheinlich Epiplankton. Atlantischer Ozean zwischen 43,6° N und 8° S (Plankton-Expedition). In einem Vertikalfang aus 37 m (bei den Azoren), sonst häufig aus 100 und mehr Meter; August, September, Anfang Oktober. Sharks-Bai (64, p. 125). Oberfläche; Mitte Juni. Atlantischer Ozean (Gauss-Expedition). In wenigen Vertikalfängen zwischen 10° und 20° S (Mitte Oktober) und zwischen 9° S und 21° N (Ende September und Anfang Oktober). Indischer Ozean (Gauss-Expedition). In zwei Vertikalfängen auf etwa 25° und 27° S und von Port Natal; Mai. Nach den Ergebnissen der Plankton-Expedition ist S. minima eine der häufigeren Arten. Ihre relative Seltenheit in den Fängen des „Gauss", der ja im Atlantischen Ozean um dieselbe Jahreszeit fischte, wie seinerzeit der „National", nimmt daher wunder; doch fehlt mir irgend eine Erklärung dafür. S. minima ist ja allerdings ihrer geringen Größe wegen schwieriger zu be- obachten und namentlich im unreifen Zustand von den Jungen anderer Arten kaum zu unter- scheiden; ich habe jedoch mit Rücksicht auf das Ergebnis der Plankton -Expedition im Material des „Gauss" besonders nach ihr gesucht, hatte aber den angegebenen nicht erwarteten Erfolg. Sicher ist einstweilen ihr Vorkommen im Epiplankton; ob sie darauf beschränkt ist, oder ob sie auch noch ins Mesoplankton reicht, werden spätere Untersuchungen zu entscheiden haben. Ihre horizontale Verbreitung umfaßt wohl die tropischen, subtropischen und wenigstens teil- weise auch die gemäßigten Regionen des Weltmeeres. Sagitta decipiens. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikalfängen aus 400 m und mehr häufig, aber meist in geringer Anzahl. S. decipiens ist sonst noch in folgenden Lokalitäten nachgewiesen worden: Irische See (65). Nur in Schließnetzen aus 300—2100 m. Golf von Biscaya (Fowler). In Vertikalfängen aus mindestens 182 m, in Schließnetzen im oberen Mesoplankton. Atlantischer Ozean zwischen 60° N und 8° S (Plankton-Expedition). Im Vertikalnetz aus mindestens 200 m und im Schließnetz zwischen 200 und 1200 m. Rotes Meer (60, «5. sibogae). Nur im Sehließnetz zwischen 348 und 820 m. Malayischer Archipel (Fowler, S. sibogae). Nur in Vertikalfängen aus 1000 — 2000 m. Das Wohngebiet von S. decipiens ist daher das Mesoplankton und das untere Epiplankton; in letzterem kommen wahrscheinlich nur jüngere Stadien vor. Wie S. lyra oder planctonis (s. u.) ist die Art wohl kosmopolitisch i. e. S. Sagitta planctonis. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikalfängen aus mindestens 400 m, oft in größerer Anzahl, doch meist unreife Tiere. Im Antarktischen Ozean am 20. Nov. 1902 und 18. Jan. 1903 aus 385, resp. 150 m je ein kleines Exemplar. Auf der Heimfahrt vom 18. Febr. bis 3. März 1903 zwischen 66° und 65° S regelmäßig aus 150 und mehr m, oft in bedeutender Menge; nicht große, aber männlich reife Exemplare. ß2 Deutsche Siidpolar-Expedition. S. plandonis ist unter allen Arten der Tiefsee am häufigsten in der Literatur erwähnt, oft aller- dings auch unter anderem Namen; ich stelle daher die bisherigen Fundorte zusammen: Nordmeer (62, p. 275). Aus 75—50 m. Irische See (65). Zweimal je ein kleines Individuum aus 64 resp. 91 m, sonst nur im Mesoplankton, oft in relativ großer Menge. Bei Marthas Vineyard (12, p. 213; S. hexaptera). Im Schleppnetz, 24 — 34 mm lange Exemplare. Golf von Biscaya (23, p. 83; S. zetesios, S. plandonis). In Vertikalfängen aus dem Mesoplankton und im Schließnetz; im oberen Mesoplankton nur junge Tiere. Atlantischer Ozean zwischen 60° N und 8° S (Plankton-Expedition). In Vertikalfängen aus mindestens 300 m, nur einmal aus 200 ; im Schließnetz aus 200 — 850 m. Westküste Afrikas zwischen 9° und 17° S (68, p. 37). Von der Oberfläche bis 30 m. Ich bezweifle, daß tatsächlich S. plandonis vorgelegen. Kalifornien (Michael, 49, p. 68; S. zetesios). Ohne Angaben; nach persönlicher Mitteilung Herrn Michaels, der mir auch einige Originale sandte, im Mesoplankton. Malayischer Archipel (24, p. 61; S. zetesios). In Vertikal- und Schleppnetzen aus mindestens 750 m, einmal im Schließnetz zwischen 975 und 415 m. Südlicher Atlantischer, Indischer und Stiller Ozean zwischen 34° und 39° S. (61, p. 791). Wahr- scheinlich im Schleppnetz, nicht, wie angegeben, von der Oberfläche (vgl. o. p. 57). Antarktischer Ozean zwischen 64° und 60° S, 79° und 91° O (25, p. 5). Drei kleine Individuen von der Oberfläche (14. und 21. Februar 1874). Aus dieser Liste geht hervor, daß S. plandonis eine kosmopolitische Art des ganzen Mesoplank- tons ist, jedoch ähnlich wie *S. lyra und S. decipiens auch das untere Epiplankton, doch weniger dicht und wahrscheinlich nur in jüngeren Stadien, bewohnt. Eigenartig ist ihr Verhalten in höheren Breiten der südlichen Hemisphäre. Zu einer bestimmten Jahreszeit (Ende Sommer) scheint da S. plandonis massenhaft im Epiplankton aufzutreten, wie aus den antarktischen Fängen der Gauss -Expedition hervorgeht, von denen gerade zwei der höchsten die größte Anzahl von Individuen (über 100) enthielten. Eine zweite Eigentümlichkeit ist dabei die, daß, wie ich schon im systematischen Teil hervorgehoben, die Tiere sich in einem Zustand männlicher Frühreife befinden. Im übrigen hatte schon der,, Challenger" S. planctonis im Antarkti- schen Ozean zur selben Jahreszeit wie der Gauss an der Oberfläche beobachtet. Merkwürdiger- weise ist auf der besser bekannten nördlichen Hemisphäre Ähnliches nicht konstatiert worden. Sagitta macrocephala. Fundnotiz. Im Atlantischen Ozean mit einer einzigen Ausnahme in allen Vertikalfängen, die aus 1000 und mehr Metern kamen; einmal auch aus 800 m (30. Sept. 1903). Im Indischen in einem Vertikalfang aus 2500 m. Sonst ist *S. macrocephala bisher noch aus folgenden Lokalitäten bekannt geworden: Irminger See; Plankton-Expedition (Stat. J. N. 10). Zwischen 1000 und 800m. Fär-Öer-Rinne; Fowler (24, p. 58). Zwischen 877 und 639 m. Nordatlantischer Ozean; Plankton-Expedition (Stat. .1. N. 31). Vertikalfang aus 300 m mit einem Exemplar. Irische See (65). Nur in Schließnetzen zwischen 366 und 2100 m, regelmäßig erst von 1100 m an. G 1 f von Biscaya; Fowler. Im Vertikalnetz aus mindestens 639 m, im Schließnetz zwischen 3657 und 731 m. Mittelatlantischer Ozean; Plankton-Expedition. Im Vertikalnetz aus 400 m (Stat. J. N. 186), im Schließnetz zwischen 1200 und 700 m. — Aus 2760 m (Günther, p. 361). M alayischer Archipel; Fowler (24, p. 15). In Vertikalfängen aus 1500 und 1536 m. Unter den Vertretern des Genus Sagitta ist S. macrocephala die einzige Art, die im strengsten Sinne als rein mesoplanktonisch bezeichnet werden kann. d. h. oberhalb der Lichtgrenze wahr- scheinlich nicht vorkommt. Denn auch die höchsten Vertikalfänge, in denen man sie bisher fand, v. Ritter-Zähony, Sagitten. 63 beginnen bereits im Mesoplankton und in Schließnetzfängen pflegt sie in desto größerer Menge vertreten zu sein, in je größerer Tiefe gefischt wurde. Aus den angeführten Fundstellen geht auch ihr Kosmopolitismus hervor; denn, wenn sie auch aus dem größten Teil des Stillen Ozeans noch nicht nachgewiesen ist, so kommt dies wohl daher, daß eben die Tiefsee daselbst noch so wenig untersucht ist. Pterosagitta draco. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean fast regelmäßig in den Vertikalfängen zweimal auch an der Oberfläche. Das Vorkommen der Pt. draco im oberen Epiplankton der warmen Regionen ist bekannt. Ihre Verbreitung dürfte sich mit der von S. enflata und bipunctata decken, doch ist die Art in den ge- mäßigten Zonen, soweit sie überhaupt noch darin vorkommt, schon seltener als jene beiden, wie aus den Bemerkungen Grassi's (33), Hertwig's (36) und Lo Bianco's (48, p. 216) über ihr Vor- kommen im Mittelmeer hervorgeht. Der nördlichste Punkt, auf dem bisher Pt. draco nachgewiesen erscheint, ist Station J. N. 45 der Plankton-Expedition auf 41,6° N, 56,3° W, der südlichste 4P 32' S, 35°49'0 (68, p. 43). Eukrolmia hamata. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikalfängen von 400 und mehr Metern ; aus 1500 — 3000 m mehrmals über hundert Exemplare. Im Antarktischen Ozean regelmäßig auch in geringen Tiefen. Die Fänge der Gauss -Expedition bedeuten für das, was von der Verbreitung der E. hamata bereits bekannt ist, nichts Neues. Im Antarktischen Ozean war ihre Menge auf den einzelnen Statio- nen ganz unabhängig von der Höhe der durchgefischten Wassersäule sehr wechselnd und gestattete keinen Schluß auf eine besondere Dichte der Art in bestimmter Tiefe (vgl. 62, p. 283 ). Eukrohnia fowleri. Fundnotiz. Im Atlantischen, Indischen und Antarktischen Ozean fast regelmäßig in allen Vertikalfä ngen aus mindestens 880 m. Die Verbreitung von E. fowleri dürfte mit der von S. macrocephala zusammenfallen, also nach oben über die Lichtgrenze nicht hinausreichen. Da man der Art bisher keine Aufmerksamkeit ge- schenkt und sie meist mit E. hamata konfundiert hat, läßt sich nach den wenigen bisher bekannt gewordenen sicheren Fundorten nur in Analogie zu anderen Arten auf ihr Vorkommen im allge- meinen schließen. Ich halte es für kosmopolitisch i. e. S. Außer auf 19 Stationen des,, Gauss" (vgl. die Übersicht über sämtliche Fänge) ist E. fowleri bis- her noch in folgenden Gegenden konstatiert: Irische See (65, p. 5). Zwischen 2100 und 366 m im Schließnetz. Golf von Biscaya (Fowler, Kröhnia hamata var.). Vertikal aus 640 m, sonst im Schließnetz zwischen 3660 und 549 m; größere Tiere nur zwischen 3660 und 1830 m. Mittelatlantischer Ozean (Plankton-Expedition). In einem Vertikalfang aus 1000 m und vier Tiefenfängen zwischen 1500 und 600 m. Malayischer Archipel (Fowler, Kröhnia hamata pars). In Vertikal fangen aus mindestens 900 m. g4 Deutsche Siidpolar-Expedition. Krolmitta subtilis. Fundnotiz. Im Atlantischen und Indischen Ozean in Vertikal- und Oberflächenfängen. Einmal ein Exemplar aus dem Antarktischen Ozean im Vertikalnetz aus 385m (22. Nov. 1901, auf etwa 66°S). Von K. subtilis, deren Verbreitungszentrum das Epiplankton der tropisch -subtropischen Regio- nen ist (vgl. 24 p. 64), interessieren besonders diejenigen Fundorte, die außerhalb dieser Regionen liegen, da man über die horizontalen und vertikalen Verbreitungsgrenzen der Art noch im Unklaren ist. Nur vermutungsweise läßt sich aus einigen wenigen Beobachtungen schließen, daß das Vorkommen von K. subtilis im allgemeinen demj enigen von S. hexaptera analog ist. Im Mesoplankton der warmen Region ist sie durch die Plankton-Expedition, die sie im Schließnetz mehrmals erbeutete, am tiefsten zwischen 850 und 650 m, nachgewiesen (66, p. 27). Als reine Oberflächenform reicht K. subtilis wohl nur in einigen warmen Meeresströmungen über den 40. Grad hinaus, in gewisser Tiefe fehlt sie jedoch auch auf höheren Breiten nicht. Fowler fand sie im Golf von Biscaya nur in Vertikalfängen von mindestens 91 m, ich selbst in Sammlungen aus der Irischen See nur in Tiefen zwischen 1370 und 640 m (65, p. 5) u. z. stets wenige große reife oder der Reife nahe Exemplare. Noch weiter nördlich, auf 60,2° Breite, fischte endlich der „National" ein 16 mm langes Individuum vertikal aus 400 m ( J. N. 9). Da auch die erwähnten Tiefenfänge der Plankton -Expedition im Mittelatlantischen Ozean nur sehr große (mindestens 12 mm lange) Tiere, wie sie an der Oberfläche niemals gefangen werden, enthielten, so vermute ich, daß ebenso wie S. serrodentata u. a. K. subtilis während des Lebens aus höheren, wärmeren Schichten, in denen sie ihre ersten Entwicklungsstadien durchläuft, in kühlere, tiefere zu sinken vermag. Zum Teil wird sie allerdings auch noch im oberen Epiplankton reif, zum Teil aber auch mehr oder minder tief im Mesoplankton. Das kalte Wasser scheint dabei die Ent- wicklung der generativen Organe zu verzögern, zugleich aber die Möglichkeit stärkeren somatischen Wachstums zu bieten. Außerdem kann die an niedrigere Temperaturen angepaßte K. subtilis leicht auch in höhere Breiten wandern, deren Epiplankton sie fehlt. In dieser Weise glaube ich, die Beob- achtungen im Golf von Biscaya und in der Irischen See erklären zu können. Von dem Exemplar der erwähnten Station J. N. 9 der Plankton-Expedition wäre dann auch anzunehmen, daß es schon im Mesoplankton ins Netz gelangt ist. Für ein ganz analoges Verhalten der K. subtilis auf der südlichen Hemisphäre spricht endlich der oben hervorgehobene Vertikalfang der Gauss- Expedition im antarktischen Gebiet. Zum Schluß sei mit einigen Worten der Unterschiede zwischen der arktischen und antarktischen Chätognathenwelt gedacht, soweit sich nach den bisherigen Beobachtungen etwas darüber sagen läßt. Dem artenarmen Epiplankton beider Regionen ist E. hamata gemeinsam; sonst aber charakte- risiert sich der Norden durch die neritische S. elegans, der Süden durch die in ihrem Vorkommen von der Küste unabhängige S. gazellae. Ob S. planctonis, die, wie durch die Gauss-Expedition nach- gewiesen ist, auf hohen Breiten der südlichen Hemisphäre aus dem Mesoplankton ins obere Epi- plankton emporsteigt, sich im hohen Norden ebenso verhält, bedarf erst der Untersuchung; ich halte es für unwahrscheinlich, da verschiedene Chätognathensammlungen aus dem arktischen Gebiet, die bereits bearbeitet sind, die Art nicht enthielten. In bezug auf die noch fast ganz unerforschte Tiefsee der Polargegenden läßt sich nur vermutungsweise mit Rücksicht auf den gleichförmigen Charakter der Tiefsee überhaupt auf Übereinstimmung in beiden Regionen schließen. Nur S. gazellae, v. Ritter-Zähony, Sagitten. 65 die erst aus höheren Schichten nach unten wandert, dürfte auch im Mesoplankton dem südlichen Eismeer allein eigentümlich sein. Zu der folgenden Übersicht über die Vertikal- und Oberflächenfänge ist zu bemerken, daß das Vorkommen einer Art durch ein liegendes Kreuz angedeutet ist; waren in einem Vertikalfang über 100 Individuen derselben Art enthalten, so ist dies durch ein ~> bezeichnet. Als Oberflächen- fänge sind auch einige Vertikalzüge aus geringen Tiefen aufgefaßt. Die geographische Lage der Stationen ist aus der Karte Bd. XII (Zoologie Bd. IV) Taf. XLI zu ersehen. Übersicht über die Vertikalfänge. Station Tiefe (m) 8 52 5Q ,60 OS cd OQ GQ .2 -2 o Kl .22 '*4 1. Okt. 1901 800 7. Okt. 1901 400 11. Okt. 1901 1200 <—> X x V 14. Okt. 1901 1900 ■ X X X x X 17. Okt. 1901 1000 X X 19. Okt. 1901 500 X X X Atlantischer 19. Okt. 1901 800 X X Ozean 22. Okt. 1901 26. Okt. 1901 5. Nov. 1901 5. Nov. 1901 3000 1340 500 1000 X X X X X • X X v X X >< X X X X 12. Nov. 1901 3000 x X <-> X X X X - - X X 16. Nov. 1901 3000 <-* " •i x X (Kapstadt) 5. Dez. 1901 500 Indischer J Ozean 18. Dez. 1901 19. Jan. 1902 10. Febr. 1902 3. März 1902 10. März 1902 20. März 1902 20. März 1902 20. März 1902 4. Apr. 1902 19. Apr. 1902 23. Mai 1902 4. Juni 1902 2500 150 2700 300 300 200 300 335 50 275 2oo 366 ■» X Antarktischer 14. Juni 1902 329 Ozean 20. Juni 1902 329 (Gauss - 30. Juni 1902 385 Station) 14. Juli 1902 22. Juli 1902 22. Juli 1902 26. Juli 1902 13. Aug. 1902 29. Aug. 1902 8. Sept. 1902 385 200 300 385 385 350 300 Deutsche Südf olar-Expedition. XII . Zoolc gie V. 9 6G Deutsche Südpolar-Expedition. Station Tiefe (m) 0^ Cq «3 CQ SQ -5£ p o .OD rS CQ g s cd CO p es 's o e Gq k5 ,6g .o? 23. Sept. 1902 300 30. Sept. 1902 8. Okt. 1902 350 350 18. Okt. 1902 385 29. Okt. 1902 350 14. Nov. 1902 350 20. Nov. 1902 385 21. Nov. 1902 350 22. Nov. 1902 385 X 1. Dez. 1902 200 1. Dez. 1902 350 Antarktischer 5. Dez. 1902 350 Ozean 5. Dez. 1902 385 (Gauss- 21. Dez. 1902 200 Station) 22. Dez. 1902 5. Jan. 1903 8. Jan. 1903 9. Jan. 1903 10. Jan. 1903 12. Jan. L903 17. Jan. 1903 18. Jan. 1903 20. Jan. 1903 27. Jan. 1903 31. Jan. 1903 2. Febr. 1903 2. Febr. 1903 18. Febr. 1903 19. Febr. 1903 19. Febr. 1903 23. Febr. 1903 25. Febr. 1803 26. Febr. 1903 27. Febr. 1903 27. Febr. 1903 350 350 30 40 40 50 100 150 150 250 20 150 350 400 200 400 400 400 150 150 400 X x (-> <— > Antarktischer 28. Febr. 1903 3. März 1903 150 4(i() (** <-» Ozean (Heimfahrt) 4. März 1903 6. März 1903 9. März 1903 10. März 1903 15. März 1903 15. März 1903 17. März L903 23. März L903 23. März L903 27. März 1903 LApr. L903 3. Apr. L903 400 1200 4IIO 3000 100 300 400 200 400 2000 150 3423 X X v Ül r- 5 <-* v. RiTTiäu-ZÄnoNY, Sagitten. 67 Station Tiefe (m) 3 "'S fei "53 1 o s z 2Q 6g ,0g © Sil a "3. a c g a f*5 fei .2 r V5 •«3 "2 1. Mai 1903 400 2. Mai 1903 400 x 5. Mai 1903 400 X Indischer Ozean 8. Mai 1903 15. Mai 1903 15. Mai 1903 18. Mai 1903 20. Mai 1903 25. Mai 1903 11. Aug. 1903 13. Aug. 1903 18. Aug. 1903 19. Aug. 1903 20. Aug. 1903 22. Aug. 1903 22. Aug. 1903 24. Aug. 1903 26. Aug. 1903 26. Aug. 1903 3. Sept. 1903 400 400 400 400 400 400 400 400 200 400 400 400 1500 400 200 400 400 X X X X X X X X y X X X v X X X X X X V X X X X X X X X X X X X X X X X y y X V X X X y X X X X X X X X X X X 4. Sept. 1903 2000 X X X x <-> x <•> X X X 5. Sept. 1903 400 x C"> X Atlantischer 8. Sept. 1903 400 X X X Ozean 10. Sept. 1903 3000 V X X y x y X X y X X X Ascension) 11. Sept. 1903 16. Sept. 1903 17. Sept. 1903 18. Sept. 1903 19. Sept. 1903 400 400 400 400 400 v V x V X X X 26. Sept. 1903 3000 <-> X <-' X X <— > x X X (-> X X X 30. Sept. 1903 800 . X X X X X X y X X y X X X 30. Sept. 1903 1500 x X ■ X X X X x y X X x 1. Okt. 1903 200 x y X 5. Okt. 1903 400 x X X X X X 9. Okt. 1903 3000 X X X X X X X x X X X X X X 13. Okt. 1903 200 X 13. Okt. 1903 3000 e-» <-> X X X X X X X X 20. Okt. 1903 3000 X X X X X X X X 68 Deutsche Südpolar-Expedition. Übersicht über die Oberflächenfänge. Station Zeit Tiefe (m) es sä. e sä ^0 43 O 's O e *-> 1 &i ja CO ■^J - r>Ö < Portogrande) 13. Sept. 1901 22. Sept. 1901 24. Sept. 1901 Tag Nachm. X X X Atlantischer . 28. Sept. 1901 Abend Ozean l. Okt. 1901 5. Okt. 1901 7. Okt. 1901 4. Nov. 1901 Morgen Vorm. Abend Abend X Ind. Ozean . 14. Mai 1903 Nacht 1 ) 20 (Port Natall 31. Mai 1903 Tag X y^ X 5. Aug. 1903 Abend 7. Aug. 1903 Vorm. 15. Aug. 1903 Abend 1. Sept. 1903 — 45 Atlantischer 20. Sept. 1903 Nacht 10 Ozean 21. Sept. 1903 23. Sept. 1903 7. Okt. 1903 Abend Nacht Nacht 10 40 x X X X 16. Okt. 1903 Nacht II Verzeichnis der im Text vorkommenden Gattungs- und Artnamen. (Gute Gattungen und Arten sind fett gedruckt; p. 52 ff. beziehen sich auf den faunistischen Teil.) Seite mrhrll 15 australis 13 hatziam 36 bedforäii 25 bedoti 20, 59 bipunctata 16, 58 bipunctata (Aida) 20 bipunctata (Bisraneck ) 24 bipunctata ( Bush | 14 hi r nini'i/,i (Kyihm-.n ii. Souleyet) 16 bipunctata (Fov ler) 15 bipunctata (Gegenbaur) 7 bipunctata ( Krohn ) 7 bipioirltitu (J.kw i:s | .".. r ) bipunctata (Möbius) 14 lii/mm/ulii (Miiss) 14 bipunctata i Ritter-Zähony) 15 Seite bipunctata (Strodtmann) 15 bipunctata (Sutherland ) 46 bi/iiincf'da f. 1/i/iirn 15, 16 brachycephala 13 britannica 47 cephaloptera 35 fln/utmli 36 coreana 47 äarwini 47 decipiens 27, 61 diptera 47 draeo 33, 63 elegwns 14 eleffans f. arcticu 15 elegans f. baltiea 15 enflata 13, 57 enfiata f. gardineri 14 'l In der Nacht wurde immer mif einem weitmaschigen Netz gefischt, das nur größere Tiere zurückbehalten konnte. Daher das Fehlen aller kleinen Arten in solchen Fangen. v. Ritter-Zahony, Sagitten. 69 Seite (vflatu var. (Hallez) 14 EuJeroh nia 38 I ii ii ml 47 i .ni/iti in 7, 47 falcidens 14 ferox 17 flaccida ( Con axt) 13 flaeeida (Galzow ) 47 foliaeea 39 fouleri 40, 63 friderici 19 furcata 8 gallica 35 gardineri 13 f/azellae 10, 57 gegenbauri 47 gt rmanica 14 giganlea 8 glacialis 15 graeüis 14 hamata 39, 63 hamata (Fowler) 40 liiimalii var. (Fowler) 40 hamata var. borealis 39 hclenae 18 helgolandica 47 Heterokroh nia 42 hexaptera 7, 54 hexaptera (Conant) 29 hexaptera (Fowler) 10 Inj ii/ifera ( Strodtmaxn) 8 hispida (Aida) 16 hispida (Conant) 47 inflata 13 japonica 17 Krohnia 38. 44 Krohnitta 44 h vis 48 longicauda 48 longideniaia 7 lyra 8, 56 lyra i Laxgerhaxs) 13 macrocephala 31. 62 magna 7 mariana 35 ///"/ min 16 tnaxima 8, 56 iiKili/rinnini {Sitijittii) 7 mediterraru " i PU rosagitia) 33 melanognaiha 15 minima 25, 61 minima (STRODTMANN) 15 m irabilis 42 mültidi ntata 16 musadosa 36 neglecta 23, 59 iiin ntalis 48 pacifica 44 parvula 36 pla-nctonis 29, 61 polyodon 20 pontica 35 profunda 48 Iteros«{/itta 33 pulchra 21, 59 rapax 15 regularis 25, 59 robusta 16, 58 rostrata 48 Sagitta 4 Sagitta 35 schizoptera 37 septata 23 serratodentata 22, 60 serrulata 22 setosa •. 14 setosa (Laxgerhaxs) 48 sibogae 27 Spadella 35 Spadelh 4, 33, 38, 44 suhtitis 44, 64 /■ nuis ' 49 tricuspidata 7 triptera 49 viridis 49 vougai 33 whartoni 8 zetesios 29 Sp. indeterm. I. Fowler 7 Sp. indeterm. II. Fowler 8 Sp. indeterm. III. Fowler ■ 8 Sp. indeterm. I. Gegexbaur 49 Sp. indeterm. IL Gegexbaur 49 Sp. innom. Fewkes 39 Sp. innom. Fowler 10 Sp. innom. Krohx 16 Sp. innom. Örsted 49 Sp. innom. Scoresby 49 Sp. innom. Verrill 8 Sp. innom. Wilms 14 70 Deutsche Südpolar-Expedition. Literatur. 1. Aida, T., Chaetognaths from Misaki Harbour. Annot. zoo!. Japon., Vol. I, 1897. 2. Apstein, C, Plankton in Nord- und Ostsee auf den deutschen Terminfahrten. I. Teil (Volumina 1903). Wiss. Meeres- unters., N. F. Bd. IX, Abt. Kiel, 1906. 3. Aurivillius, C. W. S., Das Plankton der Baffins Bay und Davis' Strait. Zoologische Studien, Festschrift für W. Lillje- borg. Upsala 1896. 4. Beraneck, E., Les Chetognathes de la Baie d'Amboine. Rev. Suisse Zool., Tom. III, 1895. 5. Broch, H., Über die Chätognathen des Nordmeeres. Nyt Mag. Naturv., Bd. XLP7, 1906. 6. Busch, W., Beobachtungen über Anatomie und Entwicklung einiger wirbellosen Seethiere. Berlin 1851. 7. 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DIE SPHAERELLARIEN DES WARMWASSERGEBIETES DER DEUTSCHEN SÜDPOLAR -EXPEDITION 1901—1903 VON Dr. A. POPOFSKY OBERLEHRER AN DER OBERREALSCHULE ZU MAGDEBURG. MIT TAEEL I— VIII UND 77 FIGUREN IM TEXT Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. ](i J)ie vorliegende Arbeit umfaßt die zweite Unterlegion der Legion der Spumellarien, die von Haeckel (1887) mit dem Namen Sphaerettaria benannt wurde. Dieser Name ist hier allerdings nicht im HAECKELschen Sinne zu verstehen, sondern entspricht der, nach meiner Meinung zutreffen- deren Umgrenzung von Brandt (1902, p. 83). Es sind hier ausgeschlossen die polyzoen Radio- larien, die wegen ihrer vielfachen Beziehungen zu den Colliden besser mit diesen zusammen zur Unterlegion Sphaerocottida vereinigt werden, besonders in Rücksicht auf die polyzoen Zustände mancher Colliden. Die Arbeit umfaßt daher die größere Hälfte der Spumellarien. Die Bearbeitung der ersten Unterlegion Sphaerocottida wurde einstweilen zurückgestellt, bis auch die Monopyleen der Südpolar-Expedition von mir zum Druck fertiggestellt sein werden. Gerade das reichhaltige und schön konservierte Material der koloniebildenden Radiolarien wird manchen Einblick auch in histologische und ontogenetische Fragen gewähren. Da von den in der vorliegenden Arbeit geschilderten Sphaerellarien, in bezug auf den Weich - körper und die Fortpflanzungs Verhältnisse nur das klassische Material von Joh. Müller, Haeckel und Hertwig vorliegt, und unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet, das wegen der Kleinheit der Formen auch schwer bearbeitbar ist, stagnieren, so hatte ich mein Augmmerk besonders darauf richten wollen. Das Material war größtenteils gefärbt und eingelegt und ließ leider derartige Beob- achtungen, die über das bisher Bekannte hinausgeführt hätten, nicht zu, da nur mit Behandlung in moderner Technik diese Kenntnisse vertieft werden können. Das sonstige ungefärbte und in kleinen Gläschen ausgesuchte Material war zu derartigen Studien nicht mannigfaltig und um- fangreich genug. Große Schwierigkeiten in der Identifizierung der Arten machten die Artbeschreibungen anderer Autoren ohne Beigabe von Abbildungen; solche Beschreibungen sind oft so gut wie wertlos, nament- lich in anbetracht des Formenreichtums der zierlichen Radiolarien. Auch wird der Artbeschreibung neuer Radiolarien durch die zum Teil unzulänglich beschrie- benen und abgebildeten fossilen Radiolarien mancher Stein in den Weg gelegt. Bei aller Rücksicht auf die Unzulänglichkeit des Materiales kann die Systematik der rezenten Radiolarien auf Ab- bildungen, wie sie z. B. von G. J. Hinde [Notes on Radiolaria from the Lower Palaezoic Rocks (Llandeilo-Caradoc) of the South of Scotland, in Annais and Magazine of Natural History 1890] gegeben werden, kaum zurückgreifen. 10* 76 Deutsche Siidpolar-Expedition. Das sorgfältig ausgesuchte Radiolarienmaterial der Expedition aus der Antarktis ließ erwarten, daß die Untersuchung der Warmwasserradiolarien noch mehr Klarheit in die faunistischen und biologischen Beziehungen zwischen Kaltwasser- und Warmwasserformen bringen würde. Einiges Neue wird sich ja wohl aus der vergleichenden Betrachtung der alten und neuen Fundorte und deren biologischen Bedingungen ergeben, aber es ist weniger, als ich erwartet hatte. Eines zeigt aber die vorliegende Arbeit in großer Deutlichkeit: daß wir noch weit entfernt davon sind, die Mannigfaltigkeit der Formen auch nur annähernd erschöpft zu haben. Bei allem Bestreben, kleinere und größere Art- oder Formenkreise unter einem Artnamen zusammenzubringen, um die Artzahl nicht ins Ungemessene wachsen zu lassen, waren 44 Arten und Formen von den 73 überhaupt gefischten Arten vollkommen neu. Wie schon vorher erwähnt, ist die Unterlegion Sphaerellaria hier im engeren Sinne, unter Ausschluß der Colliden (Thalassicotta u. s. w.) und koloniebildenden Radiolarien zu verstehen. Die Spumellarienlegion gliedert sich wie folgt: 1. Unterlegion Sphaerocollida. Einzeln lebende oder koloniebildende Radiolarien von Kugelform, mit meist umfangreicher Gallerte, ohne Achsen- fäden, mit oder ohne Skelett (Nadeln, einfache Schalen). Während der reproduktiven Zustände gehen auch die einzeln lebenden in polyzoe Zustände über (Thalassophysa). Legion Spumellaria: Radio- larien mit allseitig von Poren durchbohrter Zentralkapselmem - bran. 2. Unterlegion Sphaerellaria. Stets einzeln lebende Radiolarien, stets mit Skelett in Form einer oder mehrerer vollkommener Gitterschalen oder deren Substituenten (Schwammnetzwerk). Mit geringerer Gallerte. Achsenfäden häufig vorhanden. Keine polyzoen Zustände. Diese Unterlegion Sphaerellaria gliedert sich nach Haeckel in vier Ordnungen: Skelett aus einer oder mehreren kugligen konzentri- ] 1. Ordnung sehen Gitterschalen bestehend. I Sphaeroidea. Unterlegion Sphaerellaria 2. Ordnung Gitterschale elliptisch oder eine Achse verlängert. } _ . 1 JPrunoidea. Schale scheibenförmig oder eine Achse verkürzt. I 3. Ordnung J Discoide a. 4. Ordnung Schale langelliptisch, mit verschieden starkem i Wachstum nach drei Achsen. J L a r c o i d e a. Hierbei ist zu bemerken, daß aus der ersten Ordnung Sphaeroidea die Familie Collosphaeridae ausscheidet und mit Brandt (1902, p. 83) der Ordnung Sphaerozoea zugewiesen wird, die sie mit den Collosphaeriden zusammen ausmacht, sodaß sie sich folgendermaßen gliedert: Popof.skv, Sphaerellarien, n 7 Ordnung 1 Sphaeroidea. Sphaerellarien mit einer oder mehreren konzentrischen kugligen Schalen. Farn. 1. Liosphaeridae. Schale ohne äußere Stacheln. Farn. 2. Stylosphaerida e. Schale mit zwei gegenüberstehenden äußeren Stacheln. Fam. 3. Staurosphaerida e. Schale mit vier äußeren Stacheln, in Kreuzform gestellt. Fam. 4. Cubosphaeridae. Schale mit sechs äußeren, in drei auf einander senk- rechten Achsen stehenden Stacheln. Ordnung Sphaeroidea: Eine oder mehrere konzentrische kuglige Schalen. Fam. 5. Astrosphaeridae. Schale mit vielen äußeren Stacheln. Möglicherweise wird es nötig sein auch die erste Familie zu beseitigen und ihre Arten auf die übrigen vier Familien zu verteilen, wie aus dem Folgenden ersichtlich wird. Einige allgemeine Betrachtungen über den phylogenetischen Zusammenhang der Familien dieser Ordnung untereinander und mit den monozoen SphaerocoUida mögen hier den speziellen Betrachtungen vorausgeschickt werden. Dreyer (90) hat bekanntlich versucht, die Spumellarien und Nassellarienskelette auf den Vierstrahler als Grundform zurückzuführen. Er stellte den Vier- strahler als Ausgangspunkt hin und dachte sich die Kugelschalen der Spumellarien dadurch ent- standen, daß von je drei Vierstrahlern jedesmal zwei Basalstacheln, die einander zugewandt waren, verschmolzen, und auf diese Weise Gitterkugeln mit sechseckigen Maschen entstanden, bei denen auf drei abwechselnden Ecken der Maschen radiär gerichtete Stacheln standen. Es wären demnach aus etwa Thalassosphaeriden -artigen Vorfahren mit vielen Einzelspicula zuerst Astrosphaeriden entstanden, aus denen durch besondere Modifikationen die übrigen Familien der Ordnung Sphae- roidea entwickelt worden wären. Im folgenden soll gezeigt werden, daß bei besonderer Wertung der nach jener Arbeit von Dreyer später bekannt gewordenen paläozoischen Radiolarien Rüsts, der von mir neu aufge- fundenen Cubosphaeriden und von Mast beschriebenen Astrosphaeriden mit innerem zentral in der Medullarschale vereinigten Stachelgerüst, wir zwar auch zu der Auffassung kommen, daß der Vier- strahler die Grundlage des Spumellarienskelettes ist, daß dasselbe sich aber wahrscheinlich aus einem Einzelvierstrahler resp. Doppelspiculum und nicht aus der Verschmelzung vieler herleiten wird. Die paläozoischen Befunde Rüsts (92) und die eben angeführten Spumellarien mit zentral vereinigtem Stachelgerüst innerhalb der Medullarschale, weisen auf das Doppelspiculum als Basis für die phylogenetische Herleitung der Spumellarienskelette. Dreyer nahm den einfachen Vier- strahler dafür an (Textfigur la). Auch auf diese einfachste Form können wir zurückgehen, wenn wir uns das Doppelspiculum aus zwei einfachen Vierstrahlern durch Verschmelzung zweier Stacheln entstanden denken (Tetxfigur 1, b, c). jg Deutsche Südpolar-Expedition. Schröder, Haecker und ich haben kürzlich darauf hingewiesen, daß in den dizentrischen Thalassothamniden Radiolarien vorliegen, die statt der vielen kleinen Spicula ein einziges großes Doppelspicuhun entwickelt haben. Dabei haben wir auch in dem von mir (1908, p. 206) be- schriebenen Conostylus vitrosimilis eine Mittelstufe, bei der ein größeres Hauptdoppelspiculum und ein kleines Nebendoppelspiculum vorhanden sind. Sie leitet von den Thalassosphaeriden-Arten mit vielen Spicula (auch Doppelspicula) zu den Thalossothamniden mit nur einem Doppelspiculum (Constylus diploconus, Thalassothamnus- Arten) über (Textfigur 1 f). Diese Doppelspicula waren aber noch deutlich dizentrisch. Innerhalb der Familie der Thalassothamnidae findet dann ein Ver- schmelzen beider Zentren statt, so namentlich bei der Gattung Cytocladus (Textfigur 1 g), die zwölf Stacheln besitzt, welche von einem Zentrum ausstrahlen und um zwei Pole gruppiert sind. Auch die Lithacanthidae besitzen ein monozentrisch.es einziges dreiachsiges Doppelspiculum (Textfigur 1 h). Denken wir uns nun um die sechs Strahlen des Doppelspicuiums einer solchen Art (etwa Cono- stylus diploconusPov. 08, Taf. XX, Fig. 4) in gleicher Entfernung vom Mittelpunkt des Verbindungs- balkens von den Stacheln eine Gitterschale ausgeschieden, so entstehen Arten, wie sie Rüst als Stigmosphaera rothpletzii (Textfigur 1 i) aus dem Carbon beschrieben hat. Dieselbe besaß ein deutliches Doppelspiculum im Innern der Medullarschale. Arten, bei denen mehr Stachelenden aus den Enden des Mittelbalkens entsj^ringen. wie z. B. die meisten Cystocladus- und Thalasso- ihamnus- Arten, ergeben durch Umhüllung mit einer Gitterschale, die von den Stacheln ausgebildet wird, Radiolarien, wie Rüsts gleichfalls paläozoische Stigmosphaera suspecta (Textfigur 1, k). Bei dieser Stigmosphaera suspecta liegen daher acht oder mehr Stacheln, die von einem Punkt aus- strahlen, im Innern der einzigen Gitterschale. Rüst erwähnt schon, daß unter den dizentrischen Exemplaren von Stigmosphaera rothpletzii gelegentlich auch monozentrische von ihm beobachtet wurden (Textfigur 1,1). Dieses wäre der nächste Schritt auf der Stufenleiter der Skelettentwicklung des Doppelspicuiums der Sphaerocollida zum Gitterschalenskelett der Sphaeroidea. Dadurch, daß der Verbindungsbalken bei dem in der Markschale liegenden Doppelspiculum verschwindet, orientieren sich die sechs Stacheln in drei aufeinander senkrechten Achsen; werden diese noch über die Schale hinaus verlängert, so ergibt sich die phylogenetische Grundform der Familie Cubosphaeridae, wie solche sich bis auf unsere Zeit erhalten haben in der neu aufgefundenen Centrolonche hexalonche (Textfigur 1, n). Auch der direkte Entwicklungsweg von den schon monozentrischen sechsstrahligen doch bereits triaxialen Lithacanthiden ist denkbar (siehe Textfigur 1, h, 1). Schon bei jener, nach unserer Ansicht altertümlichen Centrolonche, die also eine einfache Gitter- schale besitzt mit sechs dünnen, außerhalb kräftig entwickelten, im Innern der Schale zu einem Punkt vereinigten Stacheln, finden sich die innerhalb der Schale gelegenen Stachelteile nur sehr schwach ausgebildet, wohl ein Zeichen dafür, daß es sieh um ein ..rudimentäres" Organ handelt. Dieser bei Centrolonche angedeutete Schritt der Rückbildung der innerhalb der Schale gelegenen Stachelten« ist dann bei den meisten rezenten Cubosphaeriden durchgeführt (Textfigur 1. u). So entstehen dann Formen, bei denen eine einfache runde Gitterschale vorhanden ist mit sechs auf dieser Schale aufsitzenden, nieist kräftigen Radialstacheln, die aber nicht mehr im Innern der Schale zusammentreffen. Kehren wir nun zu jenem anderen Zweig des Stammbaumes zurück, den wir aus Conostylus Püpofsky, Sphaerellarien. 7;) oder Cytocladus -artigen (Textfigur 1, g, h) Radiolarien bis zur Bildung von Formen wie die paläo- zoische Stigmosphaera suspeeta Rüst (Textfigur 1, k) verfolgt hatten. Diese Art besitzt acht kräftige Stacheln im Innern einer kugligen Gitterschale, äußere Stachelenden fehlen. Die kräftig ent- wickelten Stacheln innerhalb der Gitterschale werden überflüssig werden, in dem Maße als die Radiolarie , .erlernt", die Schale aufzubauen, ohne die Stacheln als Grundlage zu benutzen. Daß dieser Weg in der Tat eingeschlagen sein wird (wie oben bei der sechsstachligen Stigmosphaera rothpletzii), davon zeugt die von Haeckel beschriebene, rezente Stigmosphaera actinocentra (Text- figur 1, m). Dieselbe besitzt eine kuglige Schale, in derem Innern zwölf strichdünne Radialstacheln in einem zentralen Punkt vereinigt sind. Diese Art wäre demnach noch eine recht altertümliche, welche die inneren Stachelteile als ursprüngliches Merkmal bis heute erhalten hat. Das hat nichts Auffälliges, da ja von Ehrenberg, Rüst und anderen eine große Zahl von Radiolarien festgestellt worden ist, die noch heute in derselben Ausbildung lebend angetroffen werden, wie sie sich aus paläozoischen oder mesozoischen Schichten erhalten haben. Denken wir uns nun bei dieser mehr als sechs, meist zwölf innere Stacheln besitzenden Stigmo- sphaera actinocentra H. die zwölf Stacheln nach außen verlängert, so entstehen Arten, wie sie jüngst von Mast (10) beschrieben worden sind als Heterosoma heptacanthum (Textfigur 1, r). Diese Arten besitzen also mehr als sechs Stacheln, die im Innern der einfachen Schale vereinigt sind und sich auch außerhalb der Schale fortsetzen. (Auf die Deutung des zentralen Stachelvereinigungspunktes als reduzierte Markschale werde ich später zurückkommen.) Formen, die dieser Heterosoma heptacanthum Mast ähnlich waren, können nun für einen großen Teil der Astrosphaeriden als phylogenetische Grundform angesehen werden. AVerden nämlich die nur dünn noch vorhandenen inneren Stachelteile zurückgebildet, so resultieren einfache Astro- sphaeriden wie z. B. Acanthosphaera dodecastyla Mast, Taf. II, Fig. 1. (Textfigur 1, v). Ich sagte oben, daß nur ein Teil der Astrosphaeriden diesen Entwicklungsweg gemacht haben wird, ein anderer Teil läßt sich nämlich aus der Cubosphaeridengrundform, Textfigur 1, n (Arten ähnlich Centrolonche hexalonche n. sp.) ableiten. Als Uberleiter dient hier die von Rüst beschriebene interessante Acanthosphaera entactinia R. Sie besitzt in ihrer einfachen Schale sechs dünne zentral vereinigte Stacheln, die sich aber auch über die Schale hinaus fortsetzen. Außerdem ist aber die Schale von vielen akzessorischen Stacheln bedeckt, die dieselbe Form haben, wie die äußeren Enden der sechs Primärstacheln. (Textfigur 1, q). Bilden sich die rudimentären inneren Stachelteile zurück, so resultieren ohne Zweifel auch Astro- sphaeriden (Textfigur 1, v). Die Astrosphaeridenfamilie könnte somit als diphyletisch bezeichnet werden. Der eine Teil leitet sich direkt aus dem Doppelspiculum der Constylus-artigen Formen her. Der andere Zweig macht den Umweg über die Cubosphaeriden. Gelangen nun von Stigmosphaera rothpletzii -artigen Radiolarien nur zwei gegenüberstehende Stacheln zu einem Wachstum über die Schalen hinaus, so bilden sich Radiolarien aus, die im Innern sechs Radialstacheln besitzen und somit auf die Urform der Cubosphaeriden (Textfigur 1, n) zurück- weisen, aber außerhalb der Schale zwei in einer Achse gegenüberstehende kräftige Außenstacheln besitzen (Textfigur 1, o). Auch dieser Uberleiter ist uns in Rüsts Stigmosphaerocephalus notabilis als paläozoische Radiolarie überliefert worden. So führt die Entwicklung der Cubosphaeriden über SO Deutsche Südpolar-Expedition. Stigmosphaera notabüis ähnliche Vorfahren zu den rezenten Stylosphaeriden. Es ist nur noch not- wendig, daß, wie bei den Urformen der Cubosphaeriden und Astrosphaeriden, die inneren Stachel- teile rückgebildet werden (Textfigur 1, s). Analog leitet sich aus Stigmosphaera rothpletzii ähnlichen Cubosphaeriden, also aus der Urform dieser Familie (Textfigui 1,1), die Urform der Staurosphaeriden mit kreuzweis gestellten, vier äußeren Stacheln her, indem nur vier von den sechs vorhandenen inneren Stacheln über die Schale hinaus fortwachsen. Diese hypothetische Zwischenform (Textfigur 1, p) ist allerdings noch nicht gefunden. Sie wäre auch herzuleiten aus Ce ntrolo nche - artigen Radiolarien (Textfigui 1, n) durch Rück- bildung zweier äußerer gegenüberstehender Stacheln. Verschwinden dann wieder wie bei den Cubosphaeriden, Astrosphaeriden und Stylosphaeriden die inneren Stachelteile, so ergeben sich die Staurosphaeriden in ihrer heutigen Form (Textfigur 1 t). Haeckel hielt schon (87, p. 56) die Cubosphaeriden für die älteste Gruppe der Sphaeroidea und leitet aus derselben die Staurosphaeriden durch Verlust von einem, die Stylosphaeriden durch Verlust von zwei Paaren gegenständiger Stacheln her. Die Astrosphaeriden sollen aus den Cubo- sphaeriden durch Vermehrung der äußeren Stacheln entstanden sein. In den vorstehenden Erörterungen wurde versucht, die einzelnen Etappen dieser Entwicklung aus dem heute bekannten Material herauszulesen und diese HAECKELsche Ansicht fester zu begründen und zu modifizieren. Im folgenden (Textfigur 1) sind diese einzelnen Entwicklungsphasen schematisch und der besseren Übersicht wegen bildlich wiedergegeben. Es sei hier noch darauf aufmerksam gemacht, daß nicht Wert darauf gelegt wird, die angeführten Arten selbst als Uberleiter anzusehen, sondern es kommen nur Radiolarien ähnlich diesen hierfür in Betracht. Durch diese Ausführungen gelingt es also, die Familien der Ordnung Sphaeroidea untereinander und mit der Unterlegion SphaerocolUda in enge phylogenetische Beziehungen zu bringen. Haeckel selbst hat dann (87) eingehend erörtert, wie aus den Sphaeroiden die übrigen Ordnungen der Sphae- rellaria : Prunoidea (durch Verlängerung einer Achse) Discoidea (durch Verkürzung einer Achse) und Larcoidea (durch verschiedenes Wachstum nach drei Achsen) entstehen können. Damit ist aber gezeigt, daß der Doppeldreistrahler in der Tat als Grundlage des Spumellarienskelettes gelten kann, wenn auch in anderer Hinsicht, als Dreyer (92) wollte. Daß der Doppeldreistrahler oder der einfache Vierstrahler als Ausgangspunkt für das Monopyleenskelett dient, ist schon wiederholt betont worden. Unter den Monopyleen finden wir selten Arten, bei denen ein inneres Stachelgerüst fehlt, während wir bei den Spumel- larien selten Formen mit innerem Stachelgerüst in der innersten Gitterschale antreffen. Auch diese Tatsachen stimmen gut mit den oben erwähnten überein. Schon beim Durch- blättern von Rüsts Abbildungen der fossilen paläozoischen Radiolarien fällt der große Reich- tum dieser Formationen an Spumellarienarten auf, während die Monopyleen dürftig vertreten sind. Auch hierin ist heute eher wohl das Umgekehrte festzustellen. Man geht daher wohl nicht fehl, wenn man die Spumellarien als ältere, dieMonopyleen als jüngere Entwicklungsprodukte des Radio- larienstammes ansieht. Da nun nach dem oben erörterten das innere Stachelgerüst funktionell durch das phylogenetisch jüngere Skelettprodukt, die Gitterschale, verdrängt und daher rück- gebildet wird, so ist es verständlich, wenn außer den älteren Spumellarien nur wenige Arten heute Popoi'sky, Sphaerellarien. 81 Entstehung des Vierstrahler Gesaml&keleH m Oeslalf eines dizentrischen / Doppelspiculums bei Thalassoihamvus, Qligmosphaera rothplelriiK. / dizenlrisch ' Spicula vor? Thaloss osphaeriden Lilhacanlhvr ~fc Slrgmosphaera suspecla 7? dicke Jhnenslacheln t^~ SJjgmo&phaera rolhplelz.ii R monoz.enlrisch Sligmosphaera/ aennocenfra H dünne Jnnensfacheln Sligmosphaerocephalus nolabilis R. / heptacanlhum hl recsnle Slylosphaeridae Rs Irosphaertdas Cubo - 1/ sphaeridae Textfigur 1. Deutsche Sildpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 11 $2 Deutsche Südpolar-Expedition. noch das „rudimentäre" Merkmal, das innere Stachelgerüst, zentral vereinigt zeigen. Bei dem zeitlich jüngeren Monopyleenzweig muß daher das innere Stachelgerüst noch vielfach zu finden sein, und nur verhältnismäßig wenige Arten haben sich erst von demselben emanzipiert, Fam. Liospliaeridae. H. 18S1. Radiolarien mit kugliger Zentralkapsel und kugligem Skelett, ohne Radialstacheln außerhalb desselben, werden nach Haeckel (87) unter dem Namen Liosphaeridae zusammengefaßt. Er selbst trennt seine Familie in zwei Gruppen, die eine Hälfte soll von den Etmosphaeridae mit nur einer innen hohlen Gitterschale, die andere von den „Liosphaeridae concentricae" eingenommen werden; bei letzteren sind zwei oder mehr Gitterschalen durch Radialbalken verbunden, welche nicht über die äußerste Gitterschale hinausragen. Zahl und Anordnung derselben erinnern an diejenige der äußeren Radialstacheln der Astrosphaeridae. Haeckel führt acht Fälle der Stellung der Badialbalken an. von denen ich folgende hervorheben möchte: 1) 2 Radialstäbe in Gegenstellung, 2) 4 Radialstäbe in zwei Achsen senkrecht zueinander, 3) 6 Radialstäbe in drei Achsen sich paarweise gegenüber- stehend, 4) mehr als 8 Radialstäbe regelmäßig verteilt. Mast (10) ist neuerdings nun auf Grund seiner Untersuchungen an Astrosphaeriden zu der Ansicht gekommen, die nach meinem Dafürhalten für alle mit Radialstacheln versehenen Spumel- larien gilt, daß die Länge der Stacheln nicht systematisch von Bedeutung ist. Er ist daher auch der Meinung, daß zwischen Liosphaeriden und Astrosphaeriden in vielen Fällen kein Unterschied fest- zustellen ist. Die dornige Oberfläche bei Liosphaeriden kann noch als Stachelentwicklung ange- sehen werden und die reduzierten Stacheln der Astrosphaeriden, Liosphaeriden erkennen lassen. Die Familie Liosphaeridae erscheint daher gegenüber den folgenden: Stylosphaeridae, Stauro- sphaeridae, Cubosphaeridae und Astrosphaeridae durchaus künstlich. Haeckel selbst deutet das an (87), indem er die Liosphaeridae mit 12 — 20 inneren Radialstäben eventuell vereinigt wissen will mit den Astrosphaeridae mit 12 — 20 äußeren regelmäßig verteilten Radialstacheln. Es erweist sich daher wohl am zweckmäßigsten, die Familie, die anscheinend Arten der Stylo- sphaeridae, Staurosphaeridae, Cubosphaeridae und Astrosphaeridae, mit teilweise (Haeckels Lio- sphaeridae) oder ganz reduziertem Stachelskelett (Haeckels Etmosphaeridae z. T.) umfaßt, aufzu- lösen, wobei man im Zweifel sein kann, ob die einschaligen Liosphaeriden ohne Radialstäbe im Innern und ohne Rauhigkeiten der Schale (welche die rudimentären Stacheln darstellen würden) als echte Liosphaeriden die Familie aufrechterhalten können. Aber auch hier wird der Unterschied zwischen den Dornen (Radialstacheln) etwa in den Eckpunkten von hexagonal gerahmten Poren und etwaigen Buckeln auf der Schale schwer festzustellen sein. Die 14 bisher bekannten Genera der Familie würden sich dann folgendermaßen auf die vier Familien der Stylosphaeridae, Staurosphaeridae, Cubosphaeridae, Astrosphaeridae verteilen: 1. Alle Arten mit einfacher, glatter bis rauher Schale und alle mit zwei oder mehr Schalen, welche durch mehr als 8 Radialbalken verbunden sind, gehören in die entsprechenden Genera der Astrosphaeriden. 2. Alle Arten mit zwei gegenständigen Radialstäben kommen in die bezüglichen Genera der Stylosphaeriden. 3. Die Formen mit 4 kreuzständigen Radialstäben werden in die Genera der Staurosphaeriden, Popofsky, Spliaerellarien. 83 4. die mit 6 Radialstäben in die Familie Cubosphaeriden eingeordnet. Der Mangel (Rückbildung) der Radialstachehi ist bei der HAECKELschen Subfamilie Etmo- sphaeriäae leicht verständlich, da nach seinen Angaben Zentralkapsel und Gallerthülle innerhalb der Schale liegen und damit auch der extrakapsulären Sarkode genügend Halt gegeben wird, was sonst bei einem Weichkörper, welcher größer als die Schale ist, z. B. bei den Akantharien und Tripyleen, wie bekannt, den Stacheln zufällt. Im allgemeinen wird die Entwicklung äußerer Stacheln mit dem Wachstum des Weichkörpers über die Schale hinaus zusammenhängen. Die extrakapsuläre Sarkode (Gallerthülle) braucht dann eine Stütze, die durch die zentrifugale Verlängerung der Radialstäbe hergestellt wird. Durch Nahrungsmangel würde Wachstumshemmung und Hemmung im Skelettbau eintreten können. Es ist also nicht immer notwendig, daß die Arten, welche sonst übereinstimmen und sich nur durch das Vorhandensein, bezüglich Fehlen äußerer Radialstacheln unterscheiden, phylogene- tisch, die eine als ältere, die andere als jüngere oder umgekehrt aufzufassen sind, sie können auch, und das ist entgegen der Ansicht- von Mast (10) häufig der Fall, wie ich bei vielen Entwick- lungsreihen zeigen werde, als ontogenetisch jüngere und ältere Stadien aufzufassen sein. Da mein Material, welches zu den Liosphaeriden gehört, zu dürftig ist, um eine solche Trennung der Familie zu rechtfertigen, so sollen einstweilen die hierher gehörigen Arten noch unter diesem Familiennamen aufgeführt werden. Plegmosphaera leptoplegina H. Plegmosphaera leptoplegma H. 1887, p. 89. Plegmosphaera leploplegma Pop. 08, p. 208, Tai'. XXI, Fig. 2. Diese Art wurde von der Challenger-Expedition im Nord-Atlantik Stat. 253 an der Oberfläche gefangen. Sie zeigte sich auch im antarktischen Material der Südpolar -Expedition an zwei Fund- stellen: Winterstation 21. Juni 1902. 0—100 m; 25. August 1902, 0—300 m. Sie wurde ferner gefangen: D. S. P. Exp. 2. Juni 1903, Indischer Ozean. 11. Sept. 1903, 1- Individuum i _ , Atlantischer Ozean. 21. Sept. 1903, 400 m 2 Exemplare J Fam. Stjlospliaeridae H. 87 p. 121. Kuglige Spumellarien mit zwei Gegenstacheln, einzeln lebend. Ein interessantes Objekt für die phylogenetische Herleitung der Stylosphaeriden stellt Stylacontarium bispiculum n. sp. dar. Die auf der größten von den Gitterschalen stehenden beiden Gegenstacheln weisen die Art den Stylosphaeriden zu; bei näherer Untersuchung finden sich aber sechs Hauptstacheln, von denen nur die besagten zwei über die äußere Schale hinausragen, während die anderen vier in dem Gitterwerk dieser Schale endigen. Diese sechs Hauptstacheln, die sich in drei Achsen gegenüberstehen, zeigen die Zugehörigkeit der Art zu den Cubosphaeriden. Denkt man sich die funktionell bedeutungs- loseren kurzen Hauptstacheln völlig reduziert, so entstehen Stylosphaeriden aus den Cubosphaeriden. Womit ein wichtiger phylogenetischer Hinweis auf die Abstammung und den phyletischen Zu- sammenhang dieser Familien gegeben ist. 11* 84 Deutsche Siidpolar-Expedition. Würden nur zwei dieser Axialstäbe rückgebildet, so resultieren Staurosphaeriden mit je zwei aufeinander senkrechten Achsen von je zwei Hauptstacheln. Wie die Stylosphaeriden, so fehlen auch die seltenen Staurosphaeriden in meinem Material. Fam. Cubosphaeridae H. 87, p. l(>t>. Kuglige. einzeln lebende Radiolarien mit einer oder mehreren konzentrischen Kugelschalen, über diese hinausragend sechs Stacheln in drei aufeinander senkrechten Achsen. Neuerdings hat Mast (10) bei Astrosphaeriden darauf hingewiesen, daß bei zunehmender Mächtig- keit des Netzwerkes außerhalb der Primärschale, die die Radialstacheln tragende Primärschale redu- ziert wird. Je mehr Netzwerk und Radialstacheln kräftiger werden, desto mehr wird die Primärschale funktionell überflüssig und daher reduziert bis auf ein Parallelopiped oder einen Kubus von mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit. So werden bei Heterosoma polyacanthum und Heliosoma irreguläre die inneren Schalen nur durch ein Maschenwerk von äußerst feinen regellos verbundenen Kieselfäden angedeutet. Bei Heterosoma heptacanthum, die nur sieben Hauptstacheln besitzt, ist die Markschale im Innern noch weiter reduziert, indem im Zentrum fünf der Hauptstacheln direkt zusammentreffen und nur durch die Gabelungspunkte von zweien dieser zentralen Radialstachel- enden die Markschale noch angezeigt wird. Ähnliches gilt für Hahomma cruciatum, wo nach Mast (p. 163, Fig. 6) die Markschale durch zwei senkrechte gekreuzte Kieselfäden dargestellt wird, die in einiger Entfernung vom Mittel- und Kreuzungspunkt Seitenäste abgeben. Fälle, in denen bei Astrosphaeriden die Markschale nicht einmal mehr angedeutet ist, werden von ihm nicht angeführt. Da bei den Cubosphaeriden nur sechs Stacheln, meist kräftig ausgebildet, vorhanden sind, so waren ähnliche Erscheinungen, wie sie Mast für jene Arten bei Astrosphaeriden schildert, auch hier zu erwarten, also Arten, bei denen die Reduktion der Markschale angedeutet ist; solche sind schon von Haeckel beschrieben und abgebildet worden. So zeigt z. B. sein Hexacromyum octahedrum (87, p. 202, Tai. 23, Fig. 2) vier Schalen, die durch außen kräftige Stacheln verbunden sind. Die beiden äußeren Schalen sind aus widerstandsfähigen Kieselbalken gebildet, die beiden inneren aus einem strichdünnen polygonalen Netzwerk. Dasselbe zeigt die zweischalige Hexalonche amphisiphon H. (87, p. 182. Taf. 25 Fig. 2 a). Im Zusammenhang mit der kräftigen Entwicklung der Außenschale und der Außen - enden der Stacheln steht meist eine Rückbildung der inneren Schalen und der inneren Radialstachel - enden. Das gilt nicht nur bei vielen Spumellarien, sondern auch bei Monopyleen und Akantharien (Acanthophracten), wie ich für letztere 1906 nachweisen konnte. Übergänge von dieser aus dünnsten Gitterfäden gebildeten Markschale bis zum völligen Schwund derselben sind bisher noch nicht festgestellt, ohne Zweifel bilden aber Formen wie Hexadoras octahe- drum H. (87 p. 205) mit oktoerlerförmiger Markschale und wenigen unregelmäßig polygonalen .Maschen Übergänge zu Arten, bei denen die Markschale durch einige Verzweigungspunkte der im Zentrum zusammentreffenden Stacheln nur noch angedeutet wird. Solche sind für die Astrosphaeri- den, wie oben angeführt, von Mast gefunden und werden auch für die Cubosphaeriden zu er- warten sein. Um so mehr, da mir zwei Cubosphaeriden vorliegen, bei denen die Markschale völlig geschwunden ist, oder wenn man will, nur noch durch das Zentrum angezeigt wird, von dem die dünnen Radialstäbe ausgehen, die ohne irgend welche Verzweigung die Schale durchsetzen und zu kräftigen äußeren Stacheln werden. Poi'of.skv, SpUaerellarien. 85 Faßt man nun den zentralen Verzweigungspunkt der auf Taf. I, Fig. 1 und in Fig. 4 darge- stellten Cubosphaeriden als reduzierte Marksehale auf. so wären bei der erstgenannten Art zwei Schalen vorhanden, bei der letzten drei, sie würden also in die HAECKELsehen Gattungen Hexa- lonche und Hexacontium gehören. Bei teilweis reduzierter Markschale, wo dieselbe immerhin noch angedeutet war, ist dieser Weg der Einordnung in die HAECKELsehen Gattungen von Mast (10) bei den entsprechenden Astrosphaeriden z. T. eingeschlagen worden. Die völlige Reduktion der Markschale zu dem zentralen Stachel Verschmelzungspunkt berechtigt wohl zur Aufstellung zweier neuer Gattungen, die sich an die genannten HAECKELsehen Hexulonche und Hexacontariuin an- schließen. Die neue Gattung Centrolonche, mit einer Schale und sechs im Zentrum vereinigten Stacheln, würde sich als phylogenetisch jüngere aus Hexalonche herleiten und an dieses anschließen lassen. Centracontium, mit zwei Schalen und sechs im Mittelpunkt der Schale zusammenstoßen- den Radialhauptstacheln, schließt sich an Hexacontium an und läßt sich aus letzterem entstanden denken, durch Reduktion der innersten Schale bis auf das Stachelzentruni . Arten unter den Cubosphaeriden und Astrosphaeriden (siehe Rhizosphaera paradoxa Taf. VIII Fig. 3), bei denen die innere Schale nur durch einen dünnschaligen Kubus oder durch eine außer- ordentlich unregelmäßige innere Markschale, wie sie Haeckel bei Rhizosphaera serrata H. (87 p. 284. Taf. 18, Fig. 5, 6) darstellt, deuten darauf hin. daß die oben dargelegte Anschauung einige Wahr- scheinlichkeit für sich hat. Eine andere ist aber gleichfalls nicht von der Hand zu weisen. Rüst (92) beschreibt unter dem Namen Stigmosphaera drei paläzoische Radiolarien, St. rothpletzii, St. mira und St. suspeeta, aus den karbonischen Kieselschiefern des Harzes, die eine einzige Kieselschale besitzen, welche im Innern von sechs oder mehr Stacheln, die von einem Zentrum ausstrahlen, durchsetzt sind. Stigmo- sphaera rothpletzii erscheint besonders interessant (siehe R. 92 p. 135, Taf. VI, Fig. 10). Die sechs dünnen Radialstäbe sollen nach Rüst meist ihre den drei Oktaederachsen entsprechende Stellung verlassen haben und stark verbogen sein; nur wenige Exemplare zeigten das Stachelkreuz in der ..ursprünglichen" Stellung. Mir will es, nach der Abbildung zu urteilen, scheinen, als ob wir hier dem glücklichen Zufall durch Rüst einen wertvollen Fund verdanken. Das innere Stachelgerüst erinnert in seiner Ausbildimg mit zwei Knotenpunkten zu deutlich an die Doppeldreistrahler im Weichkörper bei Sphaerocollida (Sphaerozoum, Rhaphidozoum. Thalassoxanthium, Lampoxanthium), als daß nach Rüst sich diese Eigentümlichkeit durch Verlagerung erklären ließe, wobei immer noch unverständlich bliebe, wodurch dabei die beiden Knotenpunkte, von denen je drei Stacheln aus- strahlen, entstehen konnten. Ich fasse dieses Stachelgerüst als Doppeldreistrahler auf, der zu weiterem Schutze eine Gitterkugel gebildet hat. Die von Rüst gleichfalls gesehenen Individuen von Stigmosphaera rothpletzii, bei denen sechs dünne Stacheln von einem Zentrum ausstrahlen, sind ein weiterer Schritt zur Zentralisierung des Skeletts, wie wir solchen auch bei den rezenten Thalassothamniden durch 'Schröder und Haecker kennen gelernt haben. Bei der Gattung Cyto- cladus rücken die Stacheln schon gelegentlich in zwei Zentren auseinander, was auch bei den meisten Thalassothamnus- Arten der Fall ist.sodaß das große Skelett an dieDoppelspicula der obenerwähnten Sphaerocolliden erinnert. Die monozentrischen Cytocladus und Thalassothamnus -Arten wären demnach die jüngeren Formen und entsprechen den monozentrischen von Stigmosphaera rothpletzii, die älteren dizentrischen Arten jener Gattungen den dizentrischen Formen der letztgenannten Art. Eine andere gg Deutsche Siidpolar-Expedition. monozentrische Form mit sechs Stacheln, bei der die Stacheln aber außerordentlich dick und kräftig ausgebildet sind, bildet Rüst (92, p. 135) auf Taf. VI, Fig. 7 in Stigmosphaera mira ab. Diese würde mit Stigmosphaera rothpletzii zusammen als phylogenetische Vorgängerin der Cubo- sphaeriden angesehen werden können. Im Sinne dieser Betrachtung wären die neuen Cubosphaeriden Centrolonche hexalonche und Centracontium hexaconlarium altertümliche Formen, bei denen die, den Urformen der Cubo- sphaeriden zukommenden, die innere Schale durchsetzenden und von einem (oder zwei) Zentrum ausstrahlenden Radialstäbe zwar in Rückbildung begriffen, (weil sehr zart und dünn) aber noch nicht vollständig geschwunden sind. Bei allen rezenten Sphaeroideen, mit Ausnahme dieser neuen Formen und den von Mast beschriebenen Astrosphaera- Arten mit zentralem Kiesel- fädengerüst, fehlen die inneren, von einem Zentrum ausstrahlenden Stacheln in der innersten Gitter - schale stets. Auch in jenen paläozoischen Schichten finden sich neben den RüsTschen Stigmo- sphaera -Arten alle Sphaerellarien ohne Stachelgerüst in der innersten Schale. Ob nun das zentral vereinigte innere Stachelgerüst als reduzierte. Gitterschale oder als ein Relikt der paläzoischen Sphaerellarien zu deuten ist, ist schwer zu entscheiden, da für beide An- sichten wichtige Gründe vorliegen. Letzteres scheint allerdings in der Mehrzahl der Fälle als das Wahrscheinlichere. Es würfe die letztere Ansicht auch noch ein durch Tatsachen bestätigtes Licht auf die Skelett - bildung der Gitterschalen. Bei den rezenten Sphaerellarien beobachtet man, wenn mehr Gitter- schalen angelegt werden, daß die äußeren Schalen stets von den Stacheln aus, die auf der inneren Schale stehen, gebildet werden. Die Stacheln also sind der Ausgangspunkt für die Skelettbildung, genau so wie bei den einfachsten ältesten fossilen Sphaerellarien auch die e r s t e Gitterschale von den sechs Enden des Doppelspiculums aus gebildet wurde. Als dann der Weichkörper die „Fähig- keit erworben" hatte, die Gitterschale zu bilden, ohne die Stacheln als erste Kristallisationspunkte zu benutzen, wurden diese überflüssig und durch Mutation entfernt oder blieben gelegentlich nur als rudimentäre Gebilde erhalten. Auch für die Astrosphaeriden (siehe diese) läßt sich eine ähnliche Anschauung begründen. Weiter vorn wurde unter Stylosphaeridae auf eine interessante Form hingewiesen Stylacon- tarium bispicvlum n. sp., die man gewissermaßen als Sammeltypus ansehen kann. Da auf der zweiten Schale, von innen gerechnet, die Haupt- und Nebenstacheln stehen, so könnte sie wohl bei dieser neuen Form, welche auf Taf. II Fig. 2 zur Darstellung gelangte, als Primär- schale im Sinne von Mast (10) angesehen werden. Weil nun viele Stacheln (sechs Haupt- und viele Nebenstacheln) vorhanden sind, so zeigt die Art immer noch Astrosphaeriden-Merkmale. Das funktionelle und morphologische. Hervortreten der sechs Hauptstacheln zeigt ihre Zugehörig- keit zu i,\v\\ Cubosphaeriden. Die gänzliche Reduktion der äußeren Stachelenden bei vier dieser sechs Hauptstacheln, die in der äußeren Schale' aufgehen, sodaß nur zwei axial gegenüberstellende Hauptstacheln mit langen Stachelenden über die äußerste Schale hinausragen, zeigt ihre Neigung /.uni Übergang in die Familie der Stylosphaeriden. Hierzu wäre nur notwendig, daß die dicken vier Axialst älie. welche die drei Schalen stützen, auf die Bedeutung und Form der Nebenstacheln herabsinken, während die beiden großen Hauptstacheln erhalten bleiben. Wir hätten damit eine Art, die von den Astrosphaeriden durch die Form «1er Cubosphaeriden hindurch, sich zu einer Poiwsky, Sphaerollarien. 87 Stylosphaeride entwickeln will und auf dem mittleren Wege stehen geblieben ist; ohne Zweifel ein wichtiger Hinweis auf die phylogenetische Entwicklung der Stylo- und Staurosphaeriden aus den Astrosphaeriden über die Cubosphaeriden. Haeckel (87 p. 200) beschreibt in seinem Genus Hexacontarium zwei Arten, bei denen dieser Schritt noch nicht deutlich, sondern nur angezeigt ist. Diese beiden Arten, die das genannte Genus ausmachen, haben sechs Radialhauptstacheln, welche sämtlich über die äußerste, die dritte Gitterschale hinausragen. Sie unterscheiden sich aber derart an Länge voneinander, daß vier kürzere und zwei axial gestellte längere vorhanden sind, wobei die längeren bei Hexacontarium dentatum fünfmal, bei Hexacontarium clavatum dreimal die kürzeren an Größe übertreffen. Was bei diesen beiden in bezug auf die Reduktion der vier Hauptstacheln angedeutet ist, wird bei der neuen Art Stylacontarium bispiculum weiter durchgeführt. Ich habe deshalb für dieselbe die neue Gattung Stylacontarium geschaffen. Der Name möge andeuten, daß die Spezies sich als Cubosphaeride an Haeckels Gattung Hexacontarium anschließt, jedoch überleitet zu den Stylo - sphaeriden. Auffällig ist. daß die beiden HAECKELschen Hexacontarien-Arten, die oben genannt wurden, gleichfalls dreischalig sind, wie die neue Form. In derselben Weise wie hier Hexacontarium und noch besser das neue Genus Stylacontarium von den dreischaligen Cubosphaeriden zu den dreischaligen Stylosphaeriden überleitet, würde das Genus Hexastylarium (mit vier kürzeren und zwei längeren Hauptstacheln) für die einschaligen und das Genus Hexaloncharium für die zweischaligen Cubosphaeriden den Übergang zu den Stylo- sphaeriden vermitteln. Für die vier-, fünf- und sechsschaligen Cubosphaeriden sind solche Uber- leiter noch nicht bekannt geworden. Genus Hexalonche Haeckel 1881, p. 451. Haeckel 1887, p. 179. Cubosphaeriden mit doppelter Gitterschale und sechs gleichgroßen Stacheln. Hexalonche aristarchi H. Textfigur 2. Haeckel 1887, p. 185, Taf. 22, Fig. 3. Cubosphaeride mit zwei konzentrischen kugligen Schalen und sechs gleichlangen Radialstacheln. Die äußere Schale nach Haeckel viermal, in den mir vorliegenden Fällen etwa dreimal so breit als die innere Schale (die in der Figur durch Schraffierung angedeutet wurde). Poren der äußeren Schale nach Haeckel unregelmäßig polygonal und sehr variabel in Größe und Gestalt, zwei bis sechs, bei meinen Exemplaren bis zu zehnmal so breit wie die dünnsten Gitterbalken. Die unregel- mäßig polygonalen Maschen können, wie die Textfigur zeigt, ihre Ecken auch ausrunden, sodaß unregelmäßig rundliche Poren entstehen. Die innere Schale soll nach Haeckel reguläre Sechsecke als Poren besitzen; in einem Falle wollte es mir vorkommen, als ob die Poren dieser Schale auch unregelmäßig polygonal bis rundlich wären. Beide Schalen sind durch dünne Radialstäbe verbunden, die sich gegen die äußere Schale hin verbreitern und in sechs kräftige, breite, pyramidale dreiflüglige Stacheln übergehen. Nach Haeckel sind diese so lang wie der Schalenradius, bei mir nur kaum 88 Deutsche Südpolar- Expedition'. Textfignr 2. Hexalonche aristarchi H. Das voll- ständige Exemplar hat sechs über die äußere Schale hinausragende Stacheln. Die innere Gitterschale wurde schraffiert angedeutet. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m > 650. halb so lang (siehe Textfigur). Ein anderes Exemplar zeigte eine Stachellänge, welche zwischen dieser ge- ringen und der von Haeckel gemessenen lag. Maße: Schalendurchmesser der großen Schale 0,09 — 0,1 mm, der Poren 0,05—0,02 mm; der kleinen Schale 0,025—0.034 mm. Länge der Stacheln 0,03— 0,05 mm. Breite derselben an der Basis nach Haeckel 0.01, nach meinen Exemplaren bis 0,017 mm. Vorkommen : Challenger -Expedition; Nord- Pacifik, Stat. 241. 2300 Faden tief. Deutsche Südpolar- Expedition; 15. Mai 1903, 400 m (Stacheln kurz), 2. Juni 1903 (Stacheln mittellang). Je ein Exemplar. Die von mir gefundenen Individuen weichen etwas in den Größenverhältnissen von den von Haeckel be- schriebenen ab. Die innere Schale ist größer, die äuße- ren Stachelenden sind kürzer, diePorenecken ausgerundet. Hexalonche heteracantha n. sp. Textfigur 3. Zwei kuglige konzentrische Gitterschalen sind durch sechs kräftige Radialstacheln verbunden. Die äußere Schale mit unregelmäßig rundlichen Poren von außerordentlicher Größen Verschieden- heit. Kleine Poren liegen namentlich in der Nähe der Stacheln, so in den Ecken zwischen je zwei Stachelflügeln, sind aber auch über den anderen Teil der Schale zerstreut, der jedoch hauptsächlich von vielen großen ovalen Poren durchsetzt ist. Innere Schale mit rundlichen Poren, die meist kreisförmig und gleichmäßiger im Durchmesser sind, welch letzterer etwa so groß ist wie die trennenden Gitterbalken. Über die innere Schale zerstreut, wenige dornige unregelmäßige Beistacheln, ein Drittel so lang wie der Abstand der beiden Schalen. Die Figur zeigt nur vier Nebenstacheln. Da das Exem- plar zertrümmert und der Weichkörper nicht erhalten war, ist sicher anzunehmen, daß mehr Beistacheln vorhanden waren, die mit dem Weichkörper in den sie eingebohrt waren, ent- fernt worden sind. Ihre Zahl kann aber nicht groß gewesen sein, da sonst die Bruchstümpfe auf der inneren Schale aufzufinden sein müßten. Beide Schalen durch sechs, auch zwischen den Schalen kräftig entwickelte Hauptstacheln ver- Textfigur 3. Hexalonche heteracantha n. sp. Zertrümmertes Exemplar mit wenigen lieistacheln auf der inneren Schale, die für die Art charakteristisch sind. Deutsche Südpolar-Expedition II. September L903, 400m x 4:14. Popofsky, Sphaerellarien. 85) blinden, dieselben sind dreiflüglig und gegen beide Schalen ein wenig verbreitert, namentlich gegen die äußere. Außerhalb der äußeren Schale bilden sie kurze dreiseitige Pyramiden, deren breite Basis einer Seitenfläche gleichkommt. .Maße: Durchmesser der äußeren Schale 0.13 mm; der inneren 0,086 mm. Länge der Stacheln außerhalb der äußeren Schale 0,022 mm; Breite an dieser Schale 0,02 mm; Länge der Nebenstacheln 0,019 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar -Expedition; 11. September 1003. 400 m. Nur ein Exemplar. Die neue Art würde sich vielleicht inHAECKELsSubgenus/Zm/icmcM/« mit Beistacheln auf der Schale anschließen, unterscheidet sich aber dadurch, daß die Beistacheln hier auf der inneren Schale, dort auf der äußeren Schale angebracht sind. Centrolonclie nov. gen. Cubosphaeriden mit einer Gitterschale, sechs außerhalb kräftig entwickelten Radialstacheln, die im Innern der Schale in einem Zentrum zusammentreffen. Dieses Zentrum ist vielleicht als reduzierte zweite Schale aufzufassen — die Stellung der Gattung wäre dann hinter Haeckels Hexulonche — oder aber, das Stachelgerüst ist. wie weiter oben erörtert, ein rudimentäres Ge- bilde, das bei den ältesten fossilen Cubosphaeriden stets vorhanden war. Dann hätte die Gattung Centrolonche (als einschalig anzusehen) als phylogenetisch älteste Gattung der Familie am Be- ginn derselben vor Haeckels Hexast ylus zu stehen. Centrolonche hexalonche nov. gen. n. sp. Taf. 1 Fig. 1. Eine regelmäßig kuglige Gitterschale mit sehr verschieden großen rundlichen Poren, die mehr oder weniger unregelmäßig kreisförmig bis ellipsoid sind. In manchen großen Poren finden sich noch nach dem Porenlumen zu ein (in der Figur rechts) oder zwei (Figur links) Zähne, welche die Pore durch Balkenneubildung in zwei Poren teilen wollen. Sechs Radialstacheln außen mit breiter Basis auf die Schale aufgesetzt, dreiflüglig pyramidal, kräftig und anscheinend ziemlich lang. Leider sind alle Stacheln abgebrochen, sodaß die wahre Länge nicht festzuteilen ist. Die Stacheln im Innern der äußeren Gitterkugel sind strichdünn und zu einem dünnen punktförmigen Zentrum vereinigt. Die Stellung der Stacheln ist anscheinend nicht regelmäßig wie etwa die drei zu ein- ander senkrechten Achsen der Cubosphaeriden. Die Schale ist mit kurzen, dornigen, unregel- mäßig dünneren und dickeren Beistacheln bedeckt, die vielleicht auf jedem Kreuzungspunkt stehen und hier durch den bei der Konservierung verloren gegangenen extrakapsulären Weichkörper mit entfernt wurden. Maße: Schalendurchmesser 0,112 mm; Porendurchmesser 0.002 — 0,02 mm; Durchmesser der Stacheln an der Stachelbasis 0.01 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition. 18. Stpt. 1903. 400 m. Ein Exemplar. Centracontinin nov. gen. Cubosphaeriden mit zwei konzentrischen Gitterschalen und sechs außerhalb der Schalen kräftig entwickelten Radialstacheln, die im Innern der Schale in einem Zentrum zusammentreffen. Dieses Zentrum kann, wie in der vorigen Art. als rückgebildete Markschale anzusehen sein. Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 12 90 Deutsehe Südpolar-Expedition. Die Gattung wäre also dann von Haeckels Hexacontarium durch Rückbildung der einen Mark- schale abzuleiten, daher auch im System hinter Hexacontarium aufzuführen. Sie kann aber auch als phyletische Vorgängerin der zweischaligen Cubosphaeriden aufgefaßt werden, mit innerem Stachelgerüst, das bei den rezenten Arten stets geschwunden ist. Sie hätte dann ihren Platz am besten vor Haeckels Hexalonche. die sich durch Rückbildung des inneren Stachelgerüstes aus Centracontium herleitet. Centracontiuni hexacontarium nov. gen. n. sp. Textfigur 4. Beide Schalen kuglig und konzentrisch. Äußere Schale von vielen regelmäßigen, gleichgroßen Trichterporen durchbohrt, die am Grunde kreisförmig, außen hexagonal begrenzt sind (hexagonal gerahmte Poren nach Haeckel). Gitterbalken, zwischen je zwei runden Öffnungen gemessen, fast so dick wie die Poren selbst. 14 — 16 Poren kom- men auf einen Viertelmeridian. In jedem Knoten- punkt der hexagonalen Maschen ein langer dünner Beistachel bis zu dreiviertel so lang wie die Hauptstacheln. Dicht unter der äußeren Schale eine zweite aus hexagonalem strichdünnem Maschenwerk gebildet. Alle Maschen dieser Schale sehr klein und mehr oder weniger regel- mäßig. Sechs Hauptstacheln außerhalb der äußeren Schale kräftig entwickelt, dreiflüglig, pyramidal, etwa so lang wie der Schalenradius. Stacheln bei dem einzigen Exemplar leider teil- weise abgebrochen, sodaß ihre Stellung zweifel- haft ist. Hauptstacheln im Innern der beiden Schalen strichdünn, nur dicht unterhalb der äußersten Schale ein wenig verdickt, ebenso gegen das Zentrum hin, in dem die Stacheln sich Textfigur 4. Centracontium hexacontarium nov. gen. nov. spec. I >ie dünnen Stachelteile im Innern treffen sich im Mittelpunkt. Äußere und zierliche innere Schale nur teilweise gezeichnet ebenso auch die Beistacheln. Deutsche Südpolar-Expedition 18. Sept. 1903, 400m -220. an einem etwas dickeren Punkt vereinigen. Das Stachelzentrum zeigt auch, daß sicher sechs Hauptstacheln vorhanden waren. Maße: Durchmesser der äußeren Schale 0,236 mm, der Poren 0,006 mm. Länge der Haupt- stacheln 0,133 mm; Breite derselben an der Basis 0,015 mm. V o r k o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition, 18. September 1903. 400 m. Ein Exemplar. Stylacontarium nov. gen. Cubosphaeriden mit drei konzentrischen Gitterschalen und sechs Radialstacheln, von denen aber nur zwei über die äußerste Schale hinausragen, die anderen vier in dieser endigen. Die Gattung würde sich an Haeckels Hexacontarium anschließen, bei der aber die äußeren Enden der Radialstacheln erhalten bleiben, nur zwei von den sechs länger entwickelt sind als die anderen vier. Popofsky, Sphaerellarien. 91 Stylacontarium hispiculum n. sp. Tat. II, Fig. 2. Deutlich entwickelt drei konzentrische kuglige Gittersehalen. Alle Schalen mit unregelmäßig, gelegentlich auch regelmäßig runden Poren von etwa gleicher Größe. Nach dem Rande zu werden auf der äußeren Schale auch Poren von ausgerundet polygonaler Form sichtbar, sodaß die Art sicher auch mit polygonalem Netzwerk um die Poren vorkommt. Die innerste Schale etwa halb so groß als die mittlere, diese wiederum ein Viertel so breit als die äußerste. Diese ist an den Staehel- insertionspunkten zweier Hauptstacheln (in der Figur Tai. II, Fig. 2) links und rechts eingesenkt; ob die beiden anderen Radialstäbe, von denen man nur einen in der Mitte auf die Spitze sieht, ebenso in eine Beule der Schale einmünden, ist fraglich. An den linken und rechten Radialstäben erkennt man. daß sie kurz vor der Obeifläche der äußersten Schale sich in stumpfem Winkel gabeln, wo- durch die Einbuchtung in der Schale entsteht. Seitlich von diesen Gabelästen liegen dann die ersten. .Aspinal"poren (siehe Acanthophracten) und nach Bifurkation der Gabeläste bilden sich dann die nächsten Poren aus. was deutlich an dem mittelsten Radialstabe sichtbar wird. Zwei der Radial- hauptstäbe verlängern sich, in einer Achse sich gegenüberstehend, zu zwei konischen, vielleicht auch etwas komprimierten Stacheln, welche am Insertionspunkt der äußersten Schale etwas dünner, dann bis zur Mitte an Breite zunehmend, in eine feine Spitze auslaufen. Diese beiden Stacheln erreichen mit ihren äußeren Enden nicht ganz die Länge des Radius der größten Schale. Alle sechs Hauptstacheln stehen genau in drei aufeinander senkrechten Achsen. Die mittlere Schale trägt noch eine Anzahl Beistacheln, die in ihrem morphologischen Verhalten sich den Radialstäben anschließen, indem sie sich an den Enden gabeln. Es wollte mir scheinen, als ob einige dieser Neben - stacheln auch mit der äußersten Schale in Verbindung träten. Die festgestellte Zahl von nur etwa 12 Nebenstacheln ist sicher bei dem intakten mit vollständigem Weichkörper versehenen Indi- viduum größer. Diese Nebenstacheln treten vielleicht zur Bildung eines eigenartigen Netzwerkes zusammen, wie es Mast (1910. p. 171 Fig. 20) für Heterosplmem tenuis abbildet und wie es unsere Textfigur 5 für Hexaci'omyum degans wiedergibt. Maße : Durchmesser der äußeren Schale 0.12 mm, der mittelsten Sehale 0.034 mm. der innersten 0.014 mm. der Poren bis 0,015 mm. Stacheln außerhalb der äußeren Schale 0,066 mm lang, größte Breite derselben 0.006 mm. Breite der Gitteräste der äußersten Schale 0.003 mm. Vorkom m e n : Deutsche Südpolar-Expedition, 15. Mai 1903. 400 m. Ein Exemplar. Mast fand (10. p. 138), daß zwischen Stacheln mit dreikantigem und solchen mit rundem Querschnitt bei Astrosphaeriden ein wichtiger Unterschied besteht, indem die ersteren sich niemals, die letzteren jedoch oft in Äste auflösen und sich dabei dichotom gabeln. Auch bei unserem Styla- contarium sind runde Hauptstacheln vorhanden, von denen sich vier durch dichotome Gabeluni; in der Gitterschale auflösen. Überhaupt scheint bei vielen Spumellarien ein durehgreif ender Unterschied im Schalenbau zu bestehen, je nach der Art des Querschnittes der Stacheln. Ist derselbe dreikantig oder drei- flüglig, so werden stets drei Aspinalporen zuerst in den Winkeln der Flügel liegen und drei Primär- gabeläste gebildet, während die Stacheln mit rundem Querschnitt, falls sie völlig rund sind, vier oder nur zwei Primära pophysen ansetzen, wobei vier und zwei Aspinalporen zwischen den Lücken der Gabeläste gebildet werden (vgl. auch Acanthophractidon). V2* 92 I leutsche Siidpolar-Expedition. Genus Hexacomyum Haeckel 1881, p. 453. Haeckel 1887. p. 201. Cubosphaeriden mit vier konzentrischen Gitterschalen und sechs gleichlangen Stacheln. Hexacroinyum elegans H. Textfigur 5—7. Hexacromywm elegans H. 87, p. 201, Taf. 24, Fig. 9. Cubosphaeridae mit vier konzentrischen Schalen, alle kuglig und mit unregelmäßig rundlichen Poren, die auf einer Schale nicht sehr verschieden an Größe sind, die Poren der dritten Schale, von innen gerechnet, meist hexagonal oder polygonal ge- rahmt; von den Knotenpunkten der Rahmen er- heben sich nadelartige Beistacheln, die sich verzwei- gen und eine zierliche aus lauter Bögen bestehende vierte Schale bilden. Die Radialstacheln beteiligen sich nicht am Aufbau der vierten Schale. Sechs Hauptstacheln außerhalb der dritten Schale kräftig, dreiseitlich pyramidal, mit eingewölbten Seiten- flächen, bis dreifliiglig. Von der dritten Schale nach innen zu nehmen sie etwas an Dicke ab, um zwischen der zweiten und ersten Schale zu dünnen Kieselfäden zu werden. Die Stacheln sollen an der dritten Schale ihre größte Breite besitzen, welche dem Durch- messer der innersten Schale gleichkommt. In allen mir vorliegenden Individuen war die Stachelbreite stets geringer, meist nur halb so groß, wie der Durch- messer der Innenschale. Die Text Agaren 6 und 7 fasse ich als Entwicklungsstadien zu unserer Art auf. Texfigur 5. Hexacromyum elegans H. ]>ie beiden inneren Schalen nur angedeutet. Äußere Schale und deren Hülle nur teilweise gezeichnet. Fast vollständig entwickeltes Individuum. Deutsche Siidpolar-Expedition 2. Juni 1903. x 434. Maße: Durchmesser der vier Schalen von innen nach außen 0,02; 0.0461— 0,05; 0,1 1—0,15; 0,16— 0,2mm. Länge der Stacheln 0,07 — 0.1 mm; größte Breite 0,017— 0,02 mm. Die ge- ringeren Maße geben die für das in Textfigur 5 gezeichnete Individuum, die höheren Zahlen die Größenverhältnisse nach Haeckel an. Vorko m m e n : Challenger- Expedition: Zentral - Pacifik, Station 271. Oberfläche. Deutsche Siidpolar- Expedition: Das vollständig ent- wickelte Tier wurde seltener gefangen, 2. Juni 1903, 26. August 1903, 200m; Textfigur G. Hexacromyum elegans H. Entwicklungsstadium, dem die äußere Hülle fehlt. Stacheln zum Teil abgebrochen. Innere Schalen nur angedeutet. Deutsche Siidpolar-Expe- dition 2. Juni 1903. 434. Textfigur 7. Hexacromyum ele- gans H. Jüngeres. Entwicklungs- stadium, bei dem die dritte Schale in Form von Gabelapophysen an- gelegt ist. Deutsche Siidpolar- Expedition 2. Juni 1903. x4.".l. Popofsky, Sphaerellarien. 93 Individuen mit drei Schalen, die den Maßen für unsere Art entsprechen und noch ungeteilte Bei- stacheln besaßen, fanden sich am 15. Mai 1903, 400 m; 11. August 1903, 200m (zwei Exemplare). Exemplare mit drei Schalen und in Form von Höckern angedeuteten Beistacheln, in den Fängen vom 20. August 1903, 400 m; 2. Juni 1903 (drei Exemplare) und 13. Oktober 1903, 200 m. Stadien wie Textfigur 7 kamen vor am 6. Juni 1903 und 8. August 1903 50 m. Wo nichts Besonderes ge- sagt ist, gilt immer, daß nur ein Exemplar gefischt wurde. Wegen der geringeren Stachelbreite könnte man die gefundenen Formen vielleicht Hexa- cromyurn quadrigatum H. zuweisen. Sie entspricht aber in ihren sonstigen Größenverhältnissen Hexacromyum efegans. Jene Art besitzt noch bedeutend größere Maße als H. elegans. Wie die Übersicht über das Vorkommen der Art zeigt, wurden alle in den drei Textfiguren zur Darstellung gekommenen Entwicklungsstadien von der Südpolar-Expedition gleichmäßig häufig angetroffen. Die bei gleicher Vergrößerung gezeichneten Figuren zeigen ohne weiteres die Zu- sammengehörigkeit der drei Stadien zu einer Art. Auch finden sich in dem Fang vom 2. Juni 1903 alle drei Stadien nebeneinander. Der Abstand des Stadiums von Textfigur 7 (mit erst zwei Schalen) zu dem vollständigen Tier (Textfigur 5. mit vier Schalen) ist ein sehr weiter, sodaß eine momentane, vollständige Anlage des Skelettes, wie eine solche neuerdings wieder von Mast für Astrosphaeriden angegeben wird, äußerst unwahrscheinlich erscheint. Es ist demnach möglich, daß einige der schon beschriebenen Cubosphaeriden -Arten mit weniger entwickeltem Skelett zu unserer Art als Entwicklungsstadien gehören und einzuziehen wären. Familie Astrosphaeridae H. 87,p. 206. Mast 1910 ff. Einzeln lebende Spumellarien mit mehr als acht Stacheln auf der Oberfläche der kugligen Schale. Mast (10) hat neuerdings eine Bearbeitung dieser wichtigen Familie erscheinen lassen, die unsere Kenntnisse der Gruppe wesentlich vertieft hat. Ich habe dem dort Wiedergegebenen außer einer Reihe von neuen Arten, die an der von Mast aufgestellten Einteilung der Familie nicht viel ändern, nur wenig hinzuzufügen. Nach Mast läßt sich die Familie in folgende Unterfamilien einteilen: 1. M o n o s p h a e r i n a c. Formen mit einer Schale, der Primärschale. 2. A c t i n o s p h a e r i n a e. Arten mit mehreren Schalen, die äußerste, derbe, ist die Primär- schale, die anderen sind Markschalen. 3. Heterosphaerinae. Mehrere Schalen, von den Actinosphaerinae dadurch unter- schieden, daß Nebenstacheln vorhanden sind, entweder auf der Primärschale oder auf einer Mark- schale; diese bilden eine Sekundärschale. 4. Arachnosphaerinae. Außerhalb der Primärschale eine oder mehrere Tertiärschalen. 5. Spongosphaerinae. Die Badialstacheln bilden außerhalb der Primärschale ein spongiöses Netzwerk, letzteres kann auch allein vorhanden sein. Die Primärschale zeichnet sich durch besondere Derbheit aus und gilt als Hauptstütz- punkt der Stacheln. Sekundärschalen entstehen als Außenschalen durch Verästelung stets kreisrunder Nebenstacheln, welche sich nicht über dieselbe hinaus fortsetzen. 94 Deutsche Siklpolar-Expedition. Terti ä rschalen bilden sich aus Seitenästen der Hauptstacheln. Im folgenden soll diese Einteilung und Bezeichnung beibehalten werden. Mast spricht die Astrosphaeriden im allgemeinen als Warmwassertiere an. Aus den ant- arktischen Meeren kennt er nur die vonHAECKEL dorther beschriebenen sechs Arten. Ich habe denselben (Pop. 08, p. 211 ) neun neue Formen und eine neue Gattung zugefügt, die von der Deutschen Südpolar-Expedition in südlichen Kaltwässern erbeutet wurden. Bei der Betrachtung der Cubosphaeriden wurde darauf hingewiesen, daß kürzlich durch Mast (10) Astrosphaeriden bekannt geworden sind, bei denen die innere Markschale nur noch durch einige wenige Verzweigungspunkte der Stacheln angedeutet war. Mast erklärt diese Erscheinung als eine in Rückbildung begriffene Markschale, hervorgebracht dadurch, daß die äußere Primärschale kräftiger ausgebildet wurde, die innere Markschale funktionell ersetzte und damit übelflüssig machte. Arten, bei denen die Markschale außerordentlich unregelmäßig ist und durch ein Geflecht von nicht in einer Kugeloberfläche liegenden Kieselfäden gebildet wird, sind von mir schon (1908) in Cladococcus aquaticus und Lonchosphaera spicata beschrieben worden. In der vorliegenden Arbeit ist auf Tai. VIII Fig. 3 eine derartige Astrosphaeride mit außerordentlich unregelmäßiger, aus einem wirren Geflecht bestehenden Markschale dargestellt. Diese zeigen uns offenbar den Weg, wie die Markschalen bei weiterem unregelmäßigen Aufbau und Rückbildung allmählich ver- schwinden können. Ich schließe mich in den von Mast angeführten Fällen daher dieser An- sicht an. Arten, bei denen, wie bei den von mir weiter vorn beschriebenen Cubosphaeriden, die Mark- schale nur durch den zentralen Vereinigungspunkt der Stacheln angedeutet ist, sind von Mast nicht gesehen worden. Rüst (92) beschreibt aber eine solche aus dem paläozoischen Carbon des Harzes als Stigmosphaera suspecta. Dieselbe besitzt acht oder mehr kräftige Stacheln, die im Innern der Markschale zusammenstoßen. Sodann erwähnt Haeckel (87 p. 68) ein Genus Stigmosphaera mit der Art Stigmosphaera actinocentra, in deren Markschale sich zwölf dünne Stacheln zentral vereinigen. Schon Haeckel weist, wie Mast bei anderen Astrosphaeriden darauf hin, daß diese einschalige Art aus dem doppelschaligen Genus Carposphaera, durch Verlust der Markschale abge- leitet werden könnte. Danach wäre dann der zentrale Vereinigungspunkt der Stacheln ein sekun- däres Produkt, durch Rückbildung in jüngerer Zeit erst entstanden. Entgegen dieser Ansicht hat die andere Möglichkeit viel für sich, daß die Stacheln innerhalb der Markschale und das Stachelzentrum das primäre, Altertümliche darstellen, was zuerst vom Mittelpunkt des Weichkörpers aus gebildet wurde. Durch Apophysen entstanden dann von diesen ans eine oder mehrere Gitterschalen, die dann bei den meisten rezenten Radiolarien. später ohne Beihilfe von zuerst angelegten Stacheln, ausgeschieden wurden. Die von Rüst beschriebene Stigmo- sphaera suspecta zeigt demnach noch die Entstehungsweise der Gitterschalen, vor allem aber auch der MarkschälenJ von den Stacheln aus. Haeckels Stigmosphaera actinocentra wäre dann eine altertümliche Form, die als eine der wenigen rezenten Radiolarien die Stacheln und das Stachel- Zentruta im Innen) der Markschale noch nicht rückgebildet hat. was bei den meisten rezenten Sphaerellarien geschehen ist. Die verhältnismäßig schwache Ausbildung der zentral vereinigten Stacheln, wie sie bei den Centrolonche-, Centracontium- Arten, Stigmosphaera actinocentra, und den von .Mast beobachteten Astrosphaeriden vorhanden ist. läßt im Gegensatz zu der kräftigen Anlage Popofsky, Sphaerellarien. 95 derselben bei den fossilen Sphaerellarien: Stigmosphaera suspecta, Stigmosphaerostylus notabilis Rüst auf ein in Rückbildung begriffenes Skelettstück schließen. Damit läßt sich dann das Skelett der Astrosphaeriden auch auf die Doppelspicula zurückführen, indem die acht Stacheln der Stigmosphaera suspecta z. B. den acht Enden eines Doppelspiculums entsprechen, das an jedem Ende vierstrahlig ist und den Yerbindungsbalken zurückgebildet hat. Wenn mehr innere Stacheln als acht auftreten, so braucht man sich nur die Zahl der Äste an den Enden desSpiculums vermehrt zu denken, wobei wir (wie Jörgensen(üo) und ich (08) kürzlieh gezeigt haben) in dem auf das Tripodium zurückführbaren Skelett der Monopyleen ein Beispiel halten, wie die ursprünglichen vier Äste des Tripodiums durch akzessorische Stacheln allmählich vermehrt werden können. Doch ist es nicht immer notwendig, die größere Anzahl der Radialstacheln (acht oder mehr) bei den heutigen Astrosphaeriden nach der eben erwähnten Anschauung entstanden zu denken. Die von Rüst beschriebene Acanihosphaera entactinia aus dem Carbon des Harzes zeigt uns noch einen anderen Weg. Sie besitzt eine starke Gitterkugel mit zwanzig gleichstarken Stacheln auf der- selben. Im Mittelpunkte stoßen jedoch sechs dünne Kieselfäden zusammen (R. 92, p. 147, Taf. XIII, Fig. 1.) Die vergrößerte Stachelzahl ist also erst sekundär auf der Schale entstanden; ursprünglich echte Stacheln sind nur sechs vorhanden (die Stacheläste des Doppeldreistrahlers). Diese führen zur Bildung der Gitterschale, die nun ihrerseits die sekundären Stacheln in beliebiger Zahl zu pro- duzieren vermag. Für die Herleitung der Familien Cubosphaeridae. Stylosphaeridae, Staurosphaeridae, Astro- sphaeridac ergäbe sich demnach folgendes: Das Ursprüngliche ist jedenfalls, daß die sechs inneren Stacheln des Doppeldreistrahlers sich auch außerhalb der Gitterschale fortsetzen, so daß Cubosphaeriden entstehen; bei den rezenten Arten der Familie ist dann fast immer das innere Stachelgerüst der Markschale^geschwunden. Werden von den sechs kräftig entwickelten inneren Stacheln nur zwei äußerlich fortgesetzt, wie bei Rüsts Stigmosphaerostylus notabilis (Rüst 92 p. 142 Taf. X, Fig. 1) so entstehen Formen, die man als Stammformen der Stylosphaeridae bezeichnen könnte und die durch Rückbildung des inneren Stachelgerüstes der Markschale unsere rezenten Mitglieder der Familie hervorgehenließen. Daß auch die mit vier kreuzständigen Stacheln ausgestatteten Staurosphaeriden solche Vorfahren hatten, welche in der ersten innersten Markschale ein solches Stachelgerüst besaßen, darauf scheint mir Rüsts fossiler Lithelius difficilis aus dem Carbon des Harzes hinzudeuten, bei dem die innerste Schale deutlich von vier auch äußerlich verlängerten Stacheln durchsetzt wird (siehe Rüst 92 Tai. XXVI. Fig. 1,2). Die Astrosphaeriden endlich können auf zwei Wegen sich aus Cubosphaeriden entwickelt haben. Die inneren sechs Stacheln sind entweder durch akzessorische Stacheln vermehrt und dann außerhalb fortgesetzt und innen reduziert worden, oder es bleibt die Zahl sechs innerhalb der Markschale, und außerhalb derselben werden neue Sekundärschalen in größerer Zahl aufgesetzt, während die inneren sechs Stacheln verschwinden. Unterfaniile Monospliaerinae Mast 1910, p. 155. Astrosphaeriden mit nur einer Primärschale. gg Deutsche Südpolar-Expedition. Genus Acantosphaera Ehrenberg 1858, p. 12. Haeckel 1887, p. 209. Mast 1910, p. 155. Astrosphaeriden mit einer Schale und einfachen, unter sich gleichen Radialstacheln. Acanthosphaera pentagonalis n. sp. Textfigur 8. Die sehr kleine Schale besteht aus dünnen Gitterästen, die Fünf- und Sechsecke mit sehr weiten Maschen bilden. Im ganzen etwa 20 Poren. In jedem Knotenpunkt erhebt sich ein kurzer, dornartiger Stachel, im ganzen etwa 40 solcher Stacheln. M a ß e : Schalendurchmesser 0,027 mm. Durchmesser der Poren 0,011 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903. 400 m. Zwei Exemplare. Die Art ist die kleinste der bisher bekannten Acanthosphaera-Aiten. Sie er- TextfigurS. Acan- j nner t a n Haeckels Acanthosphaera macropora, besitzt aber keine runden hexa- thosphaera penta- . . . gonalis n. sp. gonal gerahmten regelmäßigen Poren, der Durchmesser ist nur em Drittel so groß Deutsehe Südpolar- w i e dort und die Stacheln kürzer. ,-ono inn" o~n Die Kleinheit der Art läßt vermuten, daß eventuell ein Entwicklungsstadium 1 no:i, 400 m >;6o0. einer anderen Astrosphaeride in ihr vorliegt, von der sie die innerste Schale bilden würde. Solche Spezies, deren innerste Schale einen derartigen Durchmesser und polygonale Poren besitzen, sind unter den höher entwickelten Astrosphaeriden häufig. Acanthosphaera marginata n. sp. Tai. I, Fig. 2. Die kleine runde Schale wird von im Querschnitt flach dreieckigen Gitterästen gebildet, die sich zu mehr oder weniger regelmäßigen Sechs-, seltener Fünfecken zusammenfügen. Die Maschen sind groß, bis zu achtmal so breit wie die trennenden Gitteräste, die nach außen in eine Kante auslaufen, sodaß die Poren unregelmäßig polygonal gerahmt erscheinen. Die Ecken des Porenlumens können mehr oder weniger ausgerundet sein. Auf vielen Knotenpunkten, vielleicht auf allen, stehen Stacheln ; von verschiedener Länge. Die längsten sind etwa so groß wie der Schalenradius, die kürzesten etwa ein Drittel so lang. Die Stellung der Stacheln fiel nicht immer in die radiäre Richtung, wie das sonst bei den Astrosphaeriden der Fall ist. M a ß e : Durchmesser der Schale 0.052 mm. Länge der Stacheln 0,01 — 0.023 mm. V o r k o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition. 11. September 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die verschiedene Länge di^v Stacheln könnte diese kleine Acanthosphaera vielleicht in das Genus Heliosphaera verweisen. Da aber hier nicht zwei verschiedene Arten von Stacheln. Haupt - und Nebenstacheln vorliegen, sondern offenbar verschiedene Entwicklungsstadien einer Stachelart, so ist sie besser zu den Acanthosphaera zu stellen, da von den kleinsten bis zu den größten Stacheln alle Übergänge vorkommen. Popofsky, Sphaerellarien. 97 Acantbosphaera circopora n. sp. Textfigur 9. Die kuglige, dünne Schale ist von regelmäßig kreisrunden Poren durchsetzt, die hexagonal gerahmt sind. 8—10 Poren auf einem Halbmeridian. Alle Poren ungefähr gleich groß. Die Poren etwa sechsmal so breit wie die Gitteräste. Von den sechs Knotenpunkten, die um eine Pore herum an- geordnet sind, sind je drei miteinander abwechselnde mit Stacheln besetzt. Diese sind ziemlich kräftig und, da die drei in einem Punkt zusammenstoßenden Rahmenkanten sich auf sie fortsetzen, drei- kantig pyramidal mit etwas holden Seitenflächen. Maße: Schalendurchmesser 0,074 mm, Durchmesser der Poren 0,012 mm. Länge der Stacheln 0,02 mm. V o r k o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition, 2. Juni 1903. Zwei Exemplare. Die Art steht üä-eckels Acanthosphaera dentata am nächsten. Ihre Poren sind aber größer, die Gitteräste dünner. Radialstacheln erheben sich nicht von allen, sondern nur von der Hälfte der Knotenpunkte. Die Radialstacheln sind kürzer und nicht mit gesägten Kanten versehen. Textfigur 9. Acanthosphaera circopora n. sp. Stacheln mir teilweise gezeichnet, um jede Pore drei. Deutsche Südpolar-Expedi- tion 2. Juni 1903, x 434. Acanthosphaera insignis R. Hertwig. Taf. I, Fig. 3. Heliosphaera insignis R. Hertwig 18^9, p. 40, Taf. 5, Fig. 7. Acanthosphaera insignis Haeckel 1887, p. 212. Acanthosphaera insignis Mast 1910, p. 156. Schale sehr dünn, mit mehr oder weniger regelmäßigen hexagonalen Maschen, deren Ecken abgerundet sein können. Poren zehnmal so breit wie die Gitteräste. Über die Schale verbreitet, nicht regelmäßig gestellt, 100—120 Stacheln, welche dreikantig und fein gezähnt sind. Die Stacheln sind so lang wie der Schalendurchmesser; bei dem auf Tai. I, Fig. 3 dargestellten Exemplar waren sie etwas kürzer. Maße: Schalendurchmesser 0.2 mm, Porendurchmesser 0,02 mm, Breite der Gitterbalken 0,002—0,003 mm; Stachellänge 0,17—0,18 mm. Vorkommen: Messina (Hertwig) ; Challenger-Expedition, Stat. 325, 347, Atlantik, Indik (Cey - Ion); Pacifik, Stat. 270— 274. Valdivia: Atlantik. Indik häufiger angetroffen. Deutsche Südpolar-Ex- pedition 18. September 1903, 400m. Drei Exemplare. 21. September 1903, 400 m. Ein Individuum. Eines der Exemplare meines Materiales hatte bedeutend weniger Stacheln, dieselben waren dafür aber um so länger, der Schalendurchmesser geringer. Ein anderes Individuum zeigte ein strichdünnes Gitterwerk und sehr dünne Stacheln, an denen die Zähne kaum erkenntlich, das Skelett also erst noch in Bildung begriffen war. Acanthosphaera dodecastyla. Mast. Taf. II, Fig. 1; Taf. III, Fig. 1. Acanthosphaera dodecastyla, M\st 1910, p. 156, Fig. 1. Schale mäßig dick bis dick mit mehr oder weniger regelmäßigen rundlichen Poren, die kräftig mit hohen Kanten hexagonal gerahmt sind. Stacheln 10 bis 12 mit breiter Basis der Schale auf- sitzend, so breit wie eine Pore, doppelt so lang wie der Schalenradius. Deutsche SUdpolar-Ei-peilition. XIII. Zoologie V. 13 98 Deutsche Siidpolar-Expedition. Maße: Schalendurchmesser 0,06—0,065 mm, Porendurchmesser 0,012—0,014 mm, Breite der Gitterbalken 0,004—0,005 mm, Länge der Stacheln 0,1 mm, Breite derselben an der Basis 0,015—0,02 mm. Vorkommen: Valdivia, Stat, 214, Deutsche Siidpolar-Expedition, 11. September 1903, 400 m. Zwei Exemplare. Bei meinen beiden Exemplaren war die Schale an Durchmesser, Balkenbreite und Porenlumen etwas größer, die Stacheln dagegen um ein Viertel geringer an Breite und wahrscheinlich nur zehn davon vorhanden. Auf Tai. II, III, Fig. 1, 1 wurden beide zur Ansicht gebracht. Die Figur auf Tai. III, 1 stellt wahrscheinlich ein verkrüppeltes Individuum dar, indem einige Stacheln kurz bleiben und unregel- mäßige Begrenzung zeigen. Ein Stachel (links oben in der Figur) ist nicht dreikantig und kräftig, sondern dünn und konisch, außerdem schienen einige Knotenpunkte in diesem Falle zu kurzen Bei- stacheldornen ausgezogen zu sein (siehe Figur oben rechts). Genus Heliosphaera Haeckel 1862, p. 350. Haeckel 1887, p. 217. Mast 1910, p. 157. Astrosphaeriden mit einer Schale, Haupt- und Nebenstacheln. Heliosphaera radiata n. sp. Textfigur 10. Schale mit regelmäßigen sechseckigen Maschen, diese fünfmal so breit wie die Gitterbalken. Etwa 16— 20 Hauptstacheln, dreikantig, drei Viertel so lang wie der Radius, breit und kräftig, pyramidal. Nebenstacheln dornig, höchstens ein Drittel so lang wie die Hauptstacheln, zu vielen über die Schale verteilt. Maße: Schalendurchmesser 0,115 mm, Porendurchmesser 0,01 mm, Gitterbalken 0,002 bis 0,003 mm, Hauptstacheln lang 0,046 mm, Nebenstacheln lang 0,01 mm, Hauptstacheln breit an der Basis 0,015 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition, 15. Mai 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die Art steht Heliosphaera hexagonaria H. am nächsten, ist aber nur halb so groß und hat höchstens 20, nicht 40 Haupt- stacheln. Die Gitterbalken sind bei Heliosphaera radiata viel klüftiger und die Hauptstacheln länger. Textfigur 10. Heliosphaera radiata n. y on Heliosphaera octacantha Mast ist sie durch die größere sp. Schalt' und Stacheln nur teilweise . gezeichne.. Deutsche Südpolar-Expedi- Stachelzahl und den kleineren Schalendurchmesser unter - tion 15. Mai 1903, 400mx434. schieden. Genus Cladococcus J. Mülle r. 1856, p. 485. Haeckel 1887, p. 223. Mast J910, p. 158. Einschalige Astrosphaeriden, deren Stacheln unverzweigte oder verzweigte Seitenäste tragen. Stachelstamm stets unverzweigt. Popofskv, Sphaerellarien. 99 Cladococcus irregnlaris n. sp. Taf. III, Fig. 2. Schale kuglig, von unregelmäßig rundlichen, verschieden großen Poren durchsetzt, diese ein- bis dreimal so breit wie die Gitterbalken, 6 — 7 auf einem Viertelkreis. 30 — 40 Radialstacheln, bis doppelt so lang wie der Durchmesser der Schale, mit breiter Basis der Schale aufgesetzt, dann etwas verdünnt, an Stärke gleich bleibend, bis etwa zur Hälfte der Länge, wo die ersten Seitenäste ab- gehen. Die Seitenäste entspringen alle in verschiedener Höhe und sind unverzweigt, zwei bis vier an einem Stachel, die ersten Seitenäste sind die längsten, die vom Stamm zuletzt abzweigenden die kürzesten. Der Stachelstamm bleibt als feine Spitze bis an das Ende erhalten. Stacheln und Seitenäste dreikantig. M a ß e : Schalendurchmesser 0,063 mm, Poren- durchmesser bis 0,006 mm, Länge der Stacheln 0.1 mm. Breite derselben an der Basis 0,005 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition, Indischer und Atl. Ozean, 2. Juni 1903; 6. Juni 1903; 11. und 20. Sept. 1903, 400 in. Je ein Exemplar. Die Art erinnert an Cladococcns scoparius H. Sie hat aber keine "regelmäßigen Poren, doppelt so viel Stacheln, die nur zweimal so lang wie der Schalen- durchmesser sind' (nicht dreimal) und ihre Stacheln tragen unverzweigte Seitenäste, welche auch in ge- ringer Anzahl vorhanden sind. Die übrigen Cladococ- ctts-Arten haben alle eine viel größere Schale. Cladococcus pinetum H. var. octacantha n. var. TYxtfigur 11. Cladococcus pinetum, H. 1887, p. 226, Tal. 27, Fig. 1. Cladococcus pirietum, Pop. 1908, p. 212, Taf. XXII, Fig. 1. Eine ausführliche Beschreibung der Art findet sich Pop. 1908, 1. c. Ich habe hier nur hinzuzufügen, daß die Stacheln des antarktischen Exemplares, welches dort beschrieben wurde, etwas kürzer waren, sowie, daß die vielfach verzweigten Seitenäste der Stacheln ein kugliges dichtes Geflecht bilden können, bei dem aber die Verzweigungsprodukte eines Stachels von denen des benachbarten deutlich getrennt bleiben. Haeckel selbst hat ein Jugendstadium in seiner Figur (1. c.) abgebildet, deshalb wurde das vollständige Tier hier zur Darstellung gebracht. Die Anzahl der Stacheln betrug hier sicher nur acht, gegen zwanzig, wie Haeckel beschreibt und wie sie das von mir aufgefundene antarktische Exemplar besaß. Ich möchte daher, da sonst völlige Übereinstimmung Textfigur 11. Cladococcus pinetum var. octa- cantha nov. var. Wenigstachlige Varietät mit nur 8 Stacheln (gegen 20 sonst). Vollständig entwickeltes Skelett. Von Haeckel hisher nur Jugendstadien beschrieben und abgebildet. Deutsche Südpolar- Expedition 8. Aug. 1903, x 330. 13* 100 Deutsche Südpolar-Expedition. in Maßen und im Bau mit dem Typus herrscht, diese Form wegen der geringen Stachelzahl als Varietät octacantha abgliedern. Cladococcus erinaceus n. sp. Textfigur 12. Die kuglige Schale wird von regelmäßigen, hexagonalen Poren durchsetzt, wovon etwa fünf auf einen Viertelmeridian entfallen. Die Poren sind achtmal so breit wie die dünnen Gitterbalken. Ungefähr zwanzig bis dreißig Hauptstacheln, welche auf den Knotenpunkten stehen, sind prismatisch, dreikantig bis dreiflüglig, an der Spitze konisch. Das untere Drittel der Stacheln hat keine Seitenäste, von dort an, un- gefähr gleichmäßig voneinander entfernt, treten vier bis sechs Quirle von wiederholt verzweigten Seitenästen auf, die wahrscheinlich eine ähnliche, wenn auch nicht so dichte zweite Skeletthülle wie bei Cladococcus pinetum bilden (siehe Textfigur 11). Diejenigen Knotenpunkte, welche nicht von Hauptstacheln besetzt sind, tragen jeder einen kurzen, konischen Nebenstachel, der radial gerichtet ist. Maße: Schalendurchmesser 0,07 mm, Porendurch- messer 0,014 mm. Stachellänge 0,12 mm, Breite derselben 0,005 mm, Länge der Nebenstacheln 0,009 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m, 18. September 1903, 400 m. Ind. u. Atl. Ozean. In der Figur sind nur wenige Stacheln gezeichnet, die übrigen waren abgebrochen. Die Art erinnert in den Größenverhältnissen an Cladococcus viminalis H., wofür noch sprechen könnte, daß Mast (1910, p. 159) auch bei dieser Art gelegentlich Nebenstacheln antraf. Sie besitzt jedoch keine fein gezähnten Kanten und ein regelmäßig sechseckiges Maschenwerk. Textfigur 1 2. Cladococcus erinaceus n. sp. Stacheln nur teilweise gezeichnet. Das Gitter- werk, welches durch Verästelung von Seiten - apophysen der Stacheln entsteht, ist wahr- scheinlich zum Teil abgebrochen, also sonst dichter. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 434. Geniis Elapliococcus Haeckel 1887, p. 227. Astrosphaeridae mit einer Gitterschale und dichotom gegabelten Radialstacheln. Elapliococcus gaussi n. sp. Tai. VI, Fig. 1. Poren alle etwa gleich groß, rund, vielleicht hervorgegangen aus hexagonalen Poren, deren Ecken ausgerundet wurden. Poren sechs- bis achtmal so breit wie die Gitterbalken. Radialstacheln dreißig bis vierzig, zylindrisch, mit den Ästen höchstens so lang wie der Schalendurchmesser. Die Stacheln stehen zum Teil in den Knotenpunkten des Maschenwerks, zum Teil auch auf den Mitten der Gitterbalken. Der Stachelstamm im äußeren Teil selten einmal, meist zweimal dichotom ge- gabelt. Die Enden der Gabeläste liegen ungefähr auf einer Kugelschale. Die ganze Schale mit kurzen, dornartigen, konischen Beistacheln besät, welche stets auf den Mitten der Gitterbalken angebracht sind. Popofsky, Sphaerellarien. 101 Maße : Schalendurchmesser 0,077 mm, Porendurchmesser 0,012 mm, Länge der Stacheln 0,064 mm. Breite 0,003 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition, 15. Mai 1903, 400 ni. Drei Exemplare. Der Verzweigung der Stacheln nach steht die neue Art Haeckels Elaphococcus furcatus am nächsten und zwar so wie sie Mast (1910. p. 162) beschreibt, wo nicht an allen Knotenpunkten Stacheln standen und dieselben ein- bis zweimal dichotom verästelt wurden. Auch die Neben - stacheln auf den Mitten der Balken werden dort schon angegeben. Sie unterscheidet sich aber von ihr außer durch geringeren Poren- und Schalendurchmesser und die runden Poren dadurch, daß auch ;lie Hauptstacheln alle auf den Mitten der Balken stehen. Ich bin überhaupt geneigt anzu- nehmen, daß Haeckels Art. nach seiner Diagnose, völlig für sich getrennt gehalten werden muß von der Form, die Mast mit zu Haeckels Art hinzubeschrieben hat. Masts Diagnose paßt besser auf die neue Art Elaphococcus guussi. Von Elaphacoccus cervicornis, deren Maße sonst für Elaphacoccus gaussi zutreffen, ist sie durch die geringe Verzweigung der Stacheln zu unterscheiden. Unter-Fani. Actinosphaerinae Mast 1910, p. 162. Astrosphaeriden mit Primärschale und einer oder mehreren Markschalen. Genus Haliomma Ehrenberg 1838, p. 128. Haeckel 1887, p. 230. Mast 1910, p. 162. Astrosphaeriden mit zwei Schalen, die durch Stacheln verbunden sind. Mal in ni m ;i acanthophora n. sp. Textfigur 13. Die kräftige, verhältnismäßig dicke, holpe- rige Außenschale wird von unregelmäßig rund- lichen verschieden großen Poren durchsetzt. In fast allen Knotenpunkten erheben sich kürzere oder längere, verschieden gestaltete unregel- mäßige Radialstacheln, die dick und kegelförmig, aber auch länger und dann mehr zylindrisch gestaltet sein können. Sie sind am Ende ent- weder zugespitzt oder abgewölbt, zeigen auch oft warzige Auswüchse und stehen vielfach nicht genau radial gerichtet. Sie erreichen eine Länge, die dem Durchmesser der inneren Markschale gleichkommen kann. Manche bleiben Textfigur i:;. Haliomma acanthophora n. sp. Die raube, auch nur als Rauhigkeiten und Buckel auf der höckrige, äußere Schale war zum Teil ausgebrochen, um die Schale erkenntlich. macht die äußere Schale einen robusten, gro ben, unregelmäßigen Eindruck. Innere, oder Markschale aus polygonalen, meist fünf- und sechs- eckigen Maschen uii'l strichdünnen Balken aufgebaut, von deren Knotenpunkten sich etwa zwanzig „, , , innere Schale sichtbar zu machen. Deutsche Südpolar-Expedition Durch diese Stacheln , K « • ,„„, ,™ ,<>, lo. Mai 1903, 400 m x 434. IQ2 Deutsche Südpolar-Expedition. bis vierundzwanzig Radialstäbe erheben. Diese, ebenso dünn wie die Gitteräste der Markschale, verbinden Markschale mit Primärschale. Sie inserieren in Knotenpunkten. Aber auch auf den Mitten der Gitterbalken der äußeren Schale können sie sich in äußere Stacheln fortsetzen oder in dieser aufgehen. Maße: Durchmesser der äußeren Schale 0,17 mm, der inneren Schale 0,023 mm, Poren- durchmesser bis 0,02 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition, 15. Mai 1903, 400 m. Zwölf Exemplare. 8. August 1903, 50 m. 7. September 1903, 400 m. Je ein Exemplar. Die Art erinnert an Haeckels Haliomma erinaceum, unterscheidet sich aber von ihr durch die robuste Außenschale und die dicken Radialstacheln. (Siehe auch zum Vergleich die Abbildung von Haliomma erinaceum H. 62, Taf. XXIII, Fig. 3, 4 und in der vorliegenden Arbeit Taf. IV, Fig. 1.) Haliomma erinaceum H. Taf. IV, Fig. 1. Haliomma erinaceum H. 1862, p. 427, Taf. XXIII, Fig. 3, 4. Haliomma erinaceum, H. 1887, p. 236. Haliomma capillaceum, H. 1887, p. 236. Haliomma erinaceum, Mast 1910, p. 164. Unter diesem Namen sind zwei ÜAECKELsche Arten von Mast neuerdings zusammengefaßt worden. Auf Taf. IV Fig. 1 ist ein ziemlich junges Exemplar dargestellt worden, mit außerordent- lich weiten und unregelmäßigen Poren, die die Größe des Durchmessers der Markschale übertreffen können. Die Poren bleiben aber wahrscheinlich nicht so groß, da in vielen Poren schon trennende Gitterbalken in Gestalt von Zähnchen angelegt sind, wodurch eine große Pore in zwei kleinere zer- legt wird, eine Art der Verkleinerung der Poren, die bei vielen rundporigen Radiolarien angetroffen wird. Die Radialstäbe entspringen auch von den Mitten der Gitterbalken der Markschale, wodurch sich diese Art auch von der vorhergehenden Haliomma acanthophora unterscheidet, auch setzen sich die Radialstäbe außerhalb der Primärschale in Radialstacheln fort. Maße: Die Maße waren bei beiden hierher gehörigen Exemplaren etwas geringer als Haeckel und Mast angeben. Durchmesser der äußeren Schale 0,182 mm, der inneren 0,03 mm. Vorkommen : Messina, Atlantik, Indik, Pacifik von Haeckel und Mast festgestellt. Die Deutsche Südpolar-Expedition fing sie 15. Mai 1903, 400 m in zwei Exemplaren. Genus Actinomma H. 1862, p. 440. Actinomma IL 1887, p. 231. Aiiiiiomina Mast 1910, p. 168. Astrosphaeriden mit drei konzentrischen Schalen und gleichartigen, unverzweigten Radial- stacheln. Actinomma gigautea n. sp. Taf. V, Fig. 1. Drei konzentrische, außerordentlich unregelmäßige Schalen. Die äußerste Schale von vielen unregelmäßig runden, auch polygonalen Poren in sehr verschiedener Größe durchbohrt. Der Schalenumriß ist nicht kreisrund, sondern ein Kreis mit vielen verschieden großen und verschieden Popofsky, Sphaeiellarien. 103 hohen unregelmäßigen Buckeln. In einem Fall war die Schale weniger bucklig, mehr regelmäßig. Auf dieser Schale finden sich viele unregelmäßig verteilte, dreikantige kräftige Radialstacheln, so lang oder etwas länger wie der Durchmesser der innersten Schale; die Stacheln hatten oft einige Zähnchen an den Seitenkanten. Gelegentlich wurden auch auf einem anderen Exemplar außer den drei- kantigen Stacheln auch drehrunde und komprimierte mit kleinen Zähnchen beobachtet. Hier schienen die Stacheln auch oft krumm und nicht radial gestellt zu sein, auch waren sie in sehr großer Zahl vorhanden. Mittlere Schale ebenso gestaltet wie die äußere Schale-; auf den Buckeln erheben sich mit etwas breiterer Basis fünfzig oder mehr Radialbalken, prismatisch, dreikantig, auch inner- halb der äußeren Schale mit wenigen unregelmäßig verteilten Zähnen an den Kanten versehen. Die Radialstäbe setzen sich außerhalb in Radialstacheln fort. Die Poren dieser Schale sind unregel- mäßig rundlich bis polygonal von sehr verschiedener Größe. Innerste Markschale ein Drittel so groß im Durchmesser wie die mittelste Schale, anscheinend im Querschnitt auch polygonal (fünf- eckig?). Über die Porenbeschaffenheit war nichts festzustellen, da die beiden äußeren Schalen sie zu sehr verdeckten. Maße: Äußere Schale 0,215 — 0,25 mm Durchmesser, mittlere Schale 0,10 mm, innere Schale 0,04 mm. Stacheln lang 0,05 mm, breit am Grunde 0,015 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition, 8. August 1903, 50 m. Ein Exemplar. Die Art steht Haeckels Actinomma arcadophorum nahe, ist aber durch ihre außerordentliche Unregelmäßigkeit und die dreikantigen gezähnten Stacheln von ihr unterschieden. Auf der äußeren Schale fanden sich neben den dreikantigen Stacheln, welche die Zahl der Radialstäbe bei weitem übertreffen, auch dornartige, kurze, konische Beistacheln. Der fünfeckige Querschnitt der inneren Markschale ist vielleicht in Beziehung zu bringen zu einer Beobachtung Masts (1910, p. 169, Fig. 4) an Actinomma heptacantha, bei der die Markschale eine fünfseitige Doppelpyramide darstellt, von deren sieben Ecken sieben Radialstäbe zur mittleren Markschale gehen. In der Zeichnung unserer neuen Art, Taf. V, Fig. 1 sähe man dann von der Doppelpyramide gerade die Basis in horizontaler Lage im optischen Schnitt. Actinomma brevispiculuni n. sp. Taf. TT, Fig. 3. Drei konzentrische kuglige Schalen, die mittelste zweimal so groß im Durchmesser als die innerste, die äußerste dreimal so breit wie die mittelste. Die innerste Schale mit sehr großen unregelmäßig polygonalen Poren und wenigen Gitterbalken, welche die zentralen Stachelenden verbinden. Von der innersten Schale ziehen sieben bis acht ziemlich kräftige zylindrische Radialstäbe zur mittelsten Schale, welche sich aber nur zum Teil darüber hinaus fortsetzen. Die mittelste Schale hat rund- liche, verschieden große Poren und ziemlich dicke Gitterbalken, welche den Porendurchmesser erreichen können. Auf der mittelsten Schale stehen wiederum sieben bis acht, meist nicht in Ver- längerung der inneren Radialstäbe liegende Stäbe, welche bis zur äußeren Schale verlaufen und in dieser mit einem verbreiterten Fuß endigen. Die äußere Schale hat regelmäßige sechseckige Maschen die viermal so breit wie die trennenden Gitterbalken sind. Selten (in der Abbildung Taf. II, Fig. 3 rechts), zeigt sich die Einmündungsstelle eines Radialstabes in die äußere Schale auch außerhalb durch einen kurzen konischen Höcker an. Bei einem anderen Exemplar fanden 104 Deutsche Siidpolar-Expedition. sich neun Stacheln. Die Poren waren infolge Ausrundung der sechseckigen Maschen regelmäßig kreisrund geworden und jede Pore umgab ein erhöhter Wall, auf dem drei kurze Dörnchen saßen (siehe Taf. II, Fig. 3). Maße : Durchmesser der innersten Schale 0.015 mm, der mittleren Schale 0,03 mm, der äußersten Schale 0,09 mm. Porendurchmesser der äußeren Schale 0,008 mm. Vorkommen: 15. Mai 1903, 400 m; 11. August 1903, 200 m (mit bedornter Schale); 26. August 1903, 200 m; 23. September 1903, 200 m. Je ein Exemplar. Ind. u. Atl. Ozean. Die kleine Art unterscheidet sich von allen bekannten Arten der Gattung durch den Mangel an äußeren Stachelenden. Eine Reihe von Actinomma -Arten, die sechs in drei Achsen stehende innere Radialstäbe be- sitzen und viele, jedenfalls mehr als sechs äußere Radialstacheln auf der äußersten Schale haben, scheinen mir eher zu den Cubosphaeriden zu gehören, so z. B. Actinomma anthomma H., Actinomma castanomma H. Unter-Fani. Arachnosphaerinae Mast 1910 p. 173. Astrosphaeriden mit Primärschale und einer oder mehreren Teritiärschalen; (diese entstanden durch Verzweigung von Seitenästen der Radialstacheln). Genus Leptosphaera H, 1887. p. 243. Beide Schalen ohne Nebenstacheln. Leptosphaera minuta n. sp. Textfigur 14. Primärschale sehr klein aus hexagonalen Po- ren bestehend, welche durch sehr dünne strich- artige Balken getrennt sind, sechs Poren auf einem Durchmesser. Auf einer Anzahl Knotenpunkte erheben sich etwa zwanzig bis dreißig Radial- stacheln, welche nach außen zu immer kräftiger werden. Dieselben sind dreikantig und tragen in gleicher Entfernung von der Primärschale je drei strichdünne Seitenäste, welche mit denen der Nach- barstacheln zusammentreffen, sodaß eine Tertiär- schale mit weiten dreieckigen Maschen gebildet wird. Maße: Durchmesser der inneren Schale 0,02 mm, der äußeren Schale 0,14 mm. Voikom m e n : Deutsche Südpolar - Expe- dition, 15. Mai 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die Art unterscheidet sich von allen bekannten Leptosphaera -Arten, die durchweg relativ große Radiolarien sind, durch die sehr kleinen Schalen- durchmesser. Textfigur 14. Leptosphaera minuta n. sp. Die äußere sehr dünne Schale wurde durch schwarze Striche gekennzeichnet. Nicht alle Stachelapophysen waren mehr erhalten. Deutsche Siidpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 434. Popofsky, Sphaerellarien. 105 Genus Drymosphaera H. 1881, p. 452. Äußere der beiden Schalen mit Nebenstacheln. Drymosphaera denticulata n. sp. Textfigur 15. Primärschale (innen) aus regelmäßigen Sechsecken gebildet, die Poren fünf- bis sechsmal so breit wie die Gitterbalken. Radialstacheln lang und kräftig, prismatisch, am Ende pyramidal zu- gespitzt, der ganzen Länge nach an Breite gleichbleibend, die drei Kan- ten mit zierlichen Zähnen versehen. Die Flügelkanten zum Teil gedreht. In dem Abstand des Durchmessers der Primärschale von dieser ent- springen an jedem Stachel sechs Sei- tenäste, an jedem Stachelflügel zwei, welche mit vielen kleinen nach außen gerichteteten Dornen besät sind; eine Anzahl von ihnen verlängert sich zu konischen, gebogenen mit klei- neren Dörnchen besetzten Nebenstacheln. Ein Stachel, in der Figur oben links, zeigt noch ein eigentümliches Netzwerk beim Übergang in den einen Seitenast. Die Seitenäste der Hauptstacheln vereinigen sich zu einer zweiten Schale mit weit dreieckigen Maschen. M a ß e : Durchmesser der äußeren Schale 0,36 mm, der inneren 0,13 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar -Expedition, 15. Mai 1903, 400 m, drei Exemplare; 26. August 1903, 200 m, ein Exemplar. Das Skelett der Axt war leider zertrümmert, doch schien die Anzahl der Stacheln nur gering, etwa neun bis zehn zu sein. Wegen der hexagonalen Poren der Primärschale steht die Art Haeckels Drymosphaera hexagonalis nahe, unterscheidet sich aber von ihr durch die gezähnten Stachelkanten, außerdem durch den geringeren Divrehmesser der inneren Schale (0,13 statt 0,16) und den dornigen zum Teil verästelten und wieder bedornten Ästen der äußeren Schale. Textfigur 15. Drymosphaera denticulata n. sp. Skelett zertrümmert. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 200. Genus Astrosphaera H. 1887, p. 250. Astrosphaera, Mast 1910, p. 174. Zweischalige Astrosphaeriden mit Primär- und Tertiärschale und Nebenstacheln auf beiden. Astrosphaera hexagonalis H. Textfigur 16, Taf. VIII, Fig. 2. Astrosphaera hexagonalis, H. 87, p. 250, Taf. 19, Fig. 4. Astrosphaera hexagonalis, Mast 1910, p. 174. * Primärschale mit regelmäßigen Sechsecken und dünnen Gitterbalken, auf jedem Knotenpunkt ein gerader kurzer Beistachel ; diese sind leicht zu übersehen. In etwa zwanzig Knotenpunkten drei - kantig bis dreiflüglige, prismatische Stacheln, deren Kante ich auch wie Mast (1. c.) gezähnt fand. Deutsche Südoolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 14 106 Deutsche Südpolar-Expedition. In einer bei allen Stacheln gleichbleibenden Ent- fernung von der inneren Schale bilden sich an jeder der drei Stachelkanten je eine Apophyse, welche sich sofort gabelt, sodaß es den Anschein hat, als ob zwei unter einem Winkel von etwa 60° aus- strahlende Guirlanden von jeder Stachelkante aus- gehen. Gelegentlich kann auch abnormerweise die Gabelung unterbleiben (Taf. VIII Fig. 2), so daß nur eine Apophyse von der Stachelkante fortzieht. Diese Guirlanden bilden mit denen der Nachbar- stacheln die zweite, äußere Schale. Äußere Schale aus dreieckigen Maschen und einer Reihe ver- schieden großer, gekrümmter Beistacheln. Maße: Durchmesser der äußeren Schale 0,30 mm, der inneren 0,153 mm. Vorkommen : Challenger: Pacifik; Vaklivia; Atlantischer und Indischer Ozean. Deut- sche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m, drei Exemplare; 20. Mai 1903, 400 m; 26. August 1903, ein Exemplar. In der Textfigur sind, weil nach einem zerbrochenen Exemplar angefertigt, nicht alle Stacheln eingezeichnet. Textfigur 16. Astrosphaera hexagonalis H. Schale zertrümmert, daher nicht alle Stacheln eingezeichnet. Stachelkanten fein gezähnt, was Haf.ckel nicht abbildet- Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 190;'.. 400m x 200. Astrosphaera aruorescens n. sp. Testfigur 17, 18. Innere, Primärschale mit regelmäßig hexagonalen Poren , jeder Balken des zierlichen, dünnen Ge- rüstes gekreuzt von einem tangentialen Querbalken, sodaß in jedes Poreninnere sechs Strahlen hinein- gehen, die sich aber nicht im Mittelpunkt treffen. Auf je drei abwechselnden von den sechs Knoten- punkten jeder Pore stehen lange, unregelmäßig gebogene und gekrümmte Nebenstacheln. Diese sind lang und dünn, zylindrisch, aber mit rauhen Kanten versehen und mitDörnchen gekörnt. Sie reichen bis dicht unter die äußere Tertiärschale, oder noch über diese hinaus. Fünf Sechstel der Länge sind nur bedornt und gekörnt, das letzte Sechstel ist in mehrere, meist zwei, höchstens vier unregel- mäßig abgehende Seitenäste verzweigt, das letzte Ende meist gegabelt, sodaß sie einem kleinen Bäumchen nicht unähnlich sehen. An etwa sechzehn bis zwanzig der Primärschalen-Knotenpunkten erheben sich kräftige, dreiflüglige, prismatische Stacheln mit etwas breiterer Basis. Zwischen den beiden Schalen sind die Stacheln weit gezähnt, mit wenig hervortretenden Spitzen und flachen Einsenkungen. Im äußeren Viertel der Hauptstacheln erhebt sich von jeder Kante ein sofort gegabelter Seitenast, sodaß es den Anschein hat, als wenn von den drei Kanten im ganzen sechs Seitenäste in gleicher Höhe entspringen und wie Guirlanden, etwas gebogen, zu den Nachbar- stacheln ziehen. Diese Seitenäste sind mit einer Reihe kleinerer und größerer Nebenstacheln be- setzt, die nach außen gerichtet sind und von denen die größeren in unregelmäßigen Abständen von einander stehen und wieder mit kleineren Seitendornen versehen sind. Die Seitenäste der Radial- stacheln bilden die Tertiärschale, welche außen gelegen ist und von großen dreieckigen Maschen gebildet wird. Das äußere Viertel der Hanptstacheln wird durch zwei Wirtel von je drei nach der Popofsky, Sphaerellarien. 107 Stachelspitze zu gebogenen, hakenförmigen, kurzen Seitenästen in drei gleiche Abschnitte geteilt. Die Kanten dieses Stachelteiles und der Seitenäste erscheinen durch äußerst winzige Dornen gekörnt. Nach dem zweiten Wirtel rundet sich die Spitze allmählich ab. Maße: Durchmesser der äußeren Schale 0,35 mm, der inneren Schale 0,133 mm. Gesamt- länge der Stacheln 0,22 mm, Breite derselben 0,01 mm. Porenbreite 0,014 mm. Vorko m m e n : Deutsche Südpolar -Expedition, 2. Juni 1903, nur ein Exemplar. Textfigur 17. Astrosphaera arborescens n. sp. Skelett zerbrochen. Der Stachel in der Figur links oben und auch der rechts oben ist in der ganzen Länge erhalten geblieben. Beistacheln nur wenige gezeichnet. Deutsche Südpolar-Expedition 2. Juni 1003, x 200. ~$*% Textfigur 18. Astrosphaera arborescens n. sp. Einzelstachel des in Textfigur dargestellten In- dividuums, • 434. Durch die eigentümliche Ausgestaltung der Poren der Primärschale, die Zähne an den Stacheln und die Wirtel von Seitenästen erinnert die Art an Astrosphaera stellata H., doch hat sie bedeutend geringere Maße und nicht fünf, sondern nur zwei Wirtel außerhalb der Tertiärschale an den Stacheln. Die baumförmig verästelten Nebenstacheln trennen sie übrigens deutlich von allen bekannten Astrosphaera- Arten. Die HAECKELschen Genera Leptosphaera, Drymosphaera, Diplosphaera und Astrosphaera ent- halten anscheinend eine Reihe von Entwicklungszuständen von Astrosphaeriden, deren völlig aus- gebildete Schale sie der letztgenannten Gattung zuweisen würde. Leptosphaera hexagonalis, Diplo- sphaera hexagonalis, Drymosphaera hexagonalis, Astrosphaera hexagonalis stehen offenbar in einem solchen ontogenetischen Zusammenhang, was auch noch durch die übereinstimmenden Maße (äußere Schale stets 0,36 mm, innere 0.15 bis 0,16 mm) bewiesen wird. 14* 108 Deutsche Südpolar-Expedition. Genus Arachnosphaera Haeckel 1862, p. 355. Arachnosphaera H. 1887, p. 268. Mast 1910, p. 170. Die auf der Primärschale sitzenden Radialstacheln geben Quirle von mehrfach verzweigten Seistenästen ab, welche mehrere kuglige Tertiärschalen mit unregelmäßig polygonalen Poren liefern. Arachnosphaera hexasphaera n. sp. Textfigur 19—21. Innerste (Primär-) Schale mit unregelmäßig polygonalen Poren und strichdünnen Gitterbalken. Die innere Schale klein, im Durchmesser so groß wie der Abstand der dritten von der vierten Schale; die Schalenabstände nehmen von innen nach außen zu, sodaß die vierte von der fünften Schale dreimal so weit entfernt ist, wie die erste von der zweiten. Auf den Knotenpunkten der Primärschale sechzig bis achtzig Stacheln, dreikantig, nach der äußersten Schale hin an Dicke etwas zunehmend, I Textfigur 19. Arachnosphaera hexasphaera n. sp. Durch Deckglasdruck etwas verschobenes sonst konzentrisches Skelett im optischen Schnitt dargestellt. Deutsche Südpolar- Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 168. fer^ Textfigur 20. Arachnosphaera hexasphaera n. sp. Ein Teil des in Textrigur 1!) dargestellten Tieres bei stärkerer Vergrößerung, x 300. außerhalb dieser etwas konisch zugespitzt. In bestimmten Abständen entspringen fünf (vielleicht bei anderen Exemplaren auch mehr) Wirtel von je drei Apophysen, welche sich wiederholt gabeln (siehe Textfigur 21) und zu höckrigen mit unregelmäßiger Oberfläche versehenen Tertiärschalen anastomosieren. Maße: Durchmesser der inneren Schale 0,05 mm, der äußersten (sechsten) Schale etwa 0,38 mm. Letztere Angabe ungenau, da die Individuen zertrümmert waren. V o r k o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m; 11. September 1903, 40U in. Je ein Exemplar. Die Art erinnert an Arachnosphaera increscens H. unterscheidet sich aber von ihr durch die um ein Drittel geringeren Maße und die unregelmäßigen Primärschalenppren. Arachnosphaera Popofsky, Spliaerellarien. 100 velaris hat zwar irreguläre Poren auf der Primär- schale und die entsprechenden Maße, hat aber nur halb so viel Stacheln und nur halb so viel Gitterschalen und Wirtel an den Radialstacheln. Die Figuren wurden nach einem zerdrückten Exemplar angefertigt, daher sind die einzelnen Schalen in den Zeichnungen nicht konzen- trisch. Genus Spongosphaera Ehrenberg 1847, p. 54. Astrosphaeriden mit zwei konzentrischen inneren Schalen und einem die äußere der beiden Schalen umgebenden Schwammnetzwerk. Nach Mast ist die innere Schale die Primärschale, die zweite eine Sekundärschale, welche zwischen Primärschale und Netzwerk eingeschoben ist. Spongosphaera streptacantha H. Textfigur 22, Taf. VIII, Fig. 4 (?)■ Spongosphaera streptacantha, TL 1862, p. 455, Taf. XXVI, Fig. 1-3. Spongosphaera streptacantha, Bütschli 1880/82, Taf. 22, Fig. 1. Sponijosphiiriti t\ 118 Deutsche Südpolar-Expedition. Fain. Cyphinidae, Haeckel 1887, p. 359. Prunoidea mit ellipsoider Zwillingsschale, welche durch eine äquatoriale Einschnürung in zwei halbelliptische oder kuglige Kammern geteilt wird. Die äußere Schale ist einfach oder doppelt und umschließt eine oder mehr Markschalen. Genus Cyphonium, Haeckel 1887, p. 362. (Yphinidae mit einfacher Zwillingsaußenschale und doppelter Markschale, ohne Polstacheln und Tuben. Cyphonium monozonium n. sp. Textfigur 29. Zwillingsschale dünn, mit glatter Oberfläche, Poren groß, unregelmäßig rund und verschieden groß, bis fünfmal so groß wie die trennenden G-itterbalken. mit zwölf bis vierzehn Poren auf einem Halbmeridian, zehn bis zwölf auf einem Halbäquator jeder Zvvil- lingsschalenkammer. Die beiden Markschalen im Verhältnis sehr groß. Die äußere Markschale berührt die Zwillingsschale mit ihren beiden spitzeren Polen. Beide sind also nicht durch Ra- dialstäbe verbunden. Beide Markschalen linsenförmig, konzen- trisch, wie auch die Zwillingsschalenkammern von den Polen aus zusammengedrückt, daher diese halbelliptisch, jene elliptisch im optischen Schnitt erscheinen. Auf der einen Seite der Schale (in der Textfigur oben) zeigten sich zwei kurze Dornen in der Ein- schnürung. Maße: Länge der Hauptachse 0,12 mm, der Äquatorial - achse 0,065 mm. Größte Breite der Kammern 0,086 mm. Breite der Poren bis 0,012 mm. V o r k o m m e n : Deutsche Süclpolar -Expedition 7. September 1903, 400 m. Zwei Ent- wicklungsstadien, wie sie die Textfigur zeigt, und zwei Individuen mit geschlossener Zwillingsschale. Die Art unterscheidet sich von sämtlichen anderen Cyphonium- Arten dadurch, daß äußere Markschale und Zwillingsschale direkt einander im Äquator berühren und nicht erst durch Radial- stäbe, die meist in der Äquatorialebene liegen, verbunden werden. Cyphoniuni profunduin, Ehrenberg. Textfigur 30—37. Äußere Zwillingsschale nach Haeckel und Ehrenberg dünnwandig, bei meinen Exemplaren meist ziemlich dickwandig, mit spitzeren oder stumpferen dreieckigen kurzen Zähnen, die zwischen den Poren unregelmäßig verteilt sind. Poren, der äußeren Schale polygonal bis unregelmäßig rund, verschieden groß, in manchen Fällen fast gleichgroß und kreisrund; dann waren die Stacheln spitzer und kleiner meist so breit wie die trennenden Gitterbalken. Die beiden inneren Schalen elliptisch bei Ansicht auf den Äquator (Textfigux 30. 33. 37). kreisförmig im Querschnitt bei Pol- ansichl (Textfigur 31, 34, 35. 36). mit vielen kleinen rundlichen Poren, welche kaum die Breite der Gitterbalken erreichen. Äußere und mittlere Sehale durch Radialbalken verbunden, welche Textfigur 29. Cyphonium monozonium n. sp. Äußere Markschale direkt mit der äußersten Schale der Zwillingsschale verbunden. Letztere an den Seiten noch offen. Deutsche Südpolar-Expedition 7. Sept. 1903, 400 m x 434. Popofsky, Sphaerellarien. 119 sich nicht über die äußere Schale hinaus fortsetzen, sondern mit verbreitertem (Textfigur 34) oder sogar mehrfach gegabeltem Ende (Textfigur 31) in diese übergehen. Die Radialbalken liegen zum Teil in, zum Teil nicht viel außerhalb der Äquatorialebene (Textfigur 33), sodaß man sie bei Äquatorialansicht links und rechts von der mittleren Schale wie Büschel an den beiden Seiten ausstrahlen sieht. Textfigur 30. Cyphonium profundum Ehrbg. Ent- wicklungsstadiuni, ohne Zwillingsschale, doch ist diese im Begriff sich zu bilden, wie die an den En- den gegabelten und ange- schwollenen Stacheln zei- gen. Äquatorial- oder Sei- tenansicht. Deutsche Süd- polar-Expedition 21. Sept. 1903, 400 m x 650. Textfigur 31. Cypho- nium prcfundum Ehrbg. Entwicklungs- stadium wie Textfig. 30, aber Polaransicht, da- her die beiden Mark- schalen kreisförmig im optischen Schnitt er- scheinen. Deutsche Süd- polar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m > G50. Textfigur 32. Cypho- nium profundum Ehrbg (?). Entwick- lungsstadium ohne Zwil- lingsschale, breiteste Ansicht des dreiaxigen Ellipsoids. Deutsche Südpolar - Expedition 7. Sept. 1903, 400 m > 650. Textfigur 33. Cyphonium pro- fundum Ehrbg. Entwicklungs- stadium bei dem sich in Form eines äquatorialen Gürtels die Zwillingsschale anlegt. Äqua- toransicht. Deutsche Siidpolar- Expedition 11. Sept. 1903, 400 m x 650. Textfigur 34. Cyphonium profundum Ehrbg. Entwicklungsstadium wie Textfigur 33 aber bei Polaransicht, wodurch die Markschalen wieder kreisförmig im Querschnitt erscheinen und die im Äquator liegenden Stacheln sichtbar werden. Deutsche Südpolar-Expedition 1 1. Sept. 1903, 400 m ■ 650. Textfigur 35. Cyphonium profundum Ehrbg. Entwicklungsstadium etwas fortgeschrittener als in Textfigur 34. Äquatorialgürtel schon breiter. Polansicht. Deutsche Südpolar-Expedition 26. Aug. 1903, 200 mx 650. Maße: Länge der Hauptachse 0,086 — 0,1 mm, der Äquatorialachse 0,06 — 0,063 mm, größte Breite 0,07—0,072 mm. Breite der Poren 0,005—0,012 mm; Gitterbalken 0,002 mm, Stacheln 0.005 mm breit. Vorkom m e n: Pacifik, tropische Zone; Philippinen, Ehrenberg 3300 Faden tief . Challenger- Station 266—274, 2350 bis 2925 Faden tief. Deutsche Südpolar-Expedition: 13. Mai 1903, 120 Deutsche Südpolar-Expedition. 400 m; 15. Mai 1903, 400 m; (2 Exemplare); 2. Juni 1903 (3 Exemplare); 11. August 1903, 200 m; 20. August 1903, 400 m (6 Exemplare); 26. August 1903 (2 Exemplare); 1. September 1903, 45m; 7. September 1903, 400 m (2Exemplare); 11. September 1903, 400 m (3 Exemplare); 21. Sep- tember 1903, 400 m. Die von mir gefundenen Exemplare hatten alle eine dickere Schale als Ehrenberg abbildet, auch waren aus den polygonalen Poren runde geworden, was vielleicht eher auf Cyphonium cri- bellum. H. passen würde, zumal diese Art auch elliptische Innenschalen besitzt, während Cyphonium profundum kuglige Markschalen haben soll. Die unregelmäßigen verschieden großen Poren und die Textfigur 36. Chyphonium profundum Ehrbg. Vollständig entwickeltes Exemplar bei schräger Polansicht. Äquatorialstacheln wieder sichtbar. Deutsche Südpolar-Expedi- tion 6. Okt. 1901, y 650. Textfigur 37. Cyphonium profundum Ehrbg. Vollständig entwickeltes Exemplar bei Ansicht auf den Äquator. Deutsche Südpolar-Ex- pedition 1. Sept. 1903. St. Helena. 45 m xG50. auffällig zusammenstimmenden Maße, haben mich veranlaßt, meine Individuen der letztgenannten Art zuzuweisen. Die Textfiguren 30 bis 37 stellen wohl sicher Entwicklungsstadien unserer Art dar. In Textfigur 30 sind nur die beiden inneren Schalen mit kurzen keulenförmigen, zum Teil im Begriff der Gabelung stehenden Stacheln vorhanden. Textfigur 31 zeigt ein Exemplar bei Polansicht, daher die Schalen kreisförmig im Querschnitt erscheinen, alle Stacheln sind hier verdickt am Ende und im Begriff sich zu gabeln. In Textfigur 33 sieht man wie von den Gabelästen der Radial- balken aus zuerst ein äquatorialer Gürtel der äußeren Schale angelegt wird. Textfigur 34 zeigt dasselbe bei Ansicht auf einen Pol und in Textfigur 35 ist der äquatoriale Gürtel schon beträchtlich verbreitert. Textfigur 37 gibt dann ein vollständiges Individuum bei Breitansicht, Textfigur 36 ein anderes bei Längsansicht wieder; beachtenswert ist der scheinbare Unterschied in beiden Bildern in der Stachelverteilung. Genus Cypassis Haeckel 1887, p. 366. Cyphinidae mit zwei inneren und zwei äußeren Schalen, zwei Medullär- und zweiKortikalschalen. Cypassis cingulata n. sp. Taf. VII, Fig. 1. Innere Kortikalschale, also dritte Schale von innen, mit unregelmäßig rundlichen Poren von sehr verschiedener Größe. Die Poren liegen in die Schale eingesenkt und sind von unregelmäßigen, Popofsky, Sphaerellarien. 121 nach außen mit ausgeschweiften Kanten versehenen Rahmen umgeben. Von den Rahmen erheben sich kurze, dornartige, spitze Beistacheln, welche in der Äquatorialzone, soweit sich die Einsenkung bemerkbar macht, verzweigt sind und ein unregelmäßiges, aus dünnen Balken gebildetes Gitterwerk bilden. Dieses hat polygonale Poren und zieht sich von dem größten Breitengrad der einen Kammer zu dem der anderen, sodaß die Einschnürung im Äquator durch das Gitterwerk wie mit einer Brücke überdeckt wird und der ganze Schalenumriß ein elliptischer wird. Die beiden inneren konzentrischen Markschalen sind von den Polen aus stark zusammengedrückt und daher im optischen Schnitt von sehr geringer Breite. Von der äußeren Markschale ziehen Radialstäbe nach der äußeren Schale, die alle in der Äquatorialebene zu liegen scheinen. Maße : Hauptachse lang 0,12 mm; Breite der Zwillings -Kortikalschale 0,066 mm. Größte Breite der Schale 0,092 mm. Länge der äußeren Markschale 0,04 mm; Breite derselben 0,021 mm. Länge der inneren Schale 0,014 mm; Breite 0,008 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition 7. September 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die neue Art ist insofern interessant, als sie ein Mittelding darstellt zwischen Cyphonium und Cypassis- Arten. Die ersteren haben nur eine, die letzteren zwei Kortikal-Zwillingsschalen. Bei unserer Art ist die äußere Kortikalschale nur durch einen äquatorialen Gürtel angedeutet, man kann daher im Zweifel sein, welcher der beiden Gattungen sie zuzuweisen ist. Familie Panartidae Haeckel 1887, p. 375. Prunoidea mit vierteiliger vierkammriger Kortikalschale und zwei Medullarschalen im Zentrum. Genus Peripanartus Haeckel 1887. p. 382. Panartiden mit doppelter Medullär- und doppelter Kortikalschale, von denen die innere Kortikal- schale vierteilig ist. Ohne Polstacheln oder Röhren an beiden Polen der Hauptachse. Peripanartus irregularis n. sp. Textfigur 38. Die vier Kammern der Kortikalschale flach -nierenförmig, die proximalen Kammern mit glatter, regelmäßiger, die distalen Kammern mit rauher unregelmäßiger, wellig eingesenkter und an den Stacheln spitz in die Höhe gezogener Oberfläche. Die distalen Kammern auch größer an Raum- inhalt und breiter als die proximalen Kammern. Die distalen Kammern werden getragen von den vielen plumpen, konischen, kräftigen Stacheln, etwa zwölf bis vierzehn, die sich um die Pole der proximalen Kammern gruppieren und unregelmäßig gestellt sind. Dieselben zeigen auch ab und zu seitliche Haken und Dornen in geringer Anzahl. Die proximalen Kammern mit rundlichen bis polygonalen und polygonal gerahmten Poren von verschiedener Größe. Auf den Knotenpunkten erheben sich die Stacheln, welche die äußere Hülle stützen. Die Stacheln des äquatorialen Gürtels zwischen den beiden distalen Kammern sind dünn und zierlich zum Unterschied von den vorher erwähnten kräftigen Polstacheln. Nur in der äquatorialen Einschnürung selbst erheben sich auch einige kräftige Stacheln. (Siehe in der Textfigur 38 links und rechts von der Einschnürung.) Die distalen Kammern haben große unregelmäßig runde Poren, die dort am größten sind, wo sich die distalen Kammern an die proximalen anschmiegen. Von dem breitesten Teil der beiden distalen Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 16 122 Deutsche Südpolar-Expedition. Kammern zieht sich ein unregelmäßiges, zierliches, dünnes Gitterwerk, welches durch die Verästelung der dünnen Seitenstacheln entsteht, über die Einschnürung mit unregelmäßiger, welliger Oberfläche hinweg. Die ganze Außenschale ist von kurzen Dörnchen, den Fort- sätzen des unregelmäßigen Gitterwerks rauh. Über die Form der inneren beiden Markschalen war nichts festzustellen, da sie durch den Weichkörper und die übrigen Skeletteile stark verdeckt wurden. Maße: Länge der Hauptachse des Skelettes 0,22 m, der Quer- achse 0,143 mm. Breite der Kammern 0,077 mm. Länge der äußeren Stachelenden 0,03 mm. Vork o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die Art ist ein Gegenstück zu der vorher aufgeführten Cypassis cingulata. Sie steht wiederum zwischen den beiden Gattungen Fa- nartus und Peripanartus. Erstere hat nur eine vierkammrige Kor- tikalschale, letztere zwei Kortikalschalen. Diese zweite Kortikal- schale, die sonst konzentrisch die erste in ungefähr überall gleichem Abstand umgibt, ist hier nur wieder in Form eines äquatorialen Gürtels entwickelt, welcher über die hier vorhandenen drei Einsenkungen hinwegzieht; die Polkappen zu dieser zweiten Kortikalschale fehlen, während sie sonst im Genus Peripanartus vorhanden sind. Sie er- innert auf den ersten Blick an Haeckels Panartus pluteus (H. 87, p. 382, Taf. 40, Fig. 2), nur sind hier die Stacheln kräftiger, und eine vollständige zweite Hülle ist auch im ä äquatorialen Gürtel ausgebildet, die bei Panartus pluteus fehlt. Letztere ist auch kleiner an Länge (nur 0,17 mm). Man könnte Peripanartus irregularis als einen weiter entwickelten Panartus pluteus ansehen. Möglicherweise ist letzterer ein Entwicklungsstadium zu unserer Art. Textfigur 38. Peripanartus irre- gularis n. sp. Form und Be- schaffenheit der beiden Markschalen zweifelhaft. Sie wurden daher in der Abbildung fortgelassen. Zwil- lingsschale und äußere Hülle nur teilweise gezeichnet. Deutsche Süd- polar-Expedition 15. Mai 1903,400m x 300. Peripanartus atractus H. Textfigur 39, 40. Peripanartus atractus, H. 1887, p. 384, Taf. 40, Fig. 7. Innere Kortikalschale mit vier ungleichen Kammern, zwei nierenförmig bis kugligen proxi- malen und zwei konischen distalen Kammern. Die proximalen Kammern mit unregelmäßig rund- lichen Poren von verschiedener Größe, die etwas in die Schale eingesenkt erscheinen und bis drei- tnal so breit sind wie die Gitterbalken. Die distalen Kammern sind mit den proximalen durch sehr dicke Stacheln verbunden, welche zwischen sich große viereckige zu einem Ring angeord- nete Poren freilassen. Die anderen Polen dieser Kammern sind klein und rund, kaum so breit wie die trennenden Gitterbalken. Oft sind auf den distalen Kammern noch die Seitenäste der die Kammern bildenden Polstacheln zu erkennen (siehe Textfigur 39 oben, Mitte rechts). Die zweite Kortikalschale ist nur eine Fortsetzung der proximalen Hüllte der distalen Kammern, umhüllt diese also nicht vollständig (ähnlich wie in der vorhergenannten Art). Die Oberfläche der äußeren Schalen- Fopofsky, Sphaerellarieii. 12:: teile ist rauh von vielen kleinen Dornen. Diese finden sich auch auf der inneren Kortikalschale und sind besonders kräftig zahnartig entwickelt in der äquatorialen Einschnürung. Die inneren Me- dullar-(Mark)schalen sind im Querschnitt elliptisch, linsen- förmig, mit der inneren Kortikalschale durch Stacheln ver- bunden, die vornehmlich in der Äquatorialebene orientiert sind. Maße: Hauptachse 0.23—0,28 mm, Äquatorialachse 0,17 mm. Poren der distalen Kammern 0,002 — 0.004 mm. Hauptachse der proximalen Kammern der inneren Kortikalschale 0,06 — 0,07 mm, Äquatorialachse 0,08 — 0,09 mm. Vorkommen : Challenger, Nord-Pacifik, Stat. 244, 2900 Faden tief. Deutsche Südpolar-Expedition: 18. September 1903, 400m; 21. Sep- tember 1903, 400 m. Je ein Exemplar. Die mir vorliegenden beiden Individuen waren geringer an Größe und bedeutend unregelmäßiger in der äußeren Form als sie Haeckel darstellt, auch war bei der einen der äquatoriale Teil der äußeren Kortikalschale erst in der Ent- wicklung begriffen. Die kräftigen Zähne in der äquatorialen Ein- senkung werden sicher zu Stacheln (Textfigur 39 rechts), die die äußere Textfigur 39. Peripanartus atractus H. Der äquatoriale Teil der äußeren Korti- kalschale ist noch nicht entwickelt, doch deuten die dort vorhandenen Stacheln dar- auf hin, daß er sich zu bilden beginnt. Poren nur teilweise eingezeichnet. Deut- sche Südpolar-Expedition 21. Sept. 1903, 400 m x 434. Textfigur 40. Peripanartus atrac- tus H. (?) Entwicklungsstadium, bei dem die äußere Kortikalschale von den Stacheln der Zwillings- schale aus sich in Form von Seitendornen zu bilden beginnt. Deutsche Südpolar - Expedition 6. Okt. 1901, 4O0m X 434. Kortikalschale bilden helfen und sie stützen. Einer dieser Stacheln war mit zierlichen Dörnchen besetzt, was sich auch bei dem in der Textfigur 40 zur Darstellung gelangten Individuum wiederfand, weshalb dieses Exemplar möglicherweise als Entwicklungsstadium zu unserer Art angesehen werden kann. Die langen Dornen auf der Schalenoberfläche würden sicher noch zu Stacheln geworden sein, die eine äußere Kortikalschale bilden können. Peripanartus pachystylus n. sp. Tai. VIII, Fig. 1. Alle vier Kammern der Kortikalschale von gleicher Gestalt und gleichem Bau und Größe, nierenförmig, zweimal so breit wie lang. Poren unregelmäßig rundlich, sehr verschieden groß, auf den proximalen Kammern größer und daher geringer an Zahl, auf den distalen Kammern in größerer Anzahl und kleiner an Durchmesser. Alle Poren der Kortikalschale sind in die ziemlich dicke Schale eingesenkt, oft auch polygonal gerahmt. Von den Ecken erheben sich die Stacheln, welche das äußere Netzwerk in Gestalt einer konzentrischen, vollständigen, zweiten Kortikalschale tragen. 16* i 94 Deutsche Südpolar-Expedition. Die Einschnürungen der inneren Kortikalschale sind sehr flach. Die äußere Kortikalschale ent- steht durch die Verästelung und die Seitenäste der Stacheln. Sie besteht aus einem tonnenartigen, bauchig erweiterten, äquatorialen Teil und zwei halbkugligen Polkappen, letztere liegen näher an der inneren Kortikalschale als der äquatoriale Gürtel, der statt der Einsenkung der Zwillingsschale eine Hervorwölbung trägt. An den Längsseiten der äußersten Schale scheinen die Stacheln völlig in dem Gitterwerk aufzugehen, indem sie sich mehrmals spalten. Die Stachelspitzen reichen hier sehr selten über die Schale hinaus und die Stacheln sind dünn und zierlich. An den Polkappen sind die Stacheln sehr verschieden an Größe, sie können sogar pyramidal dreikantig werden. Sie haben dieselbe Breite und Länge; sie gehen nicht völlig im Gitterwerk der Polkappen auf, sondern ragen als Spitzen über dieselbe hinaus; das äußere Netzwerk wird von zierlichem Gitterwerk mit sehr dünnen Balken und sehr unregelmäßigen polygonalen Poren gebildet. Die beiden Markschalen im Innern sind konzentrisch, ellipsoid und von den Polen her etwas zusammengedrückt; sie stehen mit der inneren Kortikalschale durch eine Anzahl Stacheln in Verbindung, welche fast alle in die Äqua- torialebene fallen. Proximale und distale Kammern werden durch je einen Ring von großen un- regelmäßigen, von kräftigen Balken umgebenen Poren getrennt; fünf bis sechs solcher Poren sieht man bei Ansicht auf die eine Seite der Schale. Maße: Länge der ganzen Schale (Hauptachse) 0,21 mm, Breite derselben (Äquatorialachse) 0,12 mm. Innere Kortikalschale 0,18 mm lang, breit am Äquator 0,07 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition 2. Juni 1903; 8. August 1903, 400 m; 11. September 1903, 400 m. Je ein Exemplar. Die neue Art erinnert in dem Aufbau ihres inneren Skelettes deutlich an Panartus tetrathalamus H. Die Form, Größe und Ausbildung der vierteiligen inneren (bei Panartus einzigen) Kortikal- schale ist genau dieselbe wie Haeckel 87, Tai 40, Figur 3 abbildet. Auf den distalen Kammern sind bei Panartus tetrathalamus schon die kräftigen Polstacheln angedeutet, während die schneller zu bildenden dünneren Stacheln an den Seiten noch nicht erkenntlich sind. Peripanartus pachystylus würde sich nur durch die später entstandene äußere Kortikalschale unterscheiden. Es ist daher wohl n öglich, daß diese Art erst das vollständig entwickelte Individuum darstellt, Panartus tetra- thalamus nur ein jüngeres Entwicklungsstadium dazu. Fani. Zygartidae Haeckel 1887 p. 391. Prunoidea mit geringelter Schale, äußere Schale mit fünf oder mehr parallelen Einschnürungen und daher sechs oder mehr Kammern, in der Mitte zwei oder drei konzentrische Mark-(Medullar)- schalen einschließend. Genus Desmocampe H. 87, p. 396. Zygartiden mit doppelter Kortikalschale und doppelter Medullarschale ohne Polartuben. Äußere Kortikalschale oft unvollständig entwickelt. Pesmocainpe taenioides H. Textfigur 41. Desmocamjic taenio'iäes, H. 1887, p. 397. Innere Kortikalschale mit sechs bis zehn Kammern, meist von annähernd gleicher Größe und Gestalt, die distalen Kammern etwas kleiner. Jede Kammer nierenförmig, mit vier bis sechs Quer- Popofsky, Sphaerellarien. 125 reihen von unregelmäßig rundlichen Poren, zwei- bis fünfmal so breit wie die Gitterbalken. Die proximalen Kammern mit größeren Poren, je weiter nach den Enden, desto kleiner und zahlreicher die Poren. Äußere Kortikalschale zylindrisch, halbkugelig an den beiden Polen, glatt oder mit dorniger Oberfläche; statt der äquatorialen Einschnürung aber eine geringe Erweiterung. Poren wie auf der inneren Kortikalschale, aber kleiner und von zierlicheren Balken getrennt. Bei gut ausgebildeten Exem- plaren ist der Abstand der beiden Kortikalschalen gleich dem Durchmesser der äußeren Markschale. Oft ist derselbe jedoch (siehe Textfigur 41) bedeutend geringer. Auch sind die Polkappen der äußeren Schale in dem mir vor- liegenden Individuum nicht entwickelt und die äußere Kortikalschale ist nur durch einen Mantel angedeutet, der die vier proximalen Kammern umhüllt. Beide Markschalen konzentrisch, ellipsoid, von den Polen her zusammenge- drückt und mit der Kortikalschale durch eine Anzahl Stacheln verbunden, welche in der Äquatorialebene liegen. Die einzelnen Kammern werden an jeder Einschnürung von einem King von großen, viereckigen Maschen getrennt. Maße: Länge der sechskammrigen inneren Kortikalschale 0,22 — 0,25 mm. der äußeren 0,3 mm; größte Breite der Kammern 0,064 — 0,07 mm, der äußeren Schale 0,11 mm. Porendurchmesser 0,005 — 0,01 mm; Gitterbalken der inneren Schale 0.004 mm, der äußeren 0,001 mm. Vorkommen: Challenger, Pacifik, Stat. 268, 2900 Faden tief. Deutsche Südpolar-Expedition 7. September 1903, 400 m. Ein Exemplar. Das mir vorliegende Individuum hatte geringere Maße und eine unvoll- ständige äußere Kortikalschale, welche einen sehr geringen Abstand von der inneren Kortikalschale besaß. Textfigur 41. Desmo- campe taenioides H. Mit unvollständiger äu- ßerer Kortikalschale, welche nur geringen Ab- stand von der inne- ren Kortikalschale hat. Deutsche Südpolar-Ex- pedition 7. Sept. 1903, 400m x 434. Genus Monaxonium nov. gen. Zygartiden mit doppelter Kortikalschale und dreifacher Medullarschale. Das neue Genus unterscheidet sich von allen übrigen der Zygartiden durch die dreifachen Medullarschalen. Ferner sind die ersten Kammern nicht zu einer einheitlichen Zwillingsschale ver- schmolzen, sondern sitzen getrennt den Markschalen an zwei entgegengesetzten Polen auf. Man kann hierin ein ursprünglicheres Verhalten erblicken, indem aus derartigen, aufgesetzten Kammern durch Vergrößerung derselben ein Zusammenfließen stattfindet und beide Kammern so eine Zwil- lingsschale ergeben. Möglicherweise ist aber auch die dritte (äußere) Medullarschale als die Zwil- lingsschale anzusehen, die dann nur noch nicht in das einachsige Wachstum hineingezogen wäre. Jedenfalls liegt uns hier ein interessanter Fall vor, der den phylogenetischen Zusammenhang kon- zentrischer Gitterschalen und aufgesetzter Kammern deutlich zeigt, indem je zwei polar sich ent- sprechende Kammern anzusehen sind als zusammengehörige Hälften einer Kugelschale, die durch einachsiges Wachstum auseinandergezogen werden. Die neue Gattung könnte nach den drei Medullarschalen als einer neuen Familie angehörig betrachtet werden. In Hinsicht auf die eben ausgesprochene Vermutung ist es aber wohl zulässig sie an die Spitze der Zygartiden zu stellen. 226 Deutsche Südpolar-Expedition. Vielleiclit bestehen auch phylogenetische Beziehungen zu den Amphibrachium- Arten der Familie Porodiscidae (H. 87 p. 517. Taf. 44, Fig. 6). Monaxonium perforatuni nov. gen. n. sp. Taf. VI, Fig. 3. Innere Kortikalschale bestehend aus drei konzentrischen, durch Radialstäbe verbundenen Markschalen und jederseits auf entgegengesetzten Polen aufgesetzten vier Kammern von Nieren- form. Die zweite Markschale soweit entfernt von der innersten, ersten, wie die zweite von der dritten. Alle drei Markschalen mit kleinen, unregelmäßig rundlichen, verschieden großen Poren. Die beiden der äußeren Markschale aufgesetzten ersten Kammern sind im Durchmesser kleiner als die dritte Markschale. Die folgenden Kammern nehmen nach außen hin an Größe zu. Alle Kammern sind nierenförmig und werden nach außen zu immer flacher. Die vierte Kammer ist durch eine sattelförmige Einsenkung auf dem Gipfel an einem Pol anders gestaltet. Alle Kammern mit unregelmäßig rundlichen Poren von nicht sehr verschiedener Größe. Die ganze innere Kortikal- schale von einer weitmaschigen äußeren Kortikalschale umhüllt. Beide Schalen stehen durch Radialstäbe in Verbindung, die zum Teil über die äußere Schale als kleine Dornen und Stacheln hinausragen. Von diesen Stäben aus nimmt auch die äußere Schale ihren Ursprung. Dieselbe ist von großen unregelmäßig rundlichen Poren durchsetzt, die sehr verschiedene Größe haben. Die äußere Schale ist an einem Pol anscheinend etwas zugespitzt, am Äquator am breitesten, dann wieder etwas eingesenkt und am anderen Pol (wo die letzte Kammer eingesattelt war) etwas weniger breit als am Äquator. Die Gitterbalken bilden nicht nur die äußere Schale, sondern durchsetzen auch den Zwischenraum zwischen den beiden Kortikalschalen, sodaß dort eine Art weitmaschigen Schwammgerüstes entstellt. Maße: Hauptachse 0,3 mm, Äquatorialachse 0.128 mm. Innere Markschale 0,014 mm, mittlere 0,03 mm, äußere 0,05 mm im Durchmesser. Länge der inneren Kortikalschale 0,24 mm. Durchschnittliche Höhe der Kammern 0,023 mm, die inneren etwas kleiner; die äußeren etwas größer. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition 30. August 1901. Nur ein Exemplar. Ordimng Discoidea. Spumellarien mit Scheiben- oder linsenförmiger Zentralkapsel und -schale. Familie Phacodiscidae Haeckel 1887 p. 419. Scheibenförmige Spumellarien mit einfacher äußerer ,,Phacoid"-Schale, die durch Radialstäbe mit einer inneren, einfachen oder doppelten konzentrischen Markschale verbunden ist. Ohne ge- hämmerten Äquatorialgürt el. Genus Sethostaurus H. 87, p. 433. Phacodisciden mit einfacher Medullarschale und mit vier in der Äquatorialebene gekreuzten Stacheln, welche über die äußere Schale hinausragen. Popofsky, Sphaerellarien. 127 Sethostaurns parvalns n. sp. Textfigur 42. Im Innern eine kleine Medullarschale, unregelmäßig rundlich mit wenigen großen polygonalen Poren; von ihr erheben sich eine Anzahl Radialstäbe, die nach der unregelmäßig rundlichen, äußeren Schale gehen und in dieser endigen. Die äußere Schale mit vielen un- regelmäßig rundlichen, ungefähr gleichgroßen Poren. An vier nicht genau gegenüberliegenden Polen erheben sich vier dreikantige, py- ramidale Stacheln, die nicht bis zur inneren Schale verlaufen und die Länge des Durchmessers der äußeren Schale erreichen. Maße: Durchmesser der äußeren Schale 0,03 mm. der inneren Schale 0,015 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar -Expedition 15. Mai 1903, 400 m. Bin Exemplar. Diese winzige Form unterscheidet sich von allen bisher bekannten Sethoconus- Arten durch die geringe Größe, was auch den Verdacht nahelegt, daß wir es hier mit einem Entwicklungsstadium einer kreuz - achsigen Radiolarie zu tun haben. Textfigur 42. Sethostaurus par- vulus n. sp. Deutsche Süd- polar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 650. Familie Porodiscidae Haeckel p. 481. Discoidea ohne ,,Phacoid"-Schale, mit flacher scheibenförmiger Schale, in welcher eine einfache kuglige Zentralkammer von konzentrischen gehämmerten Ringen umgeben ist. Diese unvoll- ständige Kammerung wird durch die Radialstäbe hervorgebracht. Beide flache Seiten der Schale sind von porösen Siebplatten bedeckt. Genus Perichlamydium H. 87, p. 498. Porodisciden (ohne Radialstacheln und gehämmerte Arme) mit einfacher, scheibenförmiger Schale, am Rand von einem mit Poren versehenen Äquatorialgürtel umgeben. Perichlamydinm saturnus H. Taf. III, Fig. 3; Taf. IV, Fig. 3. Haeckel, p. 499, Taf. 41, Fig. 5. Die von Haeckel beobachteten Formen hatten drei bis vier konzentrische Ringe, die aber auch spiralig oder völlig unregelmäßig sein konnten. Die Stacheln sind nur im Innern vorhanden. Der äußere Äquatorialgürtel ohne jede Stacheln und mit kleineren Poren als die inneren Schalenteile. Maße : Nach Haeckel (ohne Gürtel, mit drei Ringen) 0,11mm, Breite der Ringe 0,02 mm, Poren 0,004 mm, Breite des Gürtels 0,05 mm, der Gürtelporen 0,002 mm. Meine Individuen hatten meistens einen geringeren Gesamtschalendurchmesser, höchstens 0,11 — 0,16 mm, gegen 0,21 mm bei Haeckel. Vorkommen: Challenger -Expedition Central-Pacifik-Stat. 265; 2900 Faden tief . Deutsche Südpolarexpedition 15. Mai 1903, 400 m; 8. August 1903, 50 m; 7. September 1903, 400 m (2); 18. September 1903, 400 m (2). ]^28 Deutsche Südpolar-Expedition. Ich habe nun Individuen beobachtet, bei denen die inneren Teile völlig unregelmäßig (Tai. IV, Fig. 3) oder teilweis konzentrisch und zum Teil, namentlich außen, unregelmäßig waren (Taf. III, Fig. 3). Das erstabgebildete Exemplar zeigte einen ziemlich kräftigen Stachel, welcher auch auf den Äquatorialgürtel überging und über diesen hinausragte. Das zu zweit abgebildete Indivi- duum ließ die meisten Radialstäbe in dem Ring verlaufen, nur sechs setzten sich bis in den Rand fort und vier davon, unregelmäßig verteilt, ragten sogar noch über den Äquatorialgürtel hinaus; einer von diesen war ziemlich kräftig ausgebildet. Bei dem einen in Taf. IV, Fig. 3 dargestellten Tier war die Gesamtform etwas oval; an dem Ende, wo der einzige Stachel über den Rand hinaus- ragte, war der letztere in vier bis fünf, dem großen Stachel parallel gerichtete kleine Stacheln aus- gezogen. Die inneren Schalenporen waren zwar größer als die Randporen, doch war der Gegensatz nicht auffällig, vielmehr gingen erstere allmählich in letztere über. Das andere Tier war im Umriß (Taf. III, Fig. 3) noch unregelmäßiger, doch trat hier der Gegen- satz zwischen inneren großen Schalen- und äußeren kleinen Randporen deutlicher in die Er- scheinung. Derartige unregelmäßige Formen, die noch mehr Stacheln in den Gürtel schickten und über diesen hinausstreckten, sind von mir häufiger angetroffen worden und zeigten alle Übergänge bis zu den regelmäßigen Stylodictya dujardinii. Ich halte demnach Periclüamydium saturnus H. für verkrüppelte, unregelmäßig ausgebildete Stylodictya dujardinii, womit der erstgenannte Name hinfällig würde und die Art eingezogen werden muß. Die sonstigen Maße und der Schalenbau stimmen bei beiden überein. Maße : Nach Haeckel Schalendurchmesser (ohne Gürtel, mit drei Ringen 0,15 mm) Breite der Ringe 0,02 mm, Poren 0,004 mm, Breite des Gürtels 0,05 mm, der Gürtelporen 0,002 mm. Meine Individuen hatten meistens einen geringeren Gesamtschalendurchmesser, höchstens 0,11 — 0,16mm, gegen 0,21 mm bei Haeckel. Vorkommen : Challenger -Expedition: Zentral -Pacifik-Stat. 265, 2900 Faden tief. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m; 8. August 1903, 50 m; 7. September 1903, 400 m (zwei Exemplare); 18. September 1903, 400 m (zwei Exemplare). Genus Ommatodiscus H. 87, p. 500. Porodiscidae ohne radiale Anhänge an der konzentrisch geringelten Scheibe und ohne gehäm- merte Arme, aber mit einer großen randständigen Öffnung, die von einem Kranz von Stacheln umgeben sein kann. Ommatodiscus anacanthus n. sp. Taf. V, Fig. 2. Schale rund mit unregelmäßiger Begrenzung, bestehend aus einer kugligen Zentralkammer und fünf dazu konzentrischen, gehämmerten Ringen. Ein Fünftel des Randringes wie die übrigen vier mit Poren versehen, die übrigen vier Fünftel glatt, hyalin. Begrenzung der Ringe wellenförmig. Die Radialstäbe münden jedesmal in einem Wellental und setzen sich auch in den porenlosen Äqua- torialgürtel fort, treten aber nicht über den Rand hinaus. Die Ringe nehmen von innen nach außen an Breite zu, so daß der vierte doppelt so breit ist, wie der erste, innerste. Die Schale ist von kreis- Popofsky, Sphaerellarien. 129 förmigen gleichgroßen Poren durchsetzt, von denen zwei bis drei auf die Ringbreite gehen. Die Randöffnung (Osculum) ragt über den Rand etwas röhrenartig verlängert hinaus und besitzt keinerlei Stacheln. Maße: Durchmesser der Schale 0,10 mm. Breite der Zentral Kammer 0,011 mm, der inneren Ringe 0,008 mm, der äußeren 0.013 mm. V orko m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition 11. September 1903, 400 m. Die bisher bekannten Ommatodiscus -Arten zeigten alle einen Rand ohne Stacheln im äußeren Riug und an der Randöffnung einen Stachelkranz. Das Auftreten von Poren auch auf dem sonst bei anderen Arten undurch- bohrten Äquatorialgürtel zeigt, daß wir es hier mit einem wenig beständigen Merkmal zu tun haben. Eine weitere Art, die möglicherweise zu Ommatodiscus gehört, wurde in einem Fang vom 18. September 1903, 400 m gefunden (Textfigur 43). Sie zeigte eine Randöffnung, welche von einem tütenförmigen Gebilde umgeben war, das noch deutlich viele dünne Stacheln erkennen ließ, aus denen es durch Verschmelzung hervorgegangen war. Da die Öffnung jedoch nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, so sei die große Form, deren Durchmesser 0,17 mm betrug, hier nur anhangsweise erwähnt und durch die Textfigur 43, auf die Kante der Scheibe gesehen, wiedergegeben. Die Stacheltüte, welche das Osculum umgab, war länger als zwei Ringdurch- messer, von denen vier die ziemlich große Zentralkammer umgaben. mi m m 'mm ura M J (l m m m Art* 4& Genus Stylodictya, Ehrenberg 1847, p. 54. Porodisciden mit zahlreichen (fünf oder mehr, gewöhnlich acht bis zwölf) festen Stacheln an dem Rand der kreisförmigen oder polygonalen Scheibe. Rand einfach, ohne einen porösen Äcpiatorialgürtel. Textfigur 43. Ommatodis- cusC?) spec. Deutsche Süd- polar-Expedition 18. Sept. 1903, 400 m > 650. Stylodictya raultispina H. Textfigur 44^46. Stylodictya muliispina, Haeckel 1862, p. 490, Taf. XXIV, Fig. 5. Stylodictya Forbesü, Ehbenberg 1875, p. 160, Taf. XXIII, Fig. 6. Alle Ringe der Scheibe konzentrisch, von gleicher Breite oder ein wenig breiter werdend nach außen. Poren regelmäßig, kreisrund, zwei, auch zweieinhalb bis drei auf den Durchmesser eines Ringes gehend. Acht bis zwölf Radialstacheln beginnen von der inneren kugligen Zentralkammer, die anderen von den inneren Ringen. Vom dritten oder vierten Ring erheben sich vierundzwanzig bis dreißig (bisweilen weniger, z. B. 15, 20, 22; bisweilen mehr, bis 40 und darüber) Radialbalken, die sich über den Rand hinaus in nadeiförmig dünne Radialstacheln fortsetzen. Die Länge der Stacheln außerhalb der Schale kann zwei bis vier Ringdurchmesser betragen, in manchen Fällen auch die doppelte Schalenbreite. Maße : Durchmesser der Scheibe 0,13 — 0,20 mm (mit sieben Ringen). Breite der Ringe Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 1' 1.30 Deutsche Südpolar-Expedition. 0,011 — 0,013 mm. Zentralkammer 0,018 mm, Poren 0,004 mm. Länge der Stacheln vom Zentrum aus gemessen 0.10 — 0,15 mm. Vorko m m e n : Mittelmeer, Atlantik, Indischer Ozean, Pacifik, Oberfläche und in verschiedenen Tiefen nach Ehrenberg und Haeckel. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m häufig; 2. Juni 1903 (5 Exemplare); 11. August 1903, 200 m (3 Exemplare); 26. August 1903; 1. September 1903, 45m; 7. September 1903, 400m (3 Exemplare); 11. Sep- tember 1903, 400 m; 18. September 1903, 400 m; 13. Oktober 1903, 200 m (2 Exemplare). Diese häufige Art scheint in der Stachellänge und der Stachelzahl er- heblich zu variieren. So zeigt Textfigur 44 ein Exemplar mit 18 Stacheln, Textfigur 45 ein solches mit 7 Ringen und 22 Stacheln, Textfigur 46 24 Stacheln, auch solche mit 15 und 30 Stacheln wurden von mir gesehen. Es scheint als ob, wenn die Stacheln dick und kurz sind, die Anzahl geringer ist, als wenn sie dünn und lang angelegt werden. Auch in bezug auf die Stachellänge bieten die abge- bildeten Exemplare schöne Beispiele der Variabilität in diesem Merkmale. Zunächst ist es selbstver- ständlich, daß jüngere Exemplare (mit etwa drei oder vier Ringen) im Verhältnis längere äußere Stachelenden haben müssen, als ältere (mit sieben Ringen), denn ein Stück des Stachels wird durch die Textfigur 45. Stylodictya multispina H. Exemplar mit 7 Ringen und 22 kur- zen dicken Stacheln. Deut- sche Südpolar-Expedition 7. Sept. 1903, 400 m xlG8. Textfigur 4-1. Stylodictya multispina H. Poren nur teilweise eingezeichnet. Exemplar mit 18 kurzen dicken Stacheln und G Ringen. Deutsche Südpolar- Expedition 11. Sept. 1903, 400 m x 434. Textfigur 40. Stylodictya multispina H. Individuum mit 20 langen dünnen Stacheln und 4 Ringen. Deut- sche Südpolar-Expedition 1.0. Mai 1903,400m x 434. hinzuwachsenden vier Ringbreiten in das Stachelinnere mit einbezogen. Doch ist die Stachellänge auch bei den ausgebildeten Individuen, als welche wahrscheinlich die mit sieben Ringen zu gelten haben, verschieden. Sie ist oft kaum so groß wie eine Ringbreite (Textfigur 44) kann auch zwei Ring- breiten betragen (Textfigur 45) und sich bis auf den doppelten Schalendurchmesser steigern (Textfigur 46). Zwischen diesen Extremen werden alle Übergänge gefunden. Die Anzahl der Popofsky, Sphaerellarien. 131 Ringe steht in keinem Zusammenhang mit der Zahl der Stacheln, zeigten doch schon vierringige Individuen zwanzig Stacheln, während siebenringige mit derselben Stachelzahl angetroffen werden. Stylodictya arachnia J. M. Taf. II, Fig. 4. Styloeyclia arachnia, Jon. Müller 1850, p. 492. Slylocyclia arachnia, Joh. Müller 1858, p. 41, Taf. I, Fig. 8, 9. Slylodictya arachnia, Haeckel 1862, p. 497. Stylodictya arachnia, Haeckel 1887, p. 510. Alle Einge der Scheibe konzentrisch, kreisförmig oder polygonal, ihre Breite nimmt von der Zentralkammer nach der Peripherie hin zu, so daß der vierte oder fünfte Ring zweimal so breit ist als der zweite. Von den kreisförmigen Poren gehen zwei auf eine Ringbreite. Ein Teil der Radial- balken ist in acht bis sechzehn (meist zwölf) lange dünne Stacheln verlängert, die bis dreimal so lang sind, wie der Schalendurchmesser. Das mir vorliegende Exemplar der (wie Haeckel 1. c. schon erwähnt) variablen Spezies hatte fünf Ringe, von denen der letzte erst zur Hälfte entwickelt war, außerdem waren zehn Stacheln vorhanden. Die Stacheln waren bei diesem als Entwicklungs- stadium anzusehenden Individuum zweieinhalbmal so lang wie der Schalendurchmesser. Maße : Durchmesser der Schale mit zehn Ringen 0,22 mm (bei vier Ringen 0,113 mm); Durchmesser der Zentralkammer 0,012 mm, der inneren Ringe 0,004 — 0,008 mm, der äußeren 0,012—0,015 mm, der Poren 0,003--0,00o mm. Länge der Stacheln vom Zentrum aus gemessen 0,315 mm und mehr. Vorkommen : Mittelmeer, Atlantik, Indischer Ozean, Pacifik, Oberfläche, nach Haeckel. Deutsche Südpolar -Expedition 26. August 1903, 200 m; 7. September 1903, 400 m. Je ein In- dividuum. Stylodictya polygonia n. sp. Tai. V, Fig. 3. Alle Ringe konzentrisch, innen kreisförmig, nach außen mehr und mehr in eine wellenförmige Kreislinie übergehend, die ersten sechs Ringe kreisförmig begrenzt, die folgenden drei mit Wellen- linien, der äußerste wieder glatt, kreisförmig. Die Ringe nehmen von innen nach außen an Breite zu, so daß der fünfte Ring doppelt so breit wie der zweite ist. Von den inneren Ringen erheben sich achtzehn bis zwanzig Stacheln, welche die Ringe in Kammern unvollständig abteilen, die Wellenlinien in den Tälern durchschneiden und als dünne Radialstacheln über den Rand hinaus- treten. Die Stacheln sind in dem dargestellten Exemplar durch den fortgeschwemmten Weich - körper mit fortgerissen und waren wahrscheinlich länger als in der Figur gezeichnet wurde. Poren rundlich, zwei bis drei auf eine Ringbreite gehend. Die vorletzte (von innen nach außen gerechnet) Begrenzungslinie ist nicht einheitlich, sondern in einzelne, zum Teil unregelmäßige Stücke auf- gelöst. Einzelne der Radialstäbe verlaufen im Innern etwas gebogen und nicht in radiärer Richtung. Maße: Scheibendurchmesser 0.26 mm; Durchmesser der Zentralkammer 0,015 mm, der inneren Ringe 0,01 mm, der äußeren Ringe 0,02 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition 21. September 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die neue Art steht Stylodictya solmaris H. (87, p. 511) am nächsten. Sie unterscheidet sich aber von ihr durch den größeren Schalendurchmesser (0,20 bei jener, hier 0,26 mm), hat keine 17* 132 Deutsche Südpolar-Expedition. wellig gebogenen Stacheln, dafür aber wellige Ringabgrenzungen, auch kommt nicht nur eine Pore auf eine Ringbreite, sondern deren drei. Die wellige Ringabgrenzung erinnert an den weiter vorn schon beschriebenen Ommatodiscus anacanthus n. sp. Taf. V Fig. 2. Stylodictya heliospira H. Textfigur 47. Stylodictya Miospira, H. 87, p. 512; Taf. 41, Fig. 8. Alle sieben bis neun Ringe zu einer einzigen regelmäßigen Spirale aufgewunden, welche von innen nach außen an Breite zunimmt, jedoch ist die Spirale nicht völlig regelmäßig begrenzt, wie Habckel zeichnet. Zentralkammer sehr klein. Der sechste bis achte Ring doppelt so breit, wie der zweite. Poren auf der ganzen Schale, unregelmäßig rundlich, zwei bis zweieinhalb auf die Ringbreite gehend. Am Rand der Schale viele dünne nadeiförmige Stacheln, bis vierzig und mehr, halb, bis ein Drittel so lang wie der Radius. Maße : Schale nach Haeckel mit sieben Ringen 0,16 mm im Durchmesser. Das mir vorliegende Individuum mit neun Ringen maß 0,243 mm. Durchmesser der Zentralkammer 0,013 mm. Breite der inneren Ringe 0,008 mm, der äußeren 0,013 — 0,016 mm. Poren- durchmesser 0,002 bis 0,006 mm. Vorko m m e n : Mittelmeer, Portonno bei Genua, Oberfläche. Auch fossil im Tertiär von Sizilien, Caltanisetta, nach Haeckel. Deutsche Südpolar-Expedition 20. August 1903, 400 m. Ein Exemplar. Dieses atlantische Exemplar war anscheinend oval in seinem Schalen- bau, auch waren die Stacheln nur ein Drittel so lang als der Radius, die Ringe nicht so breit, und statt sieben Ringen waren deren neun vor- handen, wodurch der Schalendurchmesser um ein beträchtliches er- höht wurde. Wegen dieser Abweichungen wurde das Individuum etwas schematisiert in Text- figur 47 wiedergegeben. Textfigur47. Stylodictya helios- pira H. Atlantisches Exemplar mit ovaler Schale, kurzen Stacheln und !) Ringen. Deutsche Südpo- lar-Expedition 20. Aug. 1903, 4nom 200. Genus Trilobatum nov. gen. Porodisciden mit konzentrischen Ringen, dreiteiliger Zentralkammer und Stacheln, welche auf allen Teilen der Schale stehen. Trilobatum acnferiim n. sp. Textfigur 48. Zentralkammer mit drei halbkugligen Wülsten, die in die Scheibenebene fallen, oft etwas exzentrisch gelegen, wie auch in der Figur zur Darstellung gelangte. In ziemlich weitem Abstände davon liegt die konzentrische kreisförmige Begrenzungslinie des ersten Ringes. Ein zweiter Ring meist vorhanden; mehr Ringe bisher noch oicb.1 festgestellt. Die Schale ist mit vielen bis fünfzig und mehr elastischen, dünnen nadeiförmigen Stacheln bedeckt, die nicht nur am Rand stehend radiär von der Scheibe aussl rahlen, sondern nach allen Richtungen auch von den flachen Seiten der Scheiben- Popofsky, Sphaerellarien. 133 Textfigur 48. Trilobatum acuferum n. gen. n. sp. Individuum mit zwei Ringen um die dreilappige Zentralkammer. Zweiter Ring unvollständig. Deutsche Südpolar- Expedition 15. Mai 1903, 400 m 434. förmigen Schale ausgehen. Diese ist von vielen verhältnis- mäßig großen polygonalen, ungleichen Poren durchsetzt, von denen drei auf einen Ringdurchmesser entfallen. Maße: Durchmesser der Zentralkammer 0,016 mm. Durchmesser der Schale bei zwei Ringen 0,05 mm. Länge des äußeren Stachelendes 0,055 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m, 10 Exemplare; 18. September 1903, 400 m, 2 Individuen.' Trilobatum tribracchium n. sp. Textfigur 49. Zentralkammer dreiteilig, aus drei anscheinend gut von- einander getrennten kugligen Teilen bestehend. Alle drei Teile liegen in der Hauptebene der flachen scheibenförmigen Schale. Auf den drei Kerben der Zentralkammer erheben sich von den Stacheln aus gebildet und auch von diesen getragen drei trapezartige Hohlräume, deren kleinere Basis der Kerbe aufliegt. Sie sind an den einander zugerichteten Seiten (den Schenkeln der Trapeze) offen, nach außen jedoch durch C4itterwerk geschlossen. Von der Zentralkammer erheben sich viele schlanke nadeiförmige Stacheln, die die aufgesetzten Trapeze durchsetzen und noch weit über den Rand hinaus- ragen. Auch in den Zwischenräumen zwischen den Trapezen stehen Stacheln, sowie auch auf den flachen Seiten der Schale (in der Figur nach oben und unten gerichtet). Die äußeren Stachelenden erreichen die Länge des Durchmessers der Schale. Diese ist von vielen un- regelmäßig rundlichen, verschieden großen Poren durchbrochen. Die ganze Schale macht den Eindruck, als ob um die dreiteilige Zentralkammer ein neuer Ring angelegt werden sollte, der aber nur in miteinander abwechselnden Sechsteln zur Ausbildung gelangte. Daß in dieser Form Entwicklungsstadien von noch nicht bekannten Padiolarien vorliegen, ist möglich, doch wurde die Art in dieser Ausbildung (wie sie die Textfigur 49 zeigt) häufiger gefunden. Textfigur 49. Trilobatum tribracchium n. gen. n. sp. Äußerer Ring um die dreiseitige Zentralkammer noch unvollständig, in drei Teilen angelegt. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m X G50. 134 Deutsche Südpolar-Expedition. Maße: Durchmesser der Zentralkammer von einem Buckel bis zu einer Kerbe 0,035 mm. Durchmesser der ganzen Schale über den breitesten Teil gemessen 0,06 mm. Länge der äußeren Stachelenden 0,06 mm. V o r k o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m; 9., 11. 20. August 1903, 200—400 m; 11. September 1903, 400 m; 13. Oktober 1903, 200 m. Je ein Exemplar. Diese Art ist offenbar mit der vorhergehenden Trilobatum acuferum nahe verwandt. Die Drei- teilung der Zentralkammer, die bei der letztgenannten erst durch Einkerbungen angedeutet ist, ist hier bis zu einem gewissen G-rade durchgeführt. Trilobatum tribraccliium ist also die höhere Ent- wicklungsstufe und damit die phylogenetisch jüngere Art. Stylochlainydium asteriscus H. Textfigur 50. Styloehlamydium asteriscus, Haeckel 1887, p. 514; Taf. 41, Fig. 10. Alle Ringe konzentrisch von innen nach außen an Breite zunehmend, so daß der fünfte Ring doppelt so breit ist wie der zweite. Poren unregelmäßig, rundlich von innen nach außen an Größe abnehmend, auf dem Rand oft nur noch als winzige Punkte erkennbar. Am dritten Ring gehen zwei Poren auf die Ringbreite, am fünften vier bis fünf kleinere. Der von den Ringen gebildete Teil ist von einem Äquatorialgürtel umgeben, der ein Drittel bis fast halb so breit sein kann wie der Radius lang ist. Der äußerste Ring ist nach dem Äquatorialgürtel zu streckenweis nicht abgegrenzt, da die Grenzlinie mehrere Male unterbrochen wird. Der Äquatorial- gürtel ist an den Stacheln, von denen zehn bis zwölf mehr oder weniger regelmäßig gestellt sein können, zipfelig in die Höhe gezogen. Vier Stacheln, die kreuzweis gestellt sind, sollen nach Haeckel an der Zentralkammer entspringen, je zwei der übrigen, in den Quadranten dazwischen, von dem ersten Ring ausgehend. Von einer derartigen Regelmäßig- keit in der Stachelanordnung war an meinem Exem- plar nichts zu sehen. M a ß e : Durchmesser der fünf Ringe 0,11 — 0,15 mm. Durchmesser der ganzen Scheibe 0,18 — 0,25 mm. Breite des zweiten Ringes 0,01 mm, des fünften Ringes 0,02 mm. Poren 0,001 bis 0,005 mm. Vorkommen: Pacifik, Challenger- Station 272; aus 2600 Faden Tiefe. Deutsche Süd- polar-Expedition 13. Oktober 1903, 200 m. Ein Exemplar. Das von der Deutschen Südpolar-Expedition gefangene Tier dieser Art war bedeutend unregel- mäßiger gebaut als Haeckel für Stylochlamyddum asteriscus angibt und abbildet, es hatte auch nur zehn unregelmäßig verteilte Stacheln und war (siehe Maße) bedeutend kleiner. Die Art der TextfiguröO. Styloehlamydium asteriscus H. Vielleicht abnorme Form von Stylodictya dujardinii 11. Deutsche Südpolar-Expedition L3. Okt. 1!)0Ö, 200 m > 3?,0. Popofsky, Sphaerellarien. 135 Begrenzung des fünften Ringes nach außen läßt darauf sehließen, daß nicht immer soviel Ringe vorhanden zu sein brauchen und auf dieselbe Weise durch Ringauflösung der äquatoriale Gürtel entstanden zu denken ist. Damit würde die Art dem Stylodictyum Dujardinii erheblich nähergerückt und vielleicht als eine abnorme Form dieser Art anzusehen sein. In den Maßen und der unregel- mäßigen Stachelanordnung würde das Individuum der Südpolar -Expedition Stylochlamidium lim- batum, Ehrenberg, entsprechen, unterscheidet sich aber von diesem durch die fast gleich- bleibende Ringbreite. Genus Amphibrachium Haeckel 1881, p. 460. Porodiscide mit zwei einfachen ungeteilten gekammerten Armen in einer Achse gegenüber- stehend. Ohne Netzwerk zwischen den Armen (Patagium). Ainphibrachium monstrosum n. sp. Taf. IV, Fig. 2. Zwei gehämmerte Arme, zwei- bis zweieinhalbmal so lang wie breit, mit fünf bis sieben Kammern von konvexen Kugelhauben, gleichbreit der ganzen Länge nach und an den Enden wie abgebrochen erscheinend. Beide Arme stehen sich nicht axial gegenüber, sondern die Hauptachse ist geknickt. Die Arme gehen von einem Zentralstück aus, welches aus einer Zentralkammer und einem dazu konzentrischen Ring besteht. Der Ring und die Armkammern sind von Radialstäben durchsetzt. Die ganze Schale ist mit Rauhigkeiten und Dornen besetzt, die möglicherweise ein umhüllendes Gitterwerk (Patagium) entstehen lassen. Die Poren, die die ganze Schale überziehen, sind unregel- mäßig rundlich und verschieden groß. Maße: Länge eines Armes vom Skelettmittelpunkt gemessen 0,085 mm, Breite desselben 0,034 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar -Expedition 15. Mai 1903, 400 m. Ein Exemplar. Die geschilderte Form erinnert viel an Amfhymenium monstrosum H. (87, p. 520 Taf. 44, Fig. 11). Doch ist dort ein die Arme umhüllendes Netzwerk (Patagium) vorhanden und die Hauptachse bedeutend mehr geknickt, auch sind drei spiralig um die Zentralkammer aufgerollte Ringe vorhanden, nicht nur einer. Wenn, was nicht unwahrscheinlich ist, ein Patagium von den Dornen und Stacheln aus angelegt wird, so würde die Art zur Gattung Amfhymenium H. gehören. Auch liegt hier, wie Haeckel schon bei Amfhymenium monstrosum vermutet, der Verdacht nahe, daß wir es mit einer monströs entwickelten dreiarmigen Porodiscide, also einer Euchitonia (bzw. Ehopctlastrum, wenn kein Patagium zur Ausbildung gelangt) zu tun haben, bei der zwei Arme unter großem stumpfen Winkel geneigt sind, während der dritte Arm nicht zur Entwicklung gelangte. Doch gilt das mehr für jene HAECKELsche Art, als für die neue, da hier die Abweichung von der Hauptachse verhältnis- mäßig gering ist. Genus Amphicraspedum Haeckel 1881, p. 460. Porodiscide mit zwei gekammerten Armen, die sich gegenüberstehen und durch ein Netzwerk verbunden sind (Patagium). Einer oder beide Arme am distalen Ende in zwei Äste gegabelt. 136 Deutsche Südpolar-Expedition. Amphicraspedum anomalum n. sp. Tat III, Fig. 4. Beide Arme verschieden gestaltet, der längere ungegabelte Arm lanzettlich, ein wenig gebogen; Kammerimg nicht mehr erkennbar, nur am Grunde setzen sich die Ringe, die um die Zentral- kammer liegen, auf diesen und den anderen Arm fort. Der kleinere Arm in der unteren Hälfte ein- fach, rechteckig, in der distalen Hälfte in zwei kreisförmige Äste gegabelt. In dem Stück, wo der untere Armteil mit den Gabelästen zusammentrifft, findet sich wieder eine konzentrische Anordnung der Skelettmasse, ähnlich wie im Skelettmittelpunkt, doch undeutlicher, mit zwei bis drei ungenau abgegrenzten Ringen. Die Arme stehen sich nicht diametral gegenüber und sind unregelmäßig gebogen. Sie sitzen auf dem zentralen Skeletteil, welcher aus einer Zentralkammer und fünf kon- zentrischen Ringen besteht, von denen allerdings nur zwei vollständig entwickelt sind, während von den übrigen nur der durch den überstumpfen Winkel gehende Teil entwickelt ist, der sich dann in den Armen allmählich verliert. Die Arme werden durch ein Netzwerk (Patagium) verbunden und sogar an den Enden davon umhüllt. Maße: Länge der Hauptachse 0,31 mm. Größte Breite des ungeteilten Armes 0,063 mm. Größte Breite des gegabelten Armes 0,1 mm. Größte Breite des Patagiums 0,18 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition 30. August 1901. Ein Exemplar. Die neue Art erinnert an Amphicraspedum WyviUeanum H. (87, p. 523, Taf. 45, Fig. 12), unter- scheidet sich aber durch die unregelmäßig gebogenen Arme, die nicht in einer Achse stehen, durch die Rosettenanlage im Gabelarm und durch die fünf konzentrischen Ringe um die Zentralkammer, von denen bei jenem nur drei vorhanden sind. Genus Hymeniastrum Ehrenberg 1847, p. 54. Porodiscide mit drei einfachen ungeteilten gehämmerten Armen, die durch Netzwerk verbunden sind. Die dreieckige Schale ist regelmäßig, mit drei gleichen Armen und drei gleichen Ecken aus- gebildet. Hj iiieniastrum euclidis H. Testfigur 51. Euchüonia euclidis, HÄeckel 1881, p. 490, Taf.XLIII, Fig. 13. Hymeniastrum euclidis, Haeckel 1887, p. 531, Taf. 43, Fig. 13. Arme eineinhalb- bis zweimal so lang als an der breitesten Stelle breit, keulenförmig an der breitesten Stelle; am distalen Ende dreimal so breit wie am proximalen Teil. Das Patagium, welches die Arme verbindet, ist vollständig, läuft auch über die runden Arrnenden hinweg und hüllt so die ganze dreieckige Schale ein; es besitzt acht bis neun konvexe Kammerreihen. Das in der Textfigur dargestellte Textfigur 51. Hymeniastrum euclidis H. Individuum hat noch kein vollständiges Patagium und ist Entwicklungsstadium, weil noch kein voll- (lahpr woW als Entwicklimgsstadiurn anzusehen. Die Maße ständiges Patagium vorhanden. Deutsche oua- polar-Expedition C. Okt. 1903, x 220. stimmten mit den HAECKELschen gut überein, doch waren Popofsky, Sphaerellarien. 137 die Arme etwas massiger und breiter, was in den mitangegebenen folgenden Zahlen zum Aus- druck kommt. M a ß e : Radius eines Armes 0.17—0,18 mm. Breite an der Basis 0,025—0,03 mm. Größte Breite 0,07—0,09 mm. V o r k o m m e n : Deutsche Südpolar - Expedition 6. Oktober 1903, Oberfläche. Zwei Exemplare. Genus Euchitonia Ehrenberg 1860, p. 831. Porodisciden mit drei einfachen, ungeteilten gehämmerten Armen, die durch ein Netzwerk verbunden sind (Patagium). Die dreieckige Schale ist bilateral, indem ein Arm dem anderen Arm- paar, das meist einen kleineren Winkel miteinander bildet, in der Verlängerung einer den Winkel zwischen jenen beiden Armen halbierenden Linie gegenübersteht. Euchitonia mülleri H. Textfigur 52—54. Euchitonia müUeri, Haeckel 1862, p. 508, Taf. XXX, Fig. 5— 10. Euchitonia mülleri, Stöhr 1880, p. 110, Taf. V, Fig. 5. Euchitonia müUeri, Haeckel 1887, p. 533. Abstand der beiden zusammengehörigen, , .gepaarten" Arme ungefähr zwei Drittel so groß wie der von dem Einzelarm, der meist etwas länger ist. Länge der Arme zweieinhalb bis dreimal so Textfigur .VJ. Euchitonia muelleri H.(?) Dunkle, fast undurchsichtige Form mit vollständigem Patagium und breiten Armen. Deutsche Südpolar-Expedition -2. Juni 1903, ■ 220. Textfigur 53. Euchitonia muelleri H. (?) Breitarmige Form mit unvoll- ständigem Patagium und spiraligem zentralen Skelettteil. Deutsche Süd- polar-Expedition 11. Sept. 1903, 400 m > 220. Textfigur 54. Euchitonia muelleri H. Schmalarmige Form mit kon- zentrischem Aufbau der zentralen Skelettteile und eben sich entwickeln- dem Patagium. Deutsche Südpolar- Expedition S.Aug. 1903, 50m x 200. lang wie dieselben am abgerundeten Ende breit sind. Das Patagium mit konkaven Kammerreihen hüllt die Arme ein bis auf die freibleibenden Enden. Um die Zentralkammer vier bis fünf Ringe. Sehr variable Art nach Haeckel. Maße: Radius der Arme 0,15—0,22 mm. Basale Breite 0,03—0,05 mm. Distale Breite 0,06—0,08 mm. Vorkommen : Kosmopolit, nach Haeckel eine der gemeinsten Arten der Discoidea in allen Meeren, Oberfläche und verschiedene Tiefen. Fossil im Tertiär von Barbados und Sizilien. Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 18 iSfi Deutsche Südpolar-Expedition. Deutsche Südpolar-Expedition 8. August 1903, 50 m (zwei Exemplare); 18. September 1903, 400 m (ein Exemplar). Die in Textfigur 52 und 53 abgebildeten Exemplare lassen sich schlecht einer der bekannten Euchitonia-Ästen einfügen, da bei dem von Haeckel beschriebenen Typus die gehämmerten Arme verhältnismäßig dünn und schlank sind, während sie bei diesen beiden dick sind. Die in Figur 53 dargestellte Euchitonia schließt sich an Figur 52 und damit an den Typus dadurch an, daß das Patagium dieselbe Höhe an den Armen erreicht und sein Gitterwerk deutlich noch von dem Arm- gitterwerk unterscheidbar ist. Die Schichtung des zentralen Netzwerkes um die Zentralkammer ist jedoch nicht konzentrisch, sondern deutlich spiralig. Ein Unterschied der in anbetracht des häufigen Wechsels zwischen konzentrischem und spiraligem Bau bei vielen Stylodictya- Arten nicht von Bedeutung ist. Das in Figur 52 abgebildete Exemplar ist in seinem Gitterwerk so dicht und dunkel geworden, daß das Patagium von dem übrigen Gitterwerk nicht mehr unterschieden werden kann, auch ist der Aufbau des zentralen Netzwerkes unsichtbar. Offenbar ist aber ein Patagium vorhanden, welches die drei Arme völlig einhüllt, sogar die Armenden überzieht. Die äußeren Um- risse und die Größenverhältnisse bei beiden Formen deuten aber offenbar auf eine Zusammen- gehörigkeit derart, daß die Form mit vollständigem Patagium die ontogenetisch ältere darstellt, was sich auch durch dichteres Gitterwerk zu erkennen gibt. Diese massigeren Formen mit fast doppelt so breiten Armen als die normalen Euchitonia muelleri, waren recht häufig und könnte man versucht sein, sie von dieser als Art abzugrenzen, da sie sich auch bei den anderen bekannten Arten von Euchitonia nicht unterbringen lassen. Ich habe da- von Abstand genommen, da Haeckel die Art als sehr variabel bezeichnet. Aus dem Grunde rechne ich auch Euchitonia -Formen hierher, deren Armgitterwerk der drei Arme je eine kreisrunde Scheibe darstellt, welche in ungefähr gleich weiten Abständen der ebenso großen zentralen Scheibe aufsaßen. Sollten die Euchitonia muelleri mit den dickeren Armen und vollständigem Patagium von den übrigen abgegrenzt werden, so möchte ich die Fundorte von den eigentlichen Euchitonia getrennt aufführen. Formen wie Textfigur 53: 15. Mai 1903, 400 m (2 Exemplare); 11. August 1903, 200 m; 7. September 1903, 400 m (2 Exemplare); 11. September 1903, 400 m; 21. September 1903, 400 m (2 Exemplare). Formen wie Textfigur 52 fanden sich im Fang vom 2. Juni 1903 zu drei Exemplaren. Formen mit kreisrunden Armscheiben am 21. September 1903. 400 m und 1. Oktober 1903, 200 m. Euchitonia elegans Ehrenberg. Textfigur 55-57. Taf. VII, Fig. 2. Pteractis elegans, Ehrenberg 1872, p. 299, Taf. VIII, Fig. 3. Euchitonia elegans, Haeckel 1887, p. 535. Abstand der beiden paarigen Arme nur halb so groß als ihr Abstand von dem einzelnen Arm. Alle drei Arme entweder gerade mit welligen Konturen oder, wie Haeckel nach Ehrenbergs Figur (1. e.) beschreibt, die beiden gepaarten Arme mit ihren Enden der Mittelachse zugebogen. Arme drei- bis fünfmal solang als breit mit abgerundeten Enden (Textfigur 57) oder bei Entwicklungs- stadien mit abgebrochen erscheinenden Enden (Textfigur 55, 56, Taf. VII, Fig. 2) oder auch wohl, wie Ehkenbeeg zeichnet, mit zugespitzten Enden. Einen Endstachel auf den Armen, wie ihn Haeckel wohl in fälschlicher Deutung von Ehrenbergs Abbildung beschreibt, habe ich nie gesehen. Auch deutd Letzterer nur an dem Einzelarm eine Spitze an, die aber wohl als unvollendetes Gitter- Popofsky, Sphaerellarien. 139 werk aufzufassen ist. Der zentrale Skeletteil ist meist konzentrisch um die Zentralkammer aufge- baut, oft mehr oder weniger unregelmäßig, gelegentlich auch (siehe Textfigur 55) spiralig. Um die Zentralkammer stets drei Ringe. Die Arme undeutlich gekammert, mit verhältnismäßig großen rundlichen Poren. Das Patagium fast vollständig, bei ausgewachsenen Individuen aus vier bis fünf Etagen Gitterwerk bestehend, dessen äußere Grenze zwischen je einem Paararm und dem Einzelarm konvex, zwischen den Paararmen selbst konkav ist. Vom Patagium bleiben nur die Armenden frei, dasselbe besteht aus sehr feinen zierlichen Gitterästen. Maße: Radius der Arme bis 0,21 mm, Breite derselben am Grunde bis 0,034 mm, am Ende etwas breiter bis 0,037 mm. Arme fast gleich bleibend an Breite vom Grunde bis zur Spitze. Textfigur 55. Euchi- tonia elegans Ehrbg. Entwicklungsstadium, bei dem die Arme eben dem zentralen Skelett- teil aufgesetzt werden. Deutsche Südpolar-Ex- pedition 15. Mai 1903, 400 m x 112. Textfigur 56. Euchitonia elegans Ehrbg. Ent- wicklungsstadium, etwas weiter entwickelt als das in Textfigur 55 dargestellte Tier. Deutsche Südpolar- Expedition 2. Juni 1903, x 112. Textfigur 57. Euchitonia ele- gans Ehrbg. Vollstänig ent- wickeltes Individuum. Deut- sche Südpolar - Expedition 18. Sept. 1903, 400 m x 112. Vorkommen: Ehrenberg: Tropischer Pacifischer Ozean, nahe den Philippinen. 3300 Faden tief. Deutsche Südpolar -Expedition 15. Mai 1903 (4 Exemplare); 2. Juni 1903 (10 Exem- plare); 8. August 1903, 50 m (1 Exemplar); 26. August 1903, 200m (lExemplar); 7. September 1903, 400 m (1 Exemplar); 11. September 1903 (1 Exemplar) ; 18. September 1903. 400 m (1 Exemplar); 21. September 1903, 400 m (1 Exemplar); 6. Oktober 1903 (4 Exemplare). Diese relativ häufige Art kam in den verschiedensten Entwicklungszuständen in den Fängen vor. Die Textfiguren 55 bis 57 geben ein Bild von der Entwicklung der Arme, sowie des verhält- nismäßig spät angelegten Patagiums. Der häufigste Entwicklungszustand, welcher angetroffen wurde, ist auf Tai. VII Fig. 2 dargestellt. Vollständige Individuen (Textfigur 57) fanden sich nur zweimal. Auch hier zeigt sich deutlich die Zugehörigkeit der Jugendformen zu den endgültigen Stadien und daß von einem Schalenbildungsmoment, einer plötzlichen Schalenbildung, wobei die gesamte Schale in ihrer vollen Größe angelegt wird, bei den meisten Radiolarien nicht die Rede sein kann. Die Deutung jener kleineren Individuen als Krüppelformen und Wachstumshemmungen, wie sie neuerdings versucht wird, scheint mir meist nicht zulässig, obwohl solche neben den Entwicklungs- zuständen zweifellos vorkommen. Euchitonia aequipondata n. sp. Taf. VII, Fig. 3, 4. Abstand der beiden gepaarten Arme bedeutend kleiner als der gepaarten von dem Einzelarm, letzterer ist fast zweieinhalb mal so groß als ersterer. Alle drei Arme entweder fast gerade (Taf. VII. 18* i aq Deutsche Siidpolar-Expedition. Fi». 3) oder die beiden gepaarten Arme mit den Enden einander zugebogen. Die Arme sind bis sechseinhalbmal so lang als am Grunde breit und nehmen nach der Spitze mit geschwungenen, aus- gebuchteten Begrenzungslinien an Breite zu, um regelmäßig abgerundet zu endigen. An den Armen keine deutliche Kammerung sichtbar, Gitterwerk der Arme mit kleinen rundlichen Poren, welche, des dunklen Gitterwerkes wegen, nur schwer erkenntlich sind. Die Arme besitzen daher Keulenform. Sie entspringen von einer kleinen zentralen Scheibe, wo um eine winzige Zentralkammer noch drei Ringe, konzentrisch gelagert sind, die sich an Breite etwa gleichkommen. Das Patagium ist voll- ständig oder fast vollständig. Es überzieht den Einzelstachel, ist in den stumpfen Armwinkeln konvex nach außen, im spitzen Armwinkel konkav. Die beiden gepaarten Arme werden anscheinend nicht von dem Patagium überzogen, es müßten denn die vorliegenden Exemplare noch nicht ihren Skelettbau beendet haben. In den stumpfen Armwinkeln links und rechts neben dem Einzelstachel findet sich das Patagium oberhalb des Skelettmittelpunktes klumpenartig verdichtet, so daß dunkle undeutlich abgegrenzte, allmählich in das übrige Skelett übergehende Scheiben dort zu lagern scheinen (Taf. VII Fig. 4), während das übrige Patagium schichtweise aus Kammern aufgebaut ist, von denen besonders die erste, den Armen anliegende Kammerreihe kenntlich ist. Die Skelettver- dichtungen des Patagiums können auch Kreissegmente statt der Scheiben sein (Taf. VII, Fig. 3). Der Bogen dieser Segmente und zugleich der dichteste Teil liegt am weitesten nach außen im Pata- gium, während nach innen zu die Dichte bis zur Sehne des Bogens allmählich abnimmt. Auch kann der zentrale Teil insofern unregelmäßig werden, als von dem äußersten Ring nur die eine Hälfte ausgebildet wird. Maße: Radius der Arme 0,2 — 0,25 mm; proximale Breite der Arme 0,037 mm; distale Breite derselben 0,073 mm. Vorkommen : Deutsche Siidpolar-Expedition 2. Juni 1903 (Exemplar mit kreisförmigen Skelettwülsten Taf. VII Fig. 4). 11. und 21. September 1903, 400 m; je ein Exemplar mit kreis- segmentartigen Skelettverdichtungen im Patagium (Tai. VII Fig. 3). Die Form erinnert in der Größe und der Art der Skelettbildung an die vorhergehende EucJiitonia elegans. Sie stimmt mit ihr überein in den einander zugebogen gepaarten Armen, dem mit drei Ringen versehenen zentralen Skeletteil und dem fast vollständigen Patagium. Sie unterscheidet sich von ihr durch die keulenförmige Ausgestaltung der Arme (die dort fast gleich breit blieben) und durch die auffällige Verdichtung gewisser Teile des Patagiums. Wobei aber darauf aufmerk- sam zu machen ist, daß Formen wie die in Taf. VII Fig. 3 dargestellte, zu den EucJiitonia elegans überzuleiten vermögen. Welche Bedeutung diesen Patagiumverdichtungen zukommt, bleibt dahin- gestellt; möglich ist, daß dadurch eine günstigere Verschiebung des Schalenschwerpunktes herbei- geführt und das Schweben im Wasser erleichtert wird. Genus Histiastrum Ehbenberg 1847, p. 54. Porodisciden mit vier einfachen ungeteilten gehämmerten (? immer) Armen, die durch ein Patagium verbunden werden. Schale ein regelmäßiges Kreuz bildend mit vier gleich langen Armen und vier rechten Winkeln dazwischen. Popofsky, Spliaerellarien. 141 Histiastrum velatuni H. ('{) Textfigur 58. THdyastrwm velatum, Haeckel IST'.t, Taf.XLVI, Fig. 4. Histiastrum velatwm, Haeckel 1887, p. 545, Tai. 46, Fig. 4. Vier Arme mehr oder weniger (siehe Textfigur 58) birnenförmig, von ihrer sehmaleren Basis schnell an Breite zunehmend, fast kreisförmig, wenig länger als breit. Jeder Arm nach Haeckel mit acht oder neun Querreihen von Kammern, deren distale Begrenzung konvex, proximale konkav ist; die seitliche Grenz- linie derselben ist am Grunde der Arme konkav, weiter oben konvex. In dem mir vorliegenden. Exemplar war die Kamme - rung nicht mehr sichtbar. Um die Zentralkammer drei oder vier Ringe konzentrisch geschichtet, welche die zentrale Scheibe bilden. Auch die Ringe waren nur sehr undeutlich bei meinem Exemplar zu sehen. Die zentrale Scheibe ist et- was kleiner an Flächeninhalt als ein Arm. In den Winkeln zwischen den Armen liegen je sechs bis sieben Radialbalken, welche den Zwischenraum zwischen je zwei Armen voll- kommen ausfüllen und einen Teil des die Arme vollständig Textfigur 58. Histiatrum velatum H. (?) Sehr undurchsichtiges schwammiges Netz- werk. Deutsche Südpolar-Expedition 11. Sept. 1903, 400 m >: 200. einhüllenden Patagiums ausmachen. Radialbalken waren allerdings hier nicht sichtbar, doch zeigte sich das Patagium- netzwerk an den Stellen dunkler und undeutlich wie zu vier kleinen Zwischenarmen abgesetzt. Das eigentliche Patagium wird von einem gleich breiten, aus feinerem Netzwerk bestehenden Gürtel eingeschlossen, der also die ganze Schale umhüllt und ihr das Aussehen eines Vierecks mit abgerundeten Ecken und eingesenkten Seiten verleiht. Maße: Radius der Arme ohne äußere Hülle 0,13—0,2 mm (letzteres von Haeckel ge- messen). Basale Breite der Arme 0,03 (Haekel) bis 0,047 mm; distale Breite 0,087—0,12 mm (Haeckel). Vorkommen: Challenger, Süd-Atlantik, Stat. 330, Oberfläche, Deutsche Südpolar-Ex- pedition 11. September 1903, 400 m (1 Exemplar). Das mir vorliegende Exemplar, welches auch in Textfigur 58 in Umrissen dargestellt wurde, ließ nicht so viele Einzelheiten erkennen, als Haeckel beschreibt, war undurchsichtiger und schwammiger im Netzwerk und bedeutend kleiner, was auch in der Diagnose und den Maßen zum Ausdruck gebracht wurde. Man könnte daher Zweifel hegen, mein Exemplar als zu Histiastrum velatum gehörig zu betrachten, was durch das Fragezeichnen hinter dem Namen ausgedrückt wer- den soll. Histiastrum quadratum n. sp. Textfigur 59. Taf. VI, Fig. 4. Das Skelett dieser neuen Art ist außerordentlich dunkel und schwammig, so daß Einzelheiten nicht mehr erkennbar waren. Die Arme sind (Textfigur 59) anscheinend am Grunde fast so breit wie an der Spitze, vielleicht (Taf. VI, Fig. 4) ein wenig schmäler. Sie haben die Form eines Recht- 142 Deutsche Südpolar-Expedition. ecks mit abgerundeter distaler Kante. Von dem Aufbau der zentralen Scheibe war nichts mehr zu wehen. Zwischen den Armen liegt das Patagium, welches dieselben vollständig einhüllt und nur die Spitze freiläßt. Über das eigentliche Patagium zieht sich ein Gürtel feineren Netzwerkes, welches nach außen geradlinig begrenzt wird und über den Armenden zu Ecken ausgezogen ist, soclaß die ganze Schale die Form eines Quadrates erhält, in welchem man dunkler und undeutlich die Zentralscheibe mit den vier Armen liegen sieht. Textfigur 59. Histiastrum quadra- tum n. sp. Entwicklungsstadium, dessen Patagium noch nicht voll- ständig ist. Deutsche Siidpolar-Ex- pedition 6. Okt. 1901, x 330. Textfigur t;0. Entwicklungsstadium einer Histiastrum-Art, welches die erste Anlage des Gitterwerks der vier Arme zeigt. Deutsche Südpolar-Expedition 2. Juni 1903, x 434. Maße: Radius der Arme 0,1 mm. Diagonale der quadratischen Schale 0,23 mm. Basale Breite der Arme 0,05 mm; distale Breite 0,06 mm. Vork o m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition 6. Oktober 1901, 2. Juni 1903, 11. Septem- ber 1903, 400 m. Je ein Exemplar. Das in der Textfigur 59 abgebildete Individuum hat noch nicht den charakteristischen form- gebenden Gürtel der ausgebildeten Schalen, ist also ohne Zweifel ein Entwicklungsstadium. Die viereckige Schale, also das vollständige Histiastrum, wurde zweimal gefunden. Anhangsweise sei hier ein Entwicklungsstadium einer Histiastrum- Art erwähnt und abgebildet (Textfigur 60), dessen Zugehörigkeit sich auf dieser Stufe noch nicht bestimmen läßt, welches aber zeigt, wie die Armanlage an der zentralen, hier ausnahmsweise spiralig gebauten Zentralscheibe vor sich geht. Es fand sich in einem Fang der Deutschen Südpolar-Expedition vom 2. Juni 1903. Farn. Pyloiliscidae Haeckel 87, p. 561. Radiolarien mit scheibenförmiger Schale, bei denen eine einfache, nicht geringelte oder spirahge Schalr von einem oder zwei triradialen Gürteln umgeben wird. Jeder Gürtel hat drei große Öff- nungen („Tore"), zwischen denen drei einfache, nicht geteilte Armkammern liegen. Auch die Öffnungen können noch durch Gitterwerk verschlossen werden. Der hierher gehörige Triodiscus variabilis Pop. wurde schon unter den antarktischen Radiolarien von mir gefunden und seinerzeit (Pol-. 08, b. 225, Taf. XXV, Fig. 4, Tat. XXVI, Fig. 1—3) be- schrieben und abgebildet. Besonders auffällig erschien dort der Unterschied zwischen einem aus dem Warmwassergebiet vom 22. Juli 1903, 400 m und einem aus einem Kaltwasserfang stammenden Popofsky, Sphaerellarien. 143 Individuum, indem ersteres nur wenige kurze, letzteres dagegen bedeutend mehr und lange Stacheln besaß. Fünf weitere Exemplare aus dem Warmwasserfang vom 21. September 1903, 400 m zeigten jedoch zum Teil dieselben langen Stacheln wie die KaltwasserfoTm. Es scheint also, als wenn die Stachellänge bei Kalt- wie Warmwassertieren unserer Art individuell variiert. Ein Grund mehr, vorsichtig in der physikalisch-mechanischen Deutung von Stachellängen zu sein, etwa in der Art, daß Warmwasserformen kürzere, Kaltwasserformen längere Stacheln besäßen, um damit größere oder geringere Reibungswiderstände zu erzielen, ein Schluß, der nach den zuerst vorliegenden Befunden leicht fälschlicherweise gezogen werden konnte. Fain. Spongodiscidae Haeckel 18S7, p. 573. Schale flach, scheibenförmig; eine einfache kuglige (?) Zentralkammer, umgeben von einem unregelmäßigen schwammigen Netzwerk (manchmal mit konzentrischen Ringen um die Zentral- kammer). Oberfläche der Schale ohne Gitterplatten, durchweg schwammig. Genus Spongodiscus Ehrenberg 1854. Spongodisciden mit einfacher kreisförmiger Scheibe, ohne Radialstacheln und radiale Anhänge und ohne Äquatorialgürtel am Rand. Spongodiscus bicoiicavus H. Taf. VI, Fig. 2. Spongodiscus biconcavus, H. 87, p. 577. Die Schwammschale ist kreisrund und auf den flachen Seiten bikonkav, ringartig, am Rande dicker als in der Mitte (nachHAECKEL zweimal so dick), welch letztere ausgehöhlt ist. Mit unregel- mäßigem Netzwerk, ohne konzentrische Ringe. Zentralkammer nicht sichtbar. Maschenwerk innen dichter als in der äußeren lockeren Hälfte. Maschen der äußeren Hälfte fünf- bis sechsmal, der inneren Hälfte zwei- bis dreimal so dick wie die trennenden Gitteräste. Die Schale ist im Zentrum dunkler, dann folgt ein hellerer Ring, darauf ein ebenso breiter dunkler Ring, der nach dem Rande zu etwas heller wird. Diese Schattierung erklärt sich wahrscheinlich so : Durch das dichtere Maschen- werk muß das Zentrum dunkler erscheinen, dann beginnt aber das feinere Netzwerk, das in dünner Schicht heller aussieht, daher der helle Ring. An dem dickeren Rande decken sich mehr Netz- fäden, wodurch derselbe dunklere Schattierung annehmen muß. Maße: Durchmesser der Scheibe 0,216 — 0,25 mm, der äußeren Maschen 0,01 — 0,012 mm, der inneren 0,004 — 0,006 mm. Der kleinere Durchmesser gilt für das von der Südpolar -Expedition gefangene Exemplar. Vorkommen: Challenger -Expedition, Pacifik, Station 265, 2900 Faden tief. Deutsche Südpolar -Expedition 1. Oktober 1901 und 18. und 21. September 1903, 400 m, je ein Exemplar. Die geringere Größe (0,21 gegen 0,25 bei Haeckel) ist wohl darauf zurückzuführen, daß die scheibenförmige Schale bei meinen Individuen noch nicht völlig entwickelt war, worauf auch der rauhe unfertige Rand hindeutet, der ein weiteres Breitenwachstum der Schale zuläßt und andeutet. 144 Deutsche Südpolar-Expedition. Genus Stylotrochus Haeckel 1862, p. 463. Spongodisciden mit zahlreichen festen Radialstacheln auf dem Rand der Scheibe, alle in der Äquatorialebene gelegen. Stylotrochus arachnius H. Spongotrochus arachnius, H. 62, p. 464. Stylotrochus arachnius, H. 87, p. 583. Stylotrochus arachnius, Popofsky 08, p. 227, Taf. XXVI, Fig. 5, 6; Taf. XXVIII, Fig. 1. Betreffs genauerer Beschreibung und Abbildung der gut kenntlichen Art mit linsenförmiger, kreisrunder Schale ohne konzentrische Ringe und acht bis zwanzig Stacheln auf dem Schalenrande verweise ich auf meine Arbeit über die antarktischen Radiolarien (08). Die Art gehörte zu den wenigen dauernd im Kaltwassergebiet festgestellten Radiolarien. Sie wurde von der Südpolar- Expedition häufiger auch im Warmwassergebiet an folgenden Stellen gefischt: 15. Mai 1903, 400 m; 11. August 1903, 200 m; 26. August 1903, 200 m (2 Exemplare); 1. September 1903, 45 m; 11. Sep- tember 1903, 400 m. Wie ich früher (1. c.) bemerkte, wichen die von Haeckel beschriebenen Warmwasserformen insofern von denen des Kaltwassers ab, daß erstere nur bis zu 0,15 mm, letztere sogar bis zu 0,37 mm Schalenbreite erreichten. Bei zwei gemessenen Warmwasserindividuen betrug der Schalendurch- messer 0,08 mm in beiden Fällen, war also noch geringer als bei Haeckels kleinsten Individuen. Dafür war aber die Stachellänge, wie Haeckel auch für Warmwasserindividuen angibt, bedeutend größer, bis zu 0,2 mm. Übergänge zwischen kleinschaligen, langstachligen und großschaligen, kurz- und breitstach- ligen Formen sind jedoch schon von mir früher beobachtet und beschrieben worden. Genus Spongotrochus Haeckel 1860, p. 844. Spongodisciden mit zahlreichen festen Radialstacheln über die ganze Oberfläche und den Rand der Schale unregelmäßig zerstreut, oder zu beiden Seiten desselben regelmäßig auf der Schale ange- ordnet. Spongotrochus brevispinus H. (J) Textfigur 61. Spongotrochus brevispinus, Eaeckel 1862, p. 462, Taf. XXVII, Fig. 4, 5. Spongotrochus hrevispinus, Haeckel 1887, p. 586. Das schwammige Netzwerk der ganzen kreis- runden Scheibe unregelmäßig, überall gleichartig. Die ganze Oberfläche der Scheibe mit zahlreichen, kurzen, nadeiförmigen Stacheln besetzt, die stets radial ge- stellt sind. Stacheln ungefähr so lang (?) wie die Dicke der Schale, welche etwa ein Fünftel des Durch- Tcxtfigur (il. Spongotrochus brevispinus H. Deut- . sehe Südpolar-Expedition ll.Sept. 1903, 400 m x 300. messers ausmacht. Bei meinen Exemplaren waren Popofsky, Sphaerellarien. 145 die Stacheln etwas länger. Die Zahl der Stacheln ist sehr groß und beträgt schätzungsweise zweihundert bis zweihundertundvierzig. Maße: Schalendurchmesser 0,14—0,18 mm. Länge der Radialstacheln 0,02—0,04 mm, basale Breite derselben 0,002 mm. Vorkommen: Nach Haeckel kosmopolitisch, Mittelmeer, Atlantischer und Pacifischer Ozean, Oberfläche. Deutsche Südpolar-Expedition 11. September 1903, 400 m. Zwei Exemplare. Die beiden von mir der Art zugerechneten Individuen waren kleiner im Schalendurchmesser und besaßen auch kürzere Stacheln. Npongotroclius glacialis Pop. Spongotrochus glaäälis, Popofsky 1908, p. 228, Tat'. XXVI, Fig. 8; Tal XXVII, Fig. 1; Taf. XXVIII, Fig. 2. Die an anderer Stelle von mir (1. c.) genauer beschriebene und abgebildete Radiolarie besitzt eine linsenförmige Schale aus feinem Schwammgerüst und ist mit vielen verschieden großen Stacheln besetzt, von denen dreizehn bis zwanzig oder mehr groß und kräftig, die anderen kleiner und dünn sind. Auch diese Art war wie Stylotrochus arachnius eine in südlichen Kaltwässern häufigere Radiolarie. Fundorte im Warmwassergebiet waren bisher von ihr nicht bekannt. Die Deutsche Südpolar- Expedition fing sie an folgenden Stellen: 2. Juni 1903; 1. September 1903, 45 m; 7. September 1903, 400 m; 11. September 1903, 400 m (2 Exemplare); 18. September 1903, 400 m (2 Exemplare). Der Schalendurchmesser bei zwei gemessenen Individuen betrug 0,14 und 0,13 mm, während er bei antarktischen Exemplaren von 0,2—0,24 mm festgestellt wurde. Es findet sich also auch hier die Eigentümlichkeit des Skelettes, daß dasselbe im Warmwassergebiet fast nur halb so groß ausgebildet wird wie im Kaltwasser. Ähnliches zeigte schon der verwandte Stylotrochus arachnius. Ordnung Larcoidea. Spumellarien mit ungleichem Schalenwachstum nach drei verschiedenen aufeinander senk- rechten Achsen. Familie Pylonidae Haeckel 1881, p. 4(>3. Larcoideen d.h. Spumellarien mit langelliptischer Zentralkapsel und Kieselschale, deren Wachs- tum verschieden ist in Richtung der drei ungleichen aufeinander senkrechten Achsen. Geome- trische Grundform des Skeletts ist das triaxiale Ellipsoid. Kortikalschale stets unvollständig gegittert, zwei, vier oder mehr symmetrisch angeordnete ,,Tore" freilassend, zwischen den drei gegitterten Gürteln, die auf einander senkrecht stehen. Ein, zwei oder drei konzentrische Systeme solcher Gürtel (jedes System aus drei Gürteln bestehend) können vorhanden sein. Um das Verständnis der schwer zu erkennenden Arten und ihres Schalenbaus zu erleichtern, sind die ÜAECKELschen Bezeichnungen gebraucht und in dem nebenstehenden Schema, Textfigur 62, dargestellt. Das Ellipsoid mit drei verschieden langen Achsen besitzt eine Längs- oder Hauptachse (von oben nach unten in der Figur verlaufend), die längste der drei gewöhnlich, dann eine Quer- oder Lateralachse, in der Figur von links nach rechts gezeichnet und eine Sagittalachse, die kleinste Deutsche Südpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 19 14G Deutsche Südpolar-Expedition. der drei, von vorn nach hinten verlaufend. Die Ebene, die durch Längs- und Sagittalachse geht, heißt Sagittalebene (in der Figur von vorn nach hinten verlaufend). Durch Sagittal- und Lateral - achse geht die Äquatorial- oder Zonalebene (obere von der unteren Hälfte in der Figur trennend); durch Längsachse und Lateralachse verläuft die Lateralebene (in der Figur in der Zeichenfläche liegend). Dementsprechend gibt es (Textfigur 63. 64) in der Äquatorialebene liegend einen Äqua- Lälgs\t"<>x Aiouatfi }£«» Textfigur 62. Schema für die Achsen und die durch . dieselben bestimmten Ebenen der Larcoidea. Textfigur 63. Schema für die Gürtelbildung bei den Larcoidea. Atqualonal- Ti Lati Textfigur 64. Schema für die Gürtelbildung des Äqua- torial- und Lateralgürtels der Larcoidea. Dasselbe Schema wie in Textfigur 63 von einem Pol aus gesehen. Sa- gittalring fortgelassen. torial- oder Quergürtel, dann in der Lateralebene einen Lateralgürtel, in der Sagittalebene einen Sagittalring. In dieser Reihenfolge scheinen auch phylogenetisch wie ontogenetisch die Gürtel zu entstehen, wenn sie alle drei an demselben Tier vorhanden sind. Am schnellsten kommt man in der Deutung der Schalen vorwärts, wenn man sich das triaxiale Ellipsoid modelliert und mit den Gürteln bemalt, wodurch die in verschiedenen Lagen erscheinenden Gürtel der Skelette ohne weiteres von selbst erkenntlich werden. Es sei auch hier auf die interessanten Studien und Zeichnungen von Jörgensen 1905, p. 120, Taf. X, Fig. 42 — 45 verwiesen, welche den eigen- tümlichen Aufbau des Skelettes von Phorticium pylonium H. verdeutlichen sollen und auch zum Verständnis des Skelettbaues der Pyloniden herangezogen werden können. Genus Monozonium Haeckel 1887, p. 633. Pyloniden mit einfacher, kugliger oder triaxial ellipsoider Zentralkammer, umgeben von einem einzigen gegitterten Äquatorial- oder Quergürtel. Monozonium pachystylum n. sp. Textfigur 65, 66. Zentralkammer der Schale verhältnismäßig groß und deutlich triaxial ellipsoid, also mit drei ver- schieden langen Achsen, so daß bei Blick auf die auf der Bildebene senkrechte Sagittalebene eine breitere, auf die auf der Bildebene senkrechte Lateralebene, entsprechend den beiden Textfiguren 65, 66, eine schmalere Ellipse im Querschnitt entsteht. Um die Zentralkammer ein einziger ellipsoider Poi'OFSKV, Sphaerellarien. 147 Gürtel, der Quer- oder Äquatorialgürtel. Beide Seitenflügel des Ringes gleichgroß, mit drei bis vier Reihen großer unregelmäßiger runder, an Größe verschiedener Poren. Die Gitterbalken ein Drittel bis halb so lang wie die Poren, nach außen unregelmäßig erhaben, so daß die Poren in Wulste eingebettet und von runden Buckeln getrennt erscheinen, die da, wo drei Poren zusammenstoßen, meist einen kurzen, plumpen, gelegentlich (Textfigur 65) auch zugespitzten Dorn bilden. Am und um den oralen, sowie den aboralen Pol der Zentralkammer, deren Gitterwerk einen ähnlichen Bau besitzt, erheben sich einige stärkere, zugespitzte Stacheln. Textfigur 65. Monozonium pa- chystylum n. sp. Ansicht schräg auf den Äquatorialgürtel. Deut- sche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 440 m x 434. Textfigur 6G. Monozonium pa- chystylum n. sp. Blick auf den Lateralgürtel. Deutsche Südpo- lar-Expedition 2. Juni 1903, x434. Maße: Längsdurchmesser der Zentralkammer 0,046 mm, Querdurchmesser (Lateralachse) bis 0,05 mm, Äquatorialachse 0,02 mm. Breite der Gürtelflügel nach links oder rechts vom Skelett- mittelpunkt gemessen 0,036 — 0,05 mm. Breite des Gürtels (von oben nach unten) bis zu 0,054 mm (aber nicht an den verbreiterten Enden gemessen). Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m (1 Exemplar); 2. Juni 1903 (1 Exemplar). Die Art unterscheidet sich von den bekannten Monozonium -Arten durch die große Zentral- kammer und den mit rauher Oberfläche und unregelmäßig gestellten Stacheln versehenen Äqua- torial (Quer- )gürtel, sowie die Stacheln am oralen und aboralen Pol. Es scheint mir jedoch nicht ausgeschlossen, daß eine Weiterentwicklung im Verlauf der Onto- genese stattfindet, indem noch der Lateralgürtel, der durch Ausziehen und Breiterwerden der Gürtelflügel des Äquatorialgürtels gegen den Rand hin angedeutet ist, wirklich ausgebaut wird; dieser Lateralgürtel würde dann sich dachartig über den oralen und aboralen Pol wölben. Die Ver- treter der Genera Monozonium, Dizonium, Trizonium scheinen überhaupt manche ontogenetisch zusammenhängende Entwicklungsstadien zu umfassen. Genus Amphipyle Haeckel 1881, p. 463. Pyloniden mit einer aus drei Gürteln entstandenen, die Zentralkammer umschließenden Me- dullarschale (innere), welche von einem einzigen gegitterten kortikalen Quer- oder Äquatorialgürtel umgeben wird. Eine solche Medullarschale soll im folgenden nach Haeckel Larnacilla- Schale genannt werden. 19* 148 Deutsche Südpolar-Expedition. Amphipjle aspera n. sp. Textfigur 67, 68. Die Medullarschale umschließt die triaxial-ellipsoide Zentralkammer, welche mit den ersten drei Gürteln die Medullarschale bildet. Der erste, der Äquatorialgürtel, ist an zwei gegenüberliegen- den Punkten mit der Zentralkammer verwachsen und nimmt von diesen Punkten aus Ursprung. Er ist in der Figur als dunkleres, von links nach rechts ziehendes, an den Seiten nach oben und unten ausschweifendes Band gezeichnet. Diese Ausschweifungen bilden den Lateralring, von dessen in der Figur 68 am weitesten oben und unten liegenden Stellen sich der Sagittalring dem Be- schauer entgegenwölbt und die Medullarschale schließt. So ist um die Zentralkammer das erste Gürtelsystem entstanden. Durch füllendes Gitterwerk, welches sich zwischen die durch die Binge freibleibenden ,,Tore" legt, entsteht daraus eine triaxial ellipsoide Schale (Markschale = Larnacilla- Textfigur 67. Amphipyle aspera n. sp. Blick auf den Sagittal- und Aquatorial- gürtel. Entwicklungsstadium, bei dem der Äquatorialgürtel des zweiten Systems noch nicht vollendet ist (siehe in der Figur links). Äquatorialgürtel des ersten Systems und Zentralkammer im Innern der Medullar- schale nicht eingezeichnet. Deutsche Süd- polar-Expedition lö.Mai 1903, 400m x434. Textfigur 68. Amphipyle aspera n. sp. Blick auf den Lateral- und Äquatorialgürtel. Deutsche Süd- polar-Expedition lö.Mai 1903, 400m x 434. Schale). Medullarschale rauh, mit eingesenkten Poren, welche unregelmäßig rundlich und verschieden groß sind. An den Knotenpunkten der die Poren umrahmenden erhabenen Kanten sind letztere zu kurzen, spitzen Dornen ausgezogen, welche an den Polen, am oralen sowohl wie am aboralen, in je drei bis vier unregelmäßig gestellte längere Stacheln auslaufen; gelegentlich (Figur 68, Mitte, unten) können sie auch gegabelt oder mit Seitendornen versehen sein. Durch Dornen und Stacheln erhält die Medullarschale eine rauhe Oberfläche. Medullarschale (Larnacilla-Schale) umgeben von einem Äquatorial -Quergürtel von etwa gleicher Breite. Äquatorialgürtel mit vier Keinen großer unregelmäßig rundlicher Poren, die ein-, zwei- bis viermal so breit wie die trennenden Gitter - balken und sehr verschieden groß sind. Die Poren sind, wie auf der Larnacilla-Schale auch, einge- senkt, und zwischen ihnen, entweder an den Knotenpunkten der Gitterbalken, aber gelegentlich auch auf der Mitte derselben, erheben sich kürzere dornige oder längere nadeiförmige Stacheln, die unregelmäßig, aber ziemlich dicht über den ganzen Gürtel zerstreut sind und besonders an dem- jenigen Gürtelrand, welcher dem oralen und dem aboralen Pol zugekehrt ist, in größere Stacheln über- gehen. Die Stacheln selbst sind am Ende öfter gegabelt oder mit unregelmäßigen Seitendornen Popofsky, Sphaerellärien. 149 versehen. An den beiden (oralen und aboralen) Polen bleiben links und rechts von der Sagittal- ebene je eine halbkreis- oder auch mondsichelförmige Öffnung („Tor") frei. Maße: Länge der Larnacilra-(Mediillar-)Schale 0,065 mm, Breite in Richtung der Lateral- achse 0,05 mm. Breite des äquatorialen Ringes von links nach rechts 0,15 mm, von oben nach unten 0,06 mm. Voiko m m e n : Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m. Zwei Exemplare. Das in Textfigur 67 dargestellte Tier stellt offenbar ein Entwicklungsstadium zu Amphipyle aspera dar, bei dem der Äquatorialgürtel des zweiten Systems erst in Bildung begriffen ist. So zeigt sich auf der linken Seite der Gürtel noch offen. Die Zentralkammer und der erste Äquatorialgürtel wurde hier nicht eingezeichnet, weil er nur undeutlich sichtbar war. Die neue Art unterscheidet sich von allen übrigen Amphipyle -Arten durch die unregelmäßig verteilten und gestellten größeren Stacheln. Auch wenn man sie, was denkbar wäre, als ein Ent- wicklungsstadium etwa einer Tetrapyle ansehen wollte, so ließe sie sich unter den bekannten Arten auch dort deswegen nicht unterbringen. Sie gehört aber eng zusammen mit der folgenden neuen Art. Amphipyle horrida n. sp. Textfigur 69. Medullarschale mit Larnacilla-Bau, d. h. eine triaxialelliptische Zentralkammer wird von drei Gürteln umgeben. Medullarschale kleiner als bei der vorigen Art, aber anscheinend nicht rauh an der Oberfläche, sondern glatt, mit rundlichen Poren. Über die Medullarschale ist eine Reihe langer, dünner, nadelartiger Stacheln unregelmäßig verteilt, die auch nicht immer genau radial gestellt sind; sie erreichten am oralen Pol sogar eine Länge, welche der Breite der Medullar- schale gleichkam. Besonders auffällig waren vier Stacheln: je einer am oralen und aboralen Pol und in derselben Ebene, also der Lateral- ebene aber in der Verlängerung der Lateral - achse liegend, je ein Stachel, die mit den beiden vorigen daher in Kreuzstellung stehen. Doch waren auch dazwischen kürzere Stacheln über die Medullarschale verteilt und kann jene An- ordnimg auch zufällig gewesen sein. Die äußere oder Kortikalschale besteht nur aus einem Äquatorial- Quergürtel, welcher außen in Rich- tung der Lateralebene flügeiförmig in Spitzen ausgezogen ist, was möglicherweise zur Bildung eines zweiten Ringes, des Lateralringes, führt. Auf der rechten Seite ist der Ring noch von der Me- dullarschale bis zum Rand ungefähr gleich breit. Dieser Äquatorialgürtel ist von drei bis vier Reihen sehr großer rundlicher Poren durchsetzt, die bis zu achtmal so groß sein können als die trennenden einfachen Gitterbalken. Doch ist es wahrscheinlich, daß weiter entwickelte Individuen die Gitterbalken verstärken und dadurch die Poren einengen; auch wird sich die Schale dann mehr dem Typus von Amphipyle aspera nähern. Auf dem Gürtel finden sich entweder an den Knoten- Textfigur 69. Amphipyle horrida n. sp. Deutsche Süd- polar-Expedition 18. Sept. 1903, 400 m x 434. jfjQ Deutsche Südpolar-Expedition. punkten oder auch, wie in der vorigen Spezies, auf den Mitten der Gitterbalken viele kürzere und längere Stacheln unregelmäßig verteilt und nicht immer radiär gestellt Die kürzeren Stacheln sind dornenartig, die längeren oft unregelmäßig gewachsen, gebogen, nadelartig, oder auch gabel- förmig tief gespalten, oder endlich an den Enden verdickt, wo wahrscheinlich Gabeläste aus der Ver- dickungsstelle heraus gebildet werden. Maße: Länge der Larnacilla -Medullarschale 0,05 mm, Breite in der Lateralachse 0,038 mm. Breite des Äquatorial- Querringes von links nach rechts 0,12 mm, von obennach unten 0,05 — 0,1 mm. (am linken breiteren Flügel). Vorkommen : Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m; 18. September 1903, 400 m. Je ein Exemplar. Wie die. vorige Art unterscheidet sich die Amphipyle horrida von den anderen Genusvertretern durch die unregelmäßige Bestachelung. Von der Amphipyle aspera, mit der man versucht sein könnte, wie ich es auch erst beabsichtigte, sie zu einem Formenkreis zusammenzufassen, unterscheidet sie sich durch die kleinere Larnacilla- Schale, die hier glatt, dort rauh war, sowie durch die langen Stacheln auf der Medullarschale, von denen vier kreuzweis stehen; solche fehlen bei Amphipyle asper. Wenn wirklich die Flügelanhänge am Äquatorialring auf der linken Seite der Schale (in der Textfigur 69) zur Bildung eines Lateralringes führen, so wäre damit nur die Versetzung der Art in die Gattung Tetrapyle notwendig, welche Äquatorial- und Lateralring um die Larnacilla -Schale aufbaut. Tetra- pyle-Aiten, mit denen sie dann identisch werden könnte, sind bisher nicht bekannt. Genus Tetrapyle J. Müllfr 1858, p. 154. Pyloniden mit einer aus drei Gürteln entstandenen, die Zentralkammer umschließenden Me- dullar-Larnacilla-Schale. Diese wird von einem Äquatorial- oder Querring und einem dazu senk- rechten Lateralring umgeben, von denen der erstere der kleinere, der letzte der größere ist. Zwi- schen den zwei Kortikalgürteln bleiben vier ungegitterte ,,Tore" frei, welche kein Sagittalseptum zwischen sich haben. Tetrapyle quadriloba Ehrenberg. Textfigur 70—72. Schizomma quadrilöbum, Ehrenberg 1860, p. 815. Tetrapyle quadriloba, Haeckel 1862, p. 436. Rclrizomnui quadrilöbum, Ehrenberg 1872, Taf. X, Fig. 12 — 14. Tetrapyle quadriloba, Haeckel 1887, p. 645. Medullarschale von Larnacilla -B&u mit kleinen rundlichen Poren diese etwas eingesenkt, Gitterbalken gewölbt, so daß die Medullarschale ein buckliges Aussehen erhält; gelegentlich stehen auch auf der rauhen Oberfläche dieser Schale kleine spitze oder stumpfe Dornen (Textfigur 71). Lateralgürtel elliptisch, und zwar breitelliptisch, bis zu eineinhalbmal so lang wie breit. (Text- figur 71.) Vier „Tore", von denen bei Dorsalansicht nur zwei sichtbar bleiben, sind unregelmäßig kreis- förmig, doch macht sich durch Bildung von neuen Gittergabelästen bei älteren Individuen das Be- streben bemerkbar, auch diese „Tore" noch zu schließen. In Textfigur 72 ist das an dem unteren Tore sichtbar. Auf dem Äquatorialgürtel (des zweiten Gürtelsystems) drei bis vier Reihen von großen unregelmäßig rundlichen Poren verschiedener Größe, die bis viermal so breit sind wie die Popopsky, Sphaerellarien. 151 trennenden Gitterbalken. Von diesen erheben sich viele dornige Stacheln, welche der Kortikal- schale ein rauhes Aussehen verleihen. Maße : Länge der LarwaciW«-Medullarschale 0,05 — 0,06 mm, Breite 0,04 mm. Länge der Kortikalschale 0,13—0,16 mm, Breite 0,1 mm. Durchmesser der ,,Tore" 0,05 mm. Die größeren Maßangaben stammen von Haeckel; meine Exemplare waren durchschnittlich kleiner. Vorkommen: Nach Haeckel kosmopolitisch, Mittelmeer, Atlantischer, Indischer, Pazi- Textfigur 70. Tetrapyle quadriloba Ehrbg. Ent- wicklungsstadium. Deut- sche Südpolar-Expedition 6. Okt. 1903, x 434. Textfigur 71. Tetrapyle quadriloba Ehrbg. Dorsal - Ansicht. Deutsche Südpolar-Expedition 6. Juni 1903, x434. Textfigur 72. Tetrapyle quadriloba Ehrbg. Seiten- ansicht. Poren nicht voll- ständig eingezeichnet. Deut- sche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 434. fischer Ozean, Oberfläche. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m (zwei Exemplare) ; 6. Oktober 1903. In Textfigur 70 ist eine Radiolarie zur Darstellung gebracht, welche nach den Größenverhält- nissen und dem sonstigen Skelettbau ohne Zweifel ein Entwicklungsstadium zu Tetrapyle quadri- loba darstellt, bei der nur erst der Äquatorial- oder Quergürtel mit wenigen Poren angelegt ist. Daß eine Weiterentwicklung stattfinden wird, darauf deuten die frei endigenden Gitteräste, die neue Poren zu bilden haben. Textfigur 71 ist ein Exemplar bei dorsaler Ansicht, wo also die Lateralebene mit der Zeichen- ebene zusammenfällt. Textfigux 72 ist ein anderes Individuum mit Blick auf die auf der Zeichen- ebene senkrecht zu denkende Querachse, wo also die Sagittalebene in die Zeichenebene fällt; die Ansicht wäre also lateral. An diesem Exemplar fällt noch ein nach oben gerichteter Stachel an der Larnacilla- Schale auf. Familie Lithelidae, Haeckel 1862. Larcoideen (Erklärung d. Unterordnung p. 143, 144 bei der Familie Pylonidae) mit symmetrisch- spiraliger Schale, die durch eine Spiralebene in symmetrisch gleiche Hälften geteilt wird. Alle Windungen der Spirale liegen in dieser Ebene. Zentral (oder Primordial -)kammer einfach oder eine Larnacilla- Schale. Als Spiralebene können alle drei, Äquatorial-, Lateral- und Sagittalebene in Betracht kommen. 152 Deutsche Südpolar-Expedition. Genus Tholospira Haeckel 1887, p. 699. Lithelide mit doppelter, trigonaler oder Larnacilla -artiger Medullarschale. Kortikalschale lang- elliptisch oder annähernd kuglig, aus einer einfachen oder doppelten Spirale des Sagittalgürtels (des dritten kortikalen Gürtels) bestehend. Die Spiralebene dreht sich um die Querachse. Tholospira cervicornis H. Textfigur 73. Tholospira cervicornis, Haeckel 1887, p. 700, Taf. 49, Fig. 5. Kortikalschale bestehend aus doppelten Spiralwindungen, welche von den beiden Flügeln des Sagittalringes ausgehen und in derselben Richtung einander überwachsend, sich um die Querachse drehen. Äußere Schalenteile mit zahlreichen (vierzig bis fünfzig oder mehr) verästelten Radialstacheln be- deckt, welche unregelmäßig verteilt sind und sehr un- regelmäßig gegabelt, bedornt oder hirschgeweihartig ver- zweigt sind und die Länge der Medullarschale erreichen können. Die innere oder Larnacilla- Schale mit acht bis zwölf Stacheln, welche sich gabeln und in die äußeren Kortialspiralen einmünden und dieselben stützen. Op- tischer Schnitt der Lateralebene elliptisch, eineindrittel bis eineinhalb mal so lang als breit. Im Innern der Spi- ralen liegen zwischen denselben und der Medullarschale vier nierenförmige Tore wie beim Genus Tefrapyle. Beide umeinander sich drehende Flügel des Sagittalgürtels erreichen eineinhalb bis zwei Doppel- spiralenwindungen an Länge. Maße : Länge der Kortikalschale 0,13 — 0,2 mm, Breite derselben 0,072 — 0,15 mm. Länge der Medullarschale 0,03—0,04 mm, Breite derselben 0,02—0,025 mm. Vorkommen: Challenger, Pazifischer Ozean, Stat. 271, Tiefe 2425 Faden. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m. Die oben angegebenen geringeren Maße gelten für die mir vorliegende Form, von der ich aller- dings die Zugehörigkeit zu Tholospira cervicornis nur mit Bedenken angebe, da der Schalenbau nur mit großen Schwierigkeiten annähernd entziffert werden konnte, wie das für viele Arten dieser Familie gilt, zumal, wenn es nicht mehr möglich ist, die Radiolarien unter dem Mikroskop zu drehen, weil sie schon in Kanadabalsam eingebettet sind. Die auffällige Übereinstimmung mit der ÜAECKELschen Abbildung hat mich jedoch bestimmt, sie der genannten Art zuzurechnen, obwohl die Maße (mit Ausnahme der Länge der Medullarschale) durchweg geringer waren. Die Stacheln sind nicht, wie das nach der HAECKELschen Diagnose scheinen könnte, durchweg gleichartig, son- dern sehr verschieden gebaut und verzweigt. Textfigur 73. Tholospira cervicornis H. (?) Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 434. Genus Spironium Haeckel 1887, p. 701. Lithelide mit doppelter, trizonaler oder Larnacilla -artiger Medullarschale, Kortikalschale fast kugelig oder langelliptisch, aus zwei gekreuzten Spiralen bestehend, welche von den beiden Seiten- Popofsky, Sphaerellarien. 153 flügeln eines Gürtels entspringen (gewöhnlich vom Lateralgürtel) und sich in entgegengesetzter diagonaler Richtung um die Hauptachse drehen. Npiroiiiuni cochlearium n. sp. Textfigur 74. Medullarschale im Querschnitt elliptisch und deutlich Larnacilla-axtig gebaut. Von der Seite der Medullarschale erheben sich die beiden Flügel des Lateralgürtels und streben von Anfang an in entgegensesetzter Richtung den beiden Polen zu. Der linke Flügel wächst in diagonaler Richtung nach dem unteren Pol und dreht sich um diesen herum. Der rechte Flügel wächst ebenso nach dem oberen Pol der Hauptachse und dreht sich um diesen. Mit zunehmendem Wachstum geht der eine über den anderen hinweg, so daß die dia- gonalen Spiralwindungen nunmehr im Bau eine 8 darstellen. In dem gezeichneten Exemplar ist das obere linke und das untere rechte Viertel der 8, im Bau begriffen, die Schale also noch nicht vollständig. Die zwischen den Spiralwindungen liegenden offenen Tore können später vielleicht noch mit unregelmäßigem Netzwerk geschlossen werden. Die so entstehende Kortikalschale ist mit großen buckligen Textfigur 74. Spironium cochlea- Wölbungen versehen, trägt auch zwischen den Poren kurze plumpe Expedition 15 . mm 1903, ■ 200. Stacheln und hat unregelmäßig rundliche große Poren. An den beiden Poren der Hauptachse der Medullarschale stehen zwei kräftige Stacheln, nicht genau radial gerichtet und einmal oder zweimal gegabelt; diese Gabeläste gehen in das Polgitterwerk der Kortikal- schale über, welche sie stützen. Maße: Kortikalschale lang 0,25 mm; breit 0,20 mm. Medullarschale lang 0,076 mm, breit 0,063 mm. Vorkommen: Deutsche Südpolar -Expedition 15. Mai 1903. Ein Exemplar. Dieses Spironium imterscheidet sich von den bisher bekannten zuerst durch die bedeutendere Größe, ferner dadurch, daß die Schale weder breitelliptisch wie bei Spironium octonium, noch kuglig wie bei Spironium diagonale, sondern schief-langelliptisch ist. Familie Phorticidae, Haeckel 1881, p. 464. Larcoidee mit völlig unregelmäßiger einkammriger Schale, welche unregelmäßige Modifikationen einer ursprünglich langelliptischen Gitterschale darstellt. Die unregelmäßige Kortikalschale um- schließt eine regelmäßige oder annähernd regelmäßige, langelliptische oder trizonale Medullarschale. Zu dem von Haeckel sehr unsicher umgrenzten und beschriebenen Genus Phorticium rechne ich das in Textfigur 75 wiedergegebene Radiolar. Es entspricht etwa dem von Jörgensen (05, p. 120) genauer beschriebenen und abgebildeten Phorticium pylonium und stimmt speziell überein mit seiner Abbildung Tai X, Fig. 42 c, wäre demnach also jene Art in apikaler Ansicht. Dieselben Zweifel, die Jörgensen betreffs der Art Phorticium pylonium erhebt, sind auch mir aufgestiegen. Das als Textfigur 76 dargestellte Radiolar schien mir auch zum Genus Phorticium gehörig und würde wegen der Kleinheit der Schale, der vieleckigen Poren und vor allem der dünnen langen Deutsche Südpolar-Expedition. XIU. Zoologie V. 20 [54 Deutsehe Südpolar-Expedition. Stacheln wegen, welche in ihrem äußeren Teil dieselbe Länge erreichen wie der Längsdurchmesser der Kortikalschale, eine neue Art bilden, für die ich den Namen Phorticium multispinum vorschlage. Die Gesamtlänge der Schale betrug 0,074 mm, die Breite 0,05 mm. Es fand sich in zwei Exemplaren in einem Fang der Deutschen Südpolar-Expedition vom 15. Mai 1903, 400 m. Textfigur 75. Phorticium pylonium H. (?) Deut- sche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 in x 434. Textfigur 7G. Phorticium multispinum n. sp. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m x 650. Anhang zu den Spumellarien. Als Anhang zu den Spumellarien sei hier ein sonderbares Radiolar aufgeführt, dessen systema- tische Stellung ich vorläufig nicht festlegen konnte, da mir Weichkörper- und Kernstudien an den- selben dadurch unmöglich gemacht wurden, daß sämtliche vier Exemplare schon mit anderen Radio- larien in Kanadabalsam eingebettet waren. Die im Innern des Protoplasmas liegenden eigentümlichen Skelettmassen erinnern auf den ersten Blick an die Kristalle von Collosphaeriden, wie sie Haeckel (H. 87, Tai 5, Fig. 12) z. B. für Tribonosphaera centripetalis darstellt. Man könnte daher denken, ein Individuum jener kolonie- bildenden Radiolarie vor sich zu haben, deren kuglige Gitterschale zertrümmert oder sonstwie ver- loren gegangen wäre. Solche Kristalle sind aber stets viel kleiner als die hier in Betracht kommen- den Skelettkörper und in viel größerer Zahl vorhanden als bei unserer Radiolarie. Dagegen, daß die Schale verloren gegangen ist, die das Ganze einhüllte, spricht der Umstand, daß die Radiolarie in vier Exemplaren in drei verschiedenen zum Teil weit voneinander liegenden Fängen immer in derselben Ausbildung vorkam. Des einen relativ großen Kernes und der frei im Weichkörper liegenden vielen Skelettkörper wegen könnte man die Form hinter der Familie Thalassosphaeridae aufführen und zu dieser in Be- Popofsky, Sphaerellarien. 155 ziehung bringen. Jene sind bekanntlich einzeln lebende Spumellarien, die im Gegensatz zu den ThalassicoUidae ein Skelett aus Nadeln oder Spicula im ektoplasmatischen Weichkörper besitzen. Die eigentümliche Abweichung im Skelettbau von der einheitlichen Familie Thalassosphaeridae in bezug auf die Skelettelemente, sowie die Lagerung derselben anscheinend im Endoplasma, be- rechtigt die Aufstellung einer neuen Familie, die ich einstweilen aus den angegebenen Gründen den Thalassosphaeridae anreihe; sie trage den Namen Farn. Cristallosphaeridae. Einzeln lebende Spumellarien mit rundlichen einzeln im intrakapsulären (?) Weichkörper verteilten Skelettkörpern. Genus Cristallosphaera nov. gen. Das einzige Genus habe einstweilen die Definition der Familie. Cristallosphaera cristalloides n. sp. Textfigur 77. Weichkörper annähernd kuglig (in Textfigur 77 durch Deckglasdruck etwas verschoben, andere Exemplare waren kuglig). Von demselben waren an gefärbten Exemplaren ein dunkler, wabig aufgebauter Teil und ein durchsichtiger klarer Teil, der in einem Fall auch Reste von maschen- artigem Aufbau (Textfigur 77) zeigte. Den zentralen dunklen Teil spreche ich als Kern, den peripheren Teil als intrakapsuläres Endoplasma an, die äußere Gallerthülle mit dem extrakapsulären Plasma war nicht erhalten. Unregelmäßig verteilt durch das Endoplasma liegen die Skelettkörper, und zwar konnte ich in zwei Fällen jedesmal deren vier- zehn zählen. Sie sind unregelmäßig kuglig oder (Textfigur 77, rechts) seltener walzenförmig langgestreckt. Ihre Oberfläche wird durch ein Leistenwerk von erhabenen Kanten in Fünf- und Sechsecke geteilt, Textfigur 77. Cristallosphaera cristalloides n. gen. n. spec. Südpolar-Expedition 6. Okt. 1901, x 650. Deutsche deren Fläche nach dem Mittelpunkt zu ausgehöhlt ist. Auch die Kanten des Leistenwerks sind nach innen zu gebogen, so daß die Ecken der Leisten am weitesten vom Mittelpunkt entfernt sind und über die Oberfläche hinausragen, wodurch jeder Skeletteil die Form eines Morgensternes erhält. Die Kanten können stumpf und gerundet oder auch nach außen zn- geschärft sein. 20* jjjg Deutsche Südpolar-Expedition. Maße : Durchmesser des Endoplasmas im Mittel 0,154 mm. Durchmesser des Kernes ( ?) im Mittel 0,037 mm, der Skelettkörper 0,032—0,04 mm. Vorkommen : Deutsche Südpolar -Expedition 30. August 1901 (2 Exemplare); 6. Oktober 1901 (1 Exemplar); 21. September 1903, 400 m (1 Exemplar). Für die Weichkörperverhältnisse ist noch eine andere Deutung zulässig im Hinblick darauf, daß die Skelettnadeln bei den Thalassosphaeridae in der extrakapsulären Gallerte verteilt liegen und Skelettkörper in der Zentralkapsel bisher noch nicht bei solchen Radiolarien angetroffen wurden. Es wäre dann der periphere durchsichtigere Teil mit den kristallartigen Skelettkörpern die Gallert- hülle (Calymma), der dunklere Teil wäre die Zentralkapsel, die nun die vielen kleinen Kerne (wie bei Akantharien) oder einen einzigen größeren Kern wie bei den Thalassicollidae und Thallasso- sphaeridae umschließen müßte. Da jedoch bei gefärbten Exemplaren in dem allerdings wenig durchsichtigen zentralen Teil Kerne nicht festgestellt werden konnten, so habe ich den stark färbbaren wabigen mittleren Teil des Weichkörpers als Kern, den skeletthaltigen als intrakapsuläres Plasma gedeutet, der äußere plasmatische Teil wäre dann, wie man das häufig bei Acantharien sieht beim Fang mit der Gallerthülle fortgeschwemmt. Johannes Müller beschreibt eine Radiolarie (1856, p. 477; 1858, p. 28, Taf. VII, Fig. 1, 2 als Thalassicolla morum, die ähnlich gestaltete Skelettkörper, aber in der extrakapsulären Sarkode enthielt; dieselben waren blau gefärbt, zackig und erinnerten an Kristalldrusen. Seine Tafelabbildung dieses Tieres zeigt neun solcher Körper. Haeckel beobachtete diese selbe Form lebend im Mittel- meer und Thomson in großer Zahl im Pacifik; letzterer beschrieb sie unter dem Namen Calcaromma calcarea. Die Skelettkörper, „Calcastrella" von Haeckel genannt, bestehen nach Thomson und Haeckel aus Kalk. Haeckel sieht sie als Fremdkörper im Radiolarienkörper an, da sie sich in ver- schiedenen Badiolarien z. B. in manchen Discoidea finden. Er vermutet in ihnen einzellige Kalk- algen und glaubt, daß Thalassicolla morum und Calcaromma calcarea eine Actissa darstellen, die eine Anzahl „Calcastrella" in den extrakapsulären Weichkörper aufgenommen hat. Ob unsere Art Beziehungen hat zu dieser Thalassicolla morum, ist sehr zweifelhaft. Die drusigen Skelettkörper liegen hier im Endoplasma, also innerhalb der Zentralkapselmembran, dicht um den Kern gruppiert, können daher nicht Fremdkörper sein, sondern müssen aus dem Tier selber stammen, da die Zentralkapselmembran solche großen Fremdkörper unmöglich von außen nach innen ge- langen lassen kann. Auch waren die Skelettkörper nicht blau gefärbt, wie Joh. Müller angibt. Die Übereinstimmung der drusenartigen Skelettkörper unserer Art mit „Calcaslrella" von Thalassicolla morum ist daher vielleicht nur eine Übereinstimmung der Form. Entscheiden könnte darüber nur eine chemische Untersuchung der Skelettmasse, die mir leider nicht möglich war. Bezüglich der durch die Mittagspositionen des „Gauss" angegebenen Fundstellen sei auf die Übersichtskarte in Bd. XII Tafel 41 der wissenschaftlichen Ergebnisse der Deutschen Südpolar-Expedition 1901—03 verwiesen. Literaturverzeichnis. Zu dem in meiner Arbeit über die Radiolarien der Antarktis (in Ergebnisse der Deutschen Südpolar-Expedition X, Zoo- logie II) 1908, p. 297 gegebenen Literaturverzeichnis, welches die einschlägigen Werke über Radiolarien bis zum Jahre 1907 berücksichtigt, seien hier die seitdem mir bekannt gewordenen neuen Arbeiten hinzugefügt. Dieselben sind auch hier mit auf- geführt, auch wenn sie zu dem Inhalt der vorliegenden Arbeit in keiner engeren Beziehung stehen. Erwähnt sind liier wieder nur die Arbeiten, welche sich auf die Spumellarien, Acantharien und Monopyleen beziehen. 1907. Haecker, V., Über Chromosomen- und Sporenbildung bei Radiolarien. Verh. d. Deutsch. Zool. Ges. 1908. Hinde, George J., Radiolaria from the triassic and other rocks of the dutch east-indian archipelago in: Verbeek, Report on the geology of the moluccas, Jaarboek van het Mijnwezen in Nederlandsch Oost-Indie, Bd. XXXVII. 1908. Haecker, V., Tiefsee -Radiolarien in: Wissenschaftl. Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Espedition. Bd. 14. 1909. Moroff Th. u. Stiasny G., Über den Bau und die Fortflanzung von Acanthometra. Centralbl. f. Physiol. Bd. XXII Nr. 19. 1909. Hartmann M. u. Hammer E. Untersuchungen über die Fortflanzung von Radiolarien in: Sitzungsber. d. Ges. Natur- forsch nder Freunde Nr. 4, Jahrg. 1909. 1910. Mast, H, Die Astrosphaeriden in: Wissenschaftl. Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Expedition Bd. 19, Heft 4, Jena 1910. 1910. Ostenfeld, C. H., Marine Plankton from the East-Greenland Sea: Protozoa. In Danmark-Ekspeditionen til Grön- lands Nordöstkyst 1906—1908, Bd. III, Nr. 11. Kopenhagen 1910. Tafelerklärung. Bei den meisten Gitterschalen wurde er Deutlichkeit halber nur die obere Hälfte gezeichnet, T a f e 1 I. Fig. 1. Centrolonche Jiexalonche nov. gen. nov. spec. Sechs Radialstacheln im Innern, strichdünn und in einem gemeinsamen Zentrum (der nduzierten Markschale?) vereinigt. Stacheln und ein Teil der Beistacheln abgebrochen. Deutsche Südpolar-Expedition 18. Sept. 1903, 400 m. > 650. Fig. 2. Acanthosphaera marginala nov. spec. Einfache Schale mit im Querschnitt dreieckigen Gitterästen und ungleich langen Dreikantstacheln. Sehr kleine Acanlhosphaera- Art. Deutsche Südpolar-Expedition 11. Sept. 1903, 400 m. x 650. Fig. 3. Acanthospliaera insignis, Hertwio. Schale mit vielen Stacheln, die aber in dem gezeichneten Individuum kürzer als der Schalendurchinesser waren (nicht ebenso lang wie dieser, wie Hertwig beschreibt). Deutsche Südpolar- Expedition 18. Sept. 1903, 400 m. > 330. Fig. 4. Disfongia velata nov. gen. nov. spec. Innen dichte Schwammkugel, deren Gitteräste sich außen ungefähr parallel richten und in geringem Abstand eine neue Hülle anlegen. 11. Sept. 1903, 400 m. • 200. Fig. 5. Dispongia velata nov. gen. nov. spec. Detail des in Fig. 4 dieser Tafel vollständig abgebildeten Individuums bei 650- facher Vergrößerung, ein Stück des Randes darstellend. 158 Deutsche Siidpolar-Expedition. Tafel IL Fig. 1. Aeanthosphaera äoclecastyla, Mast. Vollständig ausgebildetes Exemplar mit 10 Stacheln. Deutsche Siidpolar-Expe- dition 11. Sept. 1903, 400 m. x 650. Fig. 2. Stylaeoniarium Mspiculum nov. gen. nov. spec. Drei konzentrische Gitterschalen, die innerste, kleinste, nur angedeutet. Sechs Hauptstacheln, die die drei Schalen verbinden, von denen aber nur zwei verschieden lange über die äußerste Schale Mnausragen. Auf der mittleren Schale noch gegabelte Beistacheln. Deutsche Siidpolar- Expedition 15. Mai 1903, 400 m. x 650. Fig. 3. Actmomma Irevispiculum nov. spec. Drei konzentrische Schalen durch sieben bis acht Radialstäbe verbunden, die sich nicht über die äußere Schale erheben. Die drei Schalen nicht vollständig gezeichnet. Deutsche Südpolar- Expedition 15. Mai 1903, 400 m. 650. Fig. 4. SlißoilirUjtt iiritijiiiin Jon. Müller. Entwicklungsstadium mit 4>o Ringen und zehn Stacheln. Deutsche Siidpolar- Expedition 7. Sept. 1903, 400 m. x 168. Tafel III. Fig. 1. Acanthosphaera dodecastyla, Mast. Anscheinend verkrüppeltes Individuum der Art, Einige Stacheln bleiben kurz und zeigen eine unregelmäßige Begrenzung. Ein Stachel war nicht dreiflüglig, sondern konisch (in der Figur links oben). An einigen Knotenpunkten Beistacheln. Vergleiche hiermit den auf Tai. II, Fig. 1 dargestellten Typus. Deutsche Südpolar -Expedition 11. Sept. 1903, 400 m. ■ 650. Fig. 2. Cladococcus irregularis nov. spec. Schale mit dreißig bis vierzig Radialstacheln, die Seitenäste abgeben. Deutsche Siidpolar-Expedition 6. Okt. 1901. x 650. Fig. 3. Stylodidya dujardinii, H. Unregelmäßig ausgebildet, von Haeckel als PericMamydium salurnus beschrieben und ab- gebildet. Die ersten beiden Ringe um die Zentralkammer sind noch regelmäßig ausgebildet, der dritte nur teilweise. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m. x 650. Fig. 4. Amphicraspedum anomalum nov. spec. Beide Arme nicht axial gegenüberstehend. In dem gegabelten Arm undeut- lich konzentrische Ringe erkenntlich. Deutsche Siidpolar-Expedition 30. August 1901. x 300. T a f e 1 IV. Fig. 1. Haliomma erinaceum,, H. Jugendliches Exemplar mit außerordentlich weiten Gitterporen, die aber später noch ver- kleinert werden, worauf die in die Poreidumen vorspringenden Zähne an manchen Gitterästen (in der Figur Mitte links) lünweisen. Die Radialstäbe entspringen von den Mitten der Gitterbalken der Markschale und setzen sich in Radialstacheln außerhalb der äußeren Schale fort, Deutsche Siidpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m. x 650. Fig. 2. Amphibrachw/m monstrosu/m nov. spec. Zwei gekammerte Arme, die sich nicht axial gegenüberstehen und einer Zentral- kammer aufsitzen, die von einem Ring umgeben ist. Hauptachse geknickt, Deutsche Südpolar-Expe- dition 15. Mai 1903, 400 m. x 650. Fig. 3. Stylodidya dujardinii, sehr unregelmäßig ausgebildet, von Haeckel unter dem Namen PericMamydium saturnus be- schrieben. Die Unregelmäßigkeiten in der Kammerung der Ringe gehen hier noch viel weiter, als in dem auf Taf. III, Fig. 3 dargestellten Individuum, bei dem wenigstens zwei deutliche, vollständig ausgebildete Ringe noch vorhanden waren. Während dort noch vier Stacheln den Rand erreichten und sich über diesen hinaus fortsetzten, ist lüer nur noch ein Stachel vorhanden. Deutsche Südpolar-Expedition 7. Sept. 1903, 400 m. x 650. Fig. 4. Spongurus tricolus, H. Schwammschale eines kleinen Individuums, das möglicherweise an den beiden Enden durch Zwischenlagerung von Skelettfäden zwischen die Endstacheln wächst. Stacheln der Breitseiten länger als Haeckel angibt, Deutsche Südpolar-Expedition 18. Sept. 1903, 400 m. x 650. Tafel V. Fig. 1. Actinomma gigantea nov. spec, Bucklige Außenschale mit dreikantigen Stacheln, oft sind dieselben mit wenigen Zähnen versehen. Auch an den Radialstäben einige Zähne. Innenschale nur angedeutet. Deutsche Südpolar- Expedition 8. August 1903, 50 m. x 650. Fig. 2. Ommatoäiscus anacanthus nov. spec. Der größte Teil des Randringes ohne Poren. Ringbegrenzung wellenförmig. Am Randring ein Osmium, etwas über denselben hinausragend. Deutsehe Südpolar-Expedition 11. Sept. 1903, 400 m. x 650. Fig. 3. Stylodidya polygonia nov. spec. Ringabgrenzung von innen nach außen immer mehr in eine Wellenlinie übergehend. Ein Teil der Bandstacheln ist wahrscheinlich durch den fortgeschwemmten Außenweichkörper mit entfernt worden. Deutsche Südpolar-Expedition 21. Sept. 1903, 400 m. x 330. Popopsky, Sphaerellarien. 159 T a f e 1 VI. Fig. 1. Elaphococcus gaussi nov. spec. Schale mit dichotom verzweigten Stacheln und kleinen Nebenstacheln auf den Mitten der Gitterbalken. Deutsche Südpolar-Expedition 15. Mai 1903, 400 m. > 650. Fig. 2. Spongodiscus Mconcavus H. (?) Scheibenförmige Schale, die in der Mitte dicker (dunkel in der Figur), dann ringförmig eingesenkt dünner (heller) und nach dem Rande zu wieder verdickt ist. Der Rand ist rauh und deutet auf ein noch nicht völlig abgeschlossenes Breitenwachstum des Skelettes hin. Deutsche Südpolar-Expedition 1. Oktober 1901, Oberfläche, x 300. Fig. 3. Monaxonvum perforatwm nov. gen. nov. spec. Vielfach gekammerte Schale, deren einer Arm in der letzten Kammer sich anscheinend zu spalten beginnt. Die Schale, welche die gehämmerten Arme umhüllt, war bei dem gezeich- neten Exemplar hauptsächlich in der Äquatorialebene entwickelt. Möglicherweise umgibt sie später die ge- hämmerten Arme ganz. Deutsche Südpolar-Expedition 30. August 1901. ■ 650. Fig. 4. Eistiastrum quadralum nov. spec. Quadratische Schale, in deren Innern undeutlich die vier gleich breiten Arme, die von einem Zentrum ausgehen, sichtbar sind. Über den Armen ist das Patagium in vier Zipfel ausgezogen, sodaß das Skelett annähernd die Form eines Quadrates erhält, Deutsche Südpolar-Expedition 2. Juni 1903. x 330. Tafel VII. Fig. 1. Cypassis cingulata nov. spec. Die äquatoriale Einschnürung der Zwilliiigsschale wird von einem unregelmäßigen . Gürtel von Netzwerk überdeckt, der sich von einer Halbkugel zur anderen spannt. Deutsche Südpolar- Expedition 7. Sept. 1903, 400 m. > 650. Fig. 2. Euchilonia elegans, Ehbexberg. Entwicklungsstadium mit noch nicht völlig ausgebildeten Armen und unvollständigem Patagium. Deutsche Südpolar-Expedition 6. Okt. 1901. x 650. Fig. 3. Euchilonia aeguifondata nov. spec. Exemplar mit kreissegmentartigen Verdickungsstellen im Patagium. Deutsche Südpolar-Expedition 11. Sept. 1903, 400 m. x 168. Fig. 4. Euchilonia aeguifondata. Typisches Individuum mit kreisförmigen Verdichtungsstellen des Patagiums jederseits des Einzelstachels. Deutsche Südpolar-Expedition. 2. Juni 1903. x 300. Tafel VIII. Fig. 1. Peripanartus pachyslylns nov. spec. Die doppelte Medullarschale im Innern dunkel durchschimmernd. Das äußere Ge- flecht nur teilweise gezeichnet, um die vierteilige erste Kortikalschale nicht zu verdecken. Deutsche Südpolar- Expedition 2. Juni 1903. x 650. Fig. 2. Astrosphaera hexagonalis, H. Einzelstachel schräg auf die Spitze gesehen. Von jeder Kante des Stachels gehen zwei Girlanden zu den Nebenstacheln. Die Kante rechts bildet anormalerweise nur eine solche. Fig. 3. Rhizosphaeraparadoxa nov. spec, Die innere, aus einem unregelmäßigen Geflecht bestehende Primärschale ist von einem ebenso beschaffenen Geflecht umgeben, der Sekundärschale. Die etwa 40 Stacheln bilden das in einer Kugel- ebene hegende dritte Geflecht. Deutsche Südpolar-Expedition 19. August 1903, 400 m. >: 650. Fig. 4. Spongosphaera streptacantha H. ? Individuum mit acht Stacheln, die außen nicht vollständig gezeichnet wurden. Die innerste Medullarschale vorhanden, die zweite, sonst vorhandene, ist mit in dem Schwammnetzwerk aufgelöst. Die äußersten Fäden des schwammigen Geflechtes meist alle annähernd radial gerichtet. Deutsche Südpolar- Expedition 22. August 1903, 1500 m. x 168. Deutsche Südpolar-Expeoition. 1901-3. Ba-jd XIII Tafel I. Fig. 2 Fig. 5 Fig. 1 PopoK Verleg von Georg Rö Fig. 1 Centrolonche hexalonche n. sp. Fig. 2 Acanthosphaera marginata n. sp. Fig. 3 Acanthosphaera insignis Hedwig. Fig. 4 u. 5 Dispongia velata n. sp. Deutsche Südpolar- Expedition. 1901-3. Band XIII Tafel Fig. 2 Popofsky gez. Verlag von Georg Reimer in Berlin. Fig. 1 Acanthosphaera dodecastyla Mast. Fig. 2 Stylacontarium bispiculum n. sp. Fig. 3 Actinomma brevispiculum n. sp. Fig. 4 Stylodictya arachnia H. Deutsche Süopolar-Expeoition. 1901-3. Band XIII Tafel III. Popo';.. eimer in Berlin. Fig. 1 Acanthosphaera dodecastyla Mast. Fig. 2 Cladococcus irregularis n. sp. A Fig. 3 Perichlamydium saturnus H.? = Stylodictya Dujardinii H. Fig. 4 Amphicraspedum anomalum n ^ÄQ Deutsch?. Südpolar-Expedition. 1901-3. Band XIII Tafel IV. « < r r < . '. ' ' ' y ' f W . r r ■ • r r ' ( r . ■r' i ! ■''■ ' ' Fig. 2 Popoi Verlag von Georg Reimer in Berlin. Fig. 1 Haliomma erinaceum H. Fig. 2 Amphibrachium monstrosum n. sp. Fig. 3 Perichlamyclium saturnus H.(?) = Stylodictya Dujardinii H. Fig. 4 Spongurus tricolus H. Deutsche Südpolar-Expedition. 1901-3. Band XIII Tafel V. ~'r J; '-- Popolsky gez. Verlag von Georg Reimer in Berlin. Fig. 1 Actinomma gigantea n. sp. Fig. 2 Ommatodiscus anacanthus n. sp. Fig. 3 Stylodictya polygonia n. sp. Deutsche Südpolar-Expedition. 1901-3. Band XIII Tafel VI. Fig. 4 Popo'.- Verlag von Georg Reimer in Berlin. Fig. 1 tlaphococcus gaussi n. sp. Fig. 2 Spongodiscus biconcavus H.(?) Fig. 3 Monaxonium perforatum n. sp. Fig. 4 Histiastrum quadratum n. sp. DEUTSCHE SüDPOLAR-ExPEOITION. 1901-3. Band XIII Tafel VII. l< j c Fig. 1 tq Reimer in Berlin; Fig. 1 Cypassis cingulata n. sp. Fig. 2 Euchitonia elegans Ehrbg. Fig. 3 u. 4 Euchitonia aequipondata n. sp. DEUTSCHE SüDPOLAR-ExPEDITIC. Band XIII Tafel VII PopOfSky gel. Verlag von Georg Reimer in Berlin. Fig. 1 Peripanartus pachystylus n. sp. Fig. 2 Astrosphaera hexagonalis H. Fig. 3 Rhizosphaera paradoxa n. sp. Fig. 4 Spongosphaera streptacantha H. (?) DIE FISCHE DER DEUTSCHEN SÜDPOLAR -EXPEDITION 1901-1903 I. DIE FISCHE DER ANTARKTIS UND SUBANTARKTIS VON P. PAPPENHEIM, BERLIN MIT TAFEL IX UND X UND 10 FIGUREN IM TEXT Deutsehe Sildpolar-Expedition. XIII. Zoologie V. 21 Plagiostomi Farn. Rajidae. Raja Art. R. eatonii Gthr. A. Günther in „Fishes" in „An account of the petrological, botanical, and zoological collections made in Kerguelens Land and Rodriguez during the Transit of Venus Expedition, carried out by order of her majesty's government in the years 1874 — 75. London 1879 als Vol. 168 (Extra volume) der „Philosophical Transactions of the Royal Society of London", p. 166. Hierher gehört ein männliches Exemplar von 68 cm Länge (vgl. hierzu die unten angegebenen Maße). Die Interorbitalbreite beträgt die Hälfte (nämlich 6 cm) des Augenabstandes von der Schnauzen- spitze (12 cm), während Günther (op. cit.) nur 2 / 7 angibt. Der „single larger recurved spine" in der Rückenmitte ist bei dem vorliegenden Exemplar nicht ausgebildet, auch finde ich nur 8 kleinere Stacheln in der Schwanzmediane, während Günther 9 oder 10 feststellt. Alles andere, auch die Beschaffenheit der Zähne, stimmt dagegen mit Günthers Angaben überein, sodaß die Artzugehörigkeit erwiesen ist. Fundort : Kerguelen, 31. I. 1902, Observatory-Bay, am Bootshafen, augenscheinlich von der See ausgeworfen (erheblich unterhalb der Flutmarke), während Niedrigwasser in frischem Zu- stande gefunden (Dr. Werth). Maße: Totallänge (einschl. Schwanz) 68 cm, Scheiben länge (bis Ansatz der Ventralen) 43 cm, Scheibenbreite 44,5 cm. F a r b e : (in frischem Zustand): „Ganze Oberseite gleichmäßig dunkel (dunkler als die Unter- seite des Schwanzes, fast schwarz)" (Dr. Werth). Unterseite — nach einer Farbskizze von Dr. Werth — ■ schmutzig bläulich -weißlich, mit roten Tönen dazwischen. Teleostii Haplomi Farn. Scopelidae Myctophum Raf. Subg. Myctophum Raf. M. (M.) antarcticiun (Gthr.) A. Günther, Report on the Deep-Sea Fish colleeted by H. M. S. Challenger during the. years 1873 — 76, p. 196 — 97, pl. LI fig. D. London 1887. Vgl. auch A. Brauer, Die Tiefsee-Fische. I. Systematischer Teil, p. 168—170, Textfiguren p. 169 und Tabelle p. 161 ff. in „Wissenschaftl. Ergebnisse d. Deutsch. Tiefsee-Expedition 1898—99", XV. Bd. — Jena 1906. 21* j «4 Deutsche Siidpolar-Expedition. Die Bestimmung der fünf von dieser Art vorliegenden Exemplare rührt von A. Brauer her. Sämtliche Fische wurden nordwestlich von der Gaussstation auf Eisschollen tot liegend erbeutet, und zwar ein Fisch von 5,9 cm Länge (einschl. der etwas lädierten C. 6,8 cm) am 26. II. 1903, zwei Exemplare von 5,3 (5,9) l ) und 5,8 (6,4) cm Länge am 16. März 1903 und zwei noch größere von 6,3 (7,2) und 7,7 (8,8) cm am selben Tage. Sie wurden wahrscheinlich von der See ausgeworfen. Acanthopterygii Jugulares. 1. Farn. Leptoscopidae Pleuragramma Blgr. G. A. Boulenger, in: Report on the Collections of Natural history made in thc Antarctic regions cluring the voyage of the „Southern Cross", Pisees, p. 187, 188, pl. XVIII 2 ). — London 1902, 8°. P. antarcticum Bi,gr. Ich finde an dem mir vorliegenden Material: D,5— 8, Du 34— 38; A. 36— 38. Sq. 56— 60, quer etwa 14 (zwischen D H und A. Ansatz). Größte Körperhöhe 6mal 3 ), Kopflänge 3H — 3%mal in der Körperlänge 4 ) enthalten. Schnau- zenlänge etwas größer als der Augendurchmesser, selten gleich groß. Augendurchmesser 3]/ d — 3%- mal, Interorbitalbreite 5 — 5%mal in der Kopflänge B ) enthalten. Kiemendornen schlank, 21 — 23 (selten 24) am unteren Teil 6 ) des ersten Bogens. Länge der P. etwas über Vi Kopflänge, die der V. kürzer. C. meist stark defekt, ihre Form nicht mehr gut erkennbar, anscheinend mit schwachem Ausschnitt. Mit starkem Silberglanz auf den Wangen, Kiemendeckeln und den Körperseiten. Rücken hellbraun '). Körperlänge 11 — 16 cm. Die überwiegende Mehrzahl der erbeuteten Exemplare (über 30) stammt „aus einem Robben- magen (3. II. 1903)" 8 ) und hat infolgedessen bereits stark gelitten. Besonders läßt die Beschuppung zu wünschen. Indessen erlaubt bei einigen „tot an der Oberfläche treibend" gefundenen Exem- plaren die gute Ausprägung der Schuppen tasclien und die — großenteils — hier vorhandene Erhaltung der Schuppen eine genaue Feststellung der Schuppenformel in den oben angegebenen Werten. x ) Da die Schwanzflossen sämtlich lädiert sind, haben nur die kleineren Längenangaben (ohne C.) Anspruch auf Genauigkeit. 2 ) Im folgenden stets einlach als „Southern Cross" zitiert. 3 ) Selten weniger, bis zu 5 2 / 5 mal. J i Die „Körperlänge" messe ich von der Schnauzenspitze bis zum Ansatz der (mittleren) C. -Flossenstrahlen. Dieses Maß entspricht der „longueur totale" (= total length) bei Boulenger, „Les poissons du bassin du Congo, Brüssel 1901, 8°, p. XLIX. i ohne Unterkiefer zu messen. ') D. h. bis zum Gelenk. Vgl. hierzu Boulenger, op. zit, p. LIV, Figur. 7 ) Die Farbenangaben beziehen sich auf a u s s c hli e ß 1 i c h mit Alkohol konservierte Exemplare. 8 ) Nach der Angabe des Sammlers (Vanhöffen). Pappenheim, Antarktische Fische. 165 Von der für diese. Art von G. A. Boulenger gegebenen Besehreibung unterscheiden sich die mir vorliegenden Exemplare durch geringere Breite des Interorbitalraums, kürzere Brust- und Bauchflossen, kleinere Schuppen (daher schon ohne weiteres höhere Werte in der Schuppen- formel) und etwas abweichende Strahlenzahl in D n und A., sowie ferner in den oben angegebenen Körperproportionen. Es erscheint mir indessen zweifelhaft, ob diesen Unterschieden ein wirklich Textfigur 1. Larve von Pleuragramma, etwa r,'2mal vergrößert. unterscheidender Wert beizumessen ist. da die von Boulenger gegebene Beschreibung auf wenige Stücke basiert ist, deren Erhaltungszustand, wie der Autor der Art ausdrücklich angibt, sehr mangel- haft war. Auch die von der Art gegebene Abbildung soll ja gleichfalls nach der Angabe des Autors, mehr als ,,a restoration" angesehen werden. Viel- leicht kann daher die auf eine größere Anzahl augenscheinlich besser konser- vierter Exemplare basierte Beschreibung der von der Deutschen Südpolar-Ex- pedition erbeuteten Fische zur Ergänzung der ursprünglichen Diagnose dienen. Unter dem Material findet sich eine verhältnismäßig hohe Zahl pa- thologischer Exemplare, sogenannter „Mops-" und „Rundköpfe". Auf diese Art beziehe ich ein größeres Material (über Tausend Exem- plare) etwa 2 cm langer Larven (vgl. Textfigur 1), erbeutet mittelst Brut- netzes (350 m Tiefe) am 22. November und 1. Dezember 1902 bei der Gaussstation. Der After liegt am Ende des ersten Köiperdrittels ; von der spärlichen Pigmentierung fällt besonders eine Gruppe größerer dunkler Zellen am Hinterkopf auf (Textfigur 2). Textfigur 2. Larve von Pleuragramma. Kopf von oben, stärker vergrößert. Farn. Nototkeniidae Notothenia 1 ) Rich. und Tremat o m u s Blgr. Vor der Besprechung der einzelnen Arten dieser beiden auch im Material der Deutschen Südpolar-Expedition reich vertretenen Gattungen muß an der von Boulenger (,. South. Cross", p. 176, 177) gegebenen, ausschließlich auf anatomisch-osteologischer Grundlage basierten Differentialdiagnose der beiden Gattungen Kritik geübt werden. Es sei indessen vorweg be- merkt, daß damit kein Zweifel an der Berechtigung zur Unterscheidung dieser beiden subantark- tischen Genera ausgesprochen werden soll, diese vielmehr auch nach des Bearbeiters Anschauung generell auseinanderzuhalten sind, wenn auch aie von Boulenger zur Charakterisierung ange- zogenen Merkmale nicht ausreichen und irreführen müssen. x ) Zur Etymologie dieses Namens möchte ich bemerken, daß die Angabe Vaillants — Espedition antaretique francaise 1903 — 1905, Poissons, p. 14 — : „t'6tymologie du nom n'est pas donnee, mais il est admissible qu'il vient de: Xötoc, vent austral; o&sv, d'oü." unrichtig ist. Vielmehr gibt Richardsox — Ichthyology of the voyage of H. M. S. Erebus& Terror, London 1848, p. 5 — bei der Aufstellung dieser Gattung ausdrücklich ihr „high soutliem habitat" als Erklärung des Namens an und leitet ihn von voxcu&sv ab, eine Schreibung, die nur in Noxoflsv (von Süden) zu berichtigen bleibt. Jßß Deutsche Südpolar-Expedition. Boulenger unterscheidet in seiner Übersicht der Familie Nototheniidae die beiden Gattungen Trematomus und Notothenia folgendermaßen: „scapular foramen in scapular bone Trematomus Blgr." „scapular foramen between scapula and coracoid Notothenia Rtch." Ich habe nun bei einer Nachprüfung dieser Charaktere festgestellt, daß innerhalb der Gattung Notothenia die Ausbildung des fraglichen Foramen nach Lage, Form und Größe nicht nur unter den Angehörigen e i n e r Art, sondern sogar an ein- und demselben Individuum solchen Schwan- kungen unterworfen ist, daß von einer Verwertung dieses Charakters als Genusmerkmals abgesehen werden muß. Dagegen scheint, auch nach meinen Befunden an einem ziemlich reichen Material, für die Gattung Trematomus (nach Aussonderung des fälschlich hierzugestellten T. bernacchii Blgr., welcher eine echte Notothenia ist s. u.), tatsächlich die rein intrascapulare Lage des fraglichen Foramen einen konstanten Charakter darzustellen. Weil nun aber eine solche Lage, wie unten gezeigt wird, auch innerhalb der Gattung Notothenia vorkommt, so müssen die beiden Gattungen anders charakterisiert werden, da an eine Zusammenziehung dieser beiden zwar einander nahestehenden, aber dennoch typisch unterschiedenen Formenkreise nicht gedacht werden kann. Zunächst aber möchte ich die Begründung für meine kritische Negation der von Boulenger auf osteologischer Grundlage basierten und scheinbar so einfachen Unter- scheidung der beiden Gattungen geben. Ein typisch zwischen Scapula (sc. der Figur) und Coracoid (co) eingeschlossenes Foramen zeigt ein Exemplar von Notothenia microlepidota Hutt. - - Mus. Berol. Pisc. Cat. 10 541 — Fig. 3. Hier lassen die Ausschnitte in der Scapula und dem Coracoid ein großes, herzförmiges Loch frei. Hiermit stimmt ein Exemplar von Notothenia macrocephalus Gthr. — Pisc. Cat. 10 516 Fig. 4 — überein. Textfigur 3. Textfigur 4. Bedeutend reduzierter zeigt sich das entsprechende Foramen bei einem zweiten Exemplar der gleichen Art — der Type der inzwischen von Boulenger mit macrocephalus Gthr. vereinigten Notothenia antarclica Ptrs. (Pisc. Cat. 9386), wie es Figur 5 darstellt. Hier waren offenbar die Ossifikationen an den Schulterknochen bedeutender, sodaß von dem — auf früheren Stadien wahr- scheinlich größeren - - Foramen nur noch ein kleiner herzförmiger Rest übrig geblieben ist, wenn auch seine Lage und Umgrenzung durch beide Knochen noch die typische ist. Etwas anders zeigen diese Verhältnisse die von der Deutschen Südpolar-Expedition erbeuteten Exemplare von Notothenia lepidorhinus P.\rPH. Bei einem Exemplar - - es ist dies gleichzeitig der Fisch mit dem Pappenheim, Antarktische Fische. 167 absolut größten foramen scapulare innerhalb der ganzen Ausbeute — wird das linksseitige Foramen (Figur 6) oben von einem bogigen Ausschnitt des Scapulare umschlossen, unten aber von einem bedeutend flacheren Bogen des Coracoids begrenzt. Auf den rechtsseitigen Schulterknochen dieses Textligur 5. Textfigur (j. Fisches, sowie ferner bei allen andern Exemplaren dieser Ausbeute liegen die Verhältnisse aber schon anders: auf Figur 7 sehen wird das Foramen ganz auf das Scapulare beschränkt und nur noch auf eine kurze Strecke von dem nicht ausgebuchteten Rand des Coracoids begrenzt. Noch stärkere Reduktion des Foramen zeigt ein zweites Exemplar (Figur 8). Hier bildet das Coracoid nur auf eine ganz kleine Strecke die Begrenzung für seinen Unterrand. Den letzten Schritt zeigt uns dann das Exemplar der Figur 9. Textfigur 7. Textfigur 8. Textfieur 9. Hier sehen wir das Foramen durch eine breite Knochenbrücke des Scapulare vom Coracoid abge- drängt, somit zu einem echten ,, foramen scapulare" verwandelt, was Boulenger als Charakter der da- nach benannten Gattung Trematomus betrachtet, wie ich es, dem vorigen Bilde ähnlich, bei einem von der Deutschen Südpolar-Expedition erbeuteten Trematomus finde und in Fig. 10 darstellen kann. Die Figuren 3 — 10 stellen sämtlich genaue Umrißzeichnungen dar, die nur insofern schematisiert sind, als sie auf ungefähr gleiche Größe gebracht und zur Hälfte spiegelbildlich dargestellt sind, um das Verständnis zu erleichtern. Scheinbare Unstimmigkeiten amClavicularrand der Schulterknochen sind dadurch zustande gekommen, daß bei einigen schlecht erhaltenen älteren Präparaten der Zu- sammenhang zwischen Clavicula und den beiden andern Schulterknochen durch Mazeration zer- 168 Deutsche Südpolar-Expedition. stört war, wodurch das ganze Scapulare sichtbar wurde. Da diese Verhältnisse hier gänzlich belanglos erscheinen, wurden sie der Ein- fachheit halber unverändert zur Darstellung gebracht. Die schein- baren Unterschiede in der Ausbildung der Zwischenräume der Radialia (= Pterygiophoren) der Brustflossen erklären sich durch teilweise nicht ganz durchgeführte Abtragung der Schulter muskulatur bei der Prä- paration und sind gleichfalls für die hier in Frage kommenden Ver- hältnisse als unerheblich zu vernachlässigen. Ist so im vorigen der Nachweis geführt, daß die bisher für kenn- zeichnend gehaltene Gattungsmerkmale für Notothenia und Trematomus nur für Trematomus charak- teristisch, dagegen für Notothenia absolut unzutreffend sind, so handelt es sich jetzt darum, die beiden Gattungen auf anderer Grundlage zu definieren. In Anlehnung an die von Günther (Cata- logue of the Acanthopterygian Fishes in the Collection of the British Museum, Vol. II, p. 260) gegebene Gattungsdiagnose möchte ich die beiden Gattungen in folgender Weise gegenüber- stellen: Textfigur 10. Notothenia Trematomus Körpergestalt Mehr oder weniger verlängert, lünten schwach kom- primiert, vorn gerundet, Kopf deprimiert Etwas schief gestellt Vorstehend Aufwärts gerichtet Ktenoid, ziemlich klein Unterbrochen Maulspalte p r i m i e r t , Kopf komprimier t. Maulspalte ziemlich stark geneigt. Vorstehend Unterkiefer Augenachse Schuppen Seitwärts gerichtet. Ktenoid sehr klein. Seitenlinie Rückenflossen Bauchflossen Zähne Mit weichen Strahlen, I von II deutlich abgesetzt Jugular Desgleichen. Jugular. angeordnet, die Vorderzähne etwas stärker, Palatina zahnlos angeordnet, die Vorderzähne durch ihre Form und Größe als canini von den liinteren unter- schieden. Palatina zahnlos. Operculum Mit zwei stumpfen Ecken Winklig gerundet, Hinterrand nach vorn geneigt Sechs Unten vereinigt Vorhanden Feldt Praeoperculum Radii branchiostegi . . Kiemenmembranen. . . Pseudübranclüac Schwimmblase Sanft gerundet, tliiiterrand senkrecht. Sechs. Unten vereinigt. Vorhanden. Fehlt. AppendiceB pyloricae Nasenrühren In geringer Anzahl Sehr lang Ein Foramen entweder zwischen Scapula und Coracoid, von versclüedenster Form und Größe, In geringer Anzahl. Schultergürte] Foramen stets als foramen interscapulare aus- gebildet und auf das Scapulare beschränkt, oder dasselbe nur an der Unterseite der Scapula, oder, als echtes f. interscapulare, auf die Mitte der Scapula beschränkt und vom Coracoid durch eine immer vom Coracoid deutlich getrennt. Crista elavicularis . . . Kopfporenreihen Knochenbrücke getrennt, in diesem Fall wie bei Trematomus Sehr stark ausgeprägt Treten auf der Stirn meist zu einem u n p a a r e n Schwach ausgeprägt. Auch auf der Stirn meist getrennt, in Form Porus zusammen zweier selbständiger Reihen verlaufend. Biologisches .Merkmal ( rrundfisch Schwimmfisch. Pappenheim, Antarktische Fische. 169 Notothenia Rich. N. lepidorhinus Papph. Pappenheim, in „Sitzber. Gesellsch. naturforsch. Freunde Berlin, Nr. 8, Oktober 1911, p. 382/383. (Tat IX, Fig. 1 und Taf. X, Fig. 1 und ta). D. VI-VII 32-33 »); A. 34-36. Sq. 72-82 ^^; L. 1. f^^^ Körperhöhe 4— 4% mal, Kopflänge 3%— 3% mal in Körperlänge (ohne C). Augendurch- messer 3 — 3 3 / 4 mal, Interorbitalbreite 6— 67 3 mal in Kopflänge. Maxillare reicht bis unter den vorderen Linsenrand des Auges (etwa 2 /s des Augendurchmessers). Unterkiefer ragt deutlich über die Oberlippe vor. Kopfoberseite vollständig beschuppt, desgleichen Wangen, Operculum, Praeoperculum, Kinngegend und sogar die radii branchiostegi. Kiemendornen: 16 am unteren Teile des 1. Bogens (+ 8 am oberen Teil). Längste Dorsalstrahlen messen Y 2 Kopflänge oder beinahe soviel 3 ), längste Analstrahlen y 3 — 2 / 5 derselben, die Pectoralen 6 /e, sie enden senkrecht über der Basis des 8. — 10. Analstrahls. Ventralflossen messen % Kopflänge, reichen bis zur Basis des 3. — 5. Analstrahls. Caudale rund abgestutzt. Schwanzstiel etwas höher als lang. Färbung: in frischem Zustand blaugrau mit netzförmig verästelten dunkleren Quer- binden, Kiemendeckel und Schultergegend gelblich angehaucht. Iris chromgelb. Die Membran zwischen den drei vordersten Strahlen der D z dunkelgrau, D„ mit 5 — 6 nicht sehr deutlichen schiefen grauen Binden. (Vgl. hierzu die Farbentafel IX.) In Alkohol konserviert zeigt der Fisch eine h e 1 1 r e h b r a u n e Grundfarbe, die Querbinden dunkler. 5 Exemplare von 16.1 — 24,0 cm Länge (einschließlich Schwanzflosse) an der Winterstation des „Gauss" (Kaiser Wilhelm -II -Land) 1902—1903 in 385 m Tiefe; hierzu rechne ich ferner ein junges Fischchen von 29 mm Länge, das am 20. Juni 1902 mittelst Brutnetzes aus 350 m Tiefe gefangen wurde. Die Fangdaten der einzelnen Tiere sind auf der Tabelle angegeben. Zur Type bestimme ich das Exemplar von 24 cm Länge. Die neue Art steht zwischen N. tessellata Rich. einerseits und N. hansoni und bemachii (Bou- lenger) andrerseits. Von tessellata Rich. — mir liegen Exemplare von Feuerland vor (Beagle Kanal, Sammler Plate) — unterscheidet sie sich leicht: das Auge ist bedeutend größer (1 V^nial), die Beschuppung am Kopf weiter ausgedehnt, sie reicht über die ganze Schnauze bis zur Ober- lippe und erstreckt sich über die Wangen, Kiemendeckel und sogar die radii branchiostegi. Die Schuppen auf Interorbitalraum und Wangen sind bedeutend größer als bei tessellata, auch sind die Schuppen stärker ctenoid als bei dieser Art. Ferner besitzt sie schlankere Zähne und längere und etwas anders geformte P. und V., einen längeren und eleganteren Schwanzstiel. Die Occipital- und Nuchalregion sind deutlich stärker konvex als bei tessellata. Was die Beziehungen der Art zu N. hansoni und bernacchii (Blgr.) anlangt, so sei vorweg bemerkt, daß ich diese beiden Arten im Gegensatz zu Boulenger — der sie als „Trematomus' *) Das kleinste Exemplar von 16,1 cm Länge hat hier DVII 38. 2 ) Auf der farbigen Tafel — IX, Fig. 1 — ist die Schuppenzahl und L. 1. nicht genau wiedergegeben. 3 ) Diese und die folgenden Maße beziehen sich nur auf die drei größten Exemplare. Deutsche Südpolar-EipditioD. XIII. Zoologie V. 22 KV 170 Deutsche Südpolar-Expedition. hansoni und „T." bernachii beschreibt („Southern Cross" p. 177 und 180/81) zu Notothenia stellen muß. Die Untersuchung der Schulterknochen an drei Exemplaren der zweiten Art — mir liegen Originalstücke vom Kap Adare vor, die das Berliner Museum seinerzeit durch die Güte der Baro- nesse Newnes erhielt - - beweisen keineswegs die Zugehörigkeit dieser Art zur Gattung Trema- tomus, und ebenso glaube ich auch den dieser Art nahestehenden „Tremqtomus" hansoni auf Grund der Beschreibung und Abbildung in „Southern Cross" (p. 180 u. pl. XIII) als Notothenia ansprechen zu müssen. Von N. hansoni Blgr. unterscheidet sich N. lepidorhinus durch schmaleren Interorbital- raum, ferner durch höhere Strahlenzahl inD n , durch den die Oberlippe überragenden Unterkiefer, längere P. und abweichende Färbung, von N. bernachii Blgr. durch höhere Strahlenzahl in D T , längere P. undV., längeren und niedrigeren, früher verjüngten Schwanzstiel, eine vorn (am Kopf ) stärker geknickte L: 1., vollständig beschuppte Kiemendeckel mit kleineren Poren, und auch in der Occipitalgegend stark ctenoide Schuppen. Notothenia lepidorhinus Papph. Länge in cm A Körperhöhe Kopflänge Augendureh- Interorbital- Datum a) mit 1 .-, , . Caudale b) ohne | Di D„ in Kürper- länge in Körperige. niesses in Kopf länge breite in Kopflänge des Fanges 24,00 (20,5) 6 33 36 4,2 3,7 3,2 6,1 4. XL 1902, 385 m 23,7 (20,5) 6 32 36 4,2 3,7 3,4 6,1 3. XL 1902, 385 m 21,5 (18,6) 7 33 36 4,1 3,5 3,5 5,9 \ 18. XI. 1902, 18,6 (15,9) 6 32 35 4,1 3,6 3,1 6,3 J Reuse 385 m .30. VI. 1902 Brut- 16,1 (13,8) 7 38 34 4,5 3,4 3,7 0,3 | netz mit Köder | 385 m N. coriiceps Rieh. (Tafel IX, Fig. 2.) J. Richardson, in „Ichthyology of the voyage of H. M. S. Erebus & Terror, p. 5, pl. III, fig. 1 u. 2. London 1848. Hierzu gehört die überwiegende Mehrzahl der auf Kerguelen erbeuteten Notothenien, näm- lich 78 Exemplare, von 4,2 bis 16,0 cm Körperlänge (einschl. C. gemessen). Sie stammen aus der „unteren Region der Ebbezone, unter Steinen u.a." (Dr. Werth), kleine Exemplare vom Januar 1902 schienen vorwiegend zwischen Macrocystis zu leben. Ich konnte feststellen D 1 4 — 5, D n 34—36, A (29) 30—31 (32). Leider hat die Formalinkonservierung der Mehrzahl die Bestimmungsarbeit ganz erheblich erschwert und bereitet der Vergleichung dieses Materials mit alkoholkonservierten Exemplaren älterer Museumsbestände ganz unverhältnismäßig große Schwierigkeiten, die sich bei der alther- gebrachten und für Zwecke der systematischen Bearbeitung allein geeigneten Alkoholkonservierung lei< lit hätte vermeiden lassen. An den vorliegenden Exemplaren ist z. B. die ganze, bei dieser Art schon von Natur stark entwickelte Kopfhaut („coriiceps") derartig gequollen, daß die Schuppen der Randpartien der Wangengegend, ein systematisches Merkmal, nur mit Mühe erkennbar sind, auch an den Exemplaren, bei denen sie verhältnismäßig reichlich zur Ausbildung gekommen sind. Ebenso macht die übermäßige starke Quellung der Mundschleimhaut die Untersuchung der Zähne Pappenheim, Antarktische Fische. 171 sehr schwierig und erschwert durch Fixierung der Bänder und Muskeln der Kieler das Öffnen des Maules und damit die Möglichkeit, einen Abdruck des Gebisses in Plastilin zu nehmen. Bei der geringsten Manipulation am geschlossenen Maul findet bereits eine Verletzung der Kieferknochen statt. Daß außerdem die Feststellung der Flossen- und Schuppenformeln bedeutend erschwert wird, mag nur nebenher erwähnt werden. N. cyauobrancha Rieh. J. Richardson, Ichthyol. Ereb. & Terror (siehe oben) p. 7, pl. IV, fig. 1 und 2. Von dieser Art liegen mir nur neun Exemplare vor von 3,7 — 10,0 cm Länge. Ich unterscheide sie von der vorigen Art an der dichten und vollständigen Beschuppung auf dem Praeopercular- raum („cheek" bei Boulenger in „Southern Cross" p. 183). Dagegen vermag ich nicht die von Vaillant angegebenen Unterschiede in der Länge des V. zwischen beiden Arten zu entdecken; auch bei den größten Exemplaren (16 cm) der vorigen Art mißt die V. etwa % Kopflänge, also wesentlich mehr als Vaillant zuläßt (51%). Von der vorliegenden Art habe ich leider nur Exem- plare „de petite taille" (Vaillant, Expedit. Antarct. Francaise (1903—05), Poissons p. 27) zur Verfügung. F u n d o r t : Observatory-Bay auf Kerguelen, 6 Exemplare vom 18. November 1902. zwei vom 26. od. 27. Juli desselben Jahres, die letzteren beiden Fische „in der unteren Region der Ebbe- zone, unter Steinen und dgl." (Werth), der kleinste Fisch vom 4. November 1902, ebenda. N. acuta Gthr. (Taf. IX, Fig. 3.) Günther, A. Report on the Shore Fishes procured during the Voyage of H. M. S. C h a 1 1 e n g e r in the Years 1873 — 76, p. 17. (Eine Abbildung des Fisches scheint bisher noch nicht zu existieren.) Es liegen 2 Exemplare vor von 11.9 bzw. 11,6 cm Länge (mit C), bei den ich feststellen konnte: D 1 7. D n 29—30, A 31 und D L 6 D n 28, A 28. Fundort : Das größere Exemplar Observatory-Bay, 16. I. 1902, in Reuse; das kleinere ebendaher, 11. VIII. 1902, aus Aalkorb; Kerguelen. Trematomus Blgr. Boulenger, in „Southern Gross" p. 177. T. borchgrevinki Blgr. Boulenger, op. cit. p. 177, 179 und PI. XII. 80 Exemplare von 10.2 — 27,8 cm Länge (einschließlich C), außerdem 8 ganz jugendliche von 2,9 (einschl. C.) bis 5,6 cm Länge. Für eine Anzahl habe ich auf der unten folgenden Tabelle die Werte für die Flossenformeln u.a. angegeben. Die Anzahl der Kiemendornen schwankt nach meinen Zählungen zwischen 15 imd 19, während Boulenger (op. cit.) 18 — 20 angibt. Die Fische stimmen gut mit der Beschreibung und Abbildimg in „Southern Cross" überein. Es liegen im ganzen 80 Exemplare vor. Fundort : Winterstation des „Gauss", 1902, 1903, an der Oberfläche. Es scheint sich bei dieser Art um einen leidlich guten S c h w i m m e r zu handeln. 22* 172 Deutsche Siidpolar-Expedition. Treinatomus borchgrevinki Blgr. r Robbe durch den begonnenen Verdauungsakt gelitten. Indessen sind die zur Bestimmung notwendigen Charaktere sämtlich noch erhalten, auch die „hellebardenförmige" Ausbildung („lochaber axe" bei Boulenger, p. 3) des obersten Opercularstachels gut erkennbar. Übrigens ragt bei diesem Exemplar der Unterkiefer deutlich über die Oberlippe vor, während Boulenger (p. 3) angibt: „jaws equal in front". Außerdem liegt ein Schädelfragment mit Unterkiefer vor, in sehr schlechter Verfassung, vom gleichen Fundort ohne nähere Bezeichnung. Schädellänge 4,5 cm. Auch hier scheint der Unter- kiefer vorzuragen. Zu dieser Art gehört noch ein junger Fisch von 3,2 (bzw. 2,9) cm Länge, gefangen am 4. April L902 in der Winterstation mittelst Brutnetz in 350 m Tiefe. Er stimmt mit der Beschreibung und Abbildung bei Boulenger (p. 4 und pl. II) gut überein. Der Unterkiefer ragt auch hier vor. ') Ohne diese nur 20,0 cm. Pappenheim, Antarktische Fische. 175 Die rechtsseitige Präparation der Schulterpartie bei dem größten Exemplar zeigte mir, daß das foramen scapulare bei Champsocephalus ganz so wie bei Notothenia gelegen ist, nur hat es eine viel schmalere, langelliptische Form, so daß man eher von einer „Spalte" sprechen müßte. Aller- dings kann ich bei so spärlichem Material nicht entscheiden, ob diese Art der Ausbildung die typische ist, oder ob auch hier solche Schwankungen vorkommen, wie bei Notothenia (vgl. p. 166—168). Pagetodes Rich. J. Richardson, in „Erebus & Terror" p. 15. Cryodraco Dollo, in Bullet. Aeacl royale Belgique [Classe des Sciences], no. 2 [fevries] 1900, p. 4. In Übereinstimmung mit L. Vaillant (,,Poissons" in „Expedition Antarctique Francaise [1903 — 05] p. 5) halte ich die von Dollo (op. cit.) aufgestellte Gattung Cryodraco für identisch mit der von Richardson (op. cit.) skizzierten Gattung Pagetodes und gebe infolgedessen diesem Namen den Vorzug, ohne damit das Verdienst von Dollo zu verkennen, eine ausführlichere Charak- teristik dieser durch Richardson nur skizzenhaft beschriebenen l ) Gattung und eine brauchbare Abbildung gegeben zu haben. Aber es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß diese Gattungen auf eine reduziert werden müssen, und — ohne sonst ein Anhänger des absoluten Prioritätsprinzips zu sein — halte ich in diesem Falle die Anwendung des älteren Namens für das nomenklatorisch Einfachste, wie es auch Vaillant (op. cit.) tut. P. antareticus (Dollo). Cryodraco antareticus Dollo, op. cit. p. 5—12, und „Poissons" in „Expedition Antarctique Beige, Resultats du voyage du S. Y. Belgica en 1897—99, Zoologie", p. 20—24, und pl. I, III, V, VI. Von dieser interessanten antarktischen Art liegen mir drei Exemplare vor, von 16,8, 6,9 und 3,0 cm Länge (bei den größeren ohne die defekte C. gemessen). Ich muß sie getrennt besprechen. a) aus einem Robbenmagen, erbeutet am 23. Januar 1903 bei der Winterstation des „Gauss". Länge 16,8 cm. Dieser Fisch entspricht gut der von Dollo (op. cit.) gegebenen Gattungsdiagnose. Nur zeigt mein Exemplar die Interorbitalbreite (16 mm) etwas größer, als die Länge des größten Augen - durchmessers beiderseits (13 mm) beträgt. Die Zahl der D- Strahlen bei einer bisher in so wenigen Exemplaren vorliegenden Art in die G a 1 1 u n g s diagnose aufzunehmen, erscheint mir von vorn- herein bedenklich; deshalb sehe ich auch in einer geringen Abweichimg von der Zahl der „harten" Strahlen in Dj „rayons simples flexibles (epines atrophiees) sans membrane interradiale" (Dollo) keinen Grund, an der Zugehörigkeit zu dieser Gattung zu zweifeln. Im einzelnen stelle ich an dem Exemplar fest: D x 5 D n 45 Dollo: gegenüber III 44 A 39 43 V 2/5 I 5 P 22 25 Die Strahlen in D x sind bei meinem Exemplar bedeutend länger als bei dem der „Belgica". Der längste (der zweite) mißt fast 2 / 5 der Kopflänge, der nächste (dritte) ist nur ganz wenig kürzer. Augenscheinlich hat Dollo bei den V. den ersten, rudimentären h a r t e n Strahl übersehen. Dagegen ') Immerhin müssen die von Richardson gegebenen Maß Verhältnisse des bald nach erfolgter Messung verloren gegan- genen Fisches durchaus als Beschreibung angesehen werden, wodurch auch der formale Einwand Dollos hinfällig wird, die — allerdings fehlerhafte — Abbildung von Pagetodes sei „ne pas aecompagnö d'une description qui y supplee". 17ß Deutsche Siidpolar-Expedition. fehlt meinem Exemplar die eigentümliche Verlängerung der mittleren weichen Strahlen, die aber im Robbenmagen verloren gegangen sein kann. Das Exemplar zeigt außerdem unmittelbar hinter dem Schädel eine bucklige Verbildung der Wirbelsäule, wodurch die ganze Körperform eine sagittale Krümmung erhält, deren Bogen nach oben konvex gekrümmt ist. Infolge dieser Mißbildung zeigen die Körperproportionen einige geringfügige Abweichungen gegen- über den Angaben von Dollo; indessen stimmen gut die Kopf breite und die Schnauzenlänge in ihrem Verhältnis zur Kopflänge. Abweichend von den DoLLOschen Angaben ist nur die Beschaffen- heit der V. Sie stimmt leidlich zu dem schlechten Bild von Pagetodes bei Richardson (op. cit., fishes pl. VIII) und läßt die extreme Verlängerung des 2. und 3. Strahls (in der Zählung von Dollo, bei mir = 3. und 4.) gänzlich vermissen, zeigt dagegen eine ziemlich gleichmäßige Ausbildung sämtlicher Strahlen. Es reichen bei meinem Exemplar der 2. und 3. Strahl, die die Spitze der ganzen Flosse bilden, nur bis unter den Ansatz des 14. Strahls von D n . Vielleicht handelt es sich bei der merkwürdigenVerlängerung des Exemplares der „Belgica" um einen sekundären Geschlechtscharakter. Ich sehe indessen trotz dieser Abweichungen keinen Grund, an der Zugehörigkeit meines Exemplars zu P. antarcticus (Dollo) zu zweifeln. b) 6,9 cm lang, gefangen mit Vertikalnetz (350 m) bei der Winterstation des „Gauss" am 22. Dezember 1902. Hier finde ich: D x 4 D n 31, A 31, V. 1/5 (ob auch 2/5 wie bei dem großen Exemplar?). Dieses Exemplar stimmt noch besser zu der von Dollo (op. cit.) gegebenen Abbildung. Es hat die kurzen Strahlen in Dj, etwas längere V.- Strahlen mit der charakteristischen Schwarzfärbung, aber auch ohne die Verkümmerung der hinteren Strahlen, wie sie die DoLLOsche Abbildung zeigt. Auf diese Art beziehen sich übrigens die Notizen Vanhöffens über das Vorkommen von „Chaenichthys" (Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde 1903. Heft V Biologischer Bericht S. 148 und 151), die dann von Dollo (op. cit. p. 128) bei ,,Ch. indetermine" zitiert Würden, c) 30 mm, gefangen mit Brutnetz aus 370 m am 25. Fehruar 1902. Gymnodraco Blgr. G. A. Boulenger, in „Southern Cross" p. 18ü. E. Vanhöffen, Verüffentl. d. Tust, für Meereskunde 1903 Heft V S. 148, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1904 S. 368 Abb. 30. 6. acuticeps Blgr. (Taf. LX, Fig. 4.) Boui.enger, op. cit. p. 186 und pl. XVII. Von dieser Art, die erst 1900 vom „Southern Gross" bei Cap Adare erbeutet wurde, liegt jetzt das zweite Exemplar von 20,0 (ohne C. 17,5) cm Länge, vor, welches am 12. Januar 1903 mittelst Oberfiächenreuse in einer Eisspalte bei der Winterstation des „Gauss" gefangen wurde. Ich finde D 29, A 22, dazu hier ein rudimentärer Strahl zwischen dem 14. und 15. Strahl. Im übrigen stimmt das vorliegende Exemplar bis auf unwesentliche Abweichungen zu der Beschreibung und Abbildung von Boulenger (op. cit.). Vgl. die farbige Abbildung auf Tafel IX, Figur 4. Deutsche Südpolar-Expedition 1901-3 Band xiii Tafel ix <■ «k ±y%&Z;°\%i&&i&iJ* /. Notothenia lepidorhinm Papph. 2. Noh iiceps Ri Vototkenia acuta Gthr. 4. Gipnnod Rarpagifer bispin, G. Lycodichthy.i antarcticns Papph. Deutsche Süopolar- Expedition. 1901-3. Band XIII Tafel X. 2a 1a :s — -^ _ ,• ~^- — ~ ^ " _ 3V;V Verlag von Georg Reimer in Berllr 1 Notothenia lepidorhinus Papph. 1a dgl. Kopf von oben. 2 Lycodes bothrioeephalus sp. n. 2a dgl. Kopf von oben. 3 Lycodes brachycephalus sp. n. 4 Lycodichthys antareticus Papph. Pappenheim, Antarktische Fische. 177 Harpagifer Rich. J. Richardson, in „Erebus & Terror" p. 11. H. bispinis (Bl. Sohn.) Tafel IX, Fig. 5a und 5b. Vgl. Günther, Cat. Fish.